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Happy Birthday, Macintosh! Der Mac wird 35

24.01.2019 | 11:18 Uhr | Peter Müller

24. Januar ist ein besonderer Tag in der Geschichte von Apple. Heute vor 35 Jahren wurde der Mac vorgestellt.

"Sorry, no beige": So offensiv und farbenfröhlich bewarb Apple seinen iMac ab 1998. Warum mussten Rechner eigentlich alle die gleiche Farbe haben? Gute Frage. Die Antwort: Weil Apple diesen Farbton beige etabliert hat und zum Quasi-Standard machte. Schon mit dem Apple II, der diesen damals ungewöhnlichen und später verpönten Farbton zeigte und noch mehr mit dem Macintosh, heute vor 35 Jahren, am 24. Januar 1984. Nun soll man Regeln erst dann brechen, wenn man bessere zu bieten hat – und die neue Regel, dass Consumer-Rechner knallbunt sein sollten, hatte erneut Apple ein paar Jahre später wieder kassiert respektive in die heutige mit dezenten Eloxierungen für Aluminiumgehäuse übersetzt.

Regeln brach der Mac aber noch viele weitere – und diese nachhaltig. Dass ein Computer auf dem Schreibtisch nur in Zusammenarbeit mit einem Mainframe funktionieren kann, beispielsweise. Oder dass man zur Bedienung des persönlichen Rechners jede Menge Befehle eintippt, die man am Besten alle auswendig kann. Oder dass man zu einer bestimmten Stelle auf dem Bildschirm nur mit den Pfeiltasten kommt, die auf jeder Tastatur ihren Platz hatten. Oder dass ein Computer einfach nur still ist, ein totes Stück Plastik, Metall, Glas und Elektronik.

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Heute ist es also 35 Jahre her, als der damals nicht ganz 29-jährige Steve Jobs den Macintosh aus seiner unspektakulären Hülle zog und ihn zum versammelten Publikum der Apple-Aktionärsversammlung im Flint-Center zu Cupertino sprechen ließ. Der alle Regeln brechende Rechner versprach nicht weniger als eine tief greifende Revolution, der Computer solle nun in die Hände von jedermann kommen und sich ohne langwierig zu erwerbende Kenntnisse bedienen lassen. "Big Brother" aus dem Werbespot vom Sonntag davor, das war ein Symbol für das große, unflexible, ja, als diktatorisch empfundene Unternehmen IBM, dessen Rechner nur von Spezialisten bedienbar waren und von Lohnsklaven an Terminals mit Daten gefüttert wurden.

Nun, ganz so war es ja dann doch nicht – nur passte Apple dieses Bild wunderbar in den Kram. IBM hatte zu jener Zeit längst auch persönliche Computer herausgebracht und den Begriff des PC damit überhaupt erst geprägt. Der IBM-PC war jedoch eine Reaktion auf den Apple II, mit dem das Start-Up aus Kalifornien schon sieben Jahre vor dem Macintosh das Weltbild des Computings auf den Kopf gestellt und die Farbe beige eingeführt hatte.

Der Mac war aber nun endlich die wirklich persönliche Maschine, die man sich im Silicon Valley und anderswo erträumt hatte. Die Rede des Computers zu seiner Geburt war aber nicht von der künstlichen Intelligenz der Maschine erzeugt, sondern von seinen Entwicklern um Andy Hertzfeld geschrieben, so richtig spricht der Mac erst heute via Siri mit seinen Nutzern – auf einem immer noch überschaubaren Niveau.

Aber anders als ein Jahr zuvor mit der Lisa war es Apple mit dem Mac gelungen, das Konzept der grafischen Oberfläche zu einem vernünftigen Preis auf den Markt zu bringen. Man musste nicht mehr stunden- tage- und wochenlang Befehle lernen, um mit der Maschine etwas anfangen zu können, sondern blickte sich auf dem Bildschirm einfach um und erkannte die Ähnlichkeit zum Schreibtisch, zu Aktenschränken und -ordern – sogar an dem im Büro einfach unvermeidlichen Papierkorb hatte Apple gedacht. Der Preis: 2.500 US-Dollar. Klingt erst einmal nicht so teuer, aber im Jahr 1984 war der US-Dollar so stark wie kaum seit dem zweiten Weltkrieg, in Deutschland kostete die Maschine so um die 10.000 Mark – so viel zum Thema "Jedermanncomputer".

Der Mac hätte indes sogar nur um die 500 US-Dollar kosten dürfen, war der ursprüngliche Gedanke des Apple-Ingenieurs Jef Raskin. Aber seit Steve Jobs das Projekt an sich gerissen hatte, wurden die Anforderungen an die Maschine immer größer – aus heutiger Sicht die richtige Entscheidung. 35 Jahre ist kein Alter, nicht einmal für eine Maschine. Daher sagen wir heute: Happy Birthday, Macintosh! Auf die nächsten 35 und noch viel mehr!

Unsere Geschichte zum 34. Geburtstag des Mac könne Sie hier nachlesen.

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