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Handy statt Schlüssel: Nuki Smart Lock - Smart-Home-Türschloss im Test

17.05.2018 | 10:30 Uhr |

Das intelligente Türschloss von Nuki macht das Smartphone zum Schlüssel und soll das Leben ein Stück einfacher und sicherer machen. Wir hatten das Smart-Home-Gerät mehrere Monate lang im Praxis-Test.

Die Bezeichnung „smartes Türschloss“ für das Nuki Smart Lock ist fast schon übertrieben. Denn eigentlich handelt es sich bei diesem Smarthome-Gerät um einen smarten, motorisierten „Türschlüsseldreher“, der sich kabellos mit dem Smartphone steuern lässt. Große Umbauten an der Tür selbst sind häufig nicht nötig. In unserer Testphase haben wir allerdings herausgefunden, dass das Türschloss erst durch die optional erhältliche WLAN-Bridge sein volles Potenzial ausspielen kann.

TEST-FAZIT: Nuki Smart Lock

Das Nuki Smart Lock erreicht genau das, was wir uns von einem Smarthome-Gerät erwarten: Es soll sich so nahtlos in den Alltag einfügen, dass es sich kaum noch bemerkbar macht und unser Leben noch ein Stückchen bequemer und auch sicherer machen. Im Gegenteil, wir würden es schmerzlich vermissen, wenn das Gerät nicht mehr das Schlüsseldrehen übernehmen würde. Hervorzuheben sind auch die wirklich sehr einfache Installation des Smart Locks und die allzeit selbsterklärende Benutzerführung in der App. In unseren vier Monaten mit dem Smart Lock gab es auch mehrere Updates, sowohl für die App, als auch für die Firmware des Geräts selbst. Das zeigt, dass der Hersteller also noch fleißig am Feintuning sitzt.

Nur leider bittet Nuki ordentlich zur Kasse, knapp 230 Euro sind dann doch eine ordentliche Stange Geld. Und um das volle Potenzial des Smart Locks ausnutzen zu können, ist die optionale WLAN-Bridge vonnöten, die zusätzlich mit 99 Euro zu Buche schlägt – für rund 330 Euro sollte man sich wirklich genau überlegen, ob einem die Komfort-Features wirklich so viel wert sind. Immerhin bietet Nuki die beiden Geräte auch im deutlich vergünstigten Bundle an. Der letzte Kritikpunkt ist die hohe Betriebslautstärke bei den Drehvorgängen, was sich aber tatsächlich noch verschmerzen lässt, solange sich die mit dem Nuki Smart Lock ausgestattete Tür nicht unbedingt neben dem Schlafzimmer befindet.

Pro:

+ innovativer Lösungsansatz

+ tadellose, unkomplizierte Benutzerführung und Montage

+ meistens kein Umbau der Tür nötig

Contra:

- alle Funktionen nur mit optionaler, teurer Bridge

- hohes Betriebsgeräusch während der Schließvorgänge

- hoher Preis

Das Nuki Smart Lock erhält den PC-WELT-Award "Innovative Technik".
Vergrößern Das Nuki Smart Lock erhält den PC-WELT-Award "Innovative Technik".

Nuki Smart Lock: Ausstattung und Technik

Beim Smart Lock selbst handelt es sich um einen Alu-Drehknauf mit integriertem LED-Leuchtring und Knopf sowie einem Motor, der seine Energie über vier mitgelieferte, handelsübliche AA-Batterien bezieht. Die Drahtlos-Kommunikation mit den Mobilgeräten erfolgt über ein eingebautes Bluetooth-4.0-Modul. Kostenpunkt für das Smart Lock: stolze 225 Euro.

Das Nuki Smart Lock selbst verfolgt einen interessanten, unkomplizierten Ansatz: Es handelt sich quasi um einen Motor, der den eingesteckten Schlüssel dreht.
Vergrößern Das Nuki Smart Lock selbst verfolgt einen interessanten, unkomplizierten Ansatz: Es handelt sich quasi um einen Motor, der den eingesteckten Schlüssel dreht.
© Friedrich Stiemer

Gegen Aufpreis gibt es auch einen kompakten Bluetooth-Anhänger namens Fob , der das Smart Lock auf Knopfdruck und ohne Smartphone zum Aufschließen der Tür bewegen kann. Mit einem Preis von 39 Euro ist aber auch der Fob nicht gerade ein Schnäppchen.

Der Nuki Fob ist ein kleiner Blietooth-Anhänger, der per Knopfdruck die Tür aufschließen kann. Ein Smartphone ist in diesem Fall nicht dringend notwendig.
Vergrößern Der Nuki Fob ist ein kleiner Blietooth-Anhänger, der per Knopfdruck die Tür aufschließen kann. Ein Smartphone ist in diesem Fall nicht dringend notwendig.
© Nuki

Das dritte Zusatzgerät ist die Nuki Bridge : Ein kleines Modul mit Knopf und LED-Ring, der in die Steckdose kommt, sich via Bluetooth mit dem Smart Lock verbindet und dank WLAN-Anbindung das Türschloss erst so richtig smart macht. Das bedeutet aber auch eine weitere Investition von satten 100 Euro, um auch alle Komfortfunktionen des Smart Locks nutzen zu können.

Erst die Nuki Bridge verbindet das Smart Lock via WLAN mit dem Internet und erlaubt somit die Nutzung aller Komfort-Funktionen.
Vergrößern Erst die Nuki Bridge verbindet das Smart Lock via WLAN mit dem Internet und erlaubt somit die Nutzung aller Komfort-Funktionen.
© Nuki

Alles in allem sind die Produkte von Nuki also recht hochpreisig. Wir haben für unsere Tests alle drei Geräte bekommen. Immerhin sind alle Geräte tadellos verarbeitet und der Hersteller setzt stellenweise auch auf robuste, hochwertige Materialien wie Aluminium, was die Preisgestaltung zumindest etwas nachvollziehbarer macht.

Installation: Einfach, wenn alles passt

Das Anbringen des Smart Lock an unserer Haustür haben wir in wenigen Minuten erledigt, weil wir keinen Schließzylinder tauschen müssen. Denn idealerweise beherrscht letzterer auch die sogenannte „Not- und Gefahrenfunktion“, bei der sich die Tür immer noch auf- und abschließen lässt, wenn auf der gegenüberliegenden Seite schon ein Schlüssel steckt. Denn wie eingangs bereits erwähnt, muss der Schlüssel beim Nuki Smart Lock im Türschloss verbleiben.

Nuki stellt auch ein Schritt-für-Schritt-Video zur Verfügung (weiter unten). Wir mussten zu Platte B mit einer selbstklebenden Rückseite greifen, da unser Schließzylinder plan mit dem Türbeschlag abschließt. Sehr schön finden wir auch, dass der Hersteller interessierten Käufern einen Online-Fragebogen zur Verfügung stellt, der anhand verschiedener Fragen und Antworten schon vor dem Kauf prüft, ob das Smart Lock auch an Ihre Tür passt. Und selbst wenn Sie dann doch den Schließzylinder tauschen müssen, dann ist das ebenfalls keine aufwendige Arbeit. Mieter müssen hier aber zwingend ihren Vermieter fragen.

Auch die Einrichtung über die Smartphone-App (für iOS und Android) geht selbsterklärend von der Hand. Danach lässt sich das Smart Lock per Wischgesten in der App oder Knopfdruck am Knauf auch schließen und öffnen. Sollten die Batterien oder der Motor versagen, besteht immer noch die Möglichkeit, den Knauf zu drehen, um die Tür auch manuell von beiden Seiten zu öffnen. Der LED-Leuchtring dient im Übrigen als Statusanzeige und informiert Sie darüber, ob die Tür nun abgeschlossen oder offen ist und ob eventuell ein Problem besteht, ohne dafür extra sein Smartphone zücken zu müssen. So reicht ein kurzer Blick im Vorbeigehen anstelle wild an der Tür zu rütteln.

Ähnlich wie die Montage des Smart Locks ist auch die Einrichtung in der App ziemlich einfach und selbsterklärend.
Vergrößern Ähnlich wie die Montage des Smart Locks ist auch die Einrichtung in der App ziemlich einfach und selbsterklärend.

Aufsperren, ohne das Smartphone überhaupt in die Hand nehmen zu müssen

Außerdem sperrt das Smart Lock fortan automatisch die Tür auf, sobald Sie sich der Tür von außen nähern, nämlich sobald Sie in Bluetooth-Reichweite mit dem Smartphone kommen. Hierfür müssen Sie also nicht einmal das Mobilgerät aus der Hosentasche nehmen, was sehr komfortabel ist. Alternativ lässt sich die Tür auch per Knopfdruck über den Bluetooth-Anhänger Fob öffnen, sollten Sie sich einen zugelegt haben. In unseren Tests hat das bis auf wenige Ausnahmen funktioniert. Denn manchmal legt Android die Nuki-App schlafen, weshalb Sie hier unbedingt daran denken sollten, eine Ausnahme hinzuzufügen, damit es reibungslos funktioniert.

Das Nuki Smart Lock bezieht seine Energie über vier handelsübliche AA-Batterien, die sich auch im Lieferumfang befinden.
Vergrößern Das Nuki Smart Lock bezieht seine Energie über vier handelsübliche AA-Batterien, die sich auch im Lieferumfang befinden.
© Nuki

Doch auch ohne digitale Technik lässt sich die Tür auf- und zusperren: Wenn Sie das Zuhause verlassen, tippen Sie einfach zweimal hintereinander auf den Knopf im Knauf und ziehen die Tür zu. Innerhalb von 20 Sekunden (definierbar) schließt das Smart Lock dann die Tür. Diese Funktion hört auf die Bezeichnung „Lock ’n’ Go“. Alternativ können Sie das auch übers Smartphone erledigen, aber so ist es unserer Meinung nach etwas komfortabler.

Und ja, Nuki Smart Lock lässt sich auch mit Diensten wie Amazon Alexa und Google Assistant per Sprache bedienen und somit auch in bestehende Smarthome-Lösungen integrieren. Möglich ist auch die Eingliederung des smarten Türschlosses in den Automatisierungsdienst IFTTT (If this then that), um beispielsweise auch gleich ganze Befehlsketten bei bestimmten Aktionen ausführen zu lassen.

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Alle Komfort-Features erst mit der Nuki Bridge

Alle Funktionen des Smart Locks lassen sich allerdings erst mit der zusätzlichen Nuki Bridge entfalten. Auch hier klappt die Einrichtung sehr einfach und schnell. Wichtig ist nur, dass der Stecker in maximal fünf Metern Entfernung zum Smart Lock in eine Steckdose gesteckt wird, da die Kommunikation mit dem smarten Schloss über Bluetooth erfolgt. Allerdings bedeutet die Bridge eben eine zusätzliche Investition von fast 100 Euro! Alternativ lässt sich auch ein ausrangiertes respektive ungenutztes Android-Smartphone als Bridge einsetzen, wenn die Installation der entsprechenden App erfolgt. So kommen Sie auch ohne zusätzliches Geldausgeben davon.

Erst zusammen mit der Bridge kann das Smart Lock sein volles Potenzial entfalten.
Vergrößern Erst zusammen mit der Bridge kann das Smart Lock sein volles Potenzial entfalten.
© Nuki

Dann lässt sich das Smart Lock auch noch über die App aus der Ferne bedienen: Sie können checken, ob die Tür tatsächlich abgesperrt ist, können Sie gegebenenfalls schließen oder öffnen, wenn jemand in ihrer Abwesenheit ins Haus muss. Zusätzlich lassen sich auch permanente, zeitliche, wiederkehrende oder auch einmalige Zutrittsberechtigungen vergeben. Beispielsweise für Handwerker, Pflegedienste oder Familienmitglieder, die dann aber auch die App auf ihrem Smartphone benötigen.

Ob und wie viele Personen gewillt sind, das zu tun, bleibt jedoch fraglich. Die wohl gängigste Variante wird wohl daraus bestehen, dass derjenige, der vor verschlossener Tür steht, Sie kurz anruft oder Ihnen eine Nachricht schickt und Sie die Tür dann per App öffnen. Das setzt aber auch grundsätzlich einiges an Vertrauen voraus, vor allem bei fremden Dienstleistern.

In der Nuki-App lassen sich auch Zutrittsberechtigungen vergeben, die sich ziemlich genau einstellen lassen.
Vergrößern In der Nuki-App lassen sich auch Zutrittsberechtigungen vergeben, die sich ziemlich genau einstellen lassen.

Nuki Smart Lock mit der Bridge im Alltag

Der erste Moment, wenn man vom Einkauf zurückkommt, in je einer Hand eine schwere Tragetasche, und sich die Tür wie von Zauberhand öffnet, war tatsächlich beeindruckend. Und diese Funktion klappte auch in neun von zehn Fällen also recht zuverlässig. Das ein oder andere Mal mussten wir die App explizit aufrufen, aber mit dem schnöden, alten Schlüssel haben wir seit der Installation nie wieder unsere Haustür geöffnet. Auch das Öffnen aus der Ferne klappte wunderbar, genau wie die Vergabe der Zugangsrechte. Besonders nervöse Zeitgenossen können somit auch checken, ob die Tür tatsächlich abgeschlossen wurde.

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Smart Home - darum geht es.

Smart Home umschreibt einen der vermutlich am stärksten wachsenden Trends der Zukunft: Intelligente Geräte und Haus-Steuerungssysteme, die Ihnen Ihr Leben erleichtern sollen. Denkbar und vielfach bereits erhältlich sind dabei Lösungen wie Einbruchschutz oder Sets zum Stromsparen. Oder Intelligente Systeme zur Hausbelüftung oder Heizungssteuerung. Smart TVs bringen das Internet ins Wohnzimmer und Waschmaschinen lassen sich per App steuern. Über intelligente Stromzähler haben Sie mit einem Blick aufs Smartphone den aktuellen Stromverbrauch im Griff. Sie sehen, die möglichen Anwendungen sind vielfältig. In diesem Themenbereich widmen wir uns dem Thema Smart Home, erklären, wie die Technik funktioniert und wie intelligent vorhandene Lösungen am Markt wirklich sind.

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