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Google, Facebook & Co. gegen US-Einreiseverbot

30.01.2017 | 12:33 Uhr |

Alle großen US-IT-Firmen äußern Kritik an dem von US-Präsidenten angeordneten US-Einreisestopp.

Der US-Präsident Donald Trump hat am Wochenende angeordnet, vorübergehend Menschen die Einreise in diese USA zu verweigern, die aus sieben überwiegend muslimischen Ländern einreisen. Konkret betroffenen sind Staatsangehörige der Länder Jemen, Libyen, Irak, Iran, Somalia, Sudan und Syrien. Die Anordnung (Executive order) trifft in vielen Fällen Menschen, die über eine Greencard verfügen oder gültige Aufenthaltspapiere besitzen.

In der Nacht zum Montag hat US-Präsident Trump seine Entscheidung verteidigt. Mitglieder seiner Partei, die die Entscheidung kritisieren, sollten lieber ihre Energien auf die Terrororganisation IS, illegale Immigration und Grenzsicherheit konzentrieren, anstatt "ständig darauf zu schauen, den dritten Weltkrieg zu starten", tweetete Trump.

Google-Chef Sundar Pichai hatte am Wochenende seinen Unmut über die Entscheidung von Trump publik gemacht. In einer Memo an alle Mitarbeiter, die auch an die Medien gelangte, rief er alle betroffenen Google-Mitarbeiter dazu auf, umgehend in die USA zurückzukehren. Laut der Memo seien über 100 Google-Mitarbeiter betroffen, und es sei für ihn "schmerzhaft zu sehen, welche persönlichen Kosten diese Anordnung für unsere Kollegen" habe. Den betroffenen Mitarbeitern stehen auch Experten bei Google zur Seite, die bei Problemen bei der Einreise helfen.

Zusätzlich wurde nun am Montag bekannt, dass Google über 4 Millionen US-Dollar an Organisationen spendet, die sich für Bürgerrechte und die Einwanderung in die USA einsetzen. Wie die US-IT-Site Techcrunch meldet , erhalten folgende Organisationen eine Geldspende: American Civil Liberties Union (ACLU), Immigrant Legal Resource Center (ILRC), International Rescue Committee (IRC) und UN High Commissioner for Refugees / UN Refugee Agency (UNHR).

Die Hälfte der Summe stammt demnach von Google selbst, während die andere Hälfte durch Mitarbeiter von Google gesammelt wurde.

Auf Twitter wurde ein Foto hochgeladen, auf welchem Google-Mitbegründer Sergey Brin zu sehen ist, der an den Protesten gegen das Einreiseverbot am Flughafen in San Francisco teilnahm.

Und wie reagieren die anderen, großen IT-Unternehmen?

  • Microsoft kritisiert die Entscheidung des US-Präsidenten und bietet betroffenen Mitarbeitern rechtlichen Beistand an. Microsoft-Chef Satya Nadella spricht sich in einem LinkedIn-Beitrag für die Einwanderung aus. "Als Immigrant und CEO habe ich beides erlebt und den positiven Einfluss, den Einwanderung für unser Unternehmen, für unser Land und unsere Welt hat. Wir werden uns weiterhin für dieses wichtige Thema einsetzen", schreibt Nadella.

  • Facebook-Chef Mark Zuckerberg weist in einem Facebook-Pos t darauf hin, dass seine Urgroßeltern aus Ländern wie Deutschland, Österreich und Polen in die USA gelangt und die Eltern seiner Ehefrau Priscilla Flüchtlinge aus China und Vietnam seien. Wie viele andere Menschen sei auch er besorgt über die Auswirkungen, die die Anordnung des US-Präsidenten habe. "Wir müssen unser Land sicher halten, aber wir sollten dies tun, in dem wir uns auf die Menschen konzentrieren, die eine Gefahr darstellen", so Zuckerberg. Die Tür in USA müsse für Flüchtlinge und hilfesuchende Menschen offen bleiben.

  • Twitter-Chef Jack Dorsey zeigt sich in einem Tweet aufgebracht über das US-Einreiseverbot. Das Land profitiere von Einwanderern und Flüchtlingen. Im offiziellen Twitter-Kanal wurde später der folgende Tweet nachgereicht: "Twitter wurde von Immigranten aller Religionen gebaut. Wir stehen für und mit ihnen. Immer."

  • Uber will betroffenen Mitarbeitern auch finanziell helfen. Das kündigte Uber-Chef Travis Kalanick in einer Mail an alle Mitarbeiter an. Mitarbeitern, denen aufgrund der Trump-Anordnung die Einreise in die USA verweigert wird, erhalten für bis zu 90 Tage einen Lohn. Das Geld soll helfen, die Zeit zu überbrücken und dafür sorgen, dass die Familien der betroffenen Mitarbeiter in den USA "Essen auf den Tisch" haben. "Diese Anordnung trifft viele unschuldige Menschen", schreibt Kalanick in der Mail. Der Uber-Chef gehört einer Gruppe von Firmenchefs an, die Trump beraten. Kalanick kündigt an, Trump beim nächsten Treffen am kommenden Freitag, auf die Probleme ansprechen zu wollen.

  • Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk gehört dem gleichen Beraterteam wie Kalanick an. Auch Musk äußert per diesem und diesem Tweet zumindest etwas Kritik an dem Einreiseverbot. Die Maßnahmen seien "nicht der beste Weg" um die Herausforderungen zu bewältigen, denen das Land ausgesetzt sei. Viele der negativ betroffenen Menschen seien starke Unterstützer der USA, die nichts falsch gemacht hätte und es auch nicht verdient hätten, abgelehnt zu werden.

  • Dem gleichen Trump-Beraterteam gehört auch Intel-Chef Brian Krzanich an. Er verspricht per Tweet den betroffenen Mitarbeitern die "volle Unterstützung". Das Unternehmen sei von Immigranten mitgegründet worden.

  • Airbnb-Chef Brian Chesky bietet per Tweet allen Personen und Flüchtlinge, die nicht in die USA einreisen dürfen, kostenfreie Übernachtungen über Airbnb an. Ebenfalls per Tweet verkündete Chesky: "Offene Türen bringen uns alle in den USA zusammen. Geschlossene Türen bringen uns auseinander. Lasst uns alle Wege finden, die Menschen zu verbinden und nicht zu trennen."

  • Drobox-Chef Drew Houston bezeichnet per Tweet das Einreiseverbot als "un-amerikanisch".

Weitere IT-Unternehmen, die die Anordnung des US-Präsidenten offen kritisieren, sind unter anderem Amazon, Netflix, Adobe, LinkedIn, Twilio, Mozilla, Oracle, Box und Pinterest.

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