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Gnome: Fedora und Ubuntu Gnome im Überblick

01.09.2017 | 10:22 Uhr |

Die Distributionen Fedora und Ubuntu Gnome setzen auf den einst populärsten Linux-Desktop Gnome. Seit Version 3 war Gnome einige Jahre mit der Selbstsuche beschäftigt – ganz erfolgreich, wie die aktuellen Gnome-Distributionen zeigen.

Das GNU Network Object Model Environment – kurz „ Gnome “ – entstand 1997 als Antwort auf damals noch proprietäre KDE und basierte ursprünglich auf dem Gimp-Toolkit Gtk+. Ein großer Bruch erfolgte 2011 mit Ausgabe 3 von Gnome: Gnome 3 hat sich mit der Experimentierfreude seiner Entwickler bei der Gnome Foundation nicht nur Freunde gemacht und sich einige Jahre vom Firmendesktop ausgeschlossen: Red Hat Enterprise Linux und dessen freier Klon Cent-OS blieben einige Jahre länger beim älteren Gnome 2 stehen, während Ubuntu dem einstigen Desktop-Riesen den Rücken kehrte und mit Unity eigene Wege ging.

Eine Distribution hielt Gnome immer die Treue: Fedora. Das von Red Hat gesponserte Gemeinschaftsprojekt, an dem freie Entwickler wie auch Red-Hat-Mitarbeiter beschäftigt sind, entwickelte sich damit zu einem Schaufenster neuer Gnome-Versionen. Diese wurden zusehends besser und konnten zunehmend wieder Anwender zurückgewinnen.

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Besonderheiten von Fedora

Die Übersichtsseite „Aktivitäten“ in Gnome 3: Dank Fedora und den zukünftigen Ubuntu-Ausgaben wird der zweite große Desktop hinter KDE wieder zum Quasistandard.
Vergrößern Die Übersichtsseite „Aktivitäten“ in Gnome 3: Dank Fedora und den zukünftigen Ubuntu-Ausgaben wird der zweite große Desktop hinter KDE wieder zum Quasistandard.

Fedora ist mit seiner Paketauswahl, Programmversionen und teils experimentellen Funktionen ein Trendsetter unter den Linux-Distributionen und zeigt immer wieder, dass bemerkenswerten Neuerungen auf dem Desktop nicht nur bei Ubuntu & Co. stattfinden. Maßgebende Änderungen und frische Programmversionen nimmt Fedora vor den meisten anderen großen Distributionen auf und setzt damit oft Trends, denen anderen Linux-Systemen einige Monate später folgen. Ein Beispiel dafür war der Init-Daemon Systemd, der schon vor vier Jahren in Fedora das alte Init-V-System ersetzte. Momentan ist Fedora beim Wechsel des Displayservers von Xorg auf Wayland ganz vorne mit dabei.

Das hat natürlich seinen Preis: Fedora ist ganz klar ein Linux für Enthusiasten und aufgrund seines Aufbaus und des RPM-Paketformats eine Distribution, die Red Hat Enterprise Linux (RHEL) und Cent-OS nahesteht. Das ist kein Zufall, denn Fedora gilt als Vorstufe für diese Distributionen und wird von Red Hat gesponsert. Bewährt sich eine neue Technologie, so wandert diese in spätere Versionen von RHEL.

Fedora ist bewusst als „Bananen-Software“ konzipiert – die Distribution reift beim Anwender und bekommt häufige Updates verpasst, die nicht nur Fehler beheben, sondern auch ganze Versionssprünge machen – so beispielsweise von Kernel 4.8 auf 4.11 im aktuellen Fedora 25. Aufgrund der häufigen Updates ist Fedora weder für Linux-Einsteiger noch für Serversysteme gut geeignet (obwohl es auch eine Serverausgabe gibt). Für den produktiven Einsatz als Desktop-Linux ist Fedora aber nach den ersten Updates stabil genug.

Fedora enthält strikt nur Open-Source-Software: Patentrechtlich geschützte Codecs, der Player VLC sowie proprietäre Codecs sind in den Standardpaketquellen nicht enthalten. Eine der Hürden, die Fedora potenziellen Anwendern in den Weg stellt, ist die vergleichsweise umständliche Installation mit dem Installationsprogramm Anaconda. Die Partitionierung des Ziellaufwerks verlangt Anwendern weiterhin ein Stück Leidensfähigkeit ab.

Gnome und Gnome Classic

Classic Mode: In diesem Modus bildet Gnome 3 einen konservativen Desktop nach. Cent- OS nutzt diesen Modus standardmäßig, da er besser für Firmendesktops geeignet ist.
Vergrößern Classic Mode: In diesem Modus bildet Gnome 3 einen konservativen Desktop nach. Cent- OS nutzt diesen Modus standardmäßig, da er besser für Firmendesktops geeignet ist.

Fedora präsentiert in der Variante „Workstation“ stets das neueste Gnome, das gerade noch bei Version 3.22 steht und voraussichtlich im Juli 2017 den Sprung auf 3.14 in Fedora 26 macht. Ein kleiner „Gnom“ ist dieser Desktop schon lange nicht mehr, sondern zeigt ordentlichen Speicherhunger: Satte 800 MB verlangt die Desktopumgebung in Fedora 25 ab Anmeldung ohne laufende Programme. Der Window-Manager macht ausgiebig von Open GL Gebrauch und verlangt einen leistungsfähigen Grafikchip. Dafür ist die Oberfläche mit dezenten Animationen und ausgefeilten Effekten dann auch eine der schnellsten unter Linux und lässt stellenweise ein Feeling von Mac-OS aufkommen. Auf eine Taskleiste und ein traditionelles Anwendungsmenü verzichtet Gnome. Fährt der Mauszeiger in die linke obere Ecke, so schlägt Gnome eine Übersichtsseite auf, die als Programmstarter, Programmsuche und Arbeitsflächenumschalter dient.

Anwendern, die vom Gnome-Desktop insgesamt angetan sind, aber nicht ohne traditionelle Bedienelemente auskommen, kommt der „Classic Mode“ entgegen. Dieser Modus steht auf der Anmeldeseite nach einem Klick auf das Zahnradsymbol bereit. Die Arbeitsfläche startet dann mit einer Taskleiste zum Umschalten zwischen laufenden Programmen sowie einem ausklappenden Anwendungsmenü links oben.

Tipp: So verschieben Sie das Gnome-Panel an den unteren Rand

Mehr Optionen: Gnome-Tweak-Tool

Anpassungen mit dem Gnome-Tweak-Tool: Viele Detaileinstellungen zum Aussehen und Verhalten des Desktops sind nur über das nachrüstbare Werkzeug zugänglich.
Vergrößern Anpassungen mit dem Gnome-Tweak-Tool: Viele Detaileinstellungen zum Aussehen und Verhalten des Desktops sind nur über das nachrüstbare Werkzeug zugänglich.

Die Oberfläche ist schick, aber einfach gehalten und bietet nur wenige Anpassungsmöglichkeiten. Die „Einstellungen“ liefern ein aufgeräumtes Menü für allgemeine Optionen wie Hintergrundbild, Onlinekonten und Sprache. Auch die wichtigsten Elemente zur Hardwarekonfiguration für Drucker, Bildschirm, Tastatur, Eingabetablets und eine Farbverwaltung mit ICC-Profilen sind hier untergebracht.

Detaillierte Einstellungen für die Gnome-Oberfläche sucht man hier aber vergeblich. Diese sind stattdessen in der Extraanwendung „Gnome-Tweak-Tool“ untergebracht, die in manchen Gnome-Distributionen standardmäßig beiliegt. In Fedora muss das Paket „gnome-tweak-tool“ jedoch erst manuell nachgerüstet werden – entweder in einem Terminalfenster mit dem Kommando

sudo dnf install gnome-tweak-tool  

oder über den grafischen Paketmanager (gnome-software).

Erst mit dem Gnome-Tweak-Tool wird es möglich, Schriftbild, Fensterverhalten, virtuelle Arbeitsflächen und das Aussehen anhand von installierten Themes zu beeinflussen.

Erweiterungen: Ergänzungen für Gnome

Gnome-Extensions via Firefox: Damit die bequeme Einrichtung von Gnome-Erweiterungen wieder funktioniert, müssen zwei Komponenten nachgerüstet werden.
Vergrößern Gnome-Extensions via Firefox: Damit die bequeme Einrichtung von Gnome-Erweiterungen wieder funktioniert, müssen zwei Komponenten nachgerüstet werden.

Applets für das Panel gibt es bei Gnome nicht mehr. Stattdessen gibt es Gnome-Erweiterungen (Gnome-Shell-Extensions), die den Desktop anpassen und ergänzen. Diese Extensions sind kleine Javascripts, die eine bestimmte Aufgabe erfüllen, einen Menüpunkt oder ein Desktopelement auf der schlichten Gnome-Oberfläche nachrüsten.

Niemand muss in den Paketquellen stochern, um nützliche Gnome-Erweiterungen zu finden: Die Liste auf https://extensions.gnome.org versammelt alle von unabhängigen Gnome-Entwicklern eingereichten Erweiterungen. In Zukunft werden einzelne Extensions auch wieder direkt im Browser per Klick installierbar sein. Momentan zeigt Firefox beim Besuch der Seite eine Meldung an, dass es kein Browser-Add-on gibt. Daher erfordert die Nachrüstung in Fedora & Co. aktuell noch etwas Handarbeit:

1. Zuerst macht die Installation der angebotenen Firefox-Erweiterung von https://extensions.gnome.org oder auch von https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/gnome-shellintegration den Browser fit für Gnome.

2. Gnome selbst braucht auch noch die neue Komponente chrome-gnome-shell als Ergänzung. Für Fedora 25 gibt es dafür derzeit nur ein externes Repository, das der Befehl

sudo dnf copr enable region51/chrome-gnome-shell  

aufnimmt. Mit

sudo dnf install chrome-gnomeshell  

installieren Sie dann das Paket. Nach einem Neustart von Firefox lassen sich die gewünschten Gnome-Erweiterungen auf https://extensions.gnome.org per Mausklick installieren.

Alternative: Ubuntu stellte schon eine ganze Weile den Gnome-Desktop zur Installation in den Paketquellen bereit. Eine eigene offizielle Ubuntu-Variante gibt es aber erst seit Version 13.04. Aktuell liegt dieses Ubuntu Gnome in Version 17.04 vor. Enthalten ist Gnome in Version 3.22, der dort ohne Modifikationen genauso aufgeräumt erscheint wie in Fedora. Wer mit der etwas älteren Gnome-Version 3.18 vorliebnehmen kann, bekommt mit Ubuntu Gnome 16.04 die LTS-Ausgabe mit Langzeitsupport. Ab Ubuntu 17.10, das im Oktober 2017 erscheinen wird, soll Gnome wieder der Standarddesktop von Ubuntu werden. Die reguläre Ubuntu-Ausgabe und Ubuntu Gnome werden dann zu einer Edition verschmelzen.

Displayserver: Wayland und Gnome

Wayland ersetzt den in die Jahre gekommenen Displayserver Xorg, der sich seit mehr als einem Jahrzehnt um die Darstellung von Fenstern und Menüelementen auf dem Linux-Desktop kümmert. Der Wechsel war lange anberaumt und immer wieder aufgeschoben, da sowohl die vorhandenen Grafiktreiber als auch die Desktopumgebung fit für Wayland sein müssen.

Das ist jetzt bei Gnome ab Version 3.22 der Fall, das beispielsweise in Fedora 25 Workstation sowie in Ubuntu Gnome 17.04 als Oberfläche dient. Andere Desktopumgebungen sind noch nicht so weit, um mit Wayland umgehen zu können – KDE Plasma 5 steht offenbar kurz davor. Wayland in Fedora/Ubuntu funktioniert generell mit jenen Grafikchips, für die es Open-Source-Treiber im Linux-Kernel gibt – also mit Chips von Intel, Nvidia und AMD. Auf dieser Hardware verspricht Wayland eine hervorragende Leistung auf dem Desktop und perfekte Fensteranimationen, wie es sie bisher auf einem Linux-Desktop noch nicht zu sehen gab. Auf dem Anmeldebildschirm von Fedora und Ubuntu Gnome gibt es die Option, über das Zahnradsymbol Xorg zu wählen, was beispielsweise in virtuellen Maschinen nötig ist.

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