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Glänzend: "Thimbleweed Park" für iOS

05.12.2017 | 12:54 Uhr |

Das Pixel-Abenteuer um zwei FBI-Ermittler ist einfach toll, sowohl durch den Retro-Look als auch durch die inhaltlichen Darbietungen.

Als Federal Agents (Bundesagenten des FBI) Rey und Reyes (mit vager Reminiszenz an Mulder und Scully aus den ”X-Files”) bewegen wir uns in diesem klassischen Point-and-Click-Adventure und im Retrostil gehaltenen Adventure im Jahr 1987 durch die Kleinstadt Thimbleweed Park. In dieser ziemlich verlassenen und heruntergekommenen Gegend ermitteln wir wegen einer Leiche im Fluss des Orts. Die stimmige Umgebung und die anspruchsvollen Rätsel stammen von den Entwicklern Ron Gilbert und Gary Winnick, die auch für die berühmten Adventure "Monkey Island" und "Maniac Mansion" verantwortlich zeichneten. Das Entwicklungsstudio Terrible Toybox hat das Spiel per Croudfunding finanziert und für diverse Plattformen wie Linux, macOS, Windows, die Xbox One schließlich auch die Playstation 4 veröffentlicht. Im September kam noch die iOS-Version dazu, die wir uns nun intensiv angesehen haben. Auch Nintendo Switch und Android-Geräte dürfen sich nun über den Download des Games freuen.

Teuer, aber durch viele Spielstunden lohnend

Ganz billig ist "Thimbleweed Park" für iOS freilich nicht. Für Android kostet das Spiel beispielsweise zehn Euro, für das iOS sogar elf Euro (warum dieser Euro iOS-Aufschlag?!). Was freilich immer noch günstiger ist als die Mac-Variante, die schlägt im Mac App Store   mit 22 Euro zu Buche. Aber so oder so, wir meinen, das Geld ist für dieses komplexe, abwechslungsreiche und vor allem auch auf skurrile Weise lustige Adventure gut angelegt.

Skurrile Ermittlungen und Hintergründe

Zeitweise zusammen, dann aber auch getrennt als Rey oder Reyes, ermitteln wir unter den verschrobenen und ein bisschen engstirnigen Bewohnern des Dorfs. Insbesondere der Sheriff und der offenbar personengleiche Gerichtsmediziner (und später auch der Hotelmanager) mit ihrer schrägen Angewohnheit, jeweils unterschiedliche Silben an Wörter anzuhängen (”-rino” oder ”-lino”, im deutschen Text: ”-chen“ und „-lein”), helfen uns nicht wirklich weiter.

Auch zunächst nicht die hier und überall in der Stadt verstreuten hörenden wie sprechenden Röhrenautomaten, die auf seltsame Weise futuristisch und doch altmodisch zugleich wirken und alle irgendwie auf ”Tron 3000” enden: Facetron 3000, Fingertron 3000 usw. bis hin zu einem Briefkasten mit entsprechender Endung. Unsere Ermittler ihrerseits haben klassisch unterschiedliches Inventar, dessen Objekte sie jedoch untereinander austauschen können. Und das ist oft auch wichtig, wenn man etwa gleichzeitig den Stadtplan wie auch die Zutrittskarte zum Hotel benötigt. Oder man braucht eine Münze für die damals zeitgemäßen öffentlichen Telefone, dann sollte man dort auch mit dem richtigen Agenten und dem passenden Kleingeld erscheinen.

Spielfiguren: Vom Agenten bis zum Geist

Doch auch andere Figuren wie den durchgeknallten und nicht ungefährlichen Clown Ransome oder die junge Computerprogrammiererin Dolores, die unbedingt Spiele entwickeln will, bewegen wir eine Zeit lang. Gerade diese eingeschobenen, zunächst mit dem Geschehen kaum verbunden wirkenden Szenarien, geben "Thimbleweed Park" einen ganz besonders liebenswürdigen und herausragenden Charakter. Später aber wird dann doch alles sinnvoll zusammengeführt. Nicht aber, ohne dass man zwischendrin auch mal als Geist in der Geisterwelt des Hotels unterwegs war.

Steuerung und Sprachausgabe: Eigenwillig

Ein wirklich uraltes Retromittel ist die Steuerung wie in den ältesten Zeiten der Computerspiele, dies natürlich mit voller Absicht. Zwar laufen unsere Personen noch per Tap auf den Bildschirm dorthin, wo wir es wollen. Doch ansonsten benötigen wir anzutippende Befehle wie: ”Öffne. Nehme. Schaue. Rede” und anderes mehr. Dies in Kombination mit den gewünschten Objekten. Das ist zwar manchmal ein bisschen lästig, aber so war es eben in den alten Zeiten. Und es passt perfekt zur Atmosphäre dieses Adventures.

Am Anfang hat man übrigens die im Spiel nicht revidierbare Wahl zwischen schwerem und leichtem Modus. Wir haben vorsichtshalber den leichten gewählt und gehört, dass dafür einige Rätsel entfallen. Dennoch muss man immer noch einiges kombinieren und vor allem den Überblick bewahren. Die Sprachausgabe geschieht nur auf Englisch, aber optional mit deutschen Untertiteln.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Wie schon erwähnt, kostet Thimbleweed Park für iOS im App Store 11 Euro. Wem das für ein Spiel fürs iPhone oder iPad als zu hoch erscheint, sollte auf entsprechende Angebote und Rabatte warten. Vorausgesetzt wird iOS 9.0 oder höher.

Fazit und Empfehlung

Das Spiel ist speziell in den Dialogen skurril und macht uns durch seine gepixelte Retro-Anmutung viel Spaß. Die Steuerung ist naturgemäß etwas umständlich, aber so gewollt. Manchmal verliert man etwas die Orientierung in den vielen Aufgaben und Locations. Einige Dialoge empfanden wir auch mal als langatmig, sie lassen sich auch nicht unterbrechen, selbst bei Wiederholung nicht. Dennoch, wer den Stil der guten alten und fordernden Adventures mit Betonung auf Ermittlung und Dialog mag, liegt mit "Thimbleweed Park" genau richtig.

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