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Gimp 2.10: Das sind die Neuerungen

04.05.2018 | 15:16 Uhr |

Das Gimp-Team hat im Dezember 2017 mit Gimp 2.9.8 die vierte Testversion zu Gimp 2.10 veröffentlicht. Wir haben uns die Neuerungen für Sie genauer angeschaut.

Gimp 2.9.x ist wie alle Gimp-Versionen mit ungeraden Subzahlen eine Vorab- und Entwicklungsversion für Experimentierfreudige. Erst Version 2.10 wird dann wieder eine offizielle Version für normale Endanwender. Diese verspricht viele Neuerungen und wird von den Gimp-Fans dringend erwartet. Die neuen Funktionen sind in den aktuellen Testversionen 2.9.8 und 2.9.9 bereits zum Großteil enthalten, nachdem mittlerweile im Gimp-Blog das Feature-Freeze verkündet wurde.

Zahlreiche neue Entwicklungen vereinfachen das Bearbeiten und Optimieren von Bildern. Aktuell fehlen an der einen oder anderen Stelle noch die vollständigen Übersetzungen, die Funktionen laufen aber. Mit der offiziellen Gimp-Version 2.10 ist Mitte 2018 zu rechnen.

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Die Gimp-Roadmap

Die Entwickler von Gimp haben in ihrem Wiki eine Roadmap veröffentlicht, die einen Ausblick auf die neuen Funktionen, nicht jedoch auf den zeitlichen Ablauf gibt. Trotz allem ist es spannend zu sehen, welche Neuerungen 2.10 mit sich bringen wird und wie weit die Entwicklungen bereits fortgeschritten sind: Von den 18 wesentlichen Vorhaben sind 12 bereits fertig entwickelt. Bei den restlichen sechs sind die Arbeiten in vollem Gange.

Die Roadmap gibt darüber hinaus einen Ausblick, welche neuen Funktionen mit Gimp 3 noch kommen werden. Die wesentliche Neuerung wird an dieser Stelle sicherlich die Portierung von der GTK2 auf GTK3 sein. Welche Neuerungen bereits heute realisiert sind, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.

Gimp 2.9.9 ist die aktuelle Entwicklerversion und Vorbereitung auf das stabile Gimp 2.10.
Vergrößern Gimp 2.9.9 ist die aktuelle Entwicklerversion und Vorbereitung auf das stabile Gimp 2.10.

Die Installation von Gimp 2.9.x

Über die Paketverwaltung Ihrer Linux-Distribution ist Gimp 2.9.x nicht zu beziehen – hier wird Ihnen regelmäßig die letzte offizielle stabile Version 2.8.22 angeboten. Die neueren 2.9.x-Versionen sind als Testversionen deklariert und nur über ein separates Repository zu finden. Das externe PPA fügen Sie in Debian-/Ubuntu-basierten Systemen mit der folgenden Befehlszeile hinzu:

sudo add-apt-repository ppa:ottokesselgulasch/gimp-edge

Führen Sie anschließend ein Update Ihrer Paketverwaltung durch und installieren Sie dann die neueste Gimp Version.

sudo apt update
sudo apt install gimp

Damit können Sie mit der aktuellen Entwicklungsversion von Gimp arbeiten. Wenn Sie wieder zurück zur letzten stabilen Version wechseln möchten, entfernen Sie mit

sudo apt install ppa-purge
sudo ppa-purge ppa:ottokesselgulasch/gimp-edge

die Testversion und installieren dann wieder die stabile Version.

Erster Start und raffinierte Farbverläufe

Beim ersten Aufruf erscheint die Oberfläche direkt in der deutschen Sprachversion. Wie Sie sehen können, ist die Übersetzung für die aktuelle Entwicklungsversion weit fortgeschritten und hinterließ in unserem Test einen sehr guten Eindruck. An der Benutzeroberfläche von Gimp gibt es keine grundlegenden Änderungen. Die Version erscheint immer noch im gewohnten Grauton. Eine der wichtigsten Neuerungen ist eine bessere Bearbeitung des Farbverlaufs. Die meisten Werte lassen sich jetzt direkt über Schaltflächen auf der Leinwand bearbeiten. Ein zusätzlicher Dialog ist nicht mehr notwendig. Damit wird auch der alte Gradienteditor überflüssig.

Beim vollständig neu realisierten Farbverlauf können Sie mehrere Stopp-Punkte anlegen.
Vergrößern Beim vollständig neu realisierten Farbverlauf können Sie mehrere Stopp-Punkte anlegen.

So nutzen Sie die neue Funktion: Laden Sie zuerst das zu bearbeitende Foto in Gimp und duplizieren Sie zunächst die Ebene über „Ebene -> Ebene duplizieren“. Fügen Sie anschließend eine neue Ebene über „Ebene -> Neue Ebene“ hinzu. Diese erhält als Modus die „Weichen Kanten“ sowie „Standard“, ferner als Füllung „Transparenz“. In unserem Beispiel weisen wir der Ebene den Namen „Transparenz“ zu. Danach markieren Sie die transparente Ebene und wählen in der Werkzeugkiste den „Farbverlauf“ aus. Ziehen Sie den Farbverlauf einfach über den gewünschten Bereich – von der einen zur anderen Ecke – und betrachten Sie das erste Ergebnis. Wenn Sie das Werkzeug auf Ihre Leinwand anwenden, sehen Sie direkt ein neues Fenster, in dem Sie verschiedene Parameter setzen können, vor allem die Vordergrund- und die Hintergrundfarbe des Farbverlaufs. Wenn Sie nichts an den Standardeinstellungen verändert haben, dann sind dies zu Beginn die Farben Schwarz und Weiß.

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Durch das Bewegen der beiden Kreuze auf der Leinwand lässt sich der Farbverlauf des Bildes individuell anpassen. Darüber hinaus können Sie direkt auf der Leinwand eine beliebige Anzahl von Stopp-Punkten setzen. Mit diesen können Sie den Farbverlauf für einen Abschnitt des Bildes festlegen. An jedem Stopp-Punkt sind neue Definitionen für die Vorder- und Hintergrundfarbe möglich, außerdem lassen sich die Stopp-Punkte auf der Farbverlaufslinie beliebig hin- und herschieben.

Neben den benutzerdefinierten Farbverläufen bietet Gimp zusätzlich noch eine Reihe von vordefinierten Verläufen an. Diese sind in den Werkzeugeinstellungen auswählbar und bringen je nach Auswahl optisch spannende Ergebnisse zu Tage.

Warnungen und Korrekturen zur Belichtung

Sehr praktisch ist das neue Werkzeug mit dem Namen „Clip-Warning“. Es kennzeichnet über- und unterbelichtete Bereiche eines Bildes mit einer benutzerdefinierten Farbe. Dies ermöglicht es direkt, die Werte anzupassen und das optimale Ergebnis für das Bild zu erzielen. Die Funktion ist aktuell vor allem auf Bilder in den Formaten Tiff oder EXR mit einer Bittiefe von 16 oder 32 Bit ausgelegt.

Clip-Warning: Ansichtsfilter um über- und unterbelichtete Stellen eines Bildes zu visualisieren.
Vergrößern Clip-Warning: Ansichtsfilter um über- und unterbelichtete Stellen eines Bildes zu visualisieren.

Die Handhabung ist einfach: Als Erstes laden Sie das zu bearbeitende Bild in Gimp und aktivieren anschließend über „Ansicht -> Ansichtsfilter“ den Filter „Clip Warning“. Im Fenster des Filters können Sie direkt festlegen, welche Farben für die über- und unterbelichteten Bereiche verwendet werden sollen. Als Standard sind die Farben Blau und Rot dafür vorgesehen.

Nachdem Sie den Filter aktiviert haben, werden die Bereiche automatisch gekennzeichnet. Sie können sich anschließend an die Korrektur der Bilder machen. Dazu öffnen Sie das Menü „Farben -> Belichtung“ und korrigieren die Werte für den Schwarzwert und die Belichtung. Der Filter stellt den Erfolg Ihrer Maßnahme direkt auf der Leinwand dar. Korrigieren Sie die beiden Werte, werden die markierten über- und unterbelichteten Bereiche entsprechend größer oder kleiner. Eine ausführliche Videodemo dieses Filters zeigt die Gimp-Webseite .

Bildkorrekturen mit Wavelet-Zerlegung

Mit der „Wavelet-Zerlegung“ hat Gimp 2.9.6 eine weitere interessante Funktion unter den Standardfiltern erhalten. Der Filter kommt hauptsächlich bei der Retusche von Bildern zum Einsatz. Öffnen Sie dazu als erstes das zu bearbeitende Bild und starten Sie anschließend die Wavelet-Zerlegung über das Menü „Filter -> Verbessern“. Die Funktion „Wavelet-Zerlegung“ bietet anschließend im Auswahldialog die Möglichkeit, die Anzahl der Ebenen festzulegen. Außerdem wird Ihnen im Standard vorgeschlagen, einen weiteren Layer als Gruppierungsebene einzusetzen.

Wavelet-Zerlegung: Das Bild wird in mehrere Ebenen aufgesplittet und unter einem zentralen Element gruppiert.
Vergrößern Wavelet-Zerlegung: Das Bild wird in mehrere Ebenen aufgesplittet und unter einem zentralen Element gruppiert.

Nachdem Sie die Werte bestätigt haben, beginnt Gimp im Hintergrund mit der Zerlegung des Bildes und der Aufbereitung der verschiedenen Ebenen. Diese werden nach Abschluss der Arbeit durchnummeriert in der Layerübersicht dargestellt, angeordnet nach den Strukturen von fein nach grob.

Damit können Sie nun mit der Optimierung des Bildes beginnen. Wenn Sie ein Gesicht von Unreinheiten, Farbpigmenten oder Ähnlichem befreien möchten, verwenden Sie am besten einen Pinsel als Weichzeichner und bearbeiten damit nacheinander alle Ebenen. In unserem Beispiel verwenden wir als Farbton ein leichtes Grau (Hex: 808080) sowie einen Pinsel mit der Stärke „025“, der Härte „0“ sowie der aktivierten Eigenschaft „Weiches Zeichnen“. Markieren Sie anschließend die erste Ebene und führen Sie an den Stellen, an denen Verbesserungen notwendig sind, die Korrekturen mit dem Pinsel durch.

Dies wiederholen Sie mit den nachfolgenden Ebenen, bis Sie die gewünschten Effekte erzielt haben. Am Ende Ihrer Bearbeitungen markieren Sie das Element auf der übergeordneten Ebene und wählen aus dem Kontextmenü die Option „Ebenen zusammenführen“. Damit erhalten Sie am Ende das verbesserte Bild: Im direkten Vergleich zum Original sind die Unregelmäßigkeiten verschwunden.

Mit Hilfe des Pinsels und der Eigenschaft „Weiches Zeichnen“ können Korrekturen durchgeführt werden..
Vergrößern Mit Hilfe des Pinsels und der Eigenschaft „Weiches Zeichnen“ können Korrekturen durchgeführt werden..

Weitere Neuerungen

Neben den genannten neuen Funktionen gibt es zahlreiche Detailverbesserungen. Eine vollständige Liste aller Neuerungen finden Sie im Gnome GIT Repository . Im Bereich des Farbmanagements verwendet Gimp jetzt die BABL-Bibliothek zur Konvertierung von Farbräumen, wenn matrixbasierte ICC-Profile verwendet werden. Dies kann die Konvertierung im Optimalfall um den Faktor fünf beschleunigen.

Auch die Portierung in Richtung Wayland geht voran: Nachdem das Screenshot-Plug-in bereits unter Gnome zur Verfügung stand, wurde inzwischen auch die Implementierung für KDE fertiggestellt. Das Gleiche gilt auch für die Bereitstellung der Farbpipette.

Eine weitere hilfreiche Neuerung ist „Paste in Place“. Mit dieser Funktion können Sie Ausschnitte eines Bildes über die Zwischenablage oder den benannten Puffer von Gimp aus einem Bild ausschneiden und an die exakte Position im neuen Bild einfügen. Auch an der Unterstützung von Photoshop-Dateien wurde weitergearbeitet. Mit Gimp 2.9.8 ist es jetzt möglich, Photoshop-Dateien mit verschachtelten Ebenengruppen zu bearbeiten sowie den Status von Gruppen beim Im- und Export beizubehalten. Auch das Öffnen von passwortgeschützten PDF-Dateien stellt für das neue Gimp kein Problem mehr dar.

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