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Französische Armee: Schrotflinten gegen Killerdrohnen

16.08.2018 | 15:55 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Wie bekämpft man handelsübliche Drohnen, wenn diese als Killerdrohnen missbraucht werden? Frankreichs Armee nutzt dafür elektronische Störsignale – und Schrotflinten…

Angela Merkel schmunzelte noch, als die Piratenpartei im September 2013 auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung eine handelsübliche Flugdrohne auf die Redner-Tribüne stürzen ließ. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro dagegen war offensichtlich weniger zum Schmunzeln zumute, als vor wenigen Tagen bei seinem Auftritt eine Drohne auftauchte – und Manduros paradierende Soldaten davon liefen (die Personenschützer stellten sich allerdings durchaus tapfer vor ihren Präsidenten).

Der „Islamische Staat“ (IS alias Daesh) setzt solche leicht erhältlichen Drohnen schon seit einiger Zeit für Angriffe im Nahen Osten ein; das russische Militär behauptet im August 2018 bis dato 16 solcher IS-Drohnen vernichtet zu haben. Die Terroristen befestigen Sprengladungen an den Drohnen und steuern diese dann ins Ziel. Selbst wenn die Sprengkraft überschaubar ist, so sorgen diese fliegenden Low-Cost-Killer doch für Panik und richten durchaus Schäden an.

Dieser Gedanke lässt sich aber noch weiterspinnen. Setzt ein Angreifer nicht nur eine oder zwei, sondern einen ganzen Schwarm von Hunderten von billigen Flugdrohnen ein, so können konventionelle Luftabwehr-Raketensysteme überfordert sein. Doch wie soll man solche Quadrocopter denn nun am effektivsten abwehren, wenn diese mit Sprengstoff beladen heranfliegen? Die französische Armee setzt hierfür auf eine Kombination aus Hightech und rustikale Flinten.

So schreibt das Wehrblog Augengeradeaus, dass Frankreich auf einem Militär-Flughafen in Jordanien eine Spezialeinheit stationiert habe, die Angriffe von handelsüblichen Flugdrohnen abwehren soll. Die französischen Soldaten des Escadrons de Défense Sol-Air (EDSA) besitzen zunächst einmal Überwachungssysteme, um die Drohnen überhaupt zu identifizieren. Entdecken Sie dann anfliegende Drohnen, so können Sie diese mit elektronischen Störsignalen bekämpfen. Oder aber mit Repetierflinten abschießen, die „mit speziellen Patronen“ geladen werden. Wobei unbekannt ist, um was für „spezielle Patronen“ es sich dabei handelt.

Auch das US-Militär setzt auf klassische Schießprügel zur Drohnenabwehr. Zwar arbeitet die US-Rüstungsindustrie intensiv an Hightech-Lösungen zur Drohnenabwehr, doch die Soldaten vor Ort brauchen jetzt sofort eine wirkungsvolle Lösung. Und hierfür bieten sich offensichtlich Schrotflinten an, mit denen man schon seit einigen Hundert Jahren ganze Vogelschwärme abschießt. Die US-Armee erprobt hierfür bereits spezielle Munition.

Die niederländische Polizei experimentierte übrigens mit Adlern, die darauf abgerichtet wurden Drohnen zu fangen. Die Niederländer stellen das Experiment aber 2017 ein. Das Training der Raubvögel erwies sich als zu aufwändig, zu fehleranfällig und zu teuer und – damals – gab es offensichtlich noch nicht den Bedarf. Japan wiederum erprobt Abfangjäger-Drohnen mit Netzen, die feindliche Drohnen einfangen sollen. Doch sowohl Adler als auch Abfangjägerdrohnen wären machtlos gegen einen ganzen Drohnenschwarm, der angreift. Das gilt auch für die Laserkanone zur Drohnenabwehr, die MBDA entwickelt. Alle diese Abwehrtechniken eignen sich nur für einzelne Angreifer, nicht aber für Hunderte zeitgleich heranfliegende Drohnen.

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