2251434

Flir One im Test: Wärmebildkamera für Smartphones

09.02.2017 | 08:34 Uhr |

Mit dieser Wärmebildkamera für iPhone, iPad und Android-Smartphones spüren Sie Wärmeverlust am Haus, verborgene Heizungsrohre und verschwundene Haustiere auf. Wir haben die aufsteckbare Flir One ausprobiert.

Kalte Wintertage sind perfekt für den Einsatz der Flir One : Mit dieser Wärmebildkamera für iOS und Android spüren Sie Wärmebrücken am Haus auf. Aber auch unsichtbare Heizungsrohre in Wand und Fußboden. Und auch mal verschwundene Haustiere.

Funktionsweise

Die Flir One (zweite Generation) ist eine aufsteckbare 6,5 x 1,8 x 3,8 cm große Wärmebildkamera (Multi Spectral Dynamic Imaging, MSX) für iPhone und iPad sowie für Android-Smartphones. Die Kamera zeigt auf dem Smartphone-Bildschirm Temperaturunterschiede auf Oberflächen und konkrete Oberflächen-Temperaturen an.

Detailaufnahme der Flir One
Vergrößern Detailaufnahme der Flir One

Bedienung

Sie stecken die Flir-One-Kamera in den Lightning-Anschluss des iPhones oder iPads und installieren die dazugehörige Flir-One-App für iOS oder für Android. Bei Android-Geräten stecken Sie die Kamera stattdessen in den Micro-USB-Anschluss . Ergänzend zur Flir-One-App gibt es die Flir Tools, mit denen Sie die Aufnahmen weiter auswerten und bearbeiten können.

Vorderseite und Rückseite der Flir One an einem iPhone 6.
Vergrößern Vorderseite und Rückseite der Flir One an einem iPhone 6.

Im Kameraaufsatz befinden sich zwei Kameralinsen, denn neben der eigentlichen Wärmebildkamera mit dem Infrarotsensor verbaut Flir noch eine zweite Digitalkamera. Durch die Kombination aus diesen beiden Kameras kann der Betrachter leichter Details erkennen als es bei einer reinen Wärmebildkamera der Fall wäre. Dank der Daten der zweiten Kamera zeigt das Wärmebild nämlich gut erkennbar die Konturen der fotografierten Objekte an. Die Auflösung beträgt 160 x 120 Pixel.

Die Kamera besitzt einen eigenen Akku (350 mAh), der mit einer Aufladung rund 45 Minuten Einsatzdauer ermöglichen soll. Der Smartphone-Akku soll durch den Kamerabetrieb nicht belastet werden, ausgenommen natürlich den Stromverbrauch der Flir-One-App. Die Kamera sitzt wackelfest am iPhone und macht einen robusten Eindruck.

Nach dem Start der App schalten Sie per Knopfdruck die Kamera ein. Es dauert ein paar Sekunden, bis die Kamera einsatzbereit ist. Danach sehen Sie auf dem Touchscreen des iPhones oder iPads die Oberflächen-Temperaturen der von Ihnen anvisierten Objekte.

Neben den standardmäßigen Graustufenbildern können Sie die Temperaturunterschiede auch farblich hervorheben lassen – Farbbilder kommen nun einmal den Sehgewohnheiten von Menschen eher entgegen. Die Flir One stellt dafür verschiedene Farbschemata zur Auswahl. Wir machten die meisten der hier gezeigten Aufnahmen mit dem Modus „Lava“. Extrem warme Stellen stellt die Kamera auf dem Bildschirm dann als weiße Flächen dar. Gelbe und auch rote Stellen sind ebenfalls warm. Blaue beziehungsweise dunkle Stellen haben dagegen eine kalte Oberfläche.

Auf das Beispiel eines Wohnhauses bezogen: Wo Sie weiße, gelbe oder rote Flächen auf dem Bild sehen, da gibt es großen Wärmeverlust. Hier könnten Sie über zusätzliche Dämm-Maßnahmen nachdenken.

Die Leitungen einer Fußboden-Heizung lassen sich deutlich erkennen. Hier in der Küche.
Vergrößern Die Leitungen einer Fußboden-Heizung lassen sich deutlich erkennen. Hier in der Küche.

Wenn Sie zu einer konkreten Stelle die Oberflächen-Temperatur wissen wollen, dann drücken Sie auf das Temperatursymbol in der Mitte am oberen Bildschirmrand. Flir One blendet dann auf dem Touchscreen für die Stelle, an der sich das Fadenkreuz befindet, die aktuelle Temperatur ein (Messpunkt).

Neben der automatischen Kalibrierung des Bildes gibt es auch noch einen manuellen Modus. Zudem können Sie gegebenenfalls über einen Schieberegler am unteren Bildschirmrand die Konturen des Bildes mit denen des Infrarotobjektes abgleichen. Neben Fotos können Sie auch Videos, Panoramaaufnahmen und Zeitrafferaufnahmen aufzeichnen. Ein Timer für zeitverzögerte Aufnahmen mit bis zu zehn Sekunden Verzögerung steht ebenfalls zur Verfügung. Bilder speichert die Flir One als JPGs, Videos im Format MOV.

Konkrete Beispiele: Die Flir One im Einsatz

Wärmebrücken: Wärmeverlust am Haus aufspüren

Nehmen Sie an einem kalten Wintertag das Fenster eines beheizten Zimmers von außen ins Visier. Mit ziemlicher Sicherheit sehen Sie oberhalb des Fensters einen weißen oder gelben Streifen. Das ist der Rollo-Kasten. Darüber geht viel Heizwärme nach draußen verloren. Auch die Fensterrahmen dürften gelb oder rot auf dem Bildschirm des iPhones erscheinen, weil auch dort Wärme nach draußen verloren geht.

Die Leitungen einer Fußboden-Heizung lassen sich deutlich erkennen. Hier in der Diele.
Vergrößern Die Leitungen einer Fußboden-Heizung lassen sich deutlich erkennen. Hier in der Diele.

Tipps: Der Kamera muss man bei einem Motivwechsel mitunter einige Sekunden Zeit geben, bis sie ein einwandfreies Bild liefert. Wenn man zu weit entfernt ist vom Haus, kann die Kamera die Wärmewerte nicht mehr korrekt erfassen. Fernaufnahmen sind also schwierig beziehungsweise wenig aussagekräftig.

Oben und unten sind neue Fenster verbaut, in der Mitte noch ein uraltes Fenster.
Vergrößern Oben und unten sind neue Fenster verbaut, in der Mitte noch ein uraltes Fenster.

Gut: Verwackelte Bilder sind die Ausnahme, die Aufnahmen gelingen fast alle auf Anhieb.

Besonders spannend wird es, wenn Sie eine Hausfassade filmen, bei der erst einige Fenster erneuert wurden. Deutlich sind dann die Unterschiede zwischen den modernen, besser isolierten Mehrschicht-Fenstern und den alten Fenstern auf den Fotos zu erkennen. Wenn also das Fensterglas blau/dunkel auf dem Display erscheint und Sie für diese Oberflächen vielleicht sogar Minusgrade mit der Kamera ermitteln, dann ist das schon einmal ein gutes Zeichen.

Die großen Fenster im Erdgeschoß und im zweiten Stock sind alt und noch schlecht isoliert, das Fenster im ersten Stock dagegen ist neu und gut isoliert.
Vergrößern Die großen Fenster im Erdgeschoß und im zweiten Stock sind alt und noch schlecht isoliert, das Fenster im ersten Stock dagegen ist neu und gut isoliert.

Der Wärmeverlust an sich ist aber kein Grund zur Panik, eine gewisse Wärmeabstrahlung ist nicht nur in Ordnung, sondern für ein gesundes Raumklima ist ein leichter Luftaustausch auch durchaus sinnvoll. Komplett dichte und völlig zugluftfreie Räume neigen unter ungünstigen Bedingungen wie zu wenig Lüften und/oder aufsteigende Feuchtigkeit zur Schimmelbildung. Ein Problem, das bei vielen alten Gebäuden auftritt, die nachträglich massiv isoliert und wärmegedämmt werden. Nur sollte der Wärmeverlust eben innerhalb vernünftiger Grenzen passieren, es sollte also nicht regelrecht ziehen.

Autos und die Fassade eines schlecht isolierten Wohnblocks aus den 1970ern.
Vergrößern Autos und die Fassade eines schlecht isolierten Wohnblocks aus den 1970ern.

Schlimm ist es allerdings, wenn im Haus an vielen Stellen Wärmebrücken existieren, die in hohem Maße Wärme nach draußen und Kälte in das Haus befördern, beispielsweise ungedämmte Briefkästen oder nicht-isolierte Metalltüren im Treppenhaus. Und natürlich Fenster mit einfacher Verglasung, also ohne Mehrschichten-Isolierglas mit Gasfüllung. Solche Wärmeverluste stellt die Flir One deutlich dar. Hier haben Sie dann Handlungsbedarf. Bevor Sie aber auf eigene Faust losbasteln, sollten Sie in solchen Fällen einen Energieberater hinzuziehen. Dieser kann Ihre Messungen mit seiner spezialisierten Wärmebildkamera und weiteren Hilfsmitteln überprüfen und konkretisieren.

Gut isoliertes Fenster mit Zwei-Scheiben-Glas, nur über den Rollo-Kasten geht Wärme verloren.
Vergrößern Gut isoliertes Fenster mit Zwei-Scheiben-Glas, nur über den Rollo-Kasten geht Wärme verloren.

Sie können Ihre Aufnahmen für die spätere Analyse beziehungsweise für den Vorher-Nachher-Vergleich als Fotos und als Videos speichern. Machen Sie von einem Haus also vor der Renovierung Aufnahmen mit der Wärmebildkamera und vergleichen Sie diese mit den Aufnahmen nach der Außensanierung/Dämmung.

Wärmebrücke: Unisolierte Metalltür neben Mauerwerk.
Vergrößern Wärmebrücke: Unisolierte Metalltür neben Mauerwerk.

Mit der Kamera können Sie auch die Qualität einer Dachisolierung prüfen, wenn Sie die Möglichkeit haben, von oben herab auf die Dächer zu filmen.

Wärmebrücke: Briefkasten neben Mauerwerk.
Vergrößern Wärmebrücke: Briefkasten neben Mauerwerk.

Für Heimwerker spannend: Warmwasserleitungen und Heizrohre in der Wand sowie die Rohre von Fußbodenheizungen spüren Sie mit der Flir One ebenfalls auf. Und vermeiden so teure Bohrschäden.

Ein Mensch.
Vergrößern Ein Mensch.

Feuertopf-Temperatur überwachen

Netter Party-Gag: Mit der Flir-Wärmebildkamera überwachen Sie auch die Kochtemperatur bei Feuertöpfen. In unserem Test mit einem Petromax Feuertopf stellten wir fest, wie die Temperatur unseres Feuertopfs nach einigen Minuten von rund 65 Grad auf 86 Grad stieg.

Feuertopf: Temperatur der darunter liegenden Kohle.
Vergrößern Feuertopf: Temperatur der darunter liegenden Kohle.

Für die Kohle unter und auf dem Feuertopf zeigte unsere Flir One über 120 Grad Temperatur an. Damit ist das obere Ende des Temperaturmessbereichs erreicht, über 120 Grad kann die Kamera keine Temperaturwerte mehr angeben. Nach unten ist bei -20 Grad Schluss. Temperaturunterschiede erkennt die Kamera mit 0,1 Grad Unterschied.

Der Feuertopf
Vergrößern Der Feuertopf

Tiere aufspüren

Es wird langsam dunkel, doch Ihr Hamster oder Hase hat sich im Garten versteckt und bleibt unauffindbar? Suchen Sie einfach mit der Wärmebildkamera nach dem Tier. Denn alle Lebewesen wie Tiere, Pflanzen und natürlich auch Menschen strahlen Wärme ab und lassen sich damit besonders gut bei Dunkelheit aufspüren. Das gilt natürlich auch für den Igel, der nachts durch Ihren Garten schleicht. Oder für die Maus, die auf Ihrem Dachboden ihr Unwesen treibt.

Wärmeverlust über den Rollokasten.
Vergrößern Wärmeverlust über den Rollokasten.

Preis

Die Flir One ist kein billiger Spaß, 279,90 Euro müssen Sie für die Wärmebildkamera ausgeben, wobei der Preis für die iOS-Variante identisch mit dem für die Android-Version ist.

Lieferumfang

Flir One, Transporttasche aus Gummi, Schlüsselband, USB-Ladekabel.

Unterstützte Geräte

iPhone 5/5s/6/6 Plus/6S/6S Plus/7/7 Plus, iPad Air 1/Air 2, iPad mini/mini 3, iPad (4. Generation); Samsung S5/S6, Samsung Galaxy Tablet S10.5/S8.4, Motorola Nexus 6, Asus Nexus 7, HTC One M8, LG V400 (keine Videoaufnahme mit LG möglich)

Fazit

Die Flir One ist ein pfiffiges Technik-Gadget für Smartphone-Besitzer, die mehr sehen wollen. Den relativ hohen Anschaffungspreis können Sie vielleicht zumindest teilweise wieder reinholen, wenn Sie Ihrem Nachbarn anbieten, dessen Haus gegen eine kleine Aufwandsentschädigung genau zu scannen.

Professionelle Energieberater verwenden natürlich genauere und leistungsfähigere Wärmebildkameras. Doch für eine erste Bestandsaufnahme und für Hobby-Zwecke ist die Flir One völlig ausreichend.

0 Kommentare zu diesem Artikel

PC-WELT Marktplatz

2251434