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Fedora 29: Cutting Edge mit Gnome 3.30

05.03.2019 | 15:05 Uhr | David Wolski

Wer einen puren Gnome-Desktop sucht, bekommt mit der Hauptausgabe Fedoras ein frisches Gnome 3.30 präsentiert. Die neue Modularität im Paketsystem macht die von Red Hat unterstützte Distribution besonders für Softwareentwickler interessant.

Vor 15 Jahren spaltete Red Hat das Linux-System „Fedora Core“ von Red Hat Enterprise Linux ab, das fortan im kostenpflichtigen Abo mit Support erhältlich war, während Fedora zur Testplattform und zum Trendsetter wurde. Auch jetzt ist Fedora immer eine Vorschau auf jene Eigenschaften und Funktionen, die später in die anderen Red-Hat-Systeme einfließen, sofern sie sich bewährt haben. Dies bedeutet nicht, dass Fedora Workstation ein flüchtiges, instabiles Experiment aus dem Entwicklerlabor wäre: Für den Desktopbetrieb ist die Distribution auch in Version 29 eine klare Empfehlung. Allerdings ist es ein Linux-System, in dem sich eher fortgeschrittene Anwender zurechtfinden werden oder jene Admins, die beruflich schon Red Hat Enterprise Linux oder dessen freie Variante Cent-OS einsetzen und auf dem eigenen Desktop ein ähnlich gestricktes System bevorzugen.

Siehe auch: Neue Tipps für die populärsten Linux-Oberflächen Gnome & Co.

Gnome-Desktop und Software

Fedora präsentiert stets den neuesten Gnome-Desktop, der in der vorliegenden Version 3.30 standardmäßig mit dem Window-System Wayland läuft – und nicht mit mehr mit Xorg. Dies funktioniert zumindest mit Gnome-Programmen problemlos und bemerkenswert flott.

Falls der Grafikchip nicht mitspielt, was bei Nvidia-Karten und AMD-Chips passieren kann, ist aber weiterhin die Option „Gnome unter Xorg“ verfügbar. Zudem gibt es noch die weitere Desktopvariante „Gnome Classic“, die eine modifizierte Oberfläche mit traditionellen Desktopelementen wie Taskleiste und Anwendungsmenü präsentiert, die über Gnome-Shell-Erweiterungen realisiert werden.

Der Dateimanager Nautilus hat einige Detailverbesserungen bekommen wie eine Pfadanzeige, die auf Rechtsklick reagiert. Auch die Suchfunktion ist nun in diese Leiste gewandert. In den Einstellungen gibt es Unterstützung für Thunderbolt-Geräte. Ein entsprechendes Menü zeigt sich, sobald ein Gerät dieser Klasse angeschlossen ist. Gnome-Disks, die Gnome-Anwendung zur Datenträgerverwaltung, kann nun verschlüsselte Partitionen von Veracrypt einbinden. Wer mit Gnome 3.30 nichts anfangen kann, hat aber durchaus die Wahl zwischen weiteren Oberflächen: Es gibt weitere, „Spins“ genannte Varianten von Fedora 29, die unter anderem auch KDE, LXDE, Mate als Arbeitsumgebung bieten.

Modulare Softwarepakete

Obwohl Fedora mit einer halbjährigen Erscheinungsweise eine recht flotte Entwicklungsgeschwindigkeit vorlegt, gibt es in beinahe jeder Ausgabe bemerkenswerte und tiefgreifende Neuerungen. Möglich ist der schnelle Schritt durch ein vergleichsweise großes Team, das dank Red Hat in Vollzeit an der Distribution oder wichtigen Komponenten arbeiten kann.

In Fedora 29 macht eine neue Funktion im Paketsystem auf sich aufmerksam. Diese „Modularität“ erlaubt den einfacheren Wechsel auf eine neue Version von Programmen und Programmbibliotheken innerhalb einer Fedora-Ausgabe. Benötigt ein Programm beispielsweise die Runtime Node.JS in der Version 10 oder später, so kann man in Fedora 29 darauf wechseln, ohne zu einer neuen Ausgabe der Distribution umzusteigen. In Vorbereitung waren diese Module schon in Fedora 28, jetzt sind sie aber von Haus aus aktiviert und einsatzbereit.

Ein Beispiel: Im Terminal listet das Kommando

sudo dnf module list  

alle Bibliotheken und ihre Versionen auf, die bereits in Modulform vorliegen. Der Befehl

sudo dnf module enable nodejs:11  

installiert dann Node.JS in der Version 11.

Frühjahrsputz: Platz auf Linux frei machen

Fazit: Fedora braucht Feinschliff

In den letzten Jahren ist Fedora zu einer der einflussreichsten Linux-Distributionen geworden. Dass Fedora auf dem Desktop keine große Verbreitung findet und längst von Ubuntu-Varianten und -Derivaten überholt wurde, liegt an den Zielen, die Red Hat mit Fedora verfolgt: Die liegen nicht auf dem Desktop und bei Linux-Einsteigern. Das zeigt sich in vielen Details: So ist der Installer auch weiterhin kein pures Vergnügen, obwohl der Partitionierer erneuert wurde. Für viele Umsteiger zählt der erste Eindruck – und der lässt bei der Einrichtung auf Festplatte weiterhin zu wünschen übrig.

Davon abgesehen ist Fedora 29 gelungen und gibt keinen Anlass zur Kritik. Wer sich von der umständlichen Installation nicht abschrecken lässt, erhält ein schnelles und sorgfältig zusammengestelltes Linux-System mit einer topaktuellen Auswahl von Programmen für fast jeden Einsatzzweck.

Fedora 29: Installation und Einrichtung

Die Hardwareanforderungen von Fedora 29 sind mit Gnome 3.30 keineswegs bescheiden: Mindestens 1 GB Arbeitsspeicher belegt die Arbeitsumgebung schon ohne laufende Programme.

Erst mit vier GB RAM lässt sich Fedora 29 Workstation sinnvoll betreiben, wenn anspruchsvollere Software zum Einsatz kommt. Dazu passt, dass 32-Bit-Prozessoren von Fedora nicht mehr unterstützt werden.

Nach der Installation lohnen sich bei Fedora, egal welche Desktopausgabe („Spin“), immer einige Anpassungen.
Kernel-Erweiterung Selinux: Fedora nutzt Selinux, eine Kernel-Erweiterung, die für restriktive Zugriffsrechte auf Dateien und Dienste sorgt, um die auch root nicht herumkommt. Mit nachinstallierten Kernel-Modulen, etwa von Vmware, Virtualbox und proprietären Grafiktreibern kommt es zu Konflikten, da Selinux diese Module nicht zulässt. Auf einem Desktopsystem wäre die Anpassung von Selinux in vielen Fällen schlicht zu aufwendig und es ist einfacher, Selinux komplett abzuschalten. Dazu ändern Sie in der Konfigurationsdatei „/etc/selinux/config“ die Zeile „SELINUX=enforcing“ zu „SELINUX=disabled“ und starten das System neu.

Gnome-Erweiterungen: Um Gnome mit Erweiterungen aufzupolieren, ist das Gnome-Tweak-Tool unentbehrlich, das Shell-Erweiterungen aktiviert, deaktiviert und Optionen festlegt. Es ist im Terminal mittels

sudo dnf install gnome-tweak-tool 

zu installieren.

Extra-Repositories: Fedoras enthält mittlerweile viele freie Codecs und MP3-Unterstützung. Viele andere Player und Multimedia-Bibliotheken liegen aber in den externen Repositories „RPM Fusion“. Die Seite https://rpmfusion.org/Configuration erläutert in wenigen Befehlen die Einrichtung dieser Paketquellen.

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