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Auf ISS: Linux-Super-Computer trotzt kosmischer Strahlung

28.06.2018 | 10:50 Uhr |

Der Spaceborne Computer hält seit Mitte August 2017 der kosmischen Strahlung statt. Obwohl er anders als die sonst eingesetzten Weltall-Rechner keine spezielle Hardware besitzt. Sei einziger Schutz gegen die zerstörerische kosmische Strahlung ist ein speziell angepasstes Linux.

Update 28.6.2018: HPE-Super-Computer auf der ISS hält sich wacker

Das High Performance Commercial Off-The-Shelf (COTS) Computer System (Spaceborne Computer), das eine Falcon-9-Rakete Mitte August 2017 zur ISS geflogen hat, verrichtet einwandfrei seine Arbeit, wie die Süddeutsche Zeitung online berichtet. Obwohl der Computer anders als die sonst auf der ISS eingesetzten Rechner Hardware-seitig nicht speziell gegen die schädliche kosmische Strahlung geschützt ist.

Seit rund neun Monaten trotzt der Supercomputer auf der ISS dem Dauerbeschuss aus dem All. Sein einziger Schutz besteht darin, dass seine Linux-Software den Rechner drosselt, wenn ein Sonnensturm loslegt. Die Linux-Distribution erkennt selbstständig einen Anstieg der Strahlung, beispielsweise durch einen Sonnensturm, und reduziert sofort die Rechenleistung. Das soll Schäden am System vermeiden. Seinen Strom bekommt der Spaceborne Computer von den Solarzellen der ISS, die Kälte des Weltraums kühlt ihn wiederum.

Um feststellen zu können, ob der auf der ISS eingesetzte Super-Computer schneller altert, als es auf der Erde der Fall sein würde, läuft exakt das gleiche Modell zeitgleich noch einmal auf der Erde. Im September 2018 nach der Rückkehr des Spaceborne Computer von der ISS zur Erde werden Experten die beiden Rechner miteinander vergleichen. Bis jetzt fällt die Bilanz jedenfalls sehr gut aus, der nicht speziell für den Weltraum gehärtete Rechner schlägt sich wacker. Dank seiner speziellen Linux-Software. Update Ende

Meldung vom 14.8.2017: Eine Falcon-9-Versorgungsrakete des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX startet heute von Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida. Sie bringt neben diversen anderen Versorgungsgütern auch einen Super-Computer zur Raumstation ISS.

Dieser Spaceborn Computer ist ein Gemeinschaftsprojekt von Hewlett Packard Enterprise (HPE) und der NASA. Der Spaceborn Computer soll aber nicht etwa die Rechenleistung auf der internationalen Raumstation steigern. Sondern die Maschine dient zur Erprobung: Die Wissenschaftler wollen erforschen, wie sich ein kommerzieller Rechner, dessen Hardware nicht speziell für die Zwecke der Raumfahrt angepasst wurde, im Weltall schlägt.

Weil die ISS sich außerhalb der schützenden Erdatmosphäre befindet, verursacht die kosmische Strahlung eine schnellere Alterung der im Computer verbauten Elektronik. Die bisher im Weltall verwendeten Rechner werden deshalb besonders robust gefertigt, doch diese spezielle Weltraum-Festigkeit kostet viel Zeit und Geld. Zudem sind derartige Weltraum-Rechner schwerer als normale Modelle und weniger leistungsfähig. Deshalb starten HPE und NASA nun einen Versuch mit einem Hardware-seitig nicht speziell Weltall-tauglich gemachten Hochleistungs-Rechner.

Nur Software wurde speziell ertüchtigt

Auf dem Super-Computer läuft eine Linux-Distribution, die softwaremäßig so angepasst wurde, dass sie einen Anstieg der Strahlung, der beispielsweise durch einen Sonnensturm verursacht wird, erkennt und sofort die Rechenleistung reduziert. Das soll Schäden am System vermeiden und auch den Energieverbrauch senken.

Der HPE-Super-Computer, der übrigens wassergekühlt ist, soll ein Jahr auf der ISS arbeiten. Danach wird er zurück zur Erde gebracht und daraufhin untersucht, wie stark er im Vergleich zu einem baugleichen Super-Computer auf der Erde gealtert ist. Eine derartige 1:1-Vergleichsmaschine lässt HPE auf der Erde laufen.

Sollte der Rechner mit den Bedingungen im Weltall wie der Schwerelosigkeit oder der Strahlung klar kommen, dann wäre der Einsatz vergleichbarer Super-Computer, die lediglich softwaremäßig speziell für den Weltall vorbereitet wurden, für künftige Missionen tief in die Weiten des Weltalls denkbar. Konkret denkt die NASA an die Mars-Mission: Die Kommunikation zwischen der Erde und den Astronauten auf dem Mars würde insgesamt 40 Minuten dauern: Ein Signal benötigt jeweils 20 Minuten bis zum Mars und weitere 20 Minuten zurück zur Erde.

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