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Fake-News-Experiment: "Gratis-Sex für Asylanten“ in "Bad Eulen"

31.07.2017 | 13:58 Uhr |

Mit bewusst verbreiteten Falschmeldungen wie „Gratis-Sex für Asylanten – Landratsamt zahlt“ haben Forscher die Verbreitung von Fake-News untersucht.

Professor Wolfgang Schweiger und zwei Mitarbeiterinnen haben auf der als Nachrichtenseite getarnten Webseite "Der Volksbeobachter" und der dazu gehörigen Facebook-Seite absichtlich Fake-News veröffentlicht, um deren Verbreitung in den sozialen Netzwerken zu untersuchen. Die Schlagzeilen der Fake-News lauteten zum Beispiel „Flüchtling schnappt Deutschem Job weg“, „Gratis-Sex für Asylanten – Landratsamt zahlt“ und „Grüne wollen Café Mohrenkopf schließen“. Um die Falsch-Meldungen in den sozialen Netzen leichter verbreiten zu können, legten die Forscher auch noch Fake-Profile an, über die sie diese Fake-News teilten. Mittlerweile hat sich „Der Volksbeobachter“ als Fake-News-Schleuder geoutet, das Experiment ist beendet.

Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die Fake-News in den sozialen Netzen rasch die Runde machen würden. Etliche Nutzer würden Meldungen unüberprüft übernehmen und verbreiten. Obwohl nach Meinung von Professor Schweiger schon allein der Name und das Logo der Webseite „Der Volksbeobachter“ Argwohn erregen sollte. Sei doch die Nähe zum nationalsozialistischen Hetzblatt „Der Völkische Beobachter“ offensichtlich gewesen – so könne keine seriöse Nachrichtenseite heißen, der man vertrauen dürfe.

Zudem seien Details aus den Meldungen erfunden gewesen; den Gratis-Sex für Asylanten gab es beispielsweise angeblich in dem Städtchen Bad Eulen – das aber überhaupt nicht existiert und zudem etwas nach dem Schalk „Till Eulenspiegel“ klingt. Offensichtlich machten sich nur wenige der Leser die Mühe um nach „Bad Eulen“ im Internet oder auf einer Karte zu suchen. Mit wenig Aufwand – Professor Schweiger spricht von einer Stunde am Tag – könne man mit Fake-News eine hohe Reichweite erzielen, wie die Tagesschau berichtet.

Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn durch dieses Experiment hält sich allerdings in Grenzen. Dass Themen rund um Gratis-Sex immer schnell und gerne unüberprüft verbreitet werden, dürfte niemanden überraschen. Und dass sich die Partei „Die Grünen“ tatsächlich an dem Begriff „Mohrenkopf“ stören könnte, dürfte nach der von der Grünen-Chefin Simone Peter losgetretenen Nafri-Diskussion gar nicht mal so abwegig erscheinen. Prompt erntet Professor Wolfgang Schweiger nicht nur Lob für sein Experiment, sondern auch Kritik.

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