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Emulator Exagear: x86-Software auf Raspberry

19.10.2017 | 12:10 Uhr |

Der Raspberry Pi verwendet eine stromsparende ARM-Architektur und kann deswegen auch nur ARM-kompatible Software ausführen. Doch mit dem schnellen x86- Emulator Exagear kommen x86-Programme auf ARM-Geräte.

Sehr einfach charakterisiert sind ARM-CPUs stromsparender, aber langsamer als x86-CPUs von Intel oder AMD. Software wird immer für eine bestimmte Architektur kompiliert (für ARM oder für x86) und läuft nur dort. Jedoch kann ein Emulator eine Brücke bauen. Diese Aufgabe übernimmt der Exagear-Desktop, der x86-Software auf ARM-Geräte bringt.

Bei x86-Windows-Software kommt ein weiteres Problem hinzu, denn Windows-Programme laufen nicht unter Linux – trotz x86-Architektur. Hier hilft Wine: Wine baut seit vielen Jahren die Windows-API nach, um Windows-Code in Echtzeit an Linux zu übergeben – zum Teil mit sehr guten, zum Teil mit mangelhaften Ergebnissen. Wine gibt es aber nur für x86-Architektur. Soll also ein Windows-Programm auf einem Raspberry laufen, müssen Sie Wine via Exagear-Desktop installieren. Die Datenbank unter https://appdb.winehq.org/ zeigt, welche Programme wie gut unter Wine laufen.

Lesetipp Raspberry Pi: So klappt die Installation und Einrichtung

Sie bekommen den Emulator Exagear nicht nur für den Raspberry Pi  . Die Firma Eltechs unterstützt auch Odroid, Banana Pi, Cubieboard und weitere. Exagear ermöglicht derzeit ausschließlich 32-Bit-Anwendungen. Die Software ist nicht kostenlos: Eine lebenslange Exagear-Lizenz kostet je nach Gerät ab circa 15 bis zu 50 Euro.

Raspberry Pi vorbereiten

Wir haben den Exagear-Desktop auf einem Raspberry Pi 3 mit einem aktuellen Raspbian installiert. Dort muss ausreichend Platz für die Software bereitstehen: Etwa 1,5 Gigabyte Speicherplatz fordert allein der Emulator für die Installation, hinzu kommt noch die x86-Software, die Sie später installieren möchten.

Zunächst einmal müssen Sie den Raspberry Pi entsprechend vorbereiten. Exagear unterstützt bei Raspberry Pi 2 und 3 Grafikbeschleunigung. Das ist für x86-Anwendungen nützlich, die Open GL bis zu Version 2.1 nutzen. Öffnen Sie ein Terminal und danach die Pi-Konfiguration:

sudo raspi-config

Navigieren Sie mit den Pfeiltasten zum Punkt 7 „Advanced Options“ und bestätigen Sie die Wahl mit der Eingabetaste. Öffnen Sie nun „A6 GL Driver“ und wählen danach „G1 GL (Full KMS)“ aus. Nun erscheint die Meldung „The full KMS GL driver is enabled“. Bestätigen Sie das, beenden Sie das Konfigurationsprogramm, und starten Sie den Raspberry Pi neu.

Den Exagear-Desktop installieren

Sie erhalten Exagear für den Raspberry Pi als „tar.gz“-Archiv sowie einen Lizenzschlüssel, der die Endung „.key“ trägt. Packen Sie das Archiv aus:

tar xzvf exagear-desktop-rpi3.tar.gz

Danach finden Sie mehrere Dateien im aktuellen Verzeichnis, unter anderem das Shell-Script „install-exagear.sh“. Bevor Sie die Datei aufrufen, stellen Sie sicher, dass der Lizenzschlüssel im gleichen Ordner liegt. Nun installieren Sie den Emulator:

sudo ./install-exagear.sh

Das Script installiert per Standard das x86-Abbild, das am besten zu Ihrem System passt. Bei Raspbian ist das Debian 8. Sie könnten auch eine Ubuntu-Installation erzwingen, indem Sie diesen Befehl ausführen:

sudo ./install-exagear.sh ubuntu-1404

Manche Programme laufen nur mit Ubuntu. Ein prominentes Beispiel wäre etwa Spotify. Die Installation des Emulators dauert einige Minuten.

Hinweise: Der Installationspfad des Abbildes ist „/opt/exagear“. Wollen Sie überprüfen, welches Exagear-Abbild installiert ist, verwenden Sie diesen Befehl:

exagear-ls

Nach der Installation starten Sie mit diesem Befehl die x86-Umgebung:

exagear

Überprüfen Sie dann die Architektur, indem Sie die Informationen über den Kernel abfragen:

uname -a
„uname -a“ in der Exagear-Umgebung zeigt das Ergebnis „i686“ als Architektur.
Vergrößern „uname -a“ in der Exagear-Umgebung zeigt das Ergebnis „i686“ als Architektur.

Hinweis: Da die x86-Welt virtualisiert ist, sieht sie nur sich selbst. Das Home-Verzeichnis der Außenwelt ist aber erreichbar, beziehungsweise identisch. Benötigen Sie weitere Dateien vom Raspberry Pi, dann können Sie einen Ordner im x86-Abbild einbinden. Sie finden Informationen dazu im PDF-Handbuch (Kapitel 2.6), das sich in der „tar.gz“-Datei befindet. Dort steht außerdem, wie Sie Cronjobs einrichten oder Exagear aktualisieren.

Aktualisieren Sie im Anschluss die Paketquellen für das Exagear-Abbild:

sudo apt-get update

Mit dem Befehl

exit

verlassen Sie den x86-Modus wieder.

Lesetipp Raspberry Pi: So schützen Sie sich vor dem Trojaner

x86-Anwendungen installieren

Sobald Sie sich im x86-Modus befinden, können Sie x86-Programme installieren. Am einfachsten nutzen Sie dafür den Paketmanager apt. Er greift direkt auf die Debian-Repositories zu – plus einige spezielle des Herstellers Eltechs. Manche Linux-Software können Sie auch direkt von der Projektseite beziehen, wie zum Beispiel Telegram. In den Standardrepositories befindet sich auch Wine 2.0 für Windows-Programme, das Sie mit

apt-get install wine

installieren. Rufen Sie nach der Installation von Wine die Konfiguration auf, da das den Download weiterer wichtiger Pakete auslöst:

winecfg

Nach der Installation schließen Sie das Fenster. Sie können Windows-Installer oder Programme nun wie folgt aufrufen:

wine programm.exe | programm.msi

Übrigens: Ältere Windows-Spiele laufen gut via Wine auf dem Raspberry Pi. Eltechs demonstriert sowohl Counter Strike als auch Diablo II in einem Video .

Desktopapps die normalerweise auf einem Raspberry Pi 3 und generell auf ARM-Architektur nicht laufen.
Vergrößern Desktopapps die normalerweise auf einem Raspberry Pi 3 und generell auf ARM-Architektur nicht laufen.

Winetricks können weiterhelfen

Das Installieren von Windows-Programmen über die API-Nachbildung Wine kann frustrierend sein. Das System meckert nicht selten, dass eine DLL-Datei „xyz“ fehlt. Unser Versuch, den Bildviewer Irfanview zu installieren, endete in der Fehlermeldung, dass „mfc42.dll“ nicht gefunden werden konnte. An dieser Stelle wäre das Paket Winetricks sehr nützlich, es befindet sich aber nicht in den Repositories. Laden Sie es deswegen bei Bedarf aus dem Internet ( Debian ) und installieren Sie es im x86-Modus:

sudo dpkg -i winetricks_[xxx].deb

Der Befehl könnte melden, dass Abhängigkeiten fehlen. Führen Sie in diesem Fall aus:

sudo apt-get install -f

Danach sind sowohl die Abhängigkeiten erfüllt als auch Winetricks installiert. Nun lässt sich die fehlende Bibliothek mfc42.dll sehr einfach installieren:

winetricks mfc42

Eine Liste mit allen verfügbaren DLLs bekommen Sie so:

winetricks dlls list

Für weitere Optionen werfen Sie einen Blick in die Dokumentation . In unserem Fall könnten wir Irfanview nach der Installation der fehlenden Bibliothek ohne Probleme installieren.

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