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Elgato Stream Deck für Mac und Windows im Test

24.01.2018 | 11:09 Uhr |

Eine direkte Alternative zur Touchbar des Macbook Pro ist das Elgato Stream Deck zwar nicht. Wir haben aber viele praktische Verwendungsmöglichkeiten gefunden.

In unserer Meldung zum Elgato Stream Deck waren wir noch recht euphorisch, ob man mit dem kleinen Gerät und seinen 15 LCD-Tasten für normale Macs sogar Apples Touchbar auf neueren Macbook Pro ein Stück weit ersetzen könnte. Doch in unserem Test lässt sich das nur zum Teil bestätigen. So finden wir für den ”Live Content Creation Controller” zwar Aktionen zur Regulierung der Lautstärke oder für die Steuerung von Musiktiteln, aber Tasten für die Helligkeit und anderes mehr fehlen. Doch immerhin.

Für Youtuber wie Alltagsnutzer

Möglich sind dagegen klar definierte Aktionen, die sich rechts im Fenster der Software in verschiedenen Kategorien fix und fertig finden. Eigentlicher Zweck des Controllers ist es schließlich, auf Online-Plattformen wie Elgato Game Capture, OBS, Twitch, Twitter, TipeeeStream und andere mit vorprogrammierten Aktionen per Tastendruck Szenen zu wechseln, Medien und Overlays zu starten, den Ton anzupassen und anderes mehr. Das soll zum Beispiel aktive Youtuber begeistern, die für die Präsentation ihres Contents direkte Aktionen und Interaktionen in einem definierten Rahmen erhalten.

Elgato Stream Deck im Macwelt Preisvergleich ab 145 Euro

Dieser Verwendungszweck wurde bereits von anderen Websites und auf einem Video auf Youtube ( zum Beispiel hier ) selbst umfassend und mit positivem Gesamtergebnis vorgestellt. Uns interessierte für unseren Test etwas anderes, nämlich die praktische Verwendbarkeit im ganz normalen Alltag eines Mac- und Windows-Users. So können wir das Gerät beispielsweise leicht als Programmstarter mit leuchtenden Icons oder für Shortcuts (Tastaturkürzel) innerhalb von bestimmten Programmen nutzen oder sogar für Spiele. Auch häufig besuchte Websites, etwa Macwelt.de , lassen sich damit schnell zugänglich auf eine der 15 LCD-Tasten legen. Spannend ist die Möglichkeit, Ordner anzulegen und innerhalb dieser weitere Tasten zu definieren. Hier könnte man etwa seine Programme zur Bildbearbeitung oder fürs Office zusammenfassen, oder häufig genutzte Tastaturkürzel in Programmen. Dadurch lassen sich insgesamt über 200 Tasten selbst belegen. Für Power-User sicherlich eine interessante Option.

Schicke konfigurierbare Mini-Displays

Das Deck lässt uns weitgehende Freiheit bei der Beschriftung und für die Bilder, die wir benutzen und die sofort auf den Mini-Displays erscheinen. Die Bilder sollten nicht größer sein als 72 x 72 Pixel. Wir machen von manchen Programm-Icons einfach Screenshots und ziehen diese auf die Software, auf der man die Tasten einrichtet. Doch Elgato bietet auch einen tollen Service: Auf dieser Site , die man auch direkt aus dem Editor heraus erreicht, lassen sich recht ansprechende Icons selbst gestalten.

Wir probieren das Deck zunächst auf dem Mac aus. Hier legen wir Tastaturkürzel an, um Programme zu öffnen, die wir häufig verwenden, wie Microsoft Word, Rapid Weaver oder Star Money. Auch andere häufige Aktionen wie Drucken oder Kopieren und Einfügen geben wir vor, Letzteres mit einer Spezialfunktion. Das Deck verfügt nämlich über einen Umschalter, der zwischen zwei Aktionen immer hin und her schaltet. In vielen Fällen sehr praktisch. Auch Websites wie Macwelt.de können wir im Standardbrowser nach Eingabe des Links direkt öffnen. Dafür legen wir uns ein schönes, wenn auch älteres Macwelt-Icon an. So muss man auf den LCDs nicht lange lesen. Denn wir können auch einfach und in Echtzeit Text eingeben, was unsere Tasten auslösen sollen. Das geht leider nur in weißer Schriftfarbe, was bei manchen Icons unpraktisch ist, wenngleich sich die Schrift unten, in der Mitte oder oben anzeigen lässt.

Spiele – gehen auch

Dann probieren wir es mal mit Shortcuts für Spiele. Als Beispiel dient uns Telltales "Guardians of the Galaxy" . Hier sind nicht nur häufig unter Zeitdruck die Pfeiltasten zu nutzen, sondern ganz besonders die Tasten E, Q und vor allem Shift + E und Shift + Q. Das ist in der Eile manchmal schwer zu finden, ohne hinzugucken. Also legen wir einen Ordner für Spiele mit einem passenden Icon an und probieren diese Tasten aus – klappt einwandfrei. Dann geht es wieder an die ”ernsthafte” Arbeit. Besonders in Microsoft Word gibt es einige Tastaturkürzel, die wir häufig verwenden, um ein Dokument zu ”Sichern als”, oder um Text formatiert einzufügen, den Thesaurus aufzurufen oder die intelligente Suche sowie um den ”Focus” zu aktivieren, der volle Konzentration auf das Dokument gestattet. Das geht alles kinderleicht und funktioniert einwandfrei. Die entsprechenden Tastaturkürzel fürs Einfügen eines Textes in der im Abschnitt vorliegenden Formatierung gehen genauso gut wie auch in anderen Programmen wie Pages oder Mail usw. Hier sind der Kreativität und dem Einfallsreichtum praktisch keine Grenzen gesetzt.

Apple Script per Taste aktivieren

Was ist aber mit Aktionen wie Scripts? Direkt eingeben kann man sie nicht. Wir schreiben uns aber zum Beispiel in Apple Script ein kleines Programm für den Ruhezustand, ab sofort legt sich unser Mac per Knopfdruck schlafen. Sehr praktisch. Leider ist es uns nicht gelungen, auch ein entsprechendes Skript für das Fenster "Programm beenden" zu schreiben, wir scheitern hier regelmäßig an der Escape-Taste. Aber auch dafür wird sich noch eine Lösung finden. Auch unter Windows lassen sich auf analoge Weise Skripte starten.

Gute Qualität

Nun ein paar Worte zur Hardware des kleinen Controllers. Dieser besteht aus einer Mischung aus Metall (Halterung für LCDs) und Plastik und wirkt insgesamt sehr hochwertig. Die 15 transparenten Tasten mit den LCD-Displays fühlen sich gummiartig an und haben keinen klaren Druckpunkt. Probleme hatten wir bei der Bedienung aber nicht. Der Kasten ist nur 2,1 x 11,8 x 8,4 Zentimeter groß und über USB-Kabel mit dem Mac oder PC zu verbinden, an die Xbox soll er ebenfalls passen. Man kann ihn bei einem Gewicht von 251 Gramm sogar locker in der Hand halten, was bei bestimmten Spielen ganz praktisch ist. Ein höhenverstellbarer Ständer für den Schreibtisch ist ebenfalls dabei. Den Controller gibt es nur in Schwarz.

Testlauf unter Windows

Übrigens lassen sich verschiedene Profile anlegen für unterschiedliche Zwecke, die dann die entsprechenden Tastenbewegungen je nach Programm oder Arbeitsbereich zeigen. Profile lassen sich außerdem exportieren und importieren, etwa, um sie mit anderen Usern zu teilen oder als Backup. Wir versuchen noch einen anderen Verwendungszweck und nutzen das Stream Deck nun unter Windows 10 und importieren das Mac-Profil, was an sich ungewöhnlich erscheint. Doch einige Tasten funktionieren dort tatsächlich gleich oder ähnlich, bei Websites braucht es keine Veränderung, bei Print zum Beispiel wird die Cmd-Taste automatisch zur Windows-Taste, diese ist leicht durch die erforderliche Taste ersetzt zu Strg + P. Die Icons für die Programme bleiben ebenfalls erhalten, was zum Beispiel bei Word und Star Money im Grunde bleiben kann, nur ist hier der Pfad neu anzulegen. Auch unsere Spiele-Shortcuts bleiben erhalten, also durchaus eine Erleichterung bei der Umstellung. Unter Windows legen wir beispielsweise noch eine Taste für den Task-Manager (Strg + Shift + Esc) aufs Deck, außerdem eine Option zum flotten Beenden von Programmen und Spielen (soweit diese darauf reagieren: Alt + F4). Auch ansonsten ist die Erfahrung mit dem Controller vergleichbar erfreulich und funktioniert auch hier einwandfrei.

Neue Version

Als wir diesen gerade Test abschließen wollen, kommt ein Update für die Software auf 2.0 und die Firmware für das Deck, welche einige Verbesserungen versprechen. So lassen sich nun für manche Dienste wie OBS Studio Aufnahmen und Livestreams direkt starten und stoppen, die Helligkeit der LCDs (was vorher nur über die Software ging) lässt sich jetzt direkt über das Stream Deck per Aktion steuern, Profile lassen sich nun passend zum Programm automatisch anpassen, jetzt tatsächlich ähnlich wie bei Apples Touchbar, und außerdem kann man ab sofort mehrere Stream Decks gleichzeitig am selben Gerät benutzen. Tatsächlich hat man irgendwann das Gefühl, mit den 15 Tasten nur begrenzt auszukommen, und in einen Ordner gehen bedeutet auch, die anderen Haupttasten aus dem Auge zu verlieren. Also im Grunde eine gute Lösung – wäre da nicht der Preis. Denn die knapp 150 Euro – bei Amazon.de ist es etwas weniger – leistet man sich vielleicht einmal. Bei zwei- oder dreimal wird es aber schon happig. Das ist eher was für Profis oder wirklich absolute Power-User.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Für den Mac ist mindestens macOS 10.11 erforderlich, auf dem PC braucht es wenigstens Windows 10. Die Verbindung mit dem Deck inklusive einstellbaren Ständer geschieht über USB 2.0. Der Preis für ein Deck liegt wie erwähnt bei knapp 150 Euro

Fazit und Empfehlung

Wir hätten nach unseren insgesamt sehr positiven Erfahrungen gern ein Deck jeweils am Mac und am PC, wenn es nicht ein bisserl zu teuer wäre, siehe oben. Doch mit einem Gerät sind wir auf jeden Fall gern dabei. Und wenn wir schon beim Wünschen sind, toll wäre eine Art von Widgets für die kleinen Bildschirme, zum Beispiel mit einer Uhr in Echtzeit oder einer minimalistischen Wetteranzeige und manches mehr, und auf Knopfdruck öffnet sich die eigentliche Anwendung. Ob die Entwickler da noch nachlegen? Denn das Elgato Stream Deck hat schon jetzt die Perspektive, auch unabhängig vom Live-Streamen auf den entsprechenden Plattformen zu einem Stück praktischen Alltagswerkzeugs an Mac und PC zu werden, fast wie ein Lifestyle-Produkt für unsere täglichen Arbeits- und manchmal Spielgeräte. Denn auf eine bunte Taste zu drücken mit der passenden Anzeige ist viel einfacher und macht mehr Spaß als den ”Klammeraffen” für komplizierte Tastaturkürzel zu spielen.

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