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Edna, Ampache und Volumio - Musikserver im Heimnetz

26.03.2018 | 11:11 Uhr |

Dank Spotify, Amazon oder Apple wird Musik heute vorwiegend digital per Stream konsumiert. Das hat gegenüber der alten CD den Vorteil, Musik im ganzen Haus verteilen zu können. Wir stellen hier die besten Lösungen für Musikstreaming im Heimnetz vor.

Die Digitalisierung ermöglicht es, viele Stunden Musik auf Playern oder Smartphones in der Hosentasche mitzunehmen. Und dank Streamingportalen muss niemand mehr Musik unbedingt „besitzen“. Allerdings schafft die Digitalisierung auch Probleme: Der CD- oder Plattenschrank vergangener Tage hatte einen großen Vorteil. Alles befand sich an einem Platz. Ein Griff, und das gewünschte Album wurde abgespielt. Heute gibt es Playlisten auf Spotify und gekaufte Musikdateien liegen verstreut auf diversen Geräten. Jedoch können Musikserver die zentrale Rolle des Plattenschranks übernehmen und die Dateien per Stream an angeschlossene Clients zu übertragen.

Edna: Klein – einfach – kompakt

Das in Python geschriebene Programm beschränkt sich auf die Kernfunktionen eines Musikservers. Es ist nicht in den offiziellen Quellen der großen Distributionen enthalten, deswegen müssen Sie sich die aktuelle Version von der Projektseite in Form einer ZIP-Datei herunterladen ( https://sourceforge.net/projects/edna/ ). Nach dem Abschluss des Downloads entpacken Sie das Archiv in einen Ordner Ihrer Wahl. Gesteuert wird das System über die Konfigurationsdatei „edna.conf“. Suchen Sie dort nach der Angabe „port“ und ändern Sie diesen auf einen Wert Ihrer Wahl.

Edna wird über eine einfache Textdatei gesteuert.
Vergrößern Edna wird über eine einfache Textdatei gesteuert.

Unmittelbar nach der Installation wird dort der typische Port 8080 für einen Webserver verwendet und das kollidiert möglicherweise mit einer bereits auf dem Rechner laufenden anderen Anwendung.

In der Rubrik „[sources]“ geben Sie die Pfade zur Ihrer Musiksammlung an. Praktischerweise liefert der Entwickler bereits Beispiele mit. Passen Sie diese an Ihre eigenen Verzeichnisnamen an und entfernen Sie das führende Kommentarzeichen. Speichern Sie die Datei und öffnen Sie ein Terminal. Wechseln Sie dort in das Verzeichnis, in das Sie die Anwendung installiert haben, und geben Sieden Befehl

python edna.py

ein. Sobald der Server meldet, dass er seine Arbeit aufgenommen hat, können Sie sich am gleichen Rechner mit dem Browser unter „http://localhost:[Port]“ ansehen, ob Ihre Musiksammlung richtig eingelesen wurde. Auf anderen Clientgeräten im Netzwerk verwenden Sie im Browser die Adresse „http://[IP]:[Port]“.

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Edna arbeitet rekursiv und durchsucht alle Verzeichnisse unterhalb der in der Konfigurationsdatei eingetragenen Ordner. Da Edna einfach die Ordner einliest, ergibt sich daraus auch die Struktur Ihrer Musiksammlung. So können Sie beispielsweise Stammordner für verschiedene Genres anlegen und darunter dann Verzeichnisse für die Alben. Befinden sich in den einzelnen Ordnern Bilddateien, werden diese als Cover genutzt. In Musikdateien eingebettete Cover kann Edna allerdings nicht wiedergeben. Haben Sie den Server über das Terminal gestartet, beendet Strg-C diesen wieder. Die Konfigurationsdatei ist gut dokumentiert und ermöglicht viele weitere Einstellungen. So können Sie den Zugriff auf den Server auch mittels Benutzernamen und Passwort absichern.

Ampache: Komplexe Apache-Software

Ampache dürfte bei den meisten Anwendern kaum Wünsche offen lassen. Der Musikserver setzt allerdings einen Webserver (am liebsten Apache), PHP und My SQL voraus – die klassische Lamp-Umgebung also. Der Artikel geht davon aus, dass Sie diese bereits eingerichtet haben.

Ampache erhalten Sie auf http://ampache.org/ . Den Inhalt des Archivs entpacken Sie zunächst in einen Ordner Ihrer Wahl. Diesen verschieben Sie mit root-Recht in das Stammverzeichnis des Webservers für HTML-Dokumente – meist „/var/www/html/“. Damit der Webserver die Konfiguration übernehmen kann, müssen die Dateien ihm als Benutzer zugeordnet werden.

sudo mv /DOWNLOADVERZEICHNIS /var/www/html/ampache
sudo chown -R www-data:www-data /var/www/html/ampache
sudo chmod -R 777 /var/www/html/ampache/config

Dann rufen Sie mit dem Browser und der Adresse „http://localhost/ampache/install.php“ die Installationsroutine auf. Legen Sie auf dem Startbildschirm die Sprache auf „Deutsch“ fest. Das Programm ist holprig übersetzt, aber schlechtes Deutsch ist besser als keines. Im ersten Schritt überprüft Ampache, ob alle Systemvoraussetzungen erfüllt sind. Bei den einzelnen Einträgen sollte ein grüner Schalter zu sehen sein. Ist das nicht der Fall, lesen Sie sich die Fehlerbeschreibung durch. Unter Umständen müssen Sie noch eine Komponente nachinstallieren.

Ampache ist ein funktionsreicher Musikserver auf Apache-Basis.
Vergrößern Ampache ist ein funktionsreicher Musikserver auf Apache-Basis.

Im nächsten Schritt geht es an die Anlage der Datenbank. Dazu müssen Sie die URL zum Datenbankserver angeben. Wenn dieser auf der gleichen Maschine liegt, genügt „localhost“. Außerdem hinterlegen Sie das Passwort für den root-User der Datenbank (das ist nicht das root-Passwort Ihres Systems!). Unbedingt zu empfehlen ist das Ankreuzen der Option „Erstelle Datenbanknutzer“. Wie beim übrigen System ist es nie eine gute Idee, den root-User im Alltag zu benutzen. Setzen Sie ein Passwort für den Datenbanknutzer und fahren Sie fort.

Lesetipp Die besten Musik-Streaming-Dienste im Vergleich

Auf der nächsten Seite haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Installationsarten. Belassen Sie es bei „Standard“ und wählen Sie am unteren Rand die Back-Ends aus, was Sie benötigen: Möchten Sie das System etwa als iTunes-Server nutzen, muss dort das entsprechende Häkchen gesetzt werden. Jetzt können Sie die Konfiguration schreiben lassen. Danach legen Sie noch einen administrativen Benutzer an. Nach einem letzten Check auf Updates werden Sie zur Anmeldeseite geleitet. Dort loggen Sie sich mittels des gerade für „admin“ hinterlegten Passworts an.

Nun legen Sie Ihren ersten Katalog an: Vergeben Sie einen Namen und wählen Sie unter „Katalogtyp“ aus, ob es sich um ein lokales Verzeichnis oder um eine externe Quelle handelt. Im Falle von „lokal“ tragen Sie den Pfad zu Ihrer Musiksammlung ein. Mit „Katalog hinzufügen“ werden anschließend die Daten eingelesen. Weitere Kataloge können Sie jederzeit mit einem Klick auf das kleine Buchsymbol in der linken Navigation einrichten.

Es lohnt sich an manchen Stellen ein genauer Blick, so ganz besonders auf angebotenen Module (Klick auf das kleine Stecker-Symbol). Denn hier gibt es kaum eine Audioquelle, die von Ampache nicht integriert werden kann. Ob die Dateien in der Dropbox lagern oder eine Playlist von Soundcloud integriert werden soll – Ampache kann fast alles.

Ampache-Musiksammlung: Der Server integriert lokale Quellen und Freigaben im Netzwerk.
Vergrößern Ampache-Musiksammlung: Der Server integriert lokale Quellen und Freigaben im Netzwerk.

Volumio auf dem Raspberry Pi

Volumio verwandelt einen Raspberry Pi in ein Soundsystem. Wer dem Minirechner diese Aufgabe erteilt, sollte aber unbedingt in eine DAC-Erweiterungsplatine investieren (Digital Analog Converter), am besten Hifiberry. Die kleine Zusatzplatine lässt sich direkt auf dem Raspberry aufsetzen und bietet nicht nur deutlich besseren Klang, sondern die Möglichkeit, den Kleinstrechner mittels Cinch-Kabel an eine Stereoanlage oder einen externen Verstärker anzuschließen. Mit dieser Zusatzinvestition jede ältere Hi-Fi-Anlage richtig smart.

Volumio ist perfekt auf diese Kombination abgestimmt. Neben der Version für den Raspberry gibt es noch weitere Volumio-Varianten etwa für Odroid oder Beaglebone. Auch die klassische Prozessorenwelt haben die Entwickler inzwischen bedacht. Damit reanimieren Sie herumliegende ältere Netbooks. Sie können Volumio aber im Prinzip auf jedem Rechner nutzen, sofern dieser von einem USB-Datenträger gestartet werden kann.

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Eine Installation in diesem Sinne gibt es bei Volumio nicht. Sie besuchen die Projektseite https://volumio.org im Internet und laden sich die zu Ihrer Prozessorarchitektur passende Imagedatei herunter. Diese Datei müssen Sie anschließend auf den USB-Stick übertragen – etwa mit dem plattformübergreifenden Tool Etcher ( https://etcher.io/ ).

Volumio kann per WLAN auf Musikdateien zugreifen. Dazu muss allerdings der kabellose Zugang eingerichtet werden. Zumindest einmal müssen Sie den betreffenden Rechner also per Ethernet mit dem Heimnetzwerk verbinden.

Haben Sie Volumio auf die SD-Karte des Raspberry kopiert, schieben Sie die Karte ein und stecken Sie Ethernet- und Stromkabel ein. Die Konfiguration können Sie dann bequem mit einem Browser Ihrer Wahl von einem anderen Rechner ausführen. Dazu genügt die Eingabe von http://volumio.local. Wenn Sie die IP-Adresse des Raspberry kennen, funktioniert diese natürlich auch. Beim ersten Start wird ein Assistent für die Einrichtung ausgeführt, der Sie durch alle Schritte führt. Dazu gehört die Auswahl des Soundmoduls. Im Falle eines Raspberry mit Hifiberry müssen Sie dieses auswählen. Außerdem legen Sie die WLAN-Verbindung fest. Optional können Sie auch eine externe USB-Platte verbinden, auf der sich die Musikdateien befinden. Alle Änderungen lassen sich aber bei Bedarf auch später noch durchführen. Mit einem Klick auf das Zahnrad erreichen Sie das Menü „System“. Dort kann der „First Config Wizard“ jederzeit nachträglich aufgerufen werden.

Über „Meine Musik“ gelangen Sie zu Ihrer Sammlung. Die ist zu Beginn natürlich noch leer. Beginnen Sie also damit, ein Laufwerk hinzuzufügen – etwa einen USB-Datenträger. Volumio sucht aber auch automatisch im Netzwerk nach Freigaben. Wird die Software nicht fündig, geben Sie die IP-Adresse der Freigaben ein. In den „Erweiterten Optionen“ bei der Einrichtung hinterlegen Sie auch Benutzernamen und Passwort, sofern Freigaben entsprechend geschützt sind.

Bedient wird der Audioserver über jeden Browser im Netzwerk. Es gibt zwar auch eine App für Smartphones. Die ist im Kern aber auch nur ein Browser, spart somit nur die Eingabe der URL zum Server, bietet aber keinerlei zusätzliche Funktionen im Vergleich zur Weboberfläche.

VLC: Die schnelle Lösung

Der VLC-Player spielt bekanntlich so ziemlich jedes Medienformat ab. Weniger bekannt ist, dass der VLC auch Medien im Netzwerk streamen kann. Wenn Sie für eine Party nur schnell einmal Musik im Haus verteilen wollen, geht das überraschend einfach. Starten Sie das Programm und wählen Sie „Medien -> Stream“ aus. Damit befinden Sie sich in der Dateiauswahl. Mit „Hinzufügen“ öffnen Sie den Dateidialog und wählen die Titel aus, die Sie übertragen wollen. Drücken Sie auf „Stream“. Die anschließende Nachfrage quittieren Sie mit „Nächstes“. Jetzt müssen Sie das Ziel festlegen. Statt „Datei“ wählen Sie aus dem Listenfeld „UDP“.

Download VLC Media Player

Dieses Protokoll sollte von allen Clients im Netzwerk verstanden werden. Anschließend wählen Sie ein Audioprofil aus, das dem Dateiformat der gewählten Dateien entspricht. Sie wollen diese ja nicht konvertieren, sondern nur wiedergeben. Damit haben Sie schon alle Schritte durchlaufen. Audioplayer im Netz sollten die neue Klangquelle problemlos finden.

Natürlich kann der VLC-Player mit einem ausgereiften Musikserver funktional nicht mithalten, aber er ist eine praktikable flotte Hilfslösung.

Der als Abspielclient berühmte VLC kann auch als Server Musik im Netzwerk bereitstellen.
Vergrößern Der als Abspielclient berühmte VLC kann auch als Server Musik im Netzwerk bereitstellen.

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