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DVB-T2 HD: Receiver, Technik, Kosten und Sender

29.03.2017 | 12:00 Uhr |

Ende Mai 2016 ist DVB-T2 im Testbetrieb in einigen Ballungszentren gestartet. Am 29. März 2017 startet der Regelbetrieb. Was das für Sie bedeutet, welchen Receiver Sie dafür brauchen, und welche Kosten entstehen können, erfahren Sie hier.

Als das digitale terrestrische Fernsehen (DVB-T) vor über zehn Jahren in Deutschland startete, wurde es vollmundig als „Überallfernsehen“ beworben – die Infoseite der öffentlich-rechtlichen Sender zeugt noch davon. Doch das Versprechen von digitaler Bildqualität über eine einfache Antenne konnte DVB-T nie einlösen, das Senderangebot blieb ebenso knapp wie die zur Verfügung stehende Datenrate. Die Standardauflösung betrug gerade einmal 720 x 576 Pixel, im Regelbetrieb wurde sie teilweise sogar noch weiter heruntergefahren.

Die Folge waren insbesondere bei schnellen Bewegungen wie im Sport typisch unscharfe Bilder und häufige Klötzchenbildung. In Zeiten von DVD, Bluray und Internetstreaming in mindestens Full HD (1080p) fällt es tatsächlich schwer, sich damit anzufreunden. Die bisherige Auflösung von DVB-T war einfach nicht mehr zeitgemäß und geriet deshalb gegenüber über IPTV, Kabel und Satellit immer mehr ins Hintertreffen. Das alles soll mit dem neuen Standard DVB-T2 HD nun besser werden, und tatsächlich spricht bisher vieles dafür, dass es wirklich besser wird. Es gibt aber auch Einschränkungen.

Lesetipp: Die besten UHD-Fernseher im Test

DVB-T2 HD startet Regelbetrieb, altes DVB-T wird abgeschaltet

Nach einem Dreivierteljahr Probebetrieb mit sechs Sendern, von dem nur technisch Interessierte überhaupt etwas mitbekommen haben, startet das hochauflösende Fernsehen über Antenne am 29. März in Deutschland einen Regelbetrieb. Von diesem Zeitpunkt an werden je nach Region jeweils bis zu 20 öffentlich-rechtliche und private Sender zu empfangen sein – der größte Teil davon in Full-HD-Auflösung mit 50 Vollbildern pro Sekunde, das heißt also in 1080p. Eine solche Bildqualität gibt es weder beim Satelliten-oder Kabelempfang – von der Auflösung mit gerade einmal 720 x 576 Pixeln beim bisherigen terrestrischen Fernsehen DVB-T ganz zu schweigen.

Wo Sie zukünftig welche Stationen über Antenne sehen können, lässt sich für Ihren Wohnort konkret über den Empfangs-Check des Projektbüros DVB-T2 HD Deutschland überprüfen.

Über den Onlineempfangs-Check für das neue DVB-T2 HD prüfen Sie für Ihre Wohnadresse, welche Sender Sie empfangen und welche Antenne Sie benötigen – getrennt für die öffentlich-rechtlichen und die privaten Fernsehsender.
Vergrößern Über den Onlineempfangs-Check für das neue DVB-T2 HD prüfen Sie für Ihre Wohnadresse, welche Sender Sie empfangen und welche Antenne Sie benötigen – getrennt für die öffentlich-rechtlichen und die privaten Fernsehsender.

Die Webseite informiert auf zwei getrennten Karten für die öffentlich-rechtlichen sowie die privaten Programme bis auf den Straßenzug genau und in mehreren Stufen über die Signalstärke. Bei einem „starken Signal“ genügt eine Zimmerantenne, beim „mittleren“ eine Außenantenne, während ein „schwaches Signal“ eine Dachantenne erforderlich macht. Hierzu scrollen Sie so weit wie notwendig in die Empfangskarte hinein. Dazu ein Tipp: Falls Sie eine Außenantenne benötigen, können Sie das Antennenkabel über eine sogenannte Fensterdurchführung nach innen führen (ab circa fünf Euro).

Die Karten geben derzeit den Stand des Regelbetriebs Ende März wieder, wenn zunächst 44 Senderstandorte in Betrieb gehen und damit – abgesehen von den Großräumen Dresden und Freiburg – schon alle großen Ballungsräume abdecken. In drei weiteren Phasen sollen bis zum Herbst 2018 insgesamt 61 Standorte senden, wodurch die Reichweite auf 63 Millionen Einwohner anwachsen soll – verspricht Media Broadcast als Betreiber der privaten DVB-T2-HD-Sender unter der Marke Freenet TV. Dies entspricht rund 80 Prozent der Wohnbevölkerung. Wann gegebenenfalls auch Ihr Zuhause versorgt wird, sehen Sie auf den Vorschaukarten . Etwas mehr Zeit lassen sich die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, nämlich bis Mitte 2019. Dafür wollen ARD und ZDF mit 150 beziehungsweise 130 Senderstandorten auch mehr Haushalte erreichen als die private Konkurrenz. Im Übrigen hat der Norddeutsche Rundfunk (NDR) eine kostenlose Telefon-Hotline für Fragen zu DVB-T2 HD geschaltet: 0 80 00/63 70 99, täglich von 6:30 Uhr bis 23:30 Uhr.

Wichtig ist fernerhin, dass überall dort, wo das neue DVB-T2 HD ausgestrahlt wird, der bisherige DVB-T-Betrieb endet. Die Abschaltung beginnt also bereits im März, sowohl die privaten als auch die öffentlich-rechtlichen Sender verzichten auf den Parallelbetrieb. In zahlreichen DVB-T-Haushalten bleibt der Fernseher damit tatsächlich von einem auf den anderen Tag beim Einschalten dunkel – die eingangs zitierten Werbewarnungen sind hinsichtlich des Abschaltens also keineswegs übertrieben.

Auf einen Blick: DVB-T2 HD in Deutschland

Seit Oktober 2014: Erste Testprojekte in Berlin, Köln/Bonn und München

Seit 31.5.2016: Probebetrieb mit eingeschränktem Programmangebot in allen großen Ballungsräumen, ausgenommen Dresden. Mit Zimmerantenne können etwa 24 Millionen Menschen DVB-T2 empfangen, mit Dachantenne mehr als 50 Millionen. Zudem lassen sich damit in der Anfangsphase die Privatsender kostenlos in Full HD sehen. ARD und ZDF zeigen die Spiele der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich über DVB-T2 ebenfalls in 1080p.

1. Quartal 2017: In den Ballungsregionen wird das volle Programmangebot mit rund 40 Sendern freigeschaltet, weitere Regionen kommen hinzu. Der Empfang der Privatsender in Full HD wird ab Sommer 2017 kostenpflichtig.

Bis Mitte 2019: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk stellt auch die ländlichen Regionen auf DVB-T2 HD um. Das bisherige DVB-T-Signal wird regional unterschiedlich nach der Aktivierung von DVB-T2 – jeweils nach kurzem Parallelbetrieb – ab der ersten Jahreshälfte 2017 abgeschaltet.

Kein gratis Angebot der privaten SD-Sender bei DVB-T2

Mit Beginn des Regelbetriebs am 29. März 2017 starten rund 35 Programme "überwiegend in HD" ihren Sendebetrieb auf DVB-T2. In allen abgedeckten Regionen wir zum selben Zeitpunkt das DVB-T-Signal abgeschaltet.

Neben geeigneter Empfangs-Hardware ist dann, ähnlich wie bei DVB-S nach einem kostenlosen 3-monatigen Testzeitraum außerdem ein Abo von Freenet.tv nötig , um Privatsender in HD zu empfangen. Das Abo kostet ohne Receiver 5,75 Euro im Monat bei einer Mindestlaufzeit von 24 Monaten (ähnlich wie für HD+ über DVB-S).

Wichtig: Im Gegensatz zu DVB-S wird es allerdings bei DVB-T2 keine Möglichkeit geben, Privatsender kostenlos in SD-Qualität zu sehen.

Das Sender-Bouquet teilt sich zum Start des Regelbetriebs dabei in zwei Gruppen, die frei empfangbaren Öffentlich-Rechtlichen und die kostenpflichtigen Privaten.

Zu den frei empfangbaren gehören anfangs Das Erste HD, ZDF HD, Arte HD, Phoenix HD, 3 Sat HD, Kika HD, One HD, Tagesschau24 HD, ZDF Neo HD, ZDF Info HD, Bibel TV HD, und die regionalen Sender BR HD, HR HD, MDR HD, NDR HD, Radio Bremen TV, RBB HD, SR HD, SWR HD, WDR HD, Alpha.

Zu den kostenpflichtigen gehören anfangs RTL HD, Prosieben HD, Sat 1 HD, Vox HD, RTL 2 HD, Super RTL HD, NTV HD, Sixx HD, Prosieben Maxx HD, Sat 1 Gold HD, Eurosport 1 HD, RTL Nitro HD, Kabel 1 HD und Dmax HD.

Was ist Freenet TV connect?

Mediatheken und Zusatzprogramme bietet DVB-T2 HD nicht, dafür benötigt man ein internetfähiges Gerät inklusive Webanbindung.
Vergrößern Mediatheken und Zusatzprogramme bietet DVB-T2 HD nicht, dafür benötigt man ein internetfähiges Gerät inklusive Webanbindung.

Zeitgleich zum 29. März, aber technisch völlig unabhängig von DVB-T2 HD startet die IPTV-Plattform Freenet TV connect. Der Betreiber Media Broadcast verspricht hier Mediatheken, Apps und On-Demand-Dienste sowie zusätzliche Sender, darunter Sport-und Unterhaltungsprogramme. Freenet TV connect soll ohne Kosten oder Anmeldung nutzbar sein, allerdings benötigt man dazu einen Internetanschluss und ein eigens dafür ausgelegtes Gerät. Geeignete Empfänger finden Sie, wenn Sie beim Online-Check für die Gerätekompatibilität den Filter bei „Internetfähig“ auf die Option „Ja“ setzen.

DVB-T2 HD erfordert neue Geräte

Beim TV-Kauf gilt es, genau auf die technischen Standards zu achten: Die Typenbezeichnung dieser beiden Fernsehermodelle desselben Herstellers beginnt gleich, doch nur das untere unterstützt HEVC und eignet sich damit für das deutsche DVB-T2 HD.
Vergrößern Beim TV-Kauf gilt es, genau auf die technischen Standards zu achten: Die Typenbezeichnung dieser beiden Fernsehermodelle desselben Herstellers beginnt gleich, doch nur das untere unterstützt HEVC und eignet sich damit für das deutsche DVB-T2 HD.

Für alle, die weiter über das bestehende DVB-T fernsehen möchten, ist zunächst das Folgende wichtig. Das bisherige DVB-T-Signal wird regional unterschiedlich jeweils schon nach kurzer Parallelausstrahlung zum neuen DVB-T2 abgeschaltet. Die Abschaltung beginnt nach Aufnahme des Vollbetriebs am 29 März 2017. Ob DVB-T2 bei Ihnen am 29 März verfügbar ist, und somit das DVB-T-Signal zu diesem Zeitpunkt abgeschaltet wird, verrät der Empfangscheck .

Wichtig: 10 Fakten, die Sie über DVB-T wissen müssen

Wenn Sie auch das hochauflösende DVB-T2 möchten, brauchen Sie definitiv neue Empfangstechnik – abwärtskompatibel zu alten DVB-T-Tunern ist das neue Signal nämlich nicht. Sie benötigen deshalb entweder einen Fernseher mit integriertem DVB-T2-Tuner , oder Sie holen das hochaufgelöste TV-Signal über Antenne mittels eines DVB-T2-Receivers ins Wohnzimmer, der das Bild dann per HDMI-Kabel auf dem vorhandenen TV-Gerät ausgibt. Solche Receiver beziehungsweise Set-Top-Boxen starten bei Preisen von rund 40 Euro. Die günstigsten Modelle verfügen allerdings weder über einen CI+ Einschub (Common Interface für Entschlüsselungsmodul und Smartcard) noch über eine eingebaute Entschlüsselungseinheit. Eine dieser beiden genannten Komponenten ist aber Voraussetzung für den HD-Empfang der Privatsender, auch schon während der kostenlosen Anfangsphase bis zum Start des Regelbetriebs: ohne Entschlüsselung also kein Prosieben & Co. in Full HD. Bei den Geräten ohne CA-Modul und Smartcard erfolgt die Freischaltung nach Angaben der Betreiber über Voucher beziehungsweise Code ähnlich wie bei Prepaidhandys.

Der Xoro Receiver HRT 8720 ist mit knapp 70 Euro nicht nur günstig, sondern auch offiziell DVB-T2-zertifiziert.
Vergrößern Der Xoro Receiver HRT 8720 ist mit knapp 70 Euro nicht nur günstig, sondern auch offiziell DVB-T2-zertifiziert.

Beim Kauf eines neuen Fernsehers oder Receivers sollten Sie außerdem genau darauf achten, dass das Gerät auch für den DVB-T2-HD-Empfang in Deutschland geeignet ist. Grund sind die bei DVB-T2 in anderen Ländern eingesetzten unterschiedlichen Komprimierungsverfahren: Hierzulande ist zwingend H.265 (auch als „HEVC“ bezeichnet) erforderlich, H.264 (MPEG-4) genügt nicht. Helfen beim Gerätekauf kann die offizielle Gerätekompatibilitätsliste . Um sicher zu sein, sollten Sie mit dem Händler eine schriftliche Umtauschoption vereinbaren, beim Onlinekauf gibt es die Rückgabemöglichkeit ohnehin.

Kurz vor dem Start von DVB-T2 Ende Mai zeigte die Kompatibilitätsliste nur wenige geeignete Digitalreceiver.
Vergrößern Kurz vor dem Start von DVB-T2 Ende Mai zeigte die Kompatibilitätsliste nur wenige geeignete Digitalreceiver.

Wir haben den Digitalempfang unter speziellen Testbedingungen vorab unter anderem mit dem Receiver HRT 8720 von Xoro getestet. Das Gerät lief problemlos und stellt zum Preis von knapp 70 Euro eine günstige Set Top Box dar, die auch die verschlüsselten HD-Streams der Privatsender über das integrierte, „Freenet-TV-konforme“ Irdeto-System entschlüsselt. Zusätzlich ermöglicht das Xoro-Gerät zeitversetztes Fernsehen (Time-Shift) und die Aufnahme auf angesteckte USB-Datenträger (PVR). Man muss also keineswegs gleich einen neuen Fernseher kaufen, sondern kann sein vorhandenes TV-Gerät mit einer verhältnismäßig geringen Ausgabe weiterverwenden.

Die vorhandene Antenne lässt sich in jedem Fall weiter nutzen, das gilt für Zimmer-wie für Außenantennen. Wenn man Ihnen irgendwo spezielle Antennen für DVB-T2 andrehen möchte, ist das Unsinn. Das Frequenzband für den Empfang bleibt im Wesentlichen gleich. Bekommen Sie in einer Wohnanlage (vielleicht unwissentlich) Fernsehen über DVB-T, muss die Gemeinschaftsanlage umgerüstet werden. Ob beziehungsweise wann die Aufrüstung erfolgt, erfragen Sie bitte bei der Hausverwaltung.

Vorsicht beim Fernseherkauf: DVB-T2 ist nicht DVB-T2!

DVB-T2 steht zunächst einmal für „Digital Video Broadcasting – Terrestrial, 2nd Generation“, die zugrunde liegende Norm wurde bereits 2009 festgelegt. Während andere Länder wie England, Frankreich, Österreich und Skandinavien digitales terrestrisches Fernsehen bereits seit mehreren Jahren über DVB-T2 ausstrahlen, ist Deutschland mit dem nun gestarteten Probebetrieb spät dran. Dafür setzen die Sender hierzulande auf das moderne HEVC-Kompressionsverfahren (High Efficiency Video Coding, H.265).

Weil dieser Codec aber nicht Bestandteil der DVB-T2-Zertifizierung ist, wurde DVB-T2 im Ausland teilweise auch über den älteren Standard H.264 (MPEG4) gesendet. Entsprechend konnten dort auch TV-Geräte und -Empfänger mit DVB-T2 beworben werden, die H.265-Streams nicht wiedergeben konnten. Genau dies aber ist zwingende Voraussetzung für den Empfang in Deutschland – ohne H.265 sieht man nichts, beziehungsweise nur das bisherige geringaufgelöste DVB-T-Bild.

Deshalb haben sich Gerätehersteller und Sender auf das grüne „DVB-T2-HD-Logo“ (mit dem Zusatz: HD) als Kompatibilitätskennzeichnung geeinigt: Fernseher, Set Top Boxen und andere Empfangsgeräte mit diesem Logo sind „deutschlandkompatibel“. Allerdings taucht es im Handel nicht konsequent auf, und selbst TV-Geräte, die alle Empfangsvoraussetzungen erfüllen, werden teilweise ohne die Kennzeichnung verkauft. Weil zudem bei einigen Fernsehern das eingebaute Tunermodul nicht auf den HEVC-Decoder zugreifen kann, ist man derzeit nur bei dem Logo auf der sicheren Seite, selbst wenn sich das Problem mit einem Firmware-Update beseitigen lässt. Das zusätzliche, ebenfalls grüne „Freenet TV“-Logo signalisiert, dass die Geräte darüber hinaus über eine eingebaute oder per Smartcart nachrüstbare Entschlüsselung für den Empfang der Privatsender in Full HD verfügen.

Eine Kompatibilitätsdatenbank im Internet listet DVB-T2-HD-geeignete Geräte auf.

DVB-T2 auch am PC, Notebook und auf Mobilgeräten möglich

DVB-T2 bietet auf Mobilgeräten gegenüber TV-Streaming über das Internet den Vorteil, dass beim Fernsehen kein Datenvolumen über den Mobilfunkvertrag verbraucht wird.
Vergrößern DVB-T2 bietet auf Mobilgeräten gegenüber TV-Streaming über das Internet den Vorteil, dass beim Fernsehen kein Datenvolumen über den Mobilfunkvertrag verbraucht wird.
© Terratec

Ein weiterer Pluspunkt von digitalem terrestrischem Empfang ist die Unabhängigkeit vom Internet. Möchten Sie auf Mobilgeräten außerhalb der Reichweite von WLAN fernsehen, wird bei DVB-T2 folglich kein Datenvolumen des Handyvertrags verbraucht. Streamt man nämlich Live-TV übers Internet, so fallen bei Zattoo selbst bei minimaler Auflösung mehr als 300 MB pro Stunde an, bei Magine TV sind es sogar über 600 MB in 60 Minuten.

Andererseits benötigt man für den Empfang von DVB-T2 einen neuen Hardwaretuner, auch hier arbeiten die bisherigen DVB-T-Sticks wegen des veränderten Codecs nicht mehr. Aktuell sind schon eine ganze Menge Empfänger für Android auf dem Markt, darunter der Cinergy T2 Stick micro von Terratec für etwa 50 Euro. Der Empfänger wird per Micro-USB an ein USB-OTG-fähiges Android-Smartphone oder -Tablet gesteckt. Für iOS gibt es derzeit keine Hardware-Dongles, die DVB-T2 in Deutschland unterstützen.

Preislich günstiger sind die DVB-T2-Empfänger in Form von USB-Sticks für Windows-PCs und -Notebooks, um auf diesen Geräten unabhängig vom Internet in Full HD fernzusehen. Zudem ist die Auswahl an solchen Stick bereits größer. Allen diesen Empfängern für Mobilgeräte ist gemeinsam, dass sie kein Entschlüsselungsmodul enthalten und somit die Privatsender nur in SD-Auflösung wiedergeben. Es handelt sich dabei um sogenannte FTA-Geräte (free to air = unverschlüsselte Programme).

Tipp: Die besten TV-Programm-Apps für Android

Das hochauflösende Antennenfernsehen bisher in der Praxis

Richtig los geht es wie eingangs beschrieben erst Ende März, denn dann startet der Regelbetrieb mit einem breiten Programmangebot. Einen recht guten Eindruck liefert der DVB-T2-Testbetrieb mit ARD und ZDF sowie den Privatsendern Pro Sieben, RTL, SAT.1 und VOX jedoch schon seit vergangenem Sommer.

Zunächst leistet das neue Antennenfernsehen das, was die Betreiber versprechen: Es ermöglicht Fernsehempfang in hoher Auflösung und Qualität. Dazu gibt es eine elektronische Programmansicht (EPG). Alles Weitere aber hängt individuell vom Empfänger ab, längst nicht alle Geräte bieten beispielsweise eine Aufnahmefunktion auf USB-Datenträgern (PVR) und zeitversetztes Fernsehen. Das ist nicht nur, aber doch auch eine Preisfrage, denn manche Receiver werden in zwei Versionen angeboten: als günstigeres Modell ohne Aufnahmemöglichkeit sowie für ein paar Euro Aufpreis mit PVR. Mehr zu diesem Aspekt lesen Sie im Kasten „DVB-T2 HD aufnehmen“.

Was das Programmangebot im Regelbetrieb angeht, strahlt Freenet TV im gesamten Bundesgebiet von einzelnen Ausnahmen abgesehen die gleichen Privatsender aus, während sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten neben den Hauptprogrammen auf die jeweils regional passenden Dritten Programme beschränken. Nun ließe sich die technisch beschränkte Zahl der ausgestrahlten Programme erhöhen, indem man die Qualität reduziert und eben doch nicht alle Sender in 1080p ausstrahlt. Genau das ist in beschränktem Umfang zu erwarten, und zwar bei den privaten wie bei den öffentlich-rechtlichen Sendern.

So laufen auf dem Bildungskanal ARD Alpha ohnehin viele ältere Inhalte, bei denen das Hochskalieren auf Full HD wenig Sinn macht. Und Freenet muss schon wegen der Konkurrenz durch IP-, Satelliten-und Kabelfernsehen bemüht sein, ein möglichst breites Programmpaket anzubieten – auch wenn dabei die Qualität einzelner Sender leidet.

Einen Pluspunkt kann Freenet schon einmal für sich verbuchen: Die Olympischen Winter-und Sommerspiele von 2018 bis 2024, die erstmals nicht bei ARD und ZDF zu sehen sind, werden in Deutschland über DVB-T2 HD im bezahlpflichtigen Freenet TV ausgestrahlt.

DVB-T2 HD aufnehmen

Wie im Artikel ausgeführt, muss der Fernseher oder Receiver als Empfangsgerät über eine Aufnahmefunktion verfügen. Diese wird meist mit PVR (für Personal Video Recorder), PVR-ready oder USB-Recording bezeichnet. Bei den unverschlüsselten, also öffentlich-rechtlichen Sendern funktioniert die Aufnahme auf einem externen USB-Datenträger ausnahmslos, entweder über die rote Record-Taste auf der Fernbedienung oder per EPG-Programmierung. Mehr Bedienkomfort bieten internetfähige Geräte mit App-Unterstützung. Einher mit der PVR-Unterstützung geht zumeist Timeshift: Per Tastendruck lässt sich das Live-Programm aufnehmen und die Wiedergabe „anhalten“, um nach einem Telefonanruf oder dem Holen von Getränken weiter zu sehen.

Bei den verschlüsselten Privatsendern zeigt sich (in der Probephase) ein uneinheitliches Bild: Manche Receiver und Fernseher zeichnen die Freenet-Programme problemlos auf, andere weigern sich. Gespannt darf man deshalb sein, wie dies im Regelbetrieb gehandhabt wird. Der deutsche Gerätehersteller Technisat warnt schon vorab: „Aus diesem Grund kann es aktuell sein, dass Einschränkungen bei der Aufnahmefunktion vorliegen. Gegebenenfalls muss diese Funktion gesondert von Freenet TV freigeschaltet werden.“ Die mitaufgezeichnete Werbung lässt sich später ohnehin nur überspringen, nicht dagegen wegschneiden. Denn PVR-typisch werden alle Aufnahmen auf dem Speichermedium verschlüsselt, sie lassen sich also nur auf diesem einen Gerät abspielen. Immerhin ließen sich die Aufnahmen bei unseren Tests auch über die Werbung beliebig vorspulen.

Fazit: DVB-T2 HD als Konkurrenz zu Kabel, Satellit und IPTV

Der mehrmonatige Testbetrieb mit bislang sechs Sendern hat gezeigt, dass das neue digitale Antennenfernsehen gut funktioniert. Das Gleiche ist vom nun startenden Regelbetrieb zu erwarten. Zudem bietet sonst kein anderes TV-Signal für praktisch alle ausgestrahlten Sender eine Auflösung von Full-HD mit 50 Vollbildern pro Sekunde (1080p). Kabel-, Satelliten-und IP-Fernsehen senden derzeit maximal in 720p oder 1080i (interlaced, also mit 50 Halbbildern pro Sekunde). Ob man diesen Unterschied auch auf allen Bildschirmen stets sieht, ist eine andere Frage. Positiv beim terrestrischen Antennenfernsehen sind ferner die einfache Einrichtung und die geringen Anfangsinvestitionen in einen Receiver.

Dagegen ist das Senderangebot kleiner als bei IPTV oder Kabelanschluss, vom Satellitenempfang ganz zu schweigen. Des Weiteren fehlen bei DVB-T2 HD Zusatzprogramme wie Sky. IPTV sticht zudem mit seiner einfachen Konfiguration per Web hervor, selbst aus der Ferne lassen sich Aufnahmen zu Hause jederzeit programmieren. Kostenmäßig sind alle Empfangswege mit gut fünf Euro im Monat für den HD-Empfang in etwa vergleichbar, nur in Einzelhäusern und in kleinen Wohneinheiten fallen die Kabelgebühren ein wenig höher aus.

Ein echtes Schnäppchen machen alle, die sich auf die öffentlich-rechtlichen Sender beschränken. Wenn der Fernseher den neuen Standard nicht ohnehin unterstützt, erhält man bereits ab einmalig 30 Euro eine Set-Top-Box für DVB-T2 HD. Anders als bei der Satellitenmontage ist alles in wenigen Minuten angeschlossen und einsatzbereit, laufende Kosten gibt es nicht – dafür aber auch keine Privatsender, nicht einmal in schlechterer SD-Auflösung. DVB-T2 startet TV in Full-HD. Anders als bei der Satellitenmontage ist alles in wenigen Minuten angeschlossen und einsatzbereit, laufende Kosten gibt es nicht – dafür aber auch keine Privatsender, nicht einmal in schlechterer SD-Auflösung.

Die bevorstehende EM ist für Viele ein willkommener Anlass, sich einen neuen Fernseher zuzulegen - im Idealfall natürlich gleich ein Ultra-HD-Modell (3840 × 2160 Pixel). Wir haben 6 aktuelle Modelle von Samsung, Sony, Panasonic und LG getestet, die Fritz aus der PC-WELT Hardware-Redaktion in diesem Video mit ihren Vor- und Nachteilen vorstellt. Falls Sie sich fragen, warum wir im Video die Bezeichnung "4K" nicht benutzen: 4K bezeichnet streng genommen 4096 × 2160 Pixel, was einem Bild-Seitenverhältnis von ca. 17:9 entspricht. Aktuelle Fernseher bieten typischerweise eine Auflösung von 3840 × 2160 Pixeln (= 16:9), die Ultra-HD, kurz UHD, genannt wird.

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