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Drohnen: Spielzeug oder Spion?

15.11.2017 | 11:55 Uhr | Andreas Riepen

Fliegt da ein Vogel? Oder ein Flugzeug? Nein, es ist eine Drohne! Was nach harmlosem Spielzeug aussieht, kann sich zu einer erheblichen Sicherheitsgefahr entwickeln.

So mancher hat sie schon über Wiesen und Gärten kreisen sehen – und gehört: Drohnen. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) schätzt, dass 2017 etwa 600.000 dieser Fluggeräte in Deutschland über die Ladentheke gehen, vor allem das bevorstehende Weihnachtsgeschäft wird dazu noch beitragen.

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Auch wenn viele Drohnen von Privatpersonen als Spielzeug genutzt werden, kommen die Fluggeräte zunehmend für Unternehmen zum Einsatz. Laut PwC werden bis 2020 weltweit 107,7 Milliarden Euro in diesem Bereich umgesetzt.

Viele Bürger sehen Drohnen jedoch als Störung und Bedrohung ihrer Privatsphäre an. Doch die Fluggeräte können nicht nur den Nachbarn ausspionieren, die Gefahren sind in Wirklichkeit viel größer: Durch ihre Verbindungen mit Netzwerken sind Drohnen zum Ziel von Hackern geworden, die Störungen verursachen und sich Zugang zu sensiblen Daten verschaffen wollen. Daher sollte die Sicherheit der Geräte deutlich erhöht werden, bevor man ihnen physische Güter und geistiges Eigentum anvertraut.

Im Einsatz für Unternehmen

Viele Unternehmen arbeiten schon heute viel mit Drohnen – wenngleich noch in Pilotprojekten. Amazon und DHL möchten damit Pakete ausliefern, Ölfirmen Offshore-Plattformen überwachen, die Feuerwehr gefährliche Gebiete begutachten oder Immobilienmakler Luftaufnahmen von Gebäuden und Grundstücken erstellen.

Diese Einsatzmöglichkeiten zeigen aber auch, welche Bandbreite an Informationen sich mithilfe einer Drohne gewinnen lassen – und welches Potenzial diese für Hacker haben.

Mögliche Angriffsvarianten

Wenn es Hackern etwa gelingt, in den Steuerungskanal zwischen Drohne und Bediener einzudringen oder ihn zu übernehmen, erhalten sie Zugriff auf die übertragenen Daten und können sie ausspionieren – oder sie infizieren das Gerät mit Malware. Außerdem lassen sich die Sensoren im Navigationssystem der Drohne über Spoofing-Techniken überlisten, so dass sich Hacker Kontrolle über das Fluggerät verschaffen. Dazu senden sie manipulierte Signale, die die Drohne für Signale eines GPS-Satelliten hält. Auf diese Weise wurde im August schon das GPS-System eines Schiffs im Schwarzen Meer getäuscht.

Manche nutzen Drohnen auch, um Chaos auszulösen. So haben kürzlich Unbekannte damit den Betrieb am Flughafen Gatwick nahe London gestört und die Sicherheit des Flugverkehrs bedroht. Statt dafür eine eigene Drohne zu kaufen, können Cyberkriminelle auch Geräte kapern und diese über gefälschte Signale an unpassende Orte schicken.

Mehr Sicherheit nötig

Unternehmen und Behörden sollten daher stärker auf diese Sicherheitsrisiken achten und gemeinsam daran arbeiten, sie zu entschärfen. Auch wenn bisher viele Vorfälle mit Drohnen aus Übermut oder Unachtsamkeit entstanden, darf man die Gefahr durch Hacker nicht unterschätzen. Auf der Hackerkonferenz Defcon wurde kürzlich vorgeführt, wie man per Ultraschall die Kommunikation mit einer Drohne stören kann, so dass sie sich nicht mehr steuern lässt. Die Hersteller müssen ihre Geräte deutlich stärker absichern, damit ahnungslose Kunden nicht für Schäden haften, die Kriminelle verursacht haben.

Ergänzend ist auch eine strengere Gesetzgebung in Bezug auf Drohnen nötig. Immerhin werden hier langsam die ersten Schritte getan: So will die EU bis 2019 eindeutige Regularien einführen, die Besitz und Betrieb von Drohnen regeln. Dazu zählen Technologien zur Identifikation der Geräte und spezielle Flugverbotszonen.

Auch wenn diese Bemühungen in die richtige Richtung gehen, wird es noch einige Zeit dauern, bis umfassende Vorschriften vollständig in Kraft sind. In der Zwischenzeit müssen Unternehmen ihre Drohnen deutlich besser absichern, da diese eine immer größere Rolle in strategischen Überlegungen spielen und immer mehr wertvolle Daten speichern – und damit auch immer attraktiver für Hacker werden.

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