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Digitaler Nachlass: So treffen Sie Vorsorge für Ihre Online-Konten im Todesfall

13.08.2018 | 09:51 Uhr |

Was passiert im Todesfall mit den persönlichen Mails sowie Inhalten auf sozialen Netzwerken? Der Bundesgerichtshof hat den Angehörigen jetzt einen Anspruch auf das „digitale Erbe“ ausgesprochen. Hier finden Sie alle Infos zum neuen Grundsatzurteil und Tipps zur eigenen Nachlassregelung.

Persönliche Inhalte wie Briefe, Tagebücher und Ähnliches in analoger Form stehen im Todesfall den Hinterbliebenen beziehungsweise Erben zu. Wie aber steht es mit digitalen Konten, also den Posts, Fotos und Chats in den sozialen Netzwerken, den E-Mails und dem Cloudspeicher? Bewegten sich Dienstleister und betroffene Angehörige bislang in einer rechtlichen Grauzone, so hat der Bundesgerichtshof (BGH) jetzt in letzter Instanz ein Grundsatzurteil gefällt (BGH III ZR 183/17): Danach steht den Erben auch das „digitale Erbe“ zu. Aus erbrechtlicher Sicht gibt es keinen Grund, digitale Inhalte anders zu behandeln als analoge persönliche Dinge, argumentieren die Karlsruher Richter.

Das Nachlassurteil gilt für alle digitalen Inhalte und Verträge

Im konkreten Fall muss Facebook nun den Eltern eines 2012 verstorbenen, damals 15-jährigen Mädchen Einblick in dessen fast sechs Jahre gesperrtes Nutzerkonto gewähren. Das Urteil der Vorinstanz , das die von Facebook verhängte Kontensperrung („Gedenkzustand“) mit dem Fernmeldegeheimnis begründet hatte, ist damit aufgehoben. Über diesen Einzelfall hinaus gilt das BGH-Urteil für alle digitalen Konten, also nicht nur für soziale Medien wie Facebook, Instagram und Snapchat, sondern auch für Mails und online gespeicherte Daten auf Dropbox, Google Drive & Co. Hinterbliebene haben also einen Anspruch auf die Zugangsdaten des Verstorbenen beziehungsweise sämtliche Daten und Kommunikationsinhalte. Zum digitalen Nachlass gehören zudem auch lokal auf USB-Sticks und Festplatten gespeicherte Daten sowie Fotos auf Speicherkarten.

Darüber hinaus umfasst das digitale Erbe nicht nur Kommunikation und Daten, sondern auch online geschlossene Verträge. So gehen nicht nur die Rechte, sondern auch die Verpflichtungen auf die Erben über. Hat der Verstorbenen im Internet etwas gekauft, ersteigert oder gebucht, müssen sich die Hinterbliebenen darum kümmern – im Zweifel also bezahlen. Aus diesem Grund ist es für die Erben ratsam, sich aktiv um den digitalen Nachlass zu kümmern. So lässt sich eine gebuchte Reise oft noch stornieren – statt nach Ablauf der Rücktrittsfrist auf den Kosten sitzen zu bleiben.

80 Prozent und damit der überwiegende Teil der Internetnutzer in Deutschland haben sich noch gar nicht mit dem eigenen digitalen Nachlass befasst. Das ergab eine repräsentative Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom. Immerhin knapp zehn Prozent gaben an, ihr digitales Erbe vollständig geregelt zu haben.

Nur die wenigsten haben ihr digitales Erbe bereits geregelt

Wie aber lässt sich vorsorgen, um den Angehörigen den Nachlass so einfach wie möglich zu machen? Wichtig ist zunächst ein Überblick über alle Online-Aktivitäten, -Konten und -Verträge. Erheblich erleichtert wird die Abwicklung inklusive der Kündigung kostenpflichtiger Abos, Dienste und Verträge, wenn die Erben zusätzlich über die Zugangsdaten verfügen. Wie man diese Informationen hinterlegt und wem man sie zugänglich macht, hängt in erster Linien vom Verhältnis innerhalb der Familie ab. Die Möglichkeiten reichen vom einfachen Ausdruck in einem „Notfallordner“ (alternativ auf einem USB-Stick) über das Aufbewahren im Bankschließfach bis zum testamentarischen Hinterlegen beim Notar.

Beim Notar lässt sich zudem festlegen, wer auf welche digitalen Inhalte zugreifen können soll und welche gelöscht werden sollen. Ganz wichtig beim Testament ist, dass es auch formell gültig ist. Dazu muss es vollständig handschriftlich ausgefertigt und unterschrieben oder beim Notar beurkundet sein. Weitere Infos zum Thema digitaler Nachlass hat die Verbraucherzentrale NRW .

Beruflicher Nachlass

Die Nachlassreglung betrifft auch Unternehmen. Nach dem plötzlichen Tod eines Mitarbeiters darf der Arbeitgeber nicht einfach den Computer und das Smartphone durchsuchen, wenn sich darauf auch private Nachrichten befinden. Unternehmen sollten durch Verträge und Betriebsvereinbarungen für den Todes- oder längeren Krankheitsfall des Arbeitnehmers klare Regelungen treffen.

Wenn der Chef stirbt…

In einer Ausgabe der „Zeit“ vom Januar 2016 erschien ein Interview mit der Theologin Birgit Aurelia Janetzky, Gründerin der auf „Mensch, Tod und Internet“ spezialisierten Social-Media-Beratung semno, das in eine etwas andere Richtung geht. Demnach darf alles, was geschäftlich ist, von den Erben nicht eingesehen werden. Sie weist darauf hin, dass bei Mitarbeitern in digitalen Schlüsselrollen massive Schwierigkeiten auftreten können, wenn es keine Dokumentation über die jeweiligen Zugangsdaten gibt.

Beim Tod des Chefs könne ein Unternehmen ohne Regelung für sein digitales Vermächtnis sogar handlungsunfähig werden. Innerbetriebliche Vereinbarungen seien daher wichtig. Damit wichtige Informationen im Not- oder Todesfall nicht verloren gehen, ist es wie bei Xing ratsam, sich Nachrichten auch aufs eigene E-Mail-Konto schicken zu lassen. So haben die Erben möglicherweise noch Zugriff auf Einträge bei dem beruflichen Netzwerk oder können sie darüber vernetzte Geschäftspartner über den Tod des ehemaligen Geschäftsführers informieren. Freiberuflern und Unternehmen rät Janetzky jeweils, Privates und Berufliches strikt zu trennen. Andernfalls sollte der Nutzer festlegen, wer unter Umständen Zugriff auf den E-Mail-Account und Nachrichten auf dem Handy haben darf.

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