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Digitale Medizin: die Zukunft des Gesundheitswesens

14.11.2017 | 14:00 Uhr |

Der Chirurg, der sich aus der Ferne in den OP-Saal schaltet, um bei einer schwierigen Operation die Kollegen vor Ort zu unterstützen, Organe aus dem 3D-Drucker und der Pflegeroboter, der ältere Menschen umsorgt, sind Szenarien, die heute für viele noch unvorstellbar scheinen. Doch die Digitalisierung der Medizin und des Gesundheitswesens ist in vollem Gange – und der Großteil der Deutschen zeigt sich dieser Entwicklung gegenüber aufgeschlossen.

Die Mehrheit recherchiert heute ganz selbstverständlich Gesundheitsthemen im Netz, befürwortet die elektronische Patientenakte und kauft online Medikamente. Viele haben ihren eigenen Personal Trainer am Handgelenk oder in der Hosentasche dabei, denn mit Fitness-Trackern , Smartwatches oder Gesundheits-Apps auf dem Smartphone lassen sich heute spielerisch Ernährung, Bewegung und das Wohlbefinden dokumentieren. Die Gadgets sind Erinnerungsstütze, Ansporn und Motivation zugleich und immer mehr Menschen lassen sich von den digitalen Helfern mitziehen: Noch nie war gesund leben und bleiben so einfach.

Das zeigt aber auch, dass sich die Rolle des Patienten verändert. Die Zeiten, in denen der Arzt unleserliche Fachtermini zu seinem Befund niederschrieb und daraufhin die Behandlungsmethode festlegte, scheinen insofern vorbei, da die Patienten heute ganz anders teilhaben können. Zwar macht Internetrecherche allein aus niemandem einen Arzt, aber die Patienten übernehmen mehr Verantwortung und treten den Ärzten souveräner gegenüber. Nicht nur haben sie das Internet im Rücken, das ihnen viele Informationen zu Vorsorge und Behandlungsmöglichkeiten gibt, die Digitalisierung erleichtert ihnen auch den Alltag. Etwa wenn es darum geht, mit dem Arzt auch einmal über E-Mail zu kommunizieren oder als Nachsorgeuntersuchung eine Online-Sprechstunde wahrzunehmen. So lassen sich mitunter lange Fahrzeiten und übervolle Wartezimmer umgehen. 90 Prozent hätten zudem gern direkten Zugang zu ihren persönlichen Gesundheitsdaten wie Diagnosen oder Laborergebnissen, die in Arztpraxen oder anderen Einrichtungen liegen. Und 60 Prozent würden eine elektronische Patientenakte nutzen.

Auch Ärzte zeigen sich offen für die digitale Zukunft der Medizin: 7 von 10 begreifen den Wandel als Chance für die Gesundheitsversorgung. So denken 62 Prozent, dass digitale Technologien zur Prävention von Krankheiten eingesetzt werden können, und 34 Prozent schätzen, dass sich durch den Einsatz auch die Lebenserwartung der Menschen erhöhen kann. Vorteile sehen die Ärzte vor allem in der Zeitersparnis, den besseren Behandlungsmöglichkeiten für ihre Patienten und den möglichen Kostensenkungen. Bislang werden in Krankenhäusern und Kliniken allerdings noch selten digitale Angebote eingesetzt. Im Praxisalltag ist die Gesundheit also noch lange nicht digital.

Digitale Technologien bieten in der Gesundheitsbranche viele Vorteile für den Menschen – ob als Vorsorgender, Patient oder Mediziner – und eröffnen neue Möglichkeiten für die Lebensqualität und die medizinische Versorgung. Doch auf Seiten der Leistungserbringer und den Institutionen des Gesundheitswesens mahlen die Mühlen langsamer. In der Praxis scheitert es vor allem an digitalen Angeboten und datenschutzrechtlichen Unsicherheiten. Es müssen einheitliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, um die sichere Nutzung sensibler Gesundheitsdaten zu gewährleisten.

Mit dem E-Health-Gesetz wurde zu Beginn des Jahres ein wichtiger Grundstein gelegt. Nun sind Krankenkassen, Kliniken und Hersteller neuer Technologien am Zug, digitale Angebote umzusetzen und mutig weiterzuentwickeln. Denn die Herausforderungen, denen sich die Gesundheitsbranche in den nächsten Jahren stellen muss, werden immer größer, je mehr Zeit wir verstreichen lassen: Die Menschen in Deutschland werden immer älter. In ländlichen Regionen sind die Ärzte überlastet – gerade da könnten digitale Technologien am meisten bewirken. Für den demografischen Wandel und den Mangel an Pflegepersonal müssen Lösungen her.

Nicht ohne Grund wird häufig der Vergleich gezogen, dass die Digitalisierung eine ähnlich große Bedeutung für die Medizin haben wird wie die Entdeckung des Penicillins. Das große Interesse an digitalen Versorgungsprodukten, wie es derzeit in der Bevölkerung erkennbar ist, darf nicht verspielt werden. Gleichzeitig dürfen datenschutzrechtliche Bedenken Innovationen in der Gesundheitsbranche keinesfalls hemmen. Perspektivisch wird eine umfassende Patientenversorgung künftig nur noch mit digitaler Unterstützung funktionieren. Das Ziel muss sein, diesen medizinischen Fortschritt allen Deutschen gleichermaßen zur Verfügung zu stellen.

Noch herrscht in der Medizin ein Zusammenspiel aus der alten und neuen Welt, die in der Praxis immer häufiger aufeinanderprallen. Doch die digitale Zukunft des Gesundheitswesens wird schon bald aus ihrer Nische herauswachsen. Zu der Offenheit gegenüber digitalen Technologien müssen sich nun noch Mut und Entschlossenheit gesellen. Dann sind der zugeschaltete Spezialist im OP-Saal, Organe aus dem 3D-Drucker und Pflegeroboter auch gar nicht mehr weit entfernt.

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