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Diet Pi ist erste Wahl für Headlessplatinen

20.04.2019 | 09:01 Uhr |

Distributionen für den Raspberry Pi gibt es inzwischen reichlich, doch Diet Pi setzt hier neue Maßstäbe. Denn alles an dieser Zusammenstellung ist auf Geschwindigkeit bei minimaler Größe getrimmt.

Wer seinen Raspberry ohne externen Speicher betreiben will, muss mit dem Platz auf der SD-Karte geizen. Viele Serveranwendungen können direkt per Browser konfiguriert werden, da braucht es keinen schwergewichtigen Desktop. Von Raspbian gibt es zwar bereits eine Lite-Ausgabe, aber Diet Pi zeigt sich hier sogar noch schlanker. Die Distribution ist extrem leichtgewichtig, was sich positiv beim RAM- und Speicherplatzverbrauch auswirkt. Das ist mit harten Zahlen nachzuweisen: Die Entwickler haben sich auch die Mühe gemacht, ihr Werk mit der Lite-Variante von Raspbian zu vergleichen ( siehe Tabelle auf Google Docs ).

Installation standardmäßig ohne Desktop

In der Rubrik „Downloads“ auf der Startseite des Projekts laden Sie sich zunächst die für den Pi gedachte Version herunter. Diet Pi gibt es in einer ganzen Reihe von Varianten auch für andere Platinenrechner sowie Imagedateien für Virtualisierer. Die ersten Schritte der Installation unterscheiden sich nicht von anderen Distributionen für den Raspberry. Entpacken Sie den Inhalt des Archivs. Wenn Sie unter Windows arbeiten, müssen Sie sich noch den Packer 7-Zip besorgen. Das Archiv enthält die obligatorische IMG-Datei, die auf SD-Karte geschrieben werden muss. Das erledigen Sie unter Linux im Terminal mit dd, unter Windows mit dem Win 32 Disk Imager . Oder Sie verwenden unter Linux wie Windows den plattformunabhängigen Etcher.

PC-WELT Download: 7-Zip

Ist das System aufgespielt, legen Sie die SD-Karte in den Raspberry ein, verbinden das Gerät per Ethernet-Kabel mit dem lokalen Netzwerk und versorgen es mit Strom. Warten Sie einen Moment, bis der erste Startvorgang erfolgreich abgeschlossen ist. Sie können Diet Pi natürlich per Tastatur und Monitor bedienen. Nötig ist das aber nicht: Diet Pi verwendet nach der Installation sofort einen SSH-Server, der auf Eingaben wartet, also nicht erst aktiviert werden muss. Für den Zugriff benötigen Sie nur die vom Router zugewiesene IP-Adresse. Diese ermitteln Sie am bequemsten am Router selbst. Auf der Fritzbox finden Sie eine Übersicht der Geräte unter „Heimnetz“. Öffnen Sie auf einem Linux-PC ein Terminal und geben Sie dort ein:

ssh root@[IP_Adresse]

Lesetipp Raspberry Pi als Firewall einrichten - so geht's

Standardpasswort für root ist zunächst „dietpi“. Das System begrüßt Sie mit einem kurzen Hinweis. Danach beginnt es mit einer Aktualisierung. Im Rahmen der Einrichtung fragt das System nach, ob Sie die Standardpasswörter ändern wollen. Das ist auf jeden Fall empfehlenswert. Wählen Sie mit den Pfeiltasten also „OK“ aus und geben Sie anschließend die neuen Passwörter ein. Um die Nutzung von Diet Pi zu verbessern, bitten die Entwickler Sie darum, Informationen zu Ihrem System zu übertragen. Welche Daten übermittelt würden, wird ebenfalls dargestellt. Treffen Sie in dem Dialog Ihre Auswahl und bestätigen Sie. Danach ist die Einrichtung abgeschlossen und Diet Pi startet neu. Warten Sie einen Moment, bis das System wieder hochgefahren ist. Wahrscheinlich hat der Router dem Gerät wieder dieselbe IP-Adresse zugewiesen. Sie können sich also mit dem gleichen Kommando anmelden, jetzt aber bereits mit dem neuen Passwort. Um nicht in eine Endlosschleife zu verfallen, lehnen Sie diesmal die Änderung der Passwörter ab. Damit gelangen Sie zur Oberfläche von dietpi-software. Diese startet bei der ersten Anmeldung automatisch. Sie können Sie aber später jederzeit im Terminal mittels dietpi-software aufrufen.

Hauptzentrale dietpi-launcher: Alle Systemprogramme, inkl. Partitionsmanager und Aufräumtool.
Vergrößern Hauptzentrale dietpi-launcher: Alle Systemprogramme, inkl. Partitionsmanager und Aufräumtool.

Diet Pi einrichten und Software installieren

Diet Pi ist gut organisiert: Mit dem Kommando dietpi-config rufen Sie ein Programm zur weiteren Anpassung des Systems auf. Dort können Sie bei Bedarf die Netzwerkschnittstellen einrichten, die Sprache wechseln, aber auch die notwendige Software installieren, wenn der Pi auf Netzwerkfreigaben zugreifen soll. Das Programm bedienen Sie ausschließlich mit den Pfeiltasten. Die Esc-Taste bringt Sie immer wieder zum Ausgangspunkt zurück.

Viel interessanter sind aber die beiden Einträge „Software Optimized“ und „Software Additional“. Unter „Additional“ finden Sie Programmpakete, die nur für Spezialaufgaben notwendig sind und meist für die Fälle gedacht sind, in denen Sie direkt vor dem kleinen Computer sitzen wollen, um damit zu arbeiten. So finden Sie hier etwa den Dateimanager Midnight Commander.

Unter „Software Optimized“ sind die Pakete enthalten, die für die Plattform angepasst sind. Die Anwendungen sind nach Szenarien organisiert. Sie finden eine breite Auswahl an verschiedenen Medienservern wie Kodi, Emby Server, Ampache oder Plex. Es stehen Pakete zur Auswahl, um den Raspberry als Downloadmaschine für das Filesharing einzurichten, aber auch Anwendungen für die Nutzung als Syncserver über die Cloud. Gelungen sind aber auch die Zusammenstellungen für den Einsatz als Web- oder VPN-Server und sogar der Home Assistant für das Smart Home ist hier mit an Bord.

Mit den Pfeiltasten bewegen Sie sich durch die Liste. Einen Eintrag, den Sie interessant finden, markieren Sie mit der Leertaste. Haben Sie Ihre Auswahl abgeschlossen, navigieren Sie mit Tab zum Schalter „Ok“ und bestätigen. Sie gelangen jetzt wieder zur ersten Seite von dietpi-oftware zurück und dort navigieren Sie zum Eintrag „Go“. Das System blendet Ihnen eine Zusammenfassung ein. Bestätigen Sie diese, um mit der Installation zu beginnen. Dies kann, je nach Umfang der Paketauswahl, eine ganze Weile dauern. Im Terminal können Sie jederzeit den Fortschritt verfolgen. Serveranwendungen konfigurieren Sie dann anschließend über den Browser. Dazu konsultieren Sie am besten die Anleitungen der Entwickler, die Sie auf den Projektseiten des jeweiligen Programms finden. Über dieselbe Oberfläche können Sie Anwendungen auch wieder entfernen. Dazu wählen Sie den Menüpunkt „Uninstall“ aus und dann das betreffende Paket.

Lesetipp So machen Sie den Raspberry Pi sicherer

Alle Optionen zentral versammelt

Diet Pi ist eine Empfehlung für Platinenbastler, die einen kleinen Server ohne grafischen Desktop betreiben wollen. Wenngleich das System unter „dietpi-software –› Software Optimized“ auch LXDE oder XFCE anbietet, ist Diet Pi mit seinen vorbildlichen Zentralen auf die SSH-Verwaltung ausgerichtet. Gerade Hobby-Admins mit geringer Linux-Erfahrung profitieren von diesen Zentralen, die alle wichtigen Systemprogramme versammeln. Diese Zentralen zeigt Diet Pi bei jedem Systemstart und jeder SSH-Anmeldung an. Der Diet Pi Launcher ist die übergeordnete Instanz, die sämtlichen Diet-Pi-Programme anbietet, inklusive Paketmanager, Updater, Backup und Cronjobmanager.

Im Tool dietpi-software: Die Dienste und Anwendungen sind nach Kategorien geordnet.
Vergrößern Im Tool dietpi-software: Die Dienste und Anwendungen sind nach Kategorien geordnet.

Die Zentrale dietpi-config, die auch über den dietpi-launcher erreichbar ist, enthält die fundamentalen Hardware- und Netzwerkkonfiguration. Dietpi-software ist der Paketmanager zum Installieren und Deinstallieren. Damit hat man jederzeit das Wichtigste an der Hand, ohne die dahinterstehenden Terminalkommandos beherrschen zu müssen.

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