Um von mehreren Rechnern im LAN auf dieselben Daten zuzugreifen, benötigen Sie keinen ausgewachsenen Server. Die beste Lösung ist ein NAS-Laufwerk. So klappen Einrichtung und Konfiguration.

Natürlich können Sie auf Ihrem Windows-PC einfach ein paar Laufwerke oder Ordner freigeben, um Ihrem Notebook oder anderen Benutzern im Netz Zugriff auf die darin liegenden Daten zu gewähren. Das hat jedoch den Nachteil, dass dieser Rechner dann ständig laufen muss, und es ist auch aus einigen anderen Gründen nur wenig praktikabel. Das andere Extrem wäre ein echter Server mit entsprechendem Betriebssystem sowie Administrationsaufwand. Die zumeist optimale Lösung für den Heimbereich und in kleineren Unternehmen liegt genau dazwischen: ein Network Attached Storage, kurz NAS.

Auch wenn häufig von „NAS-Laufwerken“ die Rede ist, steckt dahinter doch ein kompletter, sehr kompakter Rechner mit einer oder mehreren Festplatten, einer Netzwerkschnittstelle und einem angepassten Betriebssystem. Letzteres basiert in der Regel auf Linux. Wenn Sie sich damit nicht auskennen sollten, macht das gar nichts, denn Sie kommen mit dem System lediglich auf ausgesprochenen Wunsch in Berührung. Vor der Einrichtung steht oft die Montage von Festplatten an, da die meisten NAS-Systeme Leergehäuse ohne Laufwerke sind. Statt danach Tastatur und Monitor anzuschließen, konfigurieren und administrieren Sie sie komplett über den Webbrowser. Die Oberflächen sind in der Regel assistenzgeführt und technisch nicht zu fordernd. Gefragt ist dabei vor allem Geduld. Denn die Formatierung der Netzplatten (oft im EXT3-oder EXT4-Format) kann je nach deren Kapazität mehrere Stunden dauern – vor allem dann, wenn sie als Raid-Verbund zusammengeschlossen werden. Daraufhin legen Sie Benutzer an und bestimmen deren Rechte, richten die (SMB-)Freigaben ein und treffen weitere optionale Einstellungen – beispielsweise Backups. Am Schluss lassen sich freigegebene Laufwerke, Ordner (eventuell auch Drucker) im Windows-Explorer genauso verbinden wie bei jeder Windows-Freigabe.

Das perfekte NAS: Tipps zur Kaufentscheidung

Viele WLAN-/Internetrouter wie zum Beispiel nahezu alle Fritzbox-Modelle von AVM bieten selbst eine rudimentäre NAS-Funktion für per USB angeschlossene Datenträger an. Wie Sie diese verwenden, beschreiben wir etwa hier . Über den Funktionsumfang eines auf einem Windows-Rechner freigegebenen Ordners kommt sie in der Regel aber nicht hinaus. Auch sind viele Router nur mit USB-2.0-Schnittstellen und/oder Fast-Ethernet-Ports mit 100 MBit/s ausgestattet und liefern Daten entsprechend langsam. Zusatzfunktionen wie automatische Backups, Cloudsynchronisation, eine ausgefeilte Rechteverwaltung, Mail-und Webserver oder gar Raid-Plattenverbünde zur Erhöhung der Datensicherheit fehlen.

Mit einem dezidierten NAS-Laufwerk sind Sie auf jeden Fall besser dran, wenn etwas mehr gefordert ist als der gelegentliche Austausch von ein paar Dateien im LAN. Das Angebot an NAS-Systemen ist sehr groß; die Preisspanne reicht von rund 100 Euro bis in hohe vierstellige Bereiche. Dazu addieren sich die Festplatten. In den unteren Preissegmenten liegt der Unterschied vor allem in der Anzahl der unterstützten Platten, der Art und Leistung der CPU (eigentlich ein SoC, System on a Chip) und der Größe des Arbeitsspeichers. Führende Hersteller sind Synology, QNAP und Thecus. Der Vorteil, wenn Sie sich für ein Gerät dieser Hersteller entscheiden, liegt in einer riesigen, aktiven Community. Die jeweiligen Internetforen bieten eine sehr gute Anlaufstelle bei Fragen und Problemen. Für den Heimbereich empfehlenswerte Geräte im unteren Preissegment sind beispielsweise Synology DS 216se oder QNAP TS-121p mit jeweils zwei Plattenschächten für etwa 130 Euro (ohne Laufwerke).

Einfachere NAS-Laufwerke wie etwa das Synology DS 216se sehen aus wie große externe Festplatten, beherbergen aber einen kompletten Rechner.
Vergrößern Einfachere NAS-Laufwerke wie etwa das Synology DS 216se sehen aus wie große externe Festplatten, beherbergen aber einen kompletten Rechner.

Die richtigen Festplatten

Theoretisch können Sie in das NAS-Gehäuse normale Desktop-Festplatten einbauen, ohne Einbußen bei Funktion oder Geschwindigkeit befürchten zu müssen. Trotzdem sind spezielle NAS-Platten ratsam. Diese sind kaum teurer als eine Desktop-Variante gleicher Kapazität. So liegt der Preisunterschied einer 2-Terabyte-Platte von Western Digital für Desktop-Rechner (Serie „Blue“) und der NAS-Ausführung (Serie „Red“) bei rund 15 Euro. NAS-Platten bieten dabei eine Reihe von Vorteilen: So rotieren die Scheiben zumeist mit schonenden 5400 Umdrehungen pro Minute. Dies sorgt für weniger Lärm, Vibrationen, Stromverbrauch sowie Wärme. Außerdem geben Hersteller meistens auf NAS-Platten eine längere Garantielaufzeit. In redundanten Raid-Verbünden (das heißt also mindestens Raid Level 1) verfügen viele NAS-Platten über verbesserte Funktionen für den Umgang mit fehlerhaften Sektoren. Dadurch lässt sich verhindern, dass eine Platte vorschnell wegen eines Lesefehlers komplett aus dem Verbund genommen wird. Seagate nennt diese Funktion ERC (Error Recovery Control), bei Western Digital heißt sie TLER (Time Limited Error Recovery). In jedem Fall auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie Platten benutzen, die der jeweilige NAS-Hersteller in der Kompatibilitätsliste auf der Webseite aufführt.

Recht wenig Sinn machen SSD-Laufwerke im NAS. Zwar senken Sie das Geräuschniveau und den Stromverbrauch. Bei den üblichen Transferraten im GBit-Ethernet von 50 bis 70 MB/s spielen SSDs ihren Tempovorteil allerdings nicht aus. Darüber hinaus sind sie bei Kapazitäten, wie man sie in einem NAS-System haben will, noch viel zu teuer.

NAS-Know-How: Neun Tipps für den Netzwerkspeicher

USV als Ausfallschutz

Das „harte“ Ausschalten ist nicht nur für Windows-Rechner gefährlich. Möglicherweise unterbrechen Sie damit wichtige Schreibvorgänge und beschädigen nicht nur die betroffenen Daten, sondern eventuell sogar die Integrität des gesamten Platteninhaltes. Dasselbe gilt für NAS-Systeme. Ein plötzlicher Stromausfall oder auch nur eine stärkere Schwankung im Stromnetz können im schlimmsten Fall zu ernstem Datenverlust führen. Beste Abhilfe hierfür ist immer noch eine USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung). Sie puffert dank eines integrierten Akkus Spannungsschwankungen und sogar komplette Stromausfälle für mehrere Minuten. Achten Sie beim Kauf besonders darauf, dass ein USB-Datenausgang vorhanden ist. Darüber meldet die USV einen Stromausfall an das NAS-Gerät, welches im Anschluss daran kontrolliert herunterfährt. Am besten suchen Sie auf der NAS-Herstellerseite nach einer USV-Kompatibilitätsliste und wählen ein empfohlenes Modell. Brauchbare USVs für NAS-Geräte gibt es ab rund 70 Euro.

Mehr Funktionen mit Add-ons

Normalerweise reicht der Standardfunktionsumfang in der NAS-Firmware für alle Anforderungen als File-oder Medienserver völlig aus. Dennoch lassen sich die meisten Geräte über Add-ons erweitern. So können Sie beispielsweise einen eigenen Mailserver einrichten, einen Webserver nebst CMS und Datenbank (etwa Joomla oder Wordpress) selbst hosten oder die Synchronisation mit nicht standardmäßig unterstützten Clouddiensten wie Strato konfigurieren. Auswahl und Installation erfolgen bei den populären NAS-Systemen über eine Art App Store (Repository), der sich über die Web-konfigurationsoberfläche erreichen lässt. Hier erfahren Sie auch von Updates und stellen auf Wunsch deren automatische Installation ein.

Sollte es für eine gesuchte Funktion kein Add-on geben (etwa Owncloud für Synology), kann noch ein Community-geführtes Repository als Quelle dienen. Die größte Auswahl für Synology-Geräte findet sich unter http://synocommunity.com/ . QNAP-Nutzer werden unter https://forum.qnap.com/viewforum.php?f=320 fündig. Grundsätzlich gilt für Third-Party-Apps aber dasselbe wie bei per „Sideloading“ installierten Android-oder iOS-Apps: Support gibt es in der Regel nicht, Bug-Behebung und Pflege obliegen oft einem einzelnen Entwickler. Auch bieten sie zumindest theoretisch ein Einfallstor für Schädlinge und der Zugriff auf andere App-Quellen muss meist in der Oberfläche zuerst konfiguriert werden. Bei Synology erfolgt das im Paketzentrum unter „Einstellungen -> Paketquellen -> Hinzufügen“. Bedenken Sie, dass die meisten Add-ons ständig laufende Programme und Dienste sind und meistens permanent Arbeitsspeicher und CPU-Rechenzeit benötigen. Beides ist insbesondere bei preisgünstigeren NAS-Systemen sehr knapp. In der Weboberfläche finden Sie meistens auch einen Auslastungsmonitor für Prozessor und RAM. Stellen Sie hier eine permanent hohe Aktivität fest, deaktivieren Sie besser Add-ons, die Sie nicht benötigen.

NAS: Backup vom Backup

Auch wenn Sie das NAS-Laufwerk vornehmlich als Backup für Desktop-Rechner nutzen, sollte es seinerseits eine regelmäßige Datensicherung erfahren. Die meisten Systeme enthalten Backup-Mechanismen, die als Ziel wahlweise ein weiteres NAS-Laufwerk (im Home-und Soho-Bereich selten vorhanden), einen Cloudspeicher wie beispielsweise Dropbox oder Google Drive (meist zu klein und zu langsam via DSL) oder ein externes Laufwerk nutzen. Für letzteres verfügen praktisch sämtliche NAS-Systeme über einen oder mehrere USB-Anschlüsse, idealerweise in der schnelleren 3.0-Ausführung. Zwei wichtige Tipps hierzu:

Wenn Sie das Format der externen Platte bestimmen können, verzichten Sie auf EXT3 oder EXT4 und entscheiden Sie sich lieber für NTFS oder FAT. Der Grund: Wenn das NAS-System selbst ausfällt, kommen Sie so ohne Verrenkungen an die Backup-Daten. Sie müssen das Laufwerk lediglich an einen Windows-Rechner anschließen.

Legen Sie für die Backup-Funktion in der User-Verwaltung einen eigenen Benutzer an. Nur dieser hat das Recht, auf die externe Platte zuzugreifen. Auf eine Verknüpfung mit einem virtuellen Laufwerk in Windows verzichten Sie besser, denn die zurzeit grassierenden Erpresser-Trojaner verschlüsseln alles, was in ihrer Reichweite ist. Dazu gehören auch eingebundene Netzlaufwerke. So machen Sie die Backups für die Schädlinge unerreichbar.

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