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Datenkrake: Auto-Hersteller analysiert Hörverhalten von Autofahrern

18.10.2018 | 15:45 Uhr |

Der gläserne Autofahrer wird langsam Realität: General Motors (bis 2017 der Mutterkonzern von Opel) sammelte gezielt Daten über die im Auto gehörten Radiosender. Damit könnte gezieltere Radiowerbung möglich werden.

Datenkrake Auto: Der US-Automobil-Hersteller General Motors (GM) testet laut US-Medien bereits heute, wie Automobil-Hersteller die Fülle von Daten, die moderne vernetzte Autos über die Insassen sammeln, vielleicht einmal zu Geld machen könnten.

General Motors (bis 2017 der Mutterkonzern von Opel) sammelte demzufolge Daten darüber, welche Radioprogramme in seinen Fahrzeugen gehört werden. Von 90.000 Fahrern in der Gegend von Los Angeles und Chicago erfasste GM von November 2017 bis Januar 2018 drei Monate lang die Hörgewohnheiten. GM zeichnete Daten wie die gewählten Radiosender, die eingestellte Lautstärke und die Postleitzahlen der Fahrzeugbesitzer auf. Über die in den GM-Fahrzeugen verbaute WLAN-Verbindung lud GM diese Daten dann von den Fahrzeugen auf seine Server (wenn das Fahrzeug in der Reichweite eines verbundenen WLAN-Netzes stand). Die betroffenen Autofahrer hatten dem zuvor zugestimmt.

Mit der Datensammelaktion wollte GM Zusammenhänge zwischen dem Hörverhalten und dem Kaufverhalten der Fahrer ermitteln. Hört der Fahrer eine ausgespielte Werbung bis zum Ende an? Oder wechselt er während des Werbespots den Sender? Gibt es Zusammenhänge zwischen Musikgeschmack und Essgewohnheiten? Fährt also jemand, der zum Beispiel oft Country Music hört, besonders häufig in Fast-Food-Restaurants?

Wenn beispielsweise ein solcher Country-Musik-Liebhaber oft in einem Tim Horton’s Schnell-Restaurant hält – könnte man ihn durch das Einblenden von Werbung für eine neue Kaffee-Kreation von McDonalds dazu bringen, eher bei McDonalds anzuhalten? Und gibt es Zusammenhänge zwischen dem konkreten Auto-Modell, das jemand fährt, und dem favorisierten Radiosender? So stellt The Verge eine denkbare Fragestellungen zusammen.

GM dementierte das Datensammeln gegenüber US-Medien nicht. Allerdings versucht der US-Autobauer, Datenschützer und von um ihre Privatsphäre besorgte GM-Kunden dadurch zu beschwichtigen, dass er sagt, dass das ganze Konzept derzeit noch theoretisch sei. Bis jetzt habe man noch keine Fahrer-Daten verkauft, so General Motors.

Aber der GM-Pressesprecher James Cain räumte ein, dass die Daten von vernetzten Fahrzeugen dabei helfen können, die Hörgewohnheiten der Radiohörer genauer zu ermitteln. Das könne für die Radiomacher nützlich sein, so GM, um sich im Wettbewerb mit Streaming-Diensten wie Youtube, Spotify oder Apple Music zu behaupten. Mit Hilfe dieser Daten könnten die Radiosender irgendwann in der Zukunft zielgerichtete Werbung für jeden Fahrer ausstrahlen - so wie schon seit Jahren zielgerichtete Werbung im Browser oder in Apps angezeigt wird.

Vor allem aber zeigt dieser erste Versuch von GM, wie die Automobil-Hersteller und vielleicht auch Apple (via Carplay) oder Google (via Android Auto) in Zukunft Daten über ihre Fahrer sammeln und diese vermarkten. Denn ständig vernetzte Autos sind neben dem Smart Home die nächsten großen Datenquellen für Werbetreibende. Für den Bereich Smart Home hat iRobot bereits im Sommer 2017 einen kleinen Vorgeschmack darauf gegeben, wohin die Reise mit dem Sammeln von Daten der Smart-Home-Bewohner gehen könnte.

Wobei sicherlich nicht nur die Werbeindustrie ein Interesse an den in den smarten Autos gesammelten Daten hat. Zum Beispiel dürften sich auch staatliche Sicherheitsbehörden von Fall zu Fall für diese Daten interessieren. Und Auto-Versicherer -  Telematik-Tarife gehen ja bereits in diese Richtung. Die Automobil-Hersteller nutzen die Vernetzung ihrer Fahrzeuge außerdem für eine engere Kundenbindung, indem sie diese für Wartungsarbeiten und andere Service- und Reparaturmaßnahmen direkt in ihre Vertragswerkstätten locken, um die Konkurrenz durch preiswertere freie Werkstätten auszuschalten. Außerdem können die Automobil-Hersteller die im Auto gesammelten Daten sogar gegen ihre eigenen Kunden verwenden, wie das Beispiel eines BMW-Cabrio-Fahrers zeigt.

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