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Das neue Windows 10 S im Überblick

28.08.2017 | 14:24 Uhr |

Ist Windows 10 S das neue Windows RT oder handelt es sich bei diesem Betriebssystem um eine Art Windows 10 Pro Light? Wir verraten Ihnen, was Microsoft vorhat.

Die Positionierung der einzelnen Windows-Editionen ist bereits seit Vista eindeutig: Die Home-Variante ist für Privatanwender konzipiert, die Pro-Edition zielt auf Geschäftskunden, die höhere Ansprüche an Sicherheits-, Verwaltungs- und Netzwerkfunktionen stellen. Kleine, mittelständische und große Unternehmen setzen hingegen auf die Enterprise-Version, die entweder im Rahmen der Volumenlizenzierung oder – ganz neu – im Abonnement erhältlich ist. Und für Bildungseinrichtungen ist die Education-Version, deren Funktionsumfang in etwa der Enterprise-Variante entspricht, gedacht. Umso größer war die Überraschung, als Microsoft zeitgleich mit dem Surface Laptop auch Windows 10 S vorstellte.

Wir erklären Ihnen, was es mit diesem Betriebssystem auf sich hat. Die wichtigste Information vorweg: Windows 10 S kann nicht separat erworben und auf jedem beliebigen Rechner eingespielt werden. Dies würde in der Praxis auch gar keinen Sinn machen, da Windows 10 S die manuelle Installation von Treibern rigoros abblockt. Vielmehr steht das Betriebssystem ausschließlich Computerherstellern zur Verfügung, die das OS auf ihren Geräten vorinstallieren und Treiberaktualisierungen über die Windows-eigene Updatefunktion bereitstellen. Alle namhaften Hersteller, darunter Acer, Dell und HP haben bereits Geräte mit Windows 10 S angekündigt. Gerüchten zufolge müssen die PC-Hersteller keinerlei Lizenzgebühren für Windows 10 S bezahlen.

Tipp: Microsoft-Tool erlaubt Installation von Windows 10 S

Nur Apps und Anwendungen aus dem Windows-Store

Überspitzt ausgedrückt, handelt es sich bei Windows 10 S um ein abgespecktes Windows 10 Pro (siehe Tabelle). Wichtigstes Merkmal ist zweifelsohne, dass sich unter Windows 10 S ausschließlich Apps und Anwendungen aus dem Windows-Store einspielen lassen. Neu ist so eine Einschränkung aber nicht. Denn auch Windows RT, die für Geräte mit ARM-CPU konzipierte Version von Windows 8, die unter anderem auf Surface RT, dem allerersten Surface-Modell lief, unterstützte nur Apps aus dem Store. Allerdings war diese Einschränkung der Architektur des Betriebssystems geschuldet, sodass es grundsätzlich nicht möglich war, 32- und 64-Bit-Software zu installieren.

Bei Windows 10 S ist diese Einschränkung hingegen erzwungen. Nutzer, die versuchen, eine aus dem Web heruntergeladene oder von einem Datenträger stammende Software einzuspielen, werden per Bildschirmhinweis darauf aufmerksam gemacht, dass die Installation nicht gestattet ist. Sofern vorhanden, werden dem Anwender ähnliche Apps und Anwendungen aus dem Windows-Store als Alternativen vorgeschlagen. Und das ist auch das große Problem an der Sache: Denn im Windows-Store finden sich immer noch viel zu wenig brauchbare Apps. Die Auswahl an traditionellen Desktop-Anwendungen ist noch kleiner.

Microsoft ist sich dieses Problems offensichtlich bewusst und räumt Kunden, die einen Computer mit Windows 10 S erworben haben, das Recht ein, für rund 50 Euro auf Windows 10 Pro umzusteigen. Anwender, die sich einen Surface Laptop zugelegt haben, dürfen bis Ende des Jahres sogar kostenlos zu Windows 10 Pro wechseln. Ermöglicht wird das nahtlose Upgrade dadurch, dass Windows 10 S und Windows 10 Pro die gleiche Codebasis nutzen.

Die Themen in Tech-up Weekly #83: +++ Windows 10 S: Alle Infos zum neuen Windows 10 Light +++ Jelly: Kleinstes LTE-Smartphone der Welt +++ Youtube mit neuem Design und Nachtmodus +++ Quick-News der Woche +++ Kommentar der Woche +++ Fail der Woche: Prank-Videos: YouTube-Star DaddyOFive verliert Sorgerecht

Microsoft Edge und Bing zur Suche sind vorgeschrieben

Nutzen Sie die Adressleiste von Microsoft Edge auch zur Websuche, müssen Sie damit leben, dass die Suche ausschließlich über Bing abgewickelt wird. Andere Suchmaschinen lassen sich nicht einbinden.
Vergrößern Nutzen Sie die Adressleiste von Microsoft Edge auch zur Websuche, müssen Sie damit leben, dass die Suche ausschließlich über Bing abgewickelt wird. Andere Suchmaschinen lassen sich nicht einbinden.

Die zweite große Einschränkung betrifft das Surfen im Web. Anstatt es dem Anwender zu überlassen, mit welchem Browser er im Web unterwegs sein will, zwingt Microsoft den User zur Nutzung von Edge. Prinzipiell ist dagegen nichts einzuwenden. Edge ist ein moderner, leistungsfähiger Browser, der alle gängigen Webstandards beherrscht und als ausgesprochen sicher gilt. Darüber hinaus wird der Funktionsumfang regelmäßig durch Updates erweitert; Add-ons sind ebenfalls vorhanden, wenn auch nur wenige. Und da diese Erweiterungen über den Windows-Store eingespielt werden, kommen auch Nutzer von Windows 10 S in den Genuss von Add-ons wie Ghostery, Roboform und Last Pass.

Unverständlich ist, dass es dem Nutzer unmöglich gemacht wird, die standardmäßig bei der Suche in der Adressleiste verwendete Suchmaschine zu ändern. Während sich unter Windows 10 Home und Pro über „Einstellungen und mehr -> Einstellungen -> Erweiterte Einstellungen anzeigen -> Suchmaschine ändern“ ein anderer Anbieter festlegen lässt, müssen Nutzer von Windows 10 S mit Bing leben.

Ein Plus an Sicherheit und höhere Stabilität des Betriebssystems

Sinn und Zweck dieser Strategie: Mit Windows 10 S ausgestattete Geräte sollen zum einen wesentlich besser vor digitalen Gefahren geschützt sein. Denn da alle im Windows-Store angebotenen Apps und Anwendungen geprüft und als ungefährlich eingestuft werden, ist laut Microsoft ausgeschlossen, dass Viren, Trojaner und andere digitale Schädlinge ein System befallen und manipulieren können.

Und da zum Surfen ausschließlich der hauseigene Browser Microsoft Edge genutzt werden kann, ist sichergestellt, dass auch Angriffe über das Web ins Leere laufen.

Der zweite Vorteil eines dermaßen abgeschotteten Betriebssystems: Indem verhindert wird, dass vom Anwender installierte Software den Systemstart verlangsamt, die Registry vollmüllt und unzählige Hintergrundprozesse startet, ist sichergestellt, dass das Gerät auch nach mehreren Monaten noch so performant ist, wie das beim ersten Einschalten der Fall war.

Nimmt man noch die günstigen Preise hinzu, die die Hersteller für einen Großteil der kommenden Geräte aufrufen, zeigt sich, dass Microsoft mit Windows 10 S in erster Linie auf Schüler, Studenten und Lehrkräfte sowie auf weniger versierte Anwender, die nicht vorhaben, weitere Software zu installieren, zielt. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, fügt sich Windows 10 S nahtlos in die Eingangs erwähnten Editionen ein.

Windows 10: Vergleich der Editionen

Die folgende Tabelle listet die wichtigsten Unterschiede der vier Windows-10-Editionen auf.

Funktion

Windows 10 S

Home

Pro

Enterprise

Installation von Apps aus dem Windows Store

Ja

Ja

Ja

Ja

Installation von Software

Nein

Ja

Ja

Ja

Unterstützung lokaler Domänen

Nein

Nein

Ja

Ja

Unterstützung cloudbasierter Domänen

Ja

Nein

Ja

Ja

Nutzung beliebiger Browser

Nein

Ja

Ja

Ja

Bing als Sandardsuchmaschine

Ja

Nein

Nein

Ja

Bitlocker Laufwerkverschlüsselung

Ja

Nein

Ja

Ja

Hyper-V-Client

Nein

Nein

Ja

Ja

Verwaltung mobiler Endgeräte

Ja

Teilweise

Ja

Ja

Device Guard

Nein

Nein

Nein

Ja

Credential Guard

Nein

Nein

Nein

Ja

App Locker

Nein

Nein

Nein

Ja

Direct Access

Nein

Nein

Nein

Ja

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