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Creators Update: Die neue Oberfläche von Windows

24.07.2017 | 14:00 Uhr |

Verglichen mit dem Anniversary Update fallen die Neuerungen in Sachen Bedienung und Handling gering aus. Dafür hat sich Microsoft beim Creators Update verstärkt um das Feintuning gekümmert.

Gespannt haben Millionen PC-Anwender auf die Veröffentlichung von Windows 10 Creators Update gewartet, damit sie endlich einen Blick auf die neuen Funktionen werfen können. Insbesondere die Frage, ob – und wenn ja, wie – sich der Desktop und das Startmenü verändert haben, bewegte einen Großteil der Nutzer. Die gute Nachricht: Microsoft hat nur Details verändert, um die Bedienung noch komfortabler zu machen. Gravierende Änderungen, die ein Umdenken erfordern und die Nutzung von Windows 10 in der dritten Generation erschweren, sind nicht an Bord. Die interessantesten Neuerungen, Verbesserungen und Optimierungen stellen wir Ihnen in diesem Beitrag im Detail vor. Dabei gehen wir auf das Startmenü, die vorinstallierten Standard-Apps, die Einstellungen, die Usability-Funktionen und einiges mehr ein.

Zu den in Sachen Usability wichtigsten Neuerungen des Anniversary Updates gehörte zweifelsohne die Optimierung des Startmenüs. Insbesondere die übersichtliche Aufteilung von Systemfunktionen und installierten Apps sowie Anwendungen kam der komfortablen Bedienung zugute. Einziger Kritikpunkt vieler Nutzer – insbesondere derjenigen, die bereits seit Jahrzehnten mit Windows arbeiten – waren die für sie ungewohnten Kacheln. Computeranwender, die gehofft hatten, dass Microsoft in Windows 10 Creators Update eine Möglichkeit integrieren würde, um die Kacheln in einem Rutsch aus dem Startmenü zu verbannen, werden enttäuscht.

Das Startmenü bleibt beim Creators Update (fast) identisch

Die wichtigste Neuerung in Sachen Startmenü ist, dass sich Kacheln nun in Ordnern zusammenfassen lassen. Das Gruppieren ist jedoch auch weiterhin möglich.
Vergrößern Die wichtigste Neuerung in Sachen Startmenü ist, dass sich Kacheln nun in Ordnern zusammenfassen lassen. Das Gruppieren ist jedoch auch weiterhin möglich.

Auch im aktuellen Windows stellen diese Elemente den zentralen Bestandteil des Startmenüs dar. Neu ist aber, dass sich mehrere Kacheln zu einem Ordner zusammenfassen lassen. Das funktioniert exakt so, wie man es von Android und Apple iOS kennt: Sie müssen lediglich eine Kachel per Drag & Drop auf eine andere ziehen und die Maustaste loslassen – schon ist ein neuer Ordner angelegt.

Um den Überblick nicht zu verlieren, werden alle in einem Ordner abgelegten Apps durch eine Vorschaugrafik visualisiert. Gut: Die Größe der Ordner lässt sich – wie auch bei den Kacheln selbst – vierstufig anpassen.

Anwender, die dennoch nichts mit Kacheln anfangen können, können diese Elemente manuell entfernen, indem sie jedes einzelne Element mit der rechten Maustaste anklicken und den Befehl „Von Start lösen“ wählen. Anschließend platzieren sie den Mauszeiger am rechten Rand des Startmenüs und ziehen ihn bei gedrückter linker Maustaste ganz nach links. Nichts weiter als eine nette Spielerei ist, dass sich die als Designs bezeichneten Windows-Themen nun über den Store beziehen lassen. Um sich einen Überblick über die – bereits jetzt zahlreichen und teilweise hübsch anzusehenden – Themen zu verschaffen, klicken Sie in den „Einstellungen“ auf „Personalisierung“, wählen „Designs“ und folgen dem Link „Weitere Designs aus dem Store beziehen“. Die aktuell angebotenen Designs sind allesamt kostenlos zu haben; Microsoft zufolge sollen aber auch kostenpflichtige hinzuzukommen. Fragt sich nur, welcher Nutzer bereit ist, dafür Geld auszugeben.

Windows 10 Fall Creators Update - alle Neuerungen im Überblick

Apps kommen, gehen und werden weiter verbessert

Paint 3D ist für Microsoft die wichtigste neue App. Den gleichen Status hatte nach der Veröffentlichung des Anniversary Updates Sway … und nun ist diese App nicht mehr in Windows 10 integriert.
Vergrößern Paint 3D ist für Microsoft die wichtigste neue App. Den gleichen Status hatte nach der Veröffentlichung des Anniversary Updates Sway … und nun ist diese App nicht mehr in Windows 10 integriert.

Das Creators Update zeigt einmal mehr, dass Microsoft mit der dritten großen Aktualisierung für Windows 10 genau das liefert, was der Konzern vor zwei Jahren versprochen hatte: Ein dynamisches Betriebssystem, das im Laufe der Zeit immer besser und umfangreicher wird soll. Nicht zuletzt lässt sich das an der Auswahl der Apps, die zum Lieferumfang des Betriebssystems gehören, erkennen. Apps, die sich als schwach entpuppen oder von den Anwendern kaum genutzt werden, verschwinden ebenso schnell, wie neue hinzukommen.

Beispiel Sway: Das interessante Tool, das insbesondere bei der Gestaltung grafiklastiger Präsentationen, beispielsweise Urlaubstagebüchern, gute Dienste leistete, wurde bei der Veröffentlichung als eine der coolsten neuen Apps angepriesen. Nicht einmal ein Jahr später ist Sway schon wieder aus Windows 10 verschwunden. Wer auch weiterhin mit der App arbeiten will, kann sie jedoch aus dem Store nachinstallieren. Und auch die App „Begleiter für Telefon“, die Microsoft als eine Art bahnbrechendes Universaltool zur Kopplung von Windows 10 mit Android- und iOS-Geräten sowie Windows Phones vorstellte, ist wieder verschwunden. Gleiches gilt für die Apps Leseliste, Sport und Finanzen.

Zumindest die beiden Letztgenannten lassen sich aus dem Store installieren. Nicht verschwunden, aber auch nicht mehr in der obersten Ebene des Startmenüs zu finden ist die App 3D Builder. Sie ist nun unter „Windows-Zubehör“ untergebracht.

Neu hinzugekommen sind dafür – neben Paint 3D, die App, die wir Ihnen auf Seite 18 genauer vorstellen, und dem Windows Defender Security Center (ausführlicher Ratgeber unter www.pcwelt.de/2270532) – die Apps Mixed-Reality-Portal, View 3D Preview und Windows Mixed Reality. Wie die Bezeichnungen verraten, handelt es sich dabei um Anwendungen, die im Zusammenhang mit Virtual und Mixed Reality stehen – immerhin einem der Schwerpunkte von Windows 10 Creators Update.

Im Beitrag auf Seite 22 gehen wir auf diese Apps ein. Darüber hinaus wurden zahlreiche Apps im Detail verbessert, darunter zum Beispiel Mail, Kalender, Groove-Musik, Microsoft Edge und Xbox. Dagegen hat es der vollmundig angekündigte Musikbaukasten Groove Music Maker, der an Apples Garage Band erinnert, nicht in das neue Windows geschafft. Im Store war die App auch zwei Monate nach Erscheinen des Creators Updates nicht zu finden.

Windows-Systemsteuerung und Einstellungen rücken näher

Aus dem Kontextmenü des Startbuttons ist die „Systemsteuerung“ beim Creators Update verschwunden. Im System integriert ist diese Komponente aber weiterhin und kann beispielsweise über die Suchleiste gestartet werden.
Vergrößern Aus dem Kontextmenü des Startbuttons ist die „Systemsteuerung“ beim Creators Update verschwunden. Im System integriert ist diese Komponente aber weiterhin und kann beispielsweise über die Suchleiste gestartet werden.

Immer weiter schreitet die Verzahnung der traditionellen „Systemsteuerung“ mit den modernen „Einstellungen“ voran. In den Einstellungen stehen nun elf anstatt neun Bereiche zur Auswahl (siehe Kasten „Das neue Menü ,Einstellungen’“).

Ein klarer Hinweis dafür, dass sich Microsoft Update für Update immer mehr von der einstigen Windows-Schaltzentrale „Systemsteuerung“ verabschiedet: Der entsprechende Befehl ist nun aus dem Kontextmenü des Startbuttons verschwunden. Einzelne Systemsteuerungselemente wie der Klassiker „Geräte-Manager“ und das „Mobilitätscenter“ lassen sich aus diesem Menü hingegen weiterhin aufrufen. Alle anderen Befehle sind entweder mit den entsprechenden Bereichen der „Einstellungen“ verknüpft oder starten die jeweilige Managementkonsole, zum Beispiel die „Datenträgerverwaltung“ (diskmgmt.msc) und die „Computerverwaltung“ (compmgmt.msc).

Obwohl immer mehr Funktionen der „Systemsteuerung“ inzwischen in den „Einstellungen“ integriert wurden, wird aus der modernen Schaltzentrale in nahezu allen Dialogen auf den Klassiker verwiesen.

Beispiel Maus: In den modernen „Einstellungen“ gelangen Sie über „Geräte“ und „Maus“ an die Einstellungen des Eingabegeräts. Hier stehen Ihnen allerdings gerade einmal vier Funktionen zur Auswahl, darunter die Möglichkeit, die primäre Maustaste auszuwählen und die Anzahl der Zeilen, die beim Drehen des Scrollrädchens überblättert werden sollen, festzulegen. Wenn Sie auf den im Abschnitt „Verwandte Einstellungen“ zu findenden Link „Weitere Mausoptionen“ anklicken, um an die weiterführenden Einstellungen zu gelangen, landen Sie im bekannten Systemsteuerungsdialog „Eigenschaften von Maus“.

Anders bei der „Eingabeaufforderung“: Während der Befehl in einigen Vorabversionen aus dem Kontextmenü des Startbuttons verschwunden und durch Powershell ersetzt war, erscheinen im regulären Windows mit Stand 1703 wieder die beiden von früher bekannten Optionen „Eingabeaufforderung“ und „Eingabeaufforderung (Administrator)“. Und wer im Windows-Explorer bei gedrückter Shift-Taste mit der rechten Maustaste auf ein Laufwerk oder einen Ordner klickt, kann im Kontextmenü über den Eintrag „Powershell-Fenster hier öffnen“ weitere Befehle ausführen.

Windows 10: Die neuen Sicherheitsfeatures im Creators Update

Die Assistentin Cortana wird immer besser und gesprächiger

Ob im Fenster, im Sperrbildschirm oder im Vollbildmodus – Cortana hört dem Nutzer zu und führt seine Sprachbefehle aus. Das Ausschalten per Sprache funktioniert allerdings noch nicht.
Vergrößern Ob im Fenster, im Sperrbildschirm oder im Vollbildmodus – Cortana hört dem Nutzer zu und führt seine Sprachbefehle aus. Das Ausschalten per Sprache funktioniert allerdings noch nicht.

Reagierten viele Anwender zu Beginn noch ein wenig reserviert auf Cortana, haben immer mehr Nutzer erkannt, dass ihnen die sprachgesteuerte Assistentin den täglichen Umgang mit dem PC tatsächlich ein wenig erleichtern kann – Datenschutzbedenken einmal außen vor gelassen.

Insbesondere die Möglichkeit, sich an Termine erinnern zu lassen, Apps durch Sprachbefehle zu starten oder im Hintergrund laufende Musik zu erkennen, sprechen ganz klar für Cortana. Und das Microsoft-eigene Pendant zu Apples Siri wird immer besser.

Die wichtigste Neuerung: Cortana spricht jetzt schon während der Windows-Installation mit dem Nutzer. Zwar stellt sie derzeit nur Fragen, die sich mit „Ja“ und „Nein“ beantworten lassen, und liest einige Bildschirmtexte vor – interessant wäre eine komplett sprachgesteuerte Installation auf jeden Fall. Und zwar nicht nur für blinde oder sehbehinderte Computer-Anwender, die ebenfalls vom Windows 10 Creators Update profitieren. Mehr dazu lesen Sie im nächsten Abschnitt „Hilfe für blinde und sehbehinderte PC-Anwender“.

Interessant hört sich die Möglichkeit an, den Rechner mittels Sprachbefehl herunterzufahren, zu sperren und in den Ruhemodus zu versetzen. Das aber funktioniert auch zwei Monate nach Erscheinen des Creators Updates zumindest in Deutschland nicht. Cortana antwortet auf den Sprachbefehl „Hey Cortana, abmelden“ weiter mit „Es tut mit leid, das kann ich im Moment leider nicht für dich ausführen. Bitte versuche es noch einmal nach einem der zukünftigen Updates“. Dies lässt zumindest hoffen, dass das sprachgesteuerte Herunterfahren schon bald nachgereicht wird …

Noch mehr Hilfe für blinde und sehbehinderte PC-Anwender

Microsoft möchte Personen mit Sehbehinderungen nicht von der Windows- Benutzung ausschließen und hat die im Betriebssystem integrierten Bedienungshilfen erweitert und verbessert.
Vergrößern Microsoft möchte Personen mit Sehbehinderungen nicht von der Windows- Benutzung ausschließen und hat die im Betriebssystem integrierten Bedienungshilfen erweitert und verbessert.

Sehr viel Energie hat Microsoft in die Verbesserung der Funktionen, die in den Einstellungen unter dem Punkt „Erleichterte Bedienung“ zusammengefasst sind, gesteckt. Wichtigste Neuerung ist die Braille-Unterstützung, die es Blinden und stark Sehbehinderten ermöglichen soll, ganz normal mit einem PC zu arbeiten. Um diese Funktion zu nutzen, müssen Anwender die beiden kostenlosen Anwendungen Brltty und Liblouis herunterladen und einspielen. Dies erfolgt ganz einfach durch einen Klick auf die Schaltfläche „Braille herunterladen und installieren“. Erweitert wurden auch die Einstellungen. So lässt sich nun etwa im Dialog „Sprachausgabe“ der Umfang des kontextbezogenen Lesens für Steuerelemente und Schaltflächen fünfstufig einstellen: von „0 – Keinen Kontext lesen“ bis hin zu „5 – Vollständigen Kontext von neuem und altem Steuerelement lesen“. Verändert hat sich auch die Tastenkombination, mit der die „Sprachausgabe“ gestartet wird. Anstatt Windows- und Eingabetaste zu drücken, startet die Tastenkombination Strg-Win-Eingabe diese Funktion.

Für alle Anwender interessant ist der neue „Nachtmodus“, an den Sie in den „Einstellungen“ nach Klicks auf „System“ und „Bildschirm“ gelangen. Wenn Sie diese Funktion einschalten, passt Windows die Helligkeit des Displays automatisch an, damit die Augen in der Dunkelheit nicht so geblendet werden. Zu welcher Uhrzeit der „Nachtmodus“ aktiviert werden soll und welche Farbtemperatur Sie bevorzugen, legen Sie nach einem Klick auf den Link „Einstellungen für Nachtmodus“ fest. Das Ein- und Ausschalten dieser Anzeige funktioniert aber auch über die Schnellbefehle im Info-Center.

Mehrere Partitionen jetzt auch auf dem USB-Stick möglich

Schließlich bietet Windows nun die Möglichkeit, USB-Sticks nicht nur mit einem, sondern mit mehreren Laufwerksbuchstaben zu versehen. Das Einrichten der Partitionen erfolgt wie bei anderen Datenträgern auch über die „Datenträgerverwaltung“, beim Einstecken an älteren Windows-Systemen bleibt jedoch nur die erste Partition des Sticks zu sehen.

Das neue Menü „Einstellungen“

Wie bereits die Anniversary-Aktualisierung im vergangenen Jahr modernisiert auch das Creators Update den „Einstellungen“- Dialog von Windows 10. Auffälligste Neuerung ist, dass mit „Apps“ und „Spielen“ zwei neue Rubriken hinzugekommen sind. Unter „Apps“ sind nun alle Befehle, die im Zusammenhang mit Store-Anwendungen stehen, zusammengefasst. Dazu gehören das „Deinstallieren“, das „Verschieben“ und das „Zurücksetzen“. Darüber hinaus können Sie auch festlegen, dass ausschließlich Apps aus dem Store eingespielt werden dürfen. Auf diese Weise lässt sich verhindern, dass andere Nutzer auf dem PC Apps aus zweifelhaften Quellen installieren.

Die wichtigste Neuerung in Sachen Startmenü ist, dass sich Kacheln nun in Ordnern zusammenfassen lassen. Das Gruppieren ist jedoch auch weiterhin möglich.
Vergrößern Die wichtigste Neuerung in Sachen Startmenü ist, dass sich Kacheln nun in Ordnern zusammenfassen lassen. Das Gruppieren ist jedoch auch weiterhin möglich.

Das Deinstallieren von Desktop-Apps läuft hingegen auch zukünftig über die Systemsteuerungskomponente „Programme und Features“, die Sie im Bereich „Apps & Features“ per Klick auf den gleichnamigen Link öffnen. Auf die wichtigsten Merkmale der Rubrik „Spielen“, darunter die spaßige Möglichkeit, das Gameplay im Web zu übertragen, gehen wir in einem gesonderten Beitrag ein.

Aber auch unter der Haube hat sich einiges getan. Interessant ist etwa die neue Funktion „Speicheroptimierung“, die Sie in der Rubrik „System“ per Klick auf „Speicher“ erreichen. Setzen Sie den Schalter auf „Ein“, verschiebt Windows 10 temporäre Dateien automatisch in den Papierkorb, um zu verhindern, dass solche Elemente den Rechner zumüllen. Darüber hinaus werden alle Dateien, die länger als 30 Tage im Papierkorb liegen, endgültig entfernt. Über den Link „Freigeben von Speicherplatz ändern“, können Sie die beiden Optionen ein- und ausschalten. Wollen Sie eine sofortige Systembereinigung durchführen, klicken Sie auf die Schaltfläche „Jetzt bereinigen“.

Die Themen in Tech-up Weekly #79: +++ Das Galaxy S8 ist da - was hat es drauf? +++ Offiziell: Windows 10 Creators Update ab 11. April erhältlich +++ SSD-Killer? Intels Optane Memory erscheint im April +++ Quick-News der Woche +++ Kommentar der Woche +++ Fail der Woche: Microsofts Doc.com erlaubt Blick auf persönliche Dateien

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