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Crashkurs: Bildbearbeitung-Tools für Linux

30.03.2017 | 14:30 Uhr |

Foto-und Bildbearbeitung ist für viele Privatanwender eines der Argumente, sich auch einen PC zu kaufen, statt nur ein Tablet zu nutzen. Linux bringt für diese Aufgabe eine ganze Reihe von Programmen mit.

Für die wachsende Bilderflut sind nicht zuletzt die Smartphones verantwortlich: ein Selfie hier, ein Schnappschuss dort und natürlich die Fotos, die Freunde und Bekannte über Whatsapp schicken. Für unsere Gigabyte-Halden mit Fotos sind ein schneller Viewer, ein Programm für die Kategorisierung sowie eine Bearbeitungssoftware erforderlich. Der vorinstallierte Standard unter Linux Mint 18 (Cinnamon, Mate) bietet Ihnen dafür ein ausgewogenes Softwaresortiment.

„Bildbetrachter“ Xviewer: Schneller Durchblick

Wenn Sie im Dateimanager von Mint auf eine Bilddatei klicken, dann startet automatisch das Standardprogramm Xviewer. Unter deutschem System nennt er sich „Bildbetrachter“ und ist unter diesem Namen ebenfalls im Hauptmenü unter „Grafik“ zu finden. Xviewer zeigt zusätzlich zum Foto in der Seitenleiste, die sich über die Tastenkombination Strg-F9 aufrufen lässt, eine ganze Reihe von Informationen zur aktuellen Datei, darunter alle relevanten Meta-Daten wie Aufnahmedatum, Empfindlichkeit und Aufnahmeort. Mit den Pfeiltasten navigieren Sie durch einen Bilderstapel, und für eine Vollbilddarstellung genügt ein Druck auf F11. Ebenfalls möglich ist eine automatische Diaschau, die Sie am schnellsten mit F5 starten. Merken Sie sich am besten noch die Tastenkombination Strg-R (der Buchstabe R steht für „Rotate“, also Drehung), um das Motiv einmal um 90 Grad nach rechts zu drehen. Per „Ansicht, Bildersammlung“ (oder F9-Taste) haben Sie die Option, sich in einem kleinen Filmstreifen die Miniaturen aller Bilder des aktuellen Ordners anzusehen. Xviewer ist ein reiner Betrachter und arbeitet auch über das Netzwerk sehr flott. Außer dem Löschen von Fotos und der Rotation (die auf Wunsch gespeichert wird) bietet Xviewer aber keine Bearbeitungsfunktionen.

„Bildbetrachter“ Xviewer: Dieses Zubehör ist ein reiner Viewer ohne Bearbeitungsfunktionen. Dafür arbeitet das Tool aber sehr schnell und zeigt Bilder selbst über das Netzwerk flott an.
Vergrößern „Bildbetrachter“ Xviewer: Dieses Zubehör ist ein reiner Viewer ohne Bearbeitungsfunktionen. Dafür arbeitet das Tool aber sehr schnell und zeigt Bilder selbst über das Netzwerk flott an.

Pix bringt Ordnung in die Fotosammlung

Pix ergänzt den Xviewer. Es hilft, Fotos zu verschlagworten und kann nach Ereignissen, Daten oder Orten zu Alben kategorisieren sowie mit anderen teilen. Es gibt zwei Wege, um mit den Bildern zu arbeiten: Entweder öffnen Sie einen bereits vorhandenen Ordner über die linke Seitenleiste oder Sie verwenden die Funktion „Importieren“ aus dem Menü „Datei“. Importieren können Sie von lokalen Ordnern, angeschlossenen Geräten wie Kameras und Smartphones, aber auch von externen Webseiten (Facebook, Flickr, Picasa). Beim Importieren müssen Sie dabei lediglich die gewünschten Bilder auswählen sowie den Zielordner auf Ihrem System definieren – und schon können Sie loslegen. Auf Wunsch werden hierbei die Originale auf dem Importdatenträger gelöscht.

Siehe auch: Linux für jeden Zweck

Sämtliche Bilder landen dann übersichtlich auf einem Leuchttisch. Mithilfe eines Doppelklicks starten Sie nun den Betrachter, über den sich Details ansehen lassen. Um ein neues Album anzulegen („Katalog“), markieren Sie einfach mit der Maus in der Übersicht die gewünschten Aufnahmen, führen einen Rechtsklick aus und verwenden aus dem Kontextmenü den Eintrag „Zum Katalog hinzufügen“. Damit gelangen Sie zu einer Übersicht der Kataloge und legen dort ein neues Album an.

Pix befindet sich grundsätzlich in einem von zwei Arbeitsmodi. Zwischen beiden schalten Sie mit den Icons auf der rechten Seite der Werkzeugleiste um. Über „Eigenschaften“ bearbeiten Sie die Daten rund um ein Foto, verändern es jedoch nicht selbst. Dieser Modus ist dazu gedacht, Kommentare zu einem Bild hinzuzufügen oder die Exif-Informationen des Bildes zu bearbeiten. Klicken Sie dagegen auf „Bearbeiten“, öffnen sich in der rechten Seitenleiste des Programms Werkzeuge zur Bildbearbeitung – vom klassischen Entfernen roter Augen über das Schärfen bis zum Zuschneiden oder zur Bearbeitung der Bildgröße.

Pix ist eine neue Mint-X-App und deshalb noch nicht ausgereift. Das Speichern von Änderungen führte im Test immer zum Schließen des Programms. Der Bug sollte bis zum Erscheinen dieses Dossiers durch Updates behoben sein.

Bildverwaltung Pix: Das Tool organisiert Ihre Fotos in Alben, hat aber auch fundamentale Bearbeitungsfunktionen, mit denen selbst Anfänger gute Ergebnisse erzielen.
Vergrößern Bildverwaltung Pix: Das Tool organisiert Ihre Fotos in Alben, hat aber auch fundamentale Bearbeitungsfunktionen, mit denen selbst Anfänger gute Ergebnisse erzielen.

Gimp für professionelle Bildbearbeitung

Gimp ist die leistungsfähigste Open-Source-Bildbearbeitung und eine echte Alternative zu kommerziellen Flaggschiffen wie zum Beispiel Photoshop. Gimp im Vorbeigehen zu erläutern, ist nicht aussichtsreich: Ausschnitte, Ebenen, Manipulationen von Schärfe und Helligkeit und die Konvertierung in andere Farbräume bilden die Grundausstattung. Durch die umfassenden Anpassungsmöglichkeiten unter „Farben“ können Sie die Qualität einer Aufnahme deutlich verbessern (insbesondere mit „Farbton/Sättigung“, „Helligkeit/Kontrast“ und „Kurven“).

Die Arbeit mit überlagerten Ebenen ist das Feld für echte Foto-und Layoutprofis. Hinzu kommen zahlreiche Zeichenwerkzeuge zur weitergehenden Bearbeitung des Bildmaterials. Damit platzieren Sie Beschriftungen auf dem Bild oder retuschieren Unschönheiten. Des Weiteren ist das Zusammenfügen von verschiedenen Ausschnitten oder Fotos damit möglich. Viele Filter (Hauptmenü „Filter“) verfremden ein Foto, beispielsweise in ein Ölgemälde.

Gimp speichert mittels „Speichern“ oder „Speichern unter“ immer im eigenen XCF-Format. Wenn Sie auf ein simples Pixelformat wie JPEG oder PNG vereinfachen wollen, müssen Sie den Menüpunkt „Datei -> Exportieren als“ wählen. Dann gehen aber gegenüber dem XCF-Format wichtige Zusatzinformationen wie die Ebeneninformationen verloren.

Tipp: Es muss nicht immer Photoshop sein

So erstellen Sie Screenshots mit dem Programm „Bildschirmfoto“

Für Screenshots gibt es unter Linux Mint das Tool Gnome-screenshot . Sie finden dieses unter deutschem System als „Bildschirmfoto“ bei „Zubehör“. Das Tool macht Screenshots des ganzen Bildschirms, eines Fensters oder eines per Maus gewählten Ausschnitts. Wichtig ist auch die Option, die Aufnahme des Bildschirmfotos zeitlich zu verzögern, da bestimmte Situationen nur darstellbar sind, wenn der Eingabefokus beim aktuellen Fenster bleibt.

Gnome-screenshot ist zudem für die von Windows her gewohnten Hotkeys „Alt-Druck“ und „Druck“ zuständig, macht also danach automatisch Fenster-oder Vollbild-Screenshots.

Einfach scannen mit dem Bordmittel Simple Scan

Zur Digitalisierung von Dokumenten oder Papierfotos hat Linux Mint mit Simple Scan nur ein sehr einfaches Basisprogramm in der Gruppe „Grafik“ an Bord. Es genügt für das gelegentliche Einlesen von Belegen, Rechnungen oder Bildern. Sie legen den Bildausschnitt fest und entscheiden sich daraufhin, ob Sie einen Text oder ein Foto digitalisieren wollen. Deutlich mehr Optionen bietet Ihnen die Alternative Xsane, die Sie über die „Anwendungsverwaltung“ oder im Terminal mit dem Befehl

sudo apt-get install xsane

problemlos nachinstallieren können. Für den Fall, dass sich ein Scanner nicht mit Linux Mint verbinden lässt, lohnt es sich, die kommerzielle Alternative Vuescan auszuprobieren. Der Entwickler hat in seine Software Treiber integriert, die auch viele ältere Geräte zur Arbeit überreden.

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