2359606

Cimon: Roboter-Astronaut mit künstlicher Intelligenz fliegt heute zur ISS

29.06.2018 | 12:42 Uhr |

Eine Falcon-9-Rakete mit einer Dragon-Versorgungskapsel von SpaceX ist heute zur ISS gestartet. Sie hat einen ganz besonderen Passagier an Bord: Einen Roboter-Astronauten mit künstlicher Intelligenz. Alexander Gerst wird mit Hilfe von Cimon Experimente durchführen.

Eine Falcon-9-Rakete mit einer Dragon-Versorgungskapsel von SpaceX ist heute zur ISS gestartet. Sie hat einen ganz besonderen Passagier an Bord: Einen Roboter-Astronauten mit künstlicher Intelligenz.

Cimon (Crew Interactive MObile companioN) heißt der fünf Kilogramm schwere und im Durchmesser 32 cm große Roboter, der in etwa die Form eines Medizinballs hat. Mit ihm führen die Astronauten auf der ISS erstmals ein Technologie-Experiment mit Künstlicher Intelligenz durch. Cimon ist laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) der weltweit erste fliegende und autonom agierende Astronauten-Assistent mit künstlicher Intelligenz.

Cimon soll bei der Horizons-Mission von ESA-Astronaut Alexander Gerst ab Sommer 2018 im Columbus-Modul der ISS zum Einsatz kommen. Cimon soll als Technologie-Experiment die Zusammenarbeit von Menschen und intelligenten Maschinen an Bord der ISS demonstrieren. Nach einem Funktionstest soll der deutsche Astronaut Alexander Gerst dreimal mit seinem künstlichen Crew-Kollegen arbeiten - auf der Agenda stehen Versuche mit Kristallen, mit dem Rubik-Zauberwürfel und ein medizinisches Experiment, bei dem Cimon als fliegende Kamera genutzt wird. Cimon ermöglicht es dem Astronauten, beide Hände frei zu haben, er muss zum Beispiel keinen Computer manuell bedienen. Durch den vollständig sprachgesteuerten Zugriff auf Dokumente und Medien kann der Astronaut relativ bequem durch Bedienungs-, Reparaturanleitungen und Prozeduren für Experimente und Anlagen navigieren, wie die DRL erklärt. Cimon dient somit als komplexe Datenbank mit allen notwendigen Informationen für Arbeiten auf der ISS und kann zeitgleich als mobile Kamera für Dokumentationszwecke genutzt werden, wie die DLR weiter ausführt.

Dr. Christian Karrasch, Cimon-Projektleiter im DLR-Raumfahrtmanagement in Bonn: "Dieses Experiment […] soll zeigen, inwieweit es möglich ist, die Astronauten im europäischen Columbus-Modul der ISS bei ihren Arbeiten zu unterstützen und sie vor allem bei Routineaufgaben zu entlasten. Im Idealfall könnten die Astronauten dadurch ihre Zeit noch besser und effektiver nutzen. Wir betreten hier Neuland und bewegen uns mit Cimon an der Schwelle des technologisch Machbaren."

Cimon kann sehen, hören, verstehen, sprechen - und fliegen. Er erinnert ein klein wenig an Professor Simon Wright, das „fliegende Gehirn“ aus der Zeichentrickserie "Captain Future".

Entwicklung und Bau des interaktiven Astronauten-Assistenten wurden vom Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Auftrag gegeben und von Airbus in Friedrichshafen und Bremen umgesetzt. Als sprachgesteuerte Künstliche Intelligenz dient die Watson KI-Technologie aus der IBM Cloud. Die menschlichen Aspekte des Assistenzsystems wurden von Wissenschaftlern des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) mitentwickelt und betreut. Die Arbeiten an Cimon begannen im August 2016.

Die Technik von Cimon beschreibt die DLR folgendermaßen : "CIMONs Struktur wurde komplett in einem 3D-Verfahren gedruckt und besteht aus Metall und Kunststoff.
Sein 'Gesicht' ist ein Display und soll sich schwebend etwa in Augenhöhe der Astronauten bewegen. Er kann Informationen, Anleitungen zu wissenschaftlichen Experimenten und Reparaturen darstellen und erklären, wie die DLR erklärt.
Seine ' Augen ' sind zwei Kameras und zur Gesichtserkennung ist eine weitere Kamera eingebaut. Zwei Seitenkameras dienen der Videodokumentation und könnten auch für weitere computergenerierte Zusatzfunktionen (Augmented Reality) genutzt werden. Ultraschall-Sensoren messen Abstände zur Kollisions-Erkennung.
Als " Ohren " fungieren sieben Mikrofone zur Richtungserkennung plus ein Richt-Mikrofon für eine gute Spracherkennung.
Sein " Mund " ist ein Lautsprecher, über den er sprechen und Musik abspielen kann.
Kernstück der KI für das Sprachverständnis ist das System IBM Watson . Selbstständiges Lernen von CIMON wurde ausgeschlossen, er muss aktiv durch einen Menschen trainiert werden. Die KI zur autonomen Navigation stammt von Airbus und dient der Bewegungsplanung und Objekterkennung.
Durch 14 interne Ventilatoren kann sich CIMON frei in alle Raumrichtungen bewegen und rotieren. Somit kann er sich dem Astronauten zuwenden, wenn er angesprochen wird, Kopfnicken, Kopfschütteln und räumlich selbstständig oder auf Kommando folgen. In Schwerelosigkeit auf der ISS ist ein Einsatz von zwei Stunden möglich.
Die Dimensionen des Gesichtes von CIMON sind den Proportionen eines Menschen nachempfunden. Gestik und Mimik sind ebenso möglich, wie ein weibliches, männliches oder neutrales Aussehen und Stimme. Das Produkt-Design von CIMON wurde in Zusammenarbeit mit Reichert Design, einer Firma aus Stetten am Bodensee, realisiert."

Das soll Cimon den Astronauten bringen.
Vergrößern Das soll Cimon den Astronauten bringen.
© Airbus

PC-WELT Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2359606