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Check: Wie transparent sind meine Daten?

17.10.2017 | 08:09 Uhr |

Seit über 30 Jahren gilt das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Wer aber sammelt überhaupt was und wo über Sie? PC-WELT erklärt, wie transparent Ihre Daten sind und wie Sie die Fremdnutzung einschränken.

Wenn es um Datenschutz und -sparsamkeit im Internet geht, hört man häufig den Satz „Google weiß doch eh alles über mich“. Der Tenor lautet also, das Bemühen um mehr Datenschutz mache sowieso nur wenig Sinn. Das stimmt jedoch nicht. Denn nur wer weiß, was über ihn oder sie gesammelt wird, kann diese Kenntnis dem ansonsten nur diffus geäußerten Misstrauen entgegenstellen. Was weiß Google denn wirklich über mich und wie kann ich gegebenenfalls Einfluss darauf nehmen, was der US-Konzern sammelt? Letztlich läuft es auf die hier als Überschrift formulierte Frage hinaus, nämlich wie transparent die über uns als Internetnutzer und Verbraucher gesammelten Daten sind und wie man (wieder) die Kontrolle darüber bekommt.

Dieser Frage gehen wir in dem vorliegenden Ratgeber umfassend nach. Wir beschränken uns dabei weder auf Google als Datensammler noch auf die klassische Internetnutzung. Denn persönliche Daten fallen heutzutage an vielerlei Stellen an: am Fernseher und im smarten Zuhause, im Auto, im Internet der Dinge (IoT), über Sprachassistenten sowie bei zahlreichen Buchungen und Dienstleistungen.

Wie die Erfahrungen aus der Vergangenheit weiter unten zeigen werden, fällt ein Teil dieser Daten quasi nebenbei zunächst als „Datenmüll“ an, der erst durch mathematische Algorithmen sinnvoll erschlossen werden kann – Big Data lässt grüßen. Andere Techniken werden nebenbei zum Ausspähen und Sammeln von Informationen eingesetzt, auch das erläutern wir noch anhand von teilweise erstaunlichen Fällen. Gemeinsam ist diesen „intransparenten“ Daten, dass die meisten Menschen gar nicht damit rechnen, auf solche Art und Weise angezapft zu werden. Dass sich über das Muster gebuchter Fahrten bei einem Mietwagenanbieter auf die sexuellen Gewohnheiten der Kunden schließen lässt, leuchtet durchaus ein – nur dachten bis zu dem konkreten Fall beim US-Dienst Uber eben nur die allerwenigsten daran .

Siehe auch: So funktioniert Datenschutz ohne großen Komfortverlust

Transparente Daten: Kontrolle der Privatsphäre bei Google & Co.

Obwohl oft mit dem Begriff „Datenkrake“ assoziiert, verhält sich Google geradezu transparent und legt offen, welche Daten der Konzern ganz konkret über seine Nutzer sammelt und auswertet. Darüber hinaus gibt Google seinen Benutzern die Kontrolle darüber, welche Daten mit einem persönlichen Konto verknüpft werden sollen. Nach dem Einloggen auf der Webseite „ Google Meine Aktivitäten “ sehen Sie Ihre „Aktivitäten“ vergleichsweise genau: Das beginnt bei den Orten, an denen Sie sich aufgehalten haben – vor allem die zutreffenden Bezeichnungen wie „war hier: Arzt XY“ geben zu denken –, und reicht über die von Ihnen besuchten Websites und verwendeten Smartphone-Apps bis hin zu Ihren Fitnessdaten.

Google bietet vergleichsweise viel Kontrolle über die Datenfreigabe.
Vergrößern Google bietet vergleichsweise viel Kontrolle über die Datenfreigabe.

Ändern lassen sich die Einstellungen, indem Sie auf der Übersichtsseite die Option „Aktivitätseinstellungen“ anklicken und dort zum Bei-spiel den Browser-und den Standortverlauf deaktivieren oder die Informationen über benutzte Geräte ausschalten. Zusätzliche Informationen zu diesen Google-Einstellungen haben wir für Sie online zusammengefasst , nützlich ist außerdem Googles Hilfe auf der Aktivitätsübersicht.

Und wie sieht es bei den übrigen Internetriesen aus, beispielsweise bei Apple, Amazon, Facebook inklusive Whatsapp und Microsoft? Der Hersteller von iPhone, iPad & Co. gibt im Netz einen Überblick über die Möglichkeiten, Ihre persönlichen Daten und Mobilgerä-te zu schützen. Die drei Rubriken „Datenschutz und dein Gerät“, „Respekt für deine Daten“ sowie „Unsere Partner und Datenschutz“ vertiefen diese Themen. Klar sollte man sich machen, dass auch Apple aufgrund der Mobilgeräte, Fitness-und Gesundheitsdaten, Browser, iCloud, Siri, Homekit, Apps und mehr potenziell über sehr viele persönliche Daten verfügt: „Wenn wir deine Daten nutzen, dann nur um das für dich beste Erlebnis zu schaffen“, verspricht der iPhone-Hersteller.

Ähnlich argumentiert auch Amazon: „Informationen, die wir von Ihnen bekommen, helfen uns, Ihr Einkaufserlebnis bei Amazon.de individuell zu gestalten und stetig zu verbessern“. Dass Amazon mit seinen Medieninhalten, seinen eigenen Geräten (Tablets, Fire TV, E-Book-Reader, Echo und Alexa) und seinen vielfältigen Dienstleistungen weit mehr ist als nur ein Handelsriese, liegt auf der Hand. Die firmeneigene Datenschutzerklärung bleibt da ziemlich vage, besonders kritisch sehen die Verbraucherschützer dabei die weitreichenden Rechte für die übertragenen Daten, die Amazon bei der Verwendung seiner Sprachassistenten Echo beziehungsweise Alexa sichert .

Mehr Datenschutz mit W10Privacy

Mit dem Creators Update hat Microsoft die Windows-Einstellungen zum Datenschutz und zur Privatsphäre deutlich verbessert, diese sind jetzt sehr viel transparenter. So fallen die bisherigen „Express-Einstellungen“ beim Update weg, stattdessen erscheint vor der ersten Nutzungsmöglichkeit ein Menü zum Konfigurieren der Datenschutzbestimmungen. Darin können Sie Optionen, die nicht gewünscht sind, einfach deaktivieren. Wenn Sie nachträglich etwas an den Datenschutzeinstellungen ändern möchten, dann tippen Sie unten im Suchfeld Datenschutz ein, öffnen die zugehörige App und scrollen darin nach unten zum Eintrag „Feedback und Diagnose“. Hier gibt es mit „Einfach“ und „Vollständig“ nun nur noch zwei Optionen: „Einfach“ erfasst laut Microsoft nur solche Daten, die für den sicheren Betrieb und die Geräteaktualisierung erforderlich sind. Mehr Infos sind es bei der Option „ Vollständig “. Darüber hinaus legen Sie links in der Aufgabenleiste der Datenschutz-App weitere Details fest.

Trotz dieser Verbesserungen empfiehlt sich auch weiterhin das spezielle Datenschutztool W10Privacy . Die Software brauchen Sie nicht zu installieren, sie kann direkt gestartet werden. Sämtliche Einstellungen sind verständlich auf Deutsch erklärt, überdies bietet W10Privacy über die drei Farben Grün, Gelb und Rot klare Empfehlungen, was bedenkenlos, gegebenenfalls und nur ganz gezielt geändert werden sollte. Eine ausführliche Beschreibung dazu finden Sie on-line unter www.winprivacy.de/deutsch-start/anleitung .

Facebook bleibt weiter in der Kritik von Datenschützern

Das neue Creators Update nimmt den Datenschutz sehr viel ernster als zuvor.
Vergrößern Das neue Creators Update nimmt den Datenschutz sehr viel ernster als zuvor.

Seit langem steht auch das soziale Netzwerk Facebook in der Kritik von Datenschützern. Facebook selbst beschreibt in seiner „Datenrichtlinie“ detailliert, welche Daten der Konzern sammelt, wie er diese verwendet und wie Sie als Anwender sie verwalten oder löschen. Unser cleverer Ratgeber bringt Sie mit jeweils nur einem Mausklick in Facebook genau zu derjenigen Einstellung, die Sie suchen. Bisher nicht beendet ist übrigens der Rechtsstreit über die Verwendung der Daten von deutschen Whatsapp-Nutzern durch den Mutterkonzern: Facebook hatte hierzu im Herbst 2016 die Datenschutzbestimmungen geändert. Anschließend hatte der zuständige Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar Facebook die Datennutzung untersagt, in diesem Jahr wurde seine Anordnung durch das Verwaltungsgericht Hamburg bestätigt.

Microsoft selbst hat mit dem Creators Update den Datenschutz bei Windows 10 in diesem Jahr erheblich verbessert. Dies gilt sowohl für die Transparenz als auch für die Einstell-und Kontrollmöglichkeiten. Das Wichtigste zur neuen Windows-App „Datenschutzeinstellungen“ lesen Sie in dem Kasten „Mehr Datenschutz mit W10Privacy“, weitere Informationen haben wir für Sie online zusammengefasst .

Auch jenseits von Windows fasst Microsoft seine Datenschutzeinstellungen ähnlich übersichtlich und transparent zusammen wie Google. Unter https://privacy.microsoft.com/de-de/privacy wird alles ausführlich auf Deutsch erklärt. Dort finden Sie darüber hinaus die direkten Links zu den Einstellungen: darunter diejenigen zur Suche mit Bing, zum Browser, zu den Positionsdaten, zur Sprachassistentin Cortana, zu den Health-Services, zur Onlinewerbung und zu den Zahlungsdaten.

Wodurch finanzieren sich die Gratis-Dienste?

Alphabet, wie der Mutterkonzern von Google mittlerweile heißt, bietet den Endkunden das meiste kostenlos an: Internetsuche, Routenplaner und Karten, Cloudspeicher, Office, Browser, Betriebssystem und vieles mehr. Mit einem Börsenwert von weit über 500 Milliarden US-Dollar ist Alphabet gleich hinter Apple dennoch das zweitteuerste Unternehmen der Welt. Dass der Konzern sein Geld mit der Verwertung von Daten und damit verbunden mit Werbeanzeigen verdient, ist weithin bekannt. Umsatz und Gewinn bei Apple stammen dagegen ganz überwiegend aus dem Verkauf von Hardware. Andere Unternehmen arbeiten nach einem Mischmodell: Zu welchem Preis Amazon seinen Fire TV Stick verkauft, ist beinahe nebensächlich. Der Hauptumsatz wird erst nachträglich durch den Medienkonsum generiert.

Spätestens wenn ein Unternehmen Hardware kostenlos zur Verfügung stellt, sollte man dessen Geschäftsmodell jedoch hinterfragen. So hat das Münchener Startup Tanktaler lange Zeit seinen intelligenten Adapter mit integrierter SIM-Karte fürs Auto „verschenkt“, erwartete im Gegenzug aber dessen Nutzung. Wer das nicht tat, musste den Adapter zurückschicken. Zwar verspricht Tanktaler, dass „sowohl persönliche Daten als auch Profildaten so weit anonymisiert und in großen Mengen zusammengefasst werden, dass keine Rückschlüsse auf einzelne Fahrten, Fahrzeuge oder Nutzer getroffen werden können“ und die Partnerunternehmen nur Zugriff auf anonymisierte Daten bekämen – mehr als ein Versprechen ist das zunächst aber nicht. Außerdem möchte sicher nicht jeder individualisierte, also auf die eigene Person zugeschnittene Werbung bekommen.

Datenschutz: In Windows 10 Privatsphäre schützen

Gesammelte Daten, von denen die Nutzer nichts ahnen

Spionieren TV-Hersteller die Nutzer aus?
Vergrößern Spionieren TV-Hersteller die Nutzer aus?

Bei allen datenschutzrechtlichen Unterschieden haben die genannten Onlineunternehmen eines gemeinsam: Sie verbergen nicht, dass sie Daten sammeln. Was zunächst selbstverständlich erscheint, wird anderswo immer mehr zum Problem. Denn angesichts der rasant zunehmenden Zahl von smarten Geräten wachsen nicht nur die Gefahren durch das Internet of Things (IoT), sondern auch die Begehrlichkeiten auf die dabei anfallenden Daten.

So wurde Anfang 2014 bekannt, dass zahlreiche Smart-TVs ihre Besitzer ausspionieren und Informationen an die Hersteller schicken.

Smarte Personenwaagen, Zahnbürsten, Haarbürsten und Ähnliches bilden eine weitere sensible Gerätekategorie, bei der sich ihre Besitzer nur darauf verlassen können, dass die Hersteller nicht heimlich irgendwelche Daten erfassen. Erst in diesem Frühjahr hat die Verbraucherzentrale Bundesverband insgesamt neun Anbieter von Wearables sowie Fitness-Apps abgemahnt, da die Unternehmen in ih-ren Datenschutzerklärungen die Nutzer nicht ausreichend über die genaue Verwendung von anfallenden Daten informiert haben.

Vor Kurzem wurde eine neue Studie zur sogenannten „Ultraschall-Spyware“ bekannt. Hierbei handelt es sich um hochfrequente, für den Menschen nicht mehr hörbare Frequenzen, die bei bestimmten Webseiten oder Anwendungen über den Lautsprecher des Rechners, beim Fernsehen und sonst wo quasi nebenbei ausgestrahlt werden. Wir Konsumenten merken von all dem nichts, tatsächlich jedoch werden die Ultraschallsignale mittlerweile von mehr als 200 Android-Apps über das Mikrofon des Smartphones erfasst sowie ausgewertet. Und noch ein Beispiel: Vor einem Jahr wurde bekannt, dass die Lufthansa über den Verkauf von Daten ihrer Passagiere für Werbezwecke nachdenkt: die Regularien des Kerngeschäfts quasi als Quelle für zusätzliche Erlöse. Die Liste der Beispiele ließe sich nahezu beliebig fortsetzen und für die Betroffenen macht es kaum noch einen Unterschied, ob nun Hersteller oder Hacker heimlich ihre persönlichen Daten abgreifen.

In vielen Fällen – und da liegt die Gemeinsamkeit – dürften die Nutzer nicht einmal ansatzweise ahnen, dass diese Daten überhaupt gesammelt und ausgewertet werden.

Mehr Anonymität, besserer Tracking-Schutz und Ausblick

Chrome (links) liefert für die Canvas-Grafik eine völlig andere ID als Firefox (rechts).
Vergrößern Chrome (links) liefert für die Canvas-Grafik eine völlig andere ID als Firefox (rechts).

Insbesondere beim Internet der Dinge sollten Sie sich des Gefahrenpotenzials bewusst sein: Studien belegen immer wieder die zahlreichen Sicherheitslücken, hinzu kommen wie dargestellt die vorsätzlich gesammelten Daten. Weniger smarte Geräte beziehungsweise das bewusste Abschalten von datenschutzrechtlich zweifelhaften Funktionen helfen hier weiter.

Dass man beim Surfen im Internet leider nicht wirklich anonym unterwegs ist, wenn man die Funktion „Private Browsing“ und die Browser-Cookies benutzt oder wenn man über ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) online unterwegs ist, ist schon seit Jahren bekannt. Wie Sie sich wirkungsvoll gegen das Tracking durch heimliches Fingerprinting schützen, fasst unser Online-Ratgeber zusammen. Darin erfahren Sie auch, wie Sie mit der Firefox-Erweiterung Fire Gloves die Browser-Identifizierung erschweren, indem Sie bewusst falsche Angaben zum Betriebssystem, zur Sprache und zu anderen Parametern verschicken. Am Android-Smartphone können Sie mithilfe einer einfachen Einstellung verhindern, dass Google oder Apps wissen, wo Sie sich aufhalten. Stattdessen sendet Ihr Telefon dann irgendeinen Fake-Standort . Schon jetzt ist es nicht immer leicht, die Kontrolle über die eigene digitale Identität zu behalten – und einfacher wird es auch in Zukunft sicher nicht. Wichtig ist daher, sich klar zu machen, dass persönliche Daten mittlerweile fast überall anfallen. Auch dort, wo man es zunächst gar nicht vermutet.

Mehr Datenschutz führt zu Einschränkungen

Zunächst lässt sich auch Windows 10 problemlos ohne Microsoft-Konto einrichten und verwenden. Alle Funktionen können Sie dann allerdings nicht nutzen. Das gilt etwa für Apps aus dem Windows Store, für die digitale Assistentin Cortana, für die Datensynchronisierung, die Benutzung der Cloud-dienste von Microsoft und manches mehr. Mit einem Trick lässt sich die Anmeldung bei Microsoft jedoch auf eine einzelne App beschränken . Zudem können Sie die Verknüpfung Ihres PCs mit einem Microsoft-Konto nachträglich wieder rückgängig machen. Dazu klicken Sie im Startmenü mit der rechten Maustaste auf das kleine Kontosymbol und wählen im Kontextmenü „Kontoeinstellungen ändern -> Stattdessen mit einem lokalen Konto anmelden“. Geben Sie anschließend Ihr Passwort ein, nun arbeiten Sie nur noch mit einem lokalen Konto.

Noch größere Einschränkungen existieren bei Android: Bis zur Version 6.0 musste man alle Rechte, die bei der Installation einer App angefordert wurden, pauschal akzeptieren, sonst ließ sie sich nicht aufspielen. Seit Android 6.0 werden die Rechte erst bei der App-Verwendung verlangt, wenn sie tatsächlich gebraucht werden: beispielsweise bei einer Karten-App der Standort. Ab Android 6.0 lassen sich jedoch über „Einstellung -> Apps -> das Werkzeugsymbol -> App-Berechtigungen“ die Zugriffsrechte von Apps, die für frühere Android-Versionen programmiert wurden, nachträglich wieder entziehen – meist funktionieren sie trotzdem weiter.

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