2269766

Champions-League-Finale: Polizei scannt jeden Besucher mit Gesichtserkennung

27.04.2017 | 12:18 Uhr |

Das diesjährige Finale der Champions League wird nicht nur ein sportliches Highlight, sondern auch eine Premiere für die Gesichtserkennung: Die Polizei scannt mit Kameras die Gesichter aller Besucher und vieler Unbeteiligter – über 170.000 Menschen sind mindestens betroffen.

Am 3. Juni 2017 um 20:45 Uhr pfeift der Schiedsrichter das Finale der UEFA Champions League an im Fußballstadion des walisischen Cardiff. Wenn Sie das Finale zu Hause vor dem Fernseher verfolgen, dann fehlt Ihnen zwar die einzigartige Atmosphäre eines emotionsgeladenen Finalspiels. Doch dafür werden Sie auch nicht von einer Polizeikamera fotografiert. Denn alle Besucher des Fußballspiels müssen sich von einer Kamera mit Gesichtserkennung fotografieren lassen.

Das teilte die Polizei von South Wales mit. Der Gesichtsscan ist sogar noch viel umfassender: Die Polizei will nämlich auch die Gesichter vieler in der Stadt Cardiff anwesender Fußball-Fans scannen, die überhaupt nicht ins Stadion gehen, sondern zum Beispiel Public Viewing machen. Ja, es werden sogar mit Sicherheit die Gesichter von etlichen Menschen fotografiert, die sich überhaupt nicht für Fußball interessieren. Von mindestens 170.000 gescannten Gesichtern ist die Rede.

Die Kameras mit Gesichtserkennung sollen sich rund um das Stadion und am Hauptbahnhof von Cardiff befinden. Dort werden dann alle Vorbeikommenden gescannt - unabhängig davon, ob sie sich für das Fußballspiel interessieren oder nicht. Die erfassten Gesichter auf den Fotos werden in Echtzeit mit 500.000 Gesichtern verglichen, die in der Polizei-Datenbank liegen. Erkennt die Datenbank eine Übereinstimmung, dann gibt sie einen Alarm an die Polizei aus. Diese soll dann zuschlagen und Terrorverdächtige sowie Hooligans festnehmen können.

Befürchtungen

Die Polizei darf gemäß den in Großbritannien geltenden Datenschutzbestimmungen nur so viele Daten über die in Cardiff gescannten Personen sammeln wie sie für ihre Arbeit benötigt. Doch das ist natürlich eine dehnbare Vorschrift. Außerdem gibt es die Befürchtung, dass die Polizei bei dem Riesenscan dauerhaft Daten und Gesichtsscans auch von unschuldigen Personen speichert.

Eine andere Sorge besteht darin, dass die Gesichtserkennung nicht zuverlässig genug funktionieren könnte und es zu Fehlalarmen und falschen Verdächtigungen kommt. Oder aber tatsächliche Terrorverdächtige oder Krawallmacher übersehen werden. Für einen perfekten Gesichtsscan sollte das Gesicht einer Person deutlich von vorn erkennbar sein. Doch wie soll das bei den Massen von vielen Tausenden dicht gedrängt zusammenstehenden oder gehenden Menschen funktionieren?

Insofern ist der Gesichtsscan-Test bei diesem Finalspiel auch ein wichtiger Test dafür, ob die Gesichtserkennungs-Technologie überhaupt schon weit genug entwickelt ist.






0 Kommentare zu diesem Artikel
2269766