2301784

Cent-OS: Der Linux-Server im Überblick

03.10.2017 | 11:45 Uhr |

Auf dem Desktop sollten Linux-Systeme aktuell sein. Das Serversystem Cent-OS ist dazu der Gegenentwurf: Der Klon von Red Hat Enterprise Linux ist ein langlebiger Dauerläufer und erhält zehn Jahre Sicherheitsupdates.

Cent-OS steht für Community Enterprise Operating System und hat sich in den vergangenen Jahren als freie Variante zu Red Hat Enterprise Linux etabliert. Dies ist durch das Red-Hat-Lizenzmodell möglich, da Red Hat den gesamten Quellcode für sein Enterprise-Linux unter der GNU Public License und ähnlichen Lizenzen veröffentlicht. Cent-OS nutzt den gleichen Quellcode und stellt eine binärkompatible kostenlose Alternative bereit. Das System verhält sich genauso und hat die gleichen Tools und Softwareversionen wie Red Hat Enterprise Linux, das man nur zusammen mit teuren Supportverträgen bekommt. Somit ist Cent-OS eine nahezu identische Serverdistribution – allerdings ohne Support. Mittlerweile erhält Cent-OS offizielle Unterstützung durch Red Hat. Hinter Ubuntu ist es bis heute eines der verbreiteten Serverbetriebssysteme geworden. Interessant ist Cent-OS aber auch für Anwender und Admins, die sich aus beruflichen Gründen in die Systeme von Red Hat einarbeiten möchten. Anders als beim Vorbild gibt es bei Cent-OS noch Ausgaben für 32-Bit-Rechner (i386) sowie Portierungen für die ARM-Architektur.

Siehe auch: Das beste Linux für jeden Zweck - Distributionen im Check

Softwarepakete: Gut abgehangen

Im Prinzip ist Cent-OS ist auch als besonders konservatives Desktopsystem zu gebrauchen, denn es gibt optional eine Arbeitsfläche mit Gnome 3.14. Seine Stärken liegen aber definitiv in der Rolle als Server. In dieser Distribution kommt nur Erprobtes und Altbewährtes zum Einsatz. Die Softwareversionen sind noch ein Stück älter als im stabilen Zweig von Debian. Linux-Systeme mit sehr langem Unterstützungszeitraum veralten zwangsläufig, ander-erseits sind lange Laufzeiten ohne Systemwechsel bei Servern durchaus üblich und erwünscht.

Sicherheitslücken schließt Cent-OS wie das Vorbild von Red Hat durch „Backports“. Dies bedeutet einerseits, dass die Softwarepakete zwar über den gesamten Unterstützungszeitraum bei einer Versionsnummer bleiben – so verharrt beispielsweise PHP im Laufe einer Cent-OS-Installation bei der Hauptversion 5.4. Fehlerbehebungen und Sicherheitspatches für neuere Versionen portiert das Entwicklerteam von Red Hat aber auf die ältere Version zurück. Das ist die gleiche Praxis, die auch ein Debian oder Ubuntu mit Langzeitsupport sicher hält. Überraschungen in Form von Funktionsänderungen, Experimenten und Bugs bleiben aus. Der Administrationsaufwand ist niedrig, weil das System konsistent bleibt. Der logische Preis dafür ist ein Verzicht auf frische Funktionen: So ist neues HTTP2 mit Cent-OS mangels der passenden Open-SSL-Bibliothek aktuell nicht zu machen.

Neue Ausgaben der Distribution mit kleiner Versionsnummer erscheinen rund alle sechs Monate, folgen also dem Veröffentlichungsrhythmus von Red Hat und lassen sich über den Paketmanager yum einspielen. Aus einem Cent-OS 7.3 wird so ohne Neuinstallation eine Version 7.4. Ein Upgrade auf die nächste Hauptversion 8 wird jedoch eine komplett neue Einrichtung über das Installationsmedium verlangen.

Tipp: Defekte Linux-Server selber reparieren

Installation mit individueller Ausstattung

Software für Cent-OS: Neben yum im Terminal gibt es auch einen grafischen Paketmanager. Inoffizielle Repositories können Codecs und Anwendungen ergänzen.
Vergrößern Software für Cent-OS: Neben yum im Terminal gibt es auch einen grafischen Paketmanager. Inoffizielle Repositories können Codecs und Anwendungen ergänzen.

Bei der Softwareverwaltung setzt Cent-OS auf das Paketsystem RPM, auf dem auch die anderen Red-Hat-Distributionen, Fedora sowie Open Suse basieren. Zur Installation gibt es Cent-OS in drei Ausgaben: Eine DVD mit 4,4 GB Umfang liefert die populärsten Pakete, ein ISO-Image mit 7,7 GB (Dual-Layer-DVD) hat sämtliche Pakete an Bord und eine dritte, minimale CD-Variante liefert nur den Mindestsatz an Paketen und installiert ein schlichtes Serversystem mit Kommandozeile. Die verbreitete Art der Installation ist die Einrichtung über die kleinere DVD-Ausgabe.

Die Cent-OS-Installationsmedien sind allesamt keine Livesysteme, die ein Ausprobieren erlauben. Stattdessen starten sie nach dem Booten umgehend den grafischen Installer.

Allerdings gibt es unter https://wiki.centos.org/Download eine Übersicht mit inoffiziellen Live-DVDs mit Installationsoption. Als Installer dient das von Fedora und Red Hat Enterprise Linux bekannte Installationsprogramm Anaconda. Setuperfahrene Benutzer richten Cent-OS damit in wenigen Schritten auf der Festplatte ein, Anfänger können sich in diesem grafischen, aber vergleichsweise umständlichen Installer verlaufen. Weil nicht jedes Serversystem dieselben Dienste benötigt, erlaubt die DVD-Ausgabe eine gezielte Auswahl von Paketgruppen. Nachträgliche Installationen von Softwarepaketen und Systemupdates erledigt das bewährte Werkzeug yum auf Kommandozeile. Wer Cent-OS mit Gnome-oder KDE-Desktop installiert, erhält natürlich auch einen grafischen Paketmanager.

Nicht nur für Server interessant

In besonderen Situationen hat ein Serverbetriebssystem wie Cent-OS auch als Desktop seinen Reiz, da es sich jahrelang aktuell halten lässt. Richtig fit für den Desktop wird Cent-OS aber erst nur durch die Ergänzung inoffizieller Paketquellen, denn einige Softwareversionen sind schlicht zu alt für den Alltag. Fortgeschrittenen Anwendern liefern die Extra Packages for Enterprise Linux sowie http://rpmfusion.org eine breitere Auswahl an Desktopanwendungen.

Cent-OS-Alternative: Aus den Forschungszentren Cern und Fermilab stammt Scientific Linux – ein weiterer Klon von Red Hat Enterprise Linux, das auch in mehreren Livevarianten zur Installation bereitsteht. Scientific Linux war in der Vergangenheit mit Sicherheitsupdates oft einige Tage schneller als Cent-OS. Davon abgesehen unterscheiden sich die beiden Systeme nicht signifikant.

Softwareversionen im Vergleich

Debian 8

Ubuntu 16.04

Cent-OS 7.3

Support bis

Mai 2018

April 2021

Oktober 2020

Apache

2.4.10

2.4.18

2.4.6

Firefox/Iceweasel

45.9 ESR

53

51.2

GCC

4.9.2

4.3.1

4.8.3

Gimp

2.8.14

2.8.16

2.8.10

Inkscape

0.48.5

0.91

0.91

Kernel

3.16

4.4.0/4.8.0

3.10

Libre Office

4.3.3

5.1.6

5.0.6

My SQL

5.5.43

5.7.18

Maria DB 5.5.52

Open SSL

1.0.1t

1.0.2g

1.0.1e

PHP

5.6.9

7.0

5.4.16

Thunderbird

45.8 ESR

52.1

52.1

VLC

2.2.5

2.2.2

fehlt

Wine

1.6.2

1.6.2

fehlt

Cinnamon

2.2

fehlt

fehlt

Gnome

3.14.2

3.10.4

3.14.4

KDE

4.14.2

4.13.3

4.10.5

LXDE

0.7.2

0.6.1

fehlt

Mate

1.8.1

1.6.2

fehlt

XFCE

4.10

4.11dev

fehlt

Dauerläufer im Vergleich: Gezeigt werden die Hauptversionsnummern aus den Standardquellen (Stand: Juni 2017). Fehlende Pakete sind nur über inoffizielle Repositories verfügbar.

0 Kommentare zu diesem Artikel

PC-WELT Marktplatz

2301784