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Bundesheer nutzte Microsoft-Raubkopien jahrelang

02.01.2018 | 14:25 Uhr |

Das österreichische Bundesheer hat offenbar jahrelang Raubkopien von Microsoft-Software verwendet. Die Details.

Microsoft hat das österreichische Bundesheer bei der Verwendung nicht lizensierter Windows- und Office-Software erwischt. Das berichtet die Recherche-Plattform Dossier.at am Dienstag. Demnach liegt der Fall zwar viele Jahre zurück, sei aber bisher nicht publik geworden. Und die Enthüllung dürfte für das Bundesheer peinlich sein, denn man stellte sich seitens des Militärs nicht unbedingt clever an.

Vor etwa 10 Jahren sei ein Microsoft-Mitarbeiter darauf gestoßen, dass das Bundesheer 9.000 legale Lizenzen von Windows-Betriebssystemen und Office-Paketen auf mehr als 17.000 Rechnern verwendete. Die Parteien einigten sich auf einen Fünfjahresvertrag, der 12 Millionen Euro kostete. In diesem Betrag war die Nachzahlung für die nicht lizensierten Rechner in Höhe von 3,8 Millionen Euro enthalten.

Laut Dossier.at sollen interne Dokumente belegen, dass das Bundesheer nicht nur tausende Raubkopien verwendete, sondern infolge einer schief gelaufenen Open-Source-Strategie auch veraltete Software inklusive der damit verbundenen Sicherheitsrisiken verwendet wurde. Ursprünglich sei ein Wechsel von Microsoft Office zu StarOffice von Sun Microsystem geplant gewesen, der zu Einsparungen führen sollte. Der Wechsel wurde aber durch Kompatibilitätsprobleme gestört. Wegen diesem geplanten Wechsel hatte sich auch Microsoft die vom Bundesheer verwendeten Lizenzen genauer angeschaut und war auf die Raubkopien gestoßen. Und es kam auch noch doppelt bitter für das Bundesheer: Nach dem Ende von StarOffice im Jahre 2010 wurden die Pläne für den Wechsel begraben, inklusive aller bisher dafür aufgewendeten Geldmittel.

Obwohl seinerzeit mit Microsoft ein Vertrag für etwa 21.500 PC-Arbeitsplätze geschlossen wurde, der die Nutzung aktueller Microsoft-Software gestattete, verwendete das Bundesheer noch bis ins Jahr 2015 nicht auf allen Rechnern die neuesten Windows- und Office-Versionen. Stattdessen wurde auf den Rechnern Windows XP und Office 2003 verwendet. Selbst ein Jahr nachdem für die Software der Support beendet worden war. Die Verwendung der veralteten Software habe dazu geführt, dass Mitarbeiter des Bundesheers zum Schutz vor möglichen Sicherheitsrisiken auf private Rechner mit modernerer Software ausgewichen seien. Dies behaupten jedenfalls anonyme Quellen. Das Bundesheer selbst dementiert dies.

Immerhin scheint man von den negativen Wechsel-Erfahrungen gelernt zu haben: In diesem Jahr will das österreichische Bundesheer etwa 20.000 Rechner von Windows 7 auf Windows 10 aktualisieren. Diese Rechner sollen dann auch über die halbjährlich von Microsoft ausgelieferten Windows-10-Updates aktuell gehalten werden.

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