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Büro in der Cloud: Mit Linux selbst einrichten

10.01.2019 | 08:21 Uhr | Thorsten Eggeling

Viele Office-Aufgaben lassen sich auch im Browser erledigen. Bei der Teamarbeit hat dann jeder Teilnehmer direkten Zugriff auf alle Dokumente und deren aktuellen Status – unabhängig vom Standort.

Anbieter wie Google oder Microsoft bieten kostenlosen Speicherplatz im Internet und ein Online-Office-Paket. Sie müssen Dokumente nicht herunterladen, lokal öffnen und dann wieder hochladen – die Dokumente lassen sich online direkt im Browser bearbeiten. Wer einen eigenen Cloudserver hat, kann solche Office-Funktionen ebenfalls nutzen. Die Einrichtung von Nextcloud
haben wir im Artikel " So richten Sie eine Home-Cloud für Ihre Daten ein " beschrieben.

Als Ergänzung stellen wir hier zwei kostenlose Open-Source Office-Webanwendungen für Linux vor, die sich nahtlos in Nextcloud integrieren lassen. Der Funktionsumfang ist mit dem vergleichbar, was Google oder Microsoft bieten, und geht teilweise darüber hinaus.

Wichtig: Die zum Teil sehr komplexen Befehlszeilen aus diesem Artikel sowie die Dateien der Beispielkonfiguration finden Sie unter www.pcwelt.de/CloudOffice .

Online-Office: Open-Source-Alternativen

Wer aus Datenschutzgründen Google und Microsoft meiden will, kann sich ein Online-Office auf dem eigenen Server einrichten:

Onlyoffice ( www.onlyoffice.com ) eignet sich für Nutzer, die hauptsächlich Microsoft-Office-Dokumente bearbeiten. Der Onlineeditor stellt in der Regel auch komplexe Dokumente fast fehlerfrei dar und bietet deutlich mehr Funktionen als Microsofts Onlineanwendungen. Dokumente im Open-Document-Format können Sie zunächst nur lesen, zum Bearbeiten muss Onlyoffice die Dateien in ein Microsoft-Format konvertieren. Dabei kann es zu Fehlern bei der Formatierung kommen. Die Bedienung ist etwas umständlich, da es keine Menüleiste gibt. Die kleinen Icons in den Symbolleisten zeigen jedoch einen Hilfetext, wenn Sie den Mauszeiger darüber halten. Ein kleiner Pfeil neben den Icons weist auf ein Ausklappmenü hin, das Sie zu weiteren Funktionen führt.

Teamfunktionen sind ebenfalls vorhanden. Wenn andere Benutzer dasselbe Dokument bearbeiten, hängt am neuen Text für einige Zeit ein Fähnchen mit dem jeweiligen Benutzernamen. Außerdem gibt es eine Chat-Funktion (Tastenkombination Alt-Q).

Viele Funktionen: In Onlyoffice lassen sich Tabellen über Vorlagen formatieren.
Vergrößern Viele Funktionen: In Onlyoffice lassen sich Tabellen über Vorlagen formatieren.

Collabora Online ( www.collaboraoffice.com ) basiert auf Libre Office und kann daher mit dem Open-Document-Format besonders gut umgehen. Beim Import von Fremdformaten entspricht die Leistung der von Libre Office. Microsoft-Office-Dokumente müssen nicht umgewandelt werden, sondern lassen sich direkt bearbeiten. Collabora Online bietet die wichtigsten Funktionen von Libre Office. Die Steuerung erfolgt über eine Menüleiste und eine Symbolleiste. Sie können aber beispielsweise keine neuen Formatvorlagen erstellen oder vorhandene ändern. Automatisch erstellte Inhaltsverzeichnisse, die bereits im Dokument vorhanden sind, lassen sich aktualisieren und löschen, aber nicht neu erstellen. Das kann für die Benutzer verwirrend sein. Für Teams, die überwiegend mit Libre Office arbeiten, ist Collabora Online aufgrund der guten Unterstützung des Open-Document-Formats wohl trotzdem die erste Wahl. Wenn andere Personen das gleiche Dokument bearbeiten, sehen Sie die Änderungen in Echtzeit. In der Statusleiste erkennen Sie, wie viele und welche Benutzer das Dokument gerade geöffnet haben.

Lesetipp Die besten kostenlosen Cloud-Speicher aus Deutschland

Onlyoffice installieren

Auf der Seite www.onlyoffice.com finden Sie zahlreiche Produkte rund um das Thema Cloud-Office. Für private Nutzer eignet sich der kostenlose Document Server, der Schnittstellen für Nextcloud bereitstellt. Im Angebot ist außerdem der Community Server als eigenständige Portallösung für die Dokumentverwaltung, Projektverwaltung, Kalender, E-Mail und einiges mehr. Installations- und Bedienungsanleitungen finden Sie für alle Produkte unter https://helpcenter.onlyoffice.com/ .

Wir beschränken uns auf den Document Server und die Integration in Nextcloud. Sie sollten bereits über eine funktionstüchtige Nextcloud-Installation verfügen. Onlyoffice lässt sich aus dem Quellcode selbst kompilieren und es gibt Softwarepakete für Ubuntu/Debian sowie Cent-OS. Am einfachsten ist die Installation als Docker-Container, die ein 64-Bit-Linux und Docker ab Version 1.10 erfordert. Alle nötigen Komponenten, beispielsweise der Webserver Nginx und die Datenbank Postgre SQL, sind im Container enthalten.

Apache als Reverse Proxy: Der Nginx-Server im Docker-Container ist nur lokal erreichbar. Apache sorgt für die Weiterleitung, wodurch sich Onlyoffice auch über das Internet nutzen lässt.
Vergrößern Apache als Reverse Proxy: Der Nginx-Server im Docker-Container ist nur lokal erreichbar. Apache sorgt für die Weiterleitung, wodurch sich Onlyoffice auch über das Internet nutzen lässt.

Bei Ubuntu 18.04 ist Docker in den Standardrepositorien enthalten und Sie installieren die Software im Terminal:

sudo apt install docker.io

Wer ein anderes Betriebssystem verwendet, findet Informationen zur Installation bei https://docs.docker.com/install . Danach installieren und starten Sie Onlyoffice mit diesem Befehl (eine Zeile!):

sudo docker run -i -t -d --name
onlyoffice -p 127.0.0.1:8099:80 -p 127.0.0.1:4433:443 --restart=always -e JWT_ENABLED='true' -e JWT_SECRET='[GeheimesPasswort]' -v /
app/onlyoffice/DocumentServer/
logs:/var/log/onlyoffice -v /app/onlyoffice/DocumentServer/data:/
var/www/onlyoffice/Data -v /app/onlyoffice/DocumentServer/lib:/
var/lib/onlyoffice -v /app/onlyoffice/DocumentServer/db:/
var/lib/postgresql onlyoffice/documentserver

„docker run“ lädt den Document Server herunter und startet eine Instanz. „-d“ bewirkt, dass die Anwendung im Hintergrund startet, „-i -t“ sorgt für die Ausgabe von Meldungen im Terminalfenster und hinter „--name“ steht eine Bezeichnung für die Anwendung. „-p 127.0.0.1:8099:80“ bewirkt, dass sich der interne Docker-HTTPPort (80) auf dem PC über Port 8099 ansprechen lässt. Die zweite „-p“-Definition leistet das Gleiche für HTTPS. Durch „127.0.0.1“ lauscht der Server nur auf dem Loopback-Adapter und ist im Netzwerk nicht über die IP-Adresse des Host-PCs erreichbar.

„--restart=always“ sorgt dafür, das die Docker-Anwendung automatisch beim Start des PCs aktiviert wird. Den Platzhalter „[GeheimesPasswort]“ ersetzen Sie durch ein sicheres Passwort. Das ist später nötig, damit sich Nextcloud beim Document Server authentifizieren kann. Über den Parameter „-v“ leiten Sie Verzeichnisse aus dem Docker-Container in das lokale Dateisystem um. Log- und Datenbankdateien landen dann auf der Festplatte unterhalb von „/app/onlyoffice/DocumentServer“. Das spart Platz im Docker-Container und Sie können Logdateien direkt einsehen. Im Browser greifen Sie über das Netzwerk mit der Adresse „http://localhost:8099“ auf den Dokumentserver zu. Sie sehen nur die Erfolgsmeldung „Document Server is running“. Alles Weitere erledigt Nextcloud.

Apache konfigurieren: Nextcloud benötigt den Zugriff auf den Document Server über das HTTPS-Protokoll. Um den Aufwand gering zu halten, schlagen wir eine Weiterleitung über Apache (Reverse Proxy) vor. Einen Ausschnitt der Apache-Konfiguration sehen Sie in der Abbildung, die komplette Datei können Sie herunterladen ( www.pcwelt.de/CloudOffice ). Apache leitet damit alle Anfragen von „https://[MeineDomain]/onlyoffice“ intern an „http://localhost:8099“ weiter. Für den Browser ändert sich die URL dabei nicht. Damit bleibt auch das in Nextcloud für „https://[MeineDomain]“ ausgestellte Lets-Encrypt-Zertifikat gültig. Wer sich für weitere Varianten interessiert oder einen anderen Webserver verwendet, findet Hilfe über www.pcwelt.de/QvV_TA .

Nextcloud konfigurieren: Gehen Sie in Nextcloud auf „+ Apps“ (Icon rechts oben) und dann auf „Büro & Text“. Aktivieren Sie „ONLYOFFICE“. Gehen Sie in den „Einstellungen“ auf „ONLYOFFICE“: Unter „Serviceadresse der Dokumentbearbeitung“ tippen Sie die URL des Document Servers ein, beispielsweise „https://[MeineDomain]/onlyoffice“. Unter „Geheimer Schlüssel“ tragen Sie das bei der Onlyoffice-Installation gewählte Passwort ein. Setzen Sie bei „Die Standardanwendung zum Öffnen des Formats“ Häkchen vor den Dateinamenserweiterungen, für die Onlyoffice zuständig sein soll. Zum Abschluss klicken Sie auf „Speichern“. Kehren Sie zur Nextcloud-Startseite zurück. Über die „+“-Schaltfläche erstellen Sie neue Text- oder Tabellendokumente sowie Präsentationen, die dann gleich in Onlyoffice geladen werden.

Nextcloud mit Onlyoffice: Sie müssen nur die URL des Document Servers sowie das Passwort eintippen. Legen Sie außerdem die Formate fest, die Sie in Onlyoffice öffnen wollen.
Vergrößern Nextcloud mit Onlyoffice: Sie müssen nur die URL des Document Servers sowie das Passwort eintippen. Legen Sie außerdem die Formate fest, die Sie in Onlyoffice öffnen wollen.

Collabora Online installieren

Collabora bietet die Installation der kostenlosen Collabora Online Development Edition über Softwarepakete für Debian, Ubuntu, Cent-OS und Open Suse an. Es ist jedoch deutlich einfacher, ein Docker-Abbild zu verwenden, das alle benötigten Programme enthält. Wir gehen davon aus, dass Nextcloud bereits installiert ist und Docker ebenfalls einsatzbereit ist (siehe oben). In einem Terminalfenster führen Sie diese zwei Befehle aus:

docker pull collabora/code
docker run -t -d -p 127.0.0.1:9980:9980 -e "domain=[MeineDomain]" -e "username=[admin]" -e "password=[GeheimesPasswort]" --restart always --cap-add MKNOD collabora/code

Für „[MeineDomain]“ setzen Sie den Domainnamen in dieser Form ein:

subdomain\\.domain\\.de

Vor jedem Punkt stehen die Zeichen „\\“. Für „[admin]“ und „[GeheimesPasswort]“ setzen Sie die gewünschten Anmeldeinformationen für die Admin-Oberfläche ein.

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Apache konfigurieren: Collabora Online ist in unserem Beispiel nur auf dem Server-PC über Port 9980 erreichbar. Damit der Zugriff auch über den Domainnamen funktioniert, passen Sie die Apache-Konfiguration an, wie in der Abbildung zu sehen ist (Ausschnitt). Die komplette Beispielkonfiguration laden Sie über www.pcwelt.de/CloudOffice herunter.

Collabora Online und Apache: Für Collabora sind mehrere Proxyregeln in der Apache-Konfiguration nötig, weil insgesamt drei Pfade von Nextcloud aus erreichbar sein müssen.
Vergrößern Collabora Online und Apache: Für Collabora sind mehrere Proxyregeln in der Apache-Konfiguration nötig, weil insgesamt drei Pfade von Nextcloud aus erreichbar sein müssen.

Nextcloud konfigurieren: Gehen Sie in Nextcloud auf „+ Apps“ und dann auf „Büro & Text“. Aktivieren Sie „Collabora Online“. In den „Einstellungen“ gehen Sie unter „Verwaltung“ auf „Collabora Online“. Tragen Sie unter „Collabora Online Server“ die HTTPS-Adresse Ihres Nextcloud-Servers ein und klicken Sie auf „Anwenden“. Wenn Sie jetzt zur Nextcloud-Startseite zurückkehren, können Sie Office-Dokumente in Collabora Online bearbeiten oder über die „+“-Schaltfläche neue Office-Dokumente erstellen.

Grenzen der Dokumentkonvertierung

Wer eine Datei mit einer bestimmten Anwendung erstellt und dann mit einer anderen öffnet, muss mit Problemen rechnen. Das gilt bei Desktopnwendungen sogar für unterschiedliche Versionen desselben Programms und umso mehr für Fremdanwendungen im Browserfenster. Bei einfachen Text- oder Tabellendokumenten bleiben die Formatierungen so gut wie immer erhalten. Sobald Sie jedoch Spezialfunktionen wie Tabellen, Hintergrundfarben, Diagramme oder Formatvorlagen nutzen, ist das Ergebnis der Onlinekonvertierung ungewiss.
Die Onlineeditoren aller Anbieter können nur darstellen, was sie kennen. Nicht unterstützte Elemente in einem Dokument zeigt etwa Word-Online zwar teilweise an, Änderungen sind jedoch nicht möglich. Es geht jedoch nichts verloren. Wenn Sie das Dokument wieder mit einer Desktopanwendung öffnen, sind alle ursprünglich enthaltenen Elemente wieder sichtbar.

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