2316456

Buchtipp: Silicon Germany – Wie wir die digitale Transformation schaffen

06.12.2017 | 13:39 Uhr |

Ist die Frage nicht eher, ob wir die digitale Transformation schaffen? Es scheint, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung den Anschluss verloren hat. Umdenken und Handeln sind dringend geboten.

Fünf der zehn wertvollsten Firmen der Welt kommen aus der Digitalwirtschaft. Deutschland ist nicht dabei. Angst vor Neuem, Festhalten an Bewährtem und mangelnde Qualifikation haben uns international abgehängt. Aus einer Studie von Roland Berger geht hervor, dass lediglich ein Drittel der deutschen Manager die eigene digitale Reife als hoch oder sehr hoch einschätzt. Und nur in sechs Prozent der Großunternehmen ist Digitalisierung das wichtigste Thema.
 
Schaut man auf Europa, haben 41 Prozent der europäischen Arbeitnehmer keine oder nur geringe digitale Fähigkeiten, so die Ergebnisse einer Studie der EU-Kommission. Für das Jahr 2020 rechnet man mit 756.000 Stellen in Europas Digitalindustrie , die mangels Qualifikation nicht besetzt werden können.
 
Deutsche Firmen nehmen Technik nicht ernst genug, meint Christoph Keese, studierter Wirtschaftswissenschaftler und Experte für Internetwirtschaft, in seinem neuen Buch „ Silicon Germany - Wie wir die digitale Transformation schaffen “. Denn Digitalisierung bedeute ja nicht, lediglich analoge Verfahren auf digital umzustellen. Die Liste seiner Beispiele macht deutlich, was damit gemeint ist. Vielfach fehlt die Vernetzung – ein Grund, warum deutsche Hardware in puncto Digitalisierung und Bedienbarkeit im internationalen Markt nicht mithalten kann. 
 
Dabei wird die technische Revolution, die gerade im Gange ist, auch eine soziale Revolution nach sich ziehen. Wenn Industrien verschwinden und ganze Branchen zerstört werden, werden viele Menschen sehr schnell ihren Arbeitsplatz verlieren. Ja, es werden neue Jobs entstehen – aber wer könnte jetzt schon sagen, wie die einmal aussehen werden und ob die Menschen dann die Qualifikation dafür haben.
 
Ein Dilemma, das aber weder Unternehmer, Politiker und Arbeitnehmer sonderlich aufregt. Der Ernst der Lage wird nicht erkannt. Wie also soll es weitergehen?
 
Die Industrien des 21. Jahrhunderts werden von den USA und Asien dominiert. Sind wir dann bald nur noch Konsumenten dessen, was in diesen Ländern entwickelt und gebaut wird?
 
Der Autor meint, dass wir uns nicht in dieses Schicksal ergeben müssen, wir können etwas dagegen tun und liefert ein paar Anregungen, was dafür nötig wäre:
 
Unternehmen sollten sich vom Anspruch auf Allwissen verabschieden, Großes denken und Neues wagen, sich vernetzen und mit ihren Standorten dorthin gehen, wo die Talente sind.

Politik wartet gern ab, bevor sie handelt. Doch sie muss sich neu organisieren, um den Herausforderungen gewachsen zu sein. Ein Bundes-Digitalministerium sollte alle Zuständigkeiten bündeln, die heute auf vier Ministerien verteilt sind. Netzausbau und Monopolkontrolle gehören auf der Agenda nach oben. Freiräume für Innovationen schaffen, für bessere Bildung Schulen und Universitäten reformieren und Start-ups besser finanziell unterstützen sind nur einige weitere Anforderungen, die Deutschland mit der Digitalisierung weiterbringen.
 
Vielleicht könnte ein Blick in das Silicon Valley helfen – um zu sehen, wie es geht. Christoph Keese war dort und hat Erfinder, Gründer, Wagniskapitalgeber und Professoren getroffen. Wie ticken die Menschen dort, was sind ihre Erfolgsrezepte? Das beschreibt er im Vorgänger-Buch „ Silicon Valley – Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt “. Und sagt, dass das Silicon Valley mächtiger geworden ist als er für möglich gehalten hat und der Angriff auf die deutsche Wirtschaft aggressiver verläuft als zu vermuten war.
 
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel wird zitiert mit den Worten „Am meisten Sorgen macht mir die Selbstgewissheit unseres Landes“. Ana Patricia Botin, Aufsichtsratsvorsitzende der spanischen Banco Santander, stellt fest: „Disruption (= die Zerstörung ganzer Branchen durch Innovationen und neue Märkte) erfasst jeden einzelnen Sektor der Wirtschaft. Nicht ein einziger Spieler der Cloud-Industrie kommt aus Europa. Das sollte uns ernsthaft zu denken geben.“
 
Man kann nur hoffen, dass dieser Denkprozess in Europa nicht zu spät einsetzt.
 

0 Kommentare zu diesem Artikel

PC-WELT Marktplatz

2316456