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Browsertest: Chrome, Firefox, Edge und Opera im Vergleich

20.09.2019 | 08:02 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Der Google-Browser ist zwar der mit Abstand beliebteste, aber ist er auch weiterhin der beste? Unser Vergleichstest zeigt, dass die Konkurrenz mächtig aufgeholt hat und zudem mit frischen Ideen das Surfen am Smartphone erleichtert.

Bei den Browsern ist es so ähnlich wie bei Autos: Manche Nutzer wählen eine Marke aus Gewohnheit, andere aus Überzeugung, und wieder andere entscheiden sich im Laufe der Jahre dann doch neu. Kurzfristig ändert sich an den Marktanteilen zwar nur wenig, über einen längeren Zeitraum aber zeigen sich doch deutliche Verschiebungen. So schrumpfte der Marktanteil von Opel in Deutschland von über 15 Mitte der 1990er Jahre auf jetzt gut fünf Prozent – ein Absturz auf ein Drittel.

Noch weit dramatischer vollzog sich die Entwicklung bei den Browsern: Microsofts Internet Explorer, der zwischenzeitlich auf über 95 Prozent aller Rechner lief, ist de facto Geschichte. Glücklos agierte der Softwarekonzern auch beim Nachfolger Edge, der nach nur vier Jahren radikal umgebaut und von EdgeHTML auf die Chromium-Basis umgestellt werden soll (siehe Kasten unten). Google Chrome dagegen schoss innerhalb von zehn Jahren mit einem Marktanteil von unter einem Prozent Anfang 2009 an die Spitze der Beliebtheit und stellt hierzulande mittlerweile auf fast jedem zweiten PC und Notebook den Standardbrowser dar.

Tipp: Die besten Browser-Addons für sicheres Surfen

Der beliebteste Browser: Früher IE, heute Chrome und morgen ...

Marktanteile wichtiger Browser am PC in Deutschland
Vergrößern Marktanteile wichtiger Browser am PC in Deutschland

Ausruhen – das lehrt die Vergangenheit – kann sich Google auf dem Erfolg allerdings nicht. Denn mit Opera und Vivaldi haben sich zwei Konkurrenten etabliert, die seit 2013 beziehungsweise 2015 ebenfalls auf den Unterbau des Google-Browsers und den gleichen HTML-Renderer setzen. Darüber hinaus hat Vivaldi im vergangenen Jahr mit der Version 2.0 deutlich an Funktionalität, Komfort und Sicherheit gewonnen. So gleicht Vivaldi Sync wie der Großteil der Konkurrenz jetzt ebenfalls Lesezeichen, Verlauf, Erweiterungen, Notizen, Passwörter und weitere Informationen geräteübergreifend ab.

Das Hoch von Mozilla Firefox mit einem Fast-zwei-Drittel-Marktanteil scheint zwar vorbei, zuletzt aber stieg seine Beliebtheit wieder leicht an. Ruhig wurde es um den deutschen Anti-Tracking-Browser Cliqz , der mehr Anonymität verspricht und die Websuche vereinfachen soll. Tippt man oben in die Adress- und Suchzeile einen oder mehrere Begriffe ein, kann man gleich einen der eingeblendeten Vorschläge anklicken – ohne den sonst üblichen Zwischenschritt der Trefferliste einer Suchmaschine. In der Praxis passen die Vorschläge aber nicht immer so gut wie die von Google.

Hohes Innovationstempo führt zu deutlich höherer Sicherheit

Die automatischen Suchvorschläge im Cliqz-Browser sind zwar praktisch, führen aber nicht immer zum gesuchten Ergebnis.
Vergrößern Die automatischen Suchvorschläge im Cliqz-Browser sind zwar praktisch, führen aber nicht immer zum gesuchten Ergebnis.

Anders als bei anderen Programmen herrscht bei den Browsern ein schneller Release-Zyklus: Google, Mozilla und Opera bringen alle paar Wochen neue Versionen, die Versionsnummmer 76, 68 und 62 sprechen für sich. Nun unterscheidet sich der Nachfolger meist zwar nicht grundsätzlich von der Version davor, innerhalb eines Jahres passiert aber doch viel. Das Sicherheitsniveau steigt ständig, zuletzt unter anderem durch den Schutz gegen CPU-Lücken, neue Verschlüsselungsstandards, Warnung vor unsicheren Zertifikaten, Schutz gegen Tracking sowie das Schließen von Sicherheitslücken. Darüber hinaus versuchen die Hersteller, die Belastung der Hardwareressourcen zu reduzieren und so das Arbeiten zu beschleunigen. Neue Bild-und Videoformate reduzieren das Datenvolumen, besonders für die mobile Nutzung wichtig.

Die Browser im Leistungsvergleich

Viele Funktionen und viel Komfort, Unterschiede aber bestehen weiter

Die Leseansicht macht das Lesen ohne störende Werbung angenehmer.
Vergrößern Die Leseansicht macht das Lesen ohne störende Werbung angenehmer.

Hinzu kommen Weiterentwicklungen bei Funktionen und Komfort. Dazu zählten in den vergangenen Monaten der Dark Mode, eine Autoplay-Stop-Funktion für selbststartende Webvideos, Profile zum Trennen privater und beruflicher Nutzung, Bild-im-Bild-Anzeigen und eine modernere Optik. Dass Google sich im aktuellen Chrome endlich zu einem Lesemodus entschlossen hat, um störende Werbung auszublenden, erhöht ebenfalls den Komfort. Vorerst allerdings nur „experimentell“, denn die Leseansicht muss in der Adresszeile erst mit chrome://flags/#enable-reader-mode aktiviert werden. Anschließend lassen sich Webseiten über das Einstellmenü und die Option „Seite konvertieren“ lesefreundlich darstellen.

Darüber hinaus haben die Browserhersteller in den vergangenen Monaten viele weitere Neuerungen umgesetzt – meist übrigens ohne viel Aufsehen, da sich die Browser automatisch aktualisieren.

Der Webservice „Can I use?” listet detailliert auf, welcher Browser in welcher Version auf welcher Plattform welche Funktion unterstützt.
Vergrößern Der Webservice „Can I use?” listet detailliert auf, welcher Browser in welcher Version auf welcher Plattform welche Funktion unterstützt.

Dazu ein Hinweis: Auf eine komplette Feature-Übersicht verzichten wir aus Platzgründen, zumal Funktionen wie ein Passwortmanager, der Private Mode, ein Werbeblocker und viele andere inzwischen längst Standard sind. Unterschiede existieren dagegen nach wie vor bei der Unterstützung der (mobilen) Plattformen, den Webstandards, der Synchronisation und der Ressourcenbelastung, wie die Tabelle auf Seite 43 zeigt. Exakte Auskunft über die Funktionen jedes Browsers gibt der Dienst „ Can I use? “.

Schließlich lässt sich die Mehrheit der Browser durch viele tausend Erweiterungen mit neuen Funktionen ausstatten, mittlerweile gilt das auch für die Firefox-Add-ons und Cliqz. Mit der künftigen Chromium-Version könnte hier endlich auch der Edge-Browser aufholen, denn theoretisch lassen sich dann alle Add-ons aus dem Chrome Webstore laden.

Edge-Browser auf Chromium-Basis

Dass Microsoft beim Browser Edge künftig auf die Chromium-Basis umschwenkt, hat der Software-Konzern bereits Ende 2018 mitgeteilt. Ob der ursprüngliche Zeitplan, den neuen Browser noch im Verlauf dieses Jahres fertigzustellen, eingehalten wird, scheint allerdings offen. Wahrscheinlicher ist inzwischen, dass die erste stabile Version im Frühjahr 2020 kommt. Immerhin hat Microsoft nun die erste Beta-Version von Edge auf Chromium-Basis veröffentlicht , und zwar für Windows 7, 8.1 und 10 sowie für Mac-OS. Der Browser bietet beim ersten Starten die Möglichkeit, gespeicherte Daten, Verläufe und Cookies aus anderen Browsern zu übernehmen. Etwa alle sechs Wochen soll eine neue Beta-Version von Chrome erscheinen.

Siehe auch: Geheime Browser-Tricks für Firefox & Chrome

Veränderte Nutzergewohnheiten: Smartphone gewinnt an Bedeutung

Großen Einfluss auf die Weiterentwicklung hat nicht zuletzt die zunehmende Verwendung mobiler Geräte. Selbst daheim gibt es zum Lesen und schnellen Suchen kaum zwingende Gründe, den Desktop-PC oder das Notebook zu verwenden. Vieles leisten Smartphone und Tablet genauso gut, zumal man die Geräte meist schneller zur Hand hat und sie nicht booten muss.

Diesen sich ändernden Nutzergewohnheiten tragen die Browserhersteller nicht nur durch die Synchronisation von Verlauf, Lesezeichen, offenen Tabs, Passwörtern, Erweiterungen und so weiter Rechnung. Mit Ausnahme von Vivaldi stehen alle Browser auch als Apps für Android-und iOS-Geräte zur Verfügung.

Opera beispielsweise bietet sogar drei unterschiedliche Versionen seines mobilen Browsers: Die „normale“ Variante (nur für Android erhältlich), dazu der Datenvolumen sparende Opera Mini sowie die für die Einhandbedienung optimierte Version Opera Touch. Es ist erstaunlich, welchen Einfluss dessen angepasste Benutzeroberfläche auf die Bedienung und damit auf die Nutzungsmöglichkeiten hat. Wer häufig in vollen Bussen und Bahnen stehen und sich folglich mit einer Hand festhalten muss, lernt die Idee zu schätzen.

Opera ermöglicht die schnelle Synchronisation zwischen Rechner und Smartphone per QR-Code auch ohne Onlinekonto (links). Rechts daneben sehen Sie die Ein-Hand-Bedienung der Smartphoneversion Opera Touch.
Vergrößern Opera ermöglicht die schnelle Synchronisation zwischen Rechner und Smartphone per QR-Code auch ohne Onlinekonto (links). Rechts daneben sehen Sie die Ein-Hand-Bedienung der Smartphoneversion Opera Touch.

Gut gelöst hat Opera auch die Synchronisation von Desktop-und Mobil-Version: Statt über ein weiteres Onlinekonto erfolgt die Geräteverknüpfung per QR-Code. Über die „Flow“-Funktion lassen sich dann Webseiten und Tabs von einem Gerät aufs andere schicken. Cliqz verfolgt zwar einen ähnlichen Ansatz, beschränkt sich aber auf das Versenden offener Tabs.

Browser-Vergleich: Benchmarks zeigen die Stärken und Schwächen

Wie die Tabelle unten auf dieser Seite zeigt, unterstützt keiner der sechs Testkandidaten sämtliche Webstandards. Am schlechtesten schneidet weiterhin der Edge-Browser ab. Allerdings hat Microsoft in die „alte“ Version zuletzt auch nicht mehr allzu viel investiert, schließlich steht die neue Version auf Chromium-Basis schon in den Startlöchern. Bei der Belastung des Arbeitsspeichers unterscheiden sich die Programme nicht fundamental, den Prozessor beanspruchen Firefox und Cliqz (auf Firefox-Basis) am wenigsten.

Benchmark

Ares 6 (ms)

Basemark Web 3.0 (Punkte)

Jetstream 2 (Punkte)

Speedometer 2.0 (Punkte)

WebXPRT 3 (Punkte)

Chrome 76.0

28,9

631

100178

95,3

192

Cliqz 1.28.1

78,4

352

68409

76

207

Edge 44

96,7

249

**

51,8

181

Firefox 68.0.2

83,4

361

70350

74,5

206

Opera 62.0

28,2

629

96207

94,9

200

Vivaldi 2.6

25,9

610

92350

93,3

199

In den Ergebnissen der Benchmarks, die Tempo und Nutzung der Browser im PC-Alltag darstellen, wirkt sich dieser scheinbare Vorteil allerdings nicht aus. Im Gegenteil, denn über alle fünf Messprogramme hinweg liegen die drei Browser mit der Blink-Engine deutlich an der Spitze: also Chrome, Opera und Vivaldi. Das zeigt bereits ein flüchtiger Blick auf die Ergebnisse. Deutlich abgeschlagen folgen Firefox und Cliqz im Mittelfeld, einzig beim Benchmark WebXPRT 3 liegen sie ganz leicht vorn. Edge bildet überall das Schlusslicht und ist deshalb abgesehen von speziellen Aufgaben wie zum Lesen von E-Books nicht zu empfehlen. Die Resultate verdeutlichen klar die Vorteile des schnellen Renderers Blink; dem bisherigen EdgeHTML muss man deshalb nicht nachtrauern.

In Sachen Sicherheit und Datenschutz – Cliqz sei beim zweiten Aspekt einmal ausgenommen – kommt es übrigens weniger auf die Wahl des Browsers als vielmehr auf die persönlichen Einstellungen an. Denn die entscheiden letztlich, wie sicher die Programme sind und welche Daten man beim Surfen preisgibt.

Browser im Vergleich: Plattformen, Webstandards und Funktionen
Vergrößern Browser im Vergleich: Plattformen, Webstandards und Funktionen

Chrome, Opera und Vivaldi liegen praktisch gleichauf vorne

Einen klaren Sieger kann man unter Chrome, Opera und Vivaldi kaum bestimmen, dazu liegen die drei bei den Benchmarks zu dicht beieinander. Da kommt es auch auf die persönlichen Vorlieben an. Vivaldi fehlen derzeit noch die Mobil-Apps und dass Google einen schnellen Browser hat, ist seit Jahren bekannt.

Aus dem Trio sticht deshalb Opera als eine Art „Geheimtipp“ mit ausgezeichneter Performance, mehreren Mobilbrowsern für verschiedene Einsatzszenarien, integrierten Messengern für Facebook und WhatsApp sowie – als einzigem im Testfeld – VPN ohne Datenbegrenzung. Dafür fehlt der Software die Leseansicht, über die wiederum alle anderen verfügen.

Zum Schluss ein paar Fakten zu den Benchmarks. Alle Messungen haben wir auf einem Standard-Notebook mit aktuellem Windows 10 Pro (Version 1903), Intel-CPU Core i7 8550U, acht GByte RAM und 256-GByte-SSD ohne weitere offene Tabs oder aktivierte Erweiterungen durchgeführt. Jeder Browser durchlief die fünf Benchmarks mehrfach, in der Tabelle finden Sie jeweils deren Mittelwerte.

Tausende Erweiterungen für die Browser

Mit Ausnahme von Edge existieren für die übrigen Browser dieses Vergleichs (fast) unzählige Erweiterungen, die die Webprogramme um zusätzliche Funktionen erweitern. In Opera und Vivaldi lassen sich die Add-ons aus dem Chrome Webstore inzwischen sogar direkt und ohne Umwege installieren, für den Google-eigenen Browser Chrome galt das schon immer.

Auch der aktuelle Cliqz-Browser erlaubt die Installation von Add-ons, nur hier naturgemäß die für Firefox . Schließlich stammt die Basis ja von Mozilla. Lassen Sie sich bitte beim Aufrufen der Add-on-Webseite mit Cliqz nicht davon irritieren, dass die Schaltfläche zum Installieren einer Erweiterung „+ Zu Firefox hinzufügen“ heißt. Sofern man Cliqz verwendet, werden die Add-ons auch tatsächlich in diesem Browser installiert. Möchten Sie Firefox erweitern, funktioniert das darin analog.

Die Add-on-Sammlungen für Chrome und Firefox beziehungsweise deren Derivate umfassen tausende Einträge, die sich über Kategorien, Filter, Bewertungen und eine Suchfunktion durchsuchen lassen. In Zukunft wird sich der Edge-Browser von Microsoft ebenfalls für die Chrome-Erweiterungen öffnen.

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