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Bodhi Linux mit Moksha-Desktop für Experimentierfreudige

06.10.2017 | 11:36 Uhr |

Bodhi Linux mit Moksha-Desktop ist exotisch. Wer mit konservativen Erwartungen herangeht, wird sich verirren oder kapitulieren. Bodhi lohnt aber eine Investition: Das System ist frappierend schnell, anpassungsfähig und sparsam.

Bodhi ist keine Distribution für Pragmatiker. Wer sein System schnell eingerichtet haben will, wird sich mit den minutiösen bis verwirrenden Einstellungen dieser Oberfläche nicht anfreunden. Auch enthält die mitgelieferte Software nur das Allernotwendigste und macht Nachinstallationen unerlässlich – vorzugsweise über apt im Terminal. Zielgruppe sind Nutzer, die Wert auf einen individuellen Desktop legen und bereit sind, dafür auch einige Zeit zu investieren. Bodhi basiert auf Ubuntu, sein eigenwilliger Desktop Moksha ist eine Abspaltung von Enlightenment (oder schlicht „E“).

Bodhi Linux: Ein Speed-Ubuntu

Bodhi spielt in der Ökoliga der Linux-Distributionen und liefert für sehr alte Hardware sogar noch eine Non-PAE-Variante aus (siehe unter www.bodhilinux.com/download „Legacy“-Variante für sehr alte Rechner). Das entscheidende Motiv für Bodhi sollte das aber nicht mehr sein: Für schwache Hardware gibt es einfachere und solidere Distributionen (Antix, Bunsen-labs). Außerdem ist Moksha modular aufgebaut: Bei größter Sparsamkeit kommt das System nach Anmeldung mit 150 MB RAM aus, sind aber alle Module aktiviert und einige Desktopelemente eingerichtet, liegt der Speicherbedarf schnell bei 250 MB und mehr. Hauptmotive für Bodhi Linux sind daher eher andere Aspekte:

1. Bodhi ist ein frappierendes Speed-Ubuntu: Beim Systemstart zur Anmeldung zählen wir auf schneller Hardware (mit SSD) neun Sekunden. Mittelschwere Programme sind schneller eingabebereit, als der Mausfinger von der Auslösetaste zurückkommt.

2. Moksha ist eine komplett grafisch konfigurierbare Oberfläche. Wirklich jedes Detail ist über grafische Anpassungsdialoge per Maus zu erreichen. Das gelingt nicht überall konsistent, führt zu unzähligen kleingliedrigen Einstellungsfenstern, erspart aber jedes Editieren von Konfigurationsdateien.

3. Moksha ist ein extravaganter und liberaler Desktop. Der Nutzer kann über jedes Modul selbst entscheiden, ob er es benötigt und wie sich ein gewähltes Element verhalten soll. Dieser Desktop ist ein Gegenentwurf zu den simplifizierenden Oberflächen Gnome oder Unity.

Lesetipp Die richtige Linux-Distribution für Einsteiger

Schaltzentrale: Die Einstellungskonsole ist der Dreh-und Angelpunkt der Desktopkonfiguration.
Vergrößern Schaltzentrale: Die Einstellungskonsole ist der Dreh-und Angelpunkt der Desktopkonfiguration.

Erste Orientierung in Bodhi Linux

Da Bodhi auf Ubuntu basiert, erledigt die Installation der zuverlässige Ubuntu-Installer Ubiquity. Standardmäßig präsentiert Bodhi eine Systemleiste („Shelf“ oder deutsch „Modulablage“). Die ist ab Start durchaus konservativ bestückt mit Startmenü, Favoritenbereich, Task-übersicht und einem Infobereich. Im Grunde handelt es bei den „Shelves“ um Modulcontainer, die an beliebigen Bildschirmrändern beliebig mit „Modulen“ befüllt werden können.

Das Startmenü ist nicht nur über die Leiste, sondern auch mit normalem (Links-)Klick auf eine freie Desktopstelle zu erreichen, während ein Rechtsklick am Desktop eine Auswahl von Programmfavoriten anbietet, die Sie allerdings erst definieren müssen.

Die entscheidende Konfigurationszentrale ist im Menü über „Einstellungen -> Einstellungskonsole“ zu erreichen („Settings -> Settings Panel“).

Ein erster wesentlicher Gang führt nach „Language“. Sehr wahrscheinlich fehlt diese Kategorie noch und dies ist erste Gelegenheit, den modularen Aufbau von Moksha kennenzulernen: Unter „Extensions -> Modules“ („Erweiterungen -> Module“) finden Sie die komplette Sammlung der verfügbaren Module, geordnet nach Kategorien. Das Sprachmodul findet sich unter „Settings“ und lässt sich mit Klick auf „Load“ aktivieren. Dies erweitert die Einstellungskonsole dann um den neuen Punkt „Language“, wo Sie die Oberfläche nach Deutsch umstellen.

Ein wichtiger Verwaltungspunkt in der Einstellungskonsole sind die „Einstellungen“ mit dem Unterpunkt „Profile“. Hier ist es nämlich möglich, den aktuellen Zustand über „Hinzufügen“ als Profil zu speichern. Außerdem liegen die Standardprofile „Bodhi Linux“ und „Default“ vor, auf die Sie durch Markieren und „Übernehmen“ jederzeit zurückkehren können.

Fundamente der Optik richten Sie in der ersten Kategorie „Aussehen“ ein. Während „Thema“ die Moksha-eigenen Dialoge und die Fenstertitel betrifft, ändert „Anwendungsthema“ das Aussehen von Programmen, die auf GTK basieren. Ein wichtiger Unterpunkt ist hier ferner die „Skalierung“, die alle Moksha-Fenster stufenlos in der gewünschten Größe einstellt.

In der zweiten Kategorie „Anwendungen“ lohnt es sich, „Bevorzugte Anwendungen“ zu definieren, sofern Sie am Desktop das Rechtsklick-Menü verwenden wollen. Dazu markieren Sie in Liste das betreffende Programm und klicken auf „Hinzufügen“.

Der nachfolgende Punkt „iBar-Anwendungen“ (unter „Anwendungen“) ist nur dann relevant, wenn Sie in einer Systemleiste („Shelf“) das Modul iBar tatsächlich verwenden – es handelt sich ebenfalls um einen Favoritenstarter. Das Modul iBar ist ein Beispiel für die zum Teil konfuse Komplexität des Desktops: Das Modul muss unter „Erweiterungen -> Module“ aktiviert sein, und es muss unter „Erweiterungen -> Modulablagen -> Inhalte“ in eine Modulablage (Shelf) integriert werden. Konfiguriert und bestückt wird es aber unter „Anwendungen -> iBar-Anwendungen“.

Um die Modulablage anzupassen, müssen Sie nach Rechtsklick den blau-roten Eintrag wählen.
Vergrößern Um die Modulablage anzupassen, müssen Sie nach Rechtsklick den blau-roten Eintrag wählen.

Leisten und „Helfer“ einrichten

Neben dem Hauptmenü sind Leisten („Modulablagen“) und Desktopgadgets („Helfer“) die prägenden Elemente. Eine Leiste kann viele Module aufnehmen, ein „Helfer“ ist ein einzelnes Modul am Desktop. Die Module sind aber hier und dort dieselben.

„Modulablagen“ (Leisten): Wenn Sie eine bestehende Leiste rechts anklicken, erscheint unter anderem die Option „Shelf…“. Hier kommen Sie dann über „Inhalte“ an die Module und können aktuell enthaltene (farbiges Symbol) entfernen oder inaktive (graues Symbol) hinzufügen. Wenn eine Modulablage mehrere Module enthält, gibt es nach Rechtsklick außerdem die Möglichkeit, die Einzelteile innerhalb der Leiste zu verschieben.

„Helfer“ (Gadgets): Ein einzelnes Modul am Desktop definieren Sie in der Einstellungskonsole unter „Erweiterungen -> Helfer -> Ebenen -> Hintergrund“. Das neue Modul kann dann verschoben und skaliert werden. Dies funktioniert auch nach Rechtsklick auf das Modul, Klick auf den Modulnamen und „Einstellungen“.

Lesetipp Ausführliche Vorstellung des Moksha-Desktops

Bodhi Linux 4.1.0

Systembasis:

Ubuntu 16.04 LTS

Einsatzzweck:

Zweitsystem, Desktop für ältere Geräte (auch ohne PAE)

Zielgruppe:

Experimentierfreudige

Hardwareansprüche:

sehr gering

Projektseite:

www.bodhilinux.com

Merkmale:

klein, extrem schnell, eigenwilliger Desktop Moksha (E17)

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