2254315

Bloatware adé: So entmüllen Sie Ihren Windows-PC

15.06.2017 | 10:31 Uhr |

Auf neuen PCs sind meist zahlreiche Programme vorinstalliert, die Sie gar nicht haben wollen. Wir erklären, wie Sie die unerwünschte Software loswerden und ein schnelles und schlankes Windows bekommen.

Wenn die vielen Programme, die ganz oft bei vielen neuen PCs mit dem System einfach mitinstalliert werden, wirklich gar niemand wollte, fänden sie sich da natürlich nicht. Also muss doch jemand Interesse daran haben, ungefragt und scheinbar wahllos Software mit der Hardware auszuliefern, ob der Käufer dies nun wünscht oder nicht. Die Beigaben reichen von kostenlosen Tools, mit denen Anbieter für andere Software werben, bis zu zeitlich oder funktional eingeschränkten Versionen. Die zeitlich begrenzten Vollversionen für den Virenschutz oder das Office-Paket sind nur zwei Beispiele. Das Kalkül dahinter ist klar: Hat sich der Anwender erst einmal mit der Bedienung vertraut gemacht, ist er eher geneigt, für die weitere Nutzung Geld auszugeben. Aus diesem Grund zahlen die Softwareanbieter den Hardwareherstellern Gebühren, um PC-und Notebook-Käufer mit ihren Tools sozusagen „zwangsbeglücken“ zu dürfen. Die PC-Firmen wiederum stehen in einem harten Preiswettbewerb und nehmen deshalb gerne ein paar zusätzliche Euro mit.

Die Summe der unerwünschten Programme macht es so mühsam

Im Einzelfall kann eine vorinstallierte Software durchaus sinnvoll sein. Das gilt sowohl für die Schutzsoftware, die gleich nach dem ersten Einschalten möglichen Schadcode fernhält. Auch ein vorinstalliertes Office erleichtert manchem Nutzer den Einstieg, weil er dann nichts mehr aufspielen muss. Sind auf einem neuen PC in Summe aber mehrere Dutzend solcher Programme zu finden, ist schnell die Grenze zum Unerwünschten überschritten.

Was – um ein Beispiel zu nennen – soll der Link zu „HP Quick Access to Miracast“ auf dem Desktop eines neuen Notebooks? Auf dem Startbildschirm sollten doch wirklich nur die wichtigsten Programme platziert sein, das Spiegeln des Bildschirminhalts auf den Fernseher zählt sicher nicht dazu. Nun lassen sich solche überflüssigen Desktop-Icons über die Systemsteuerung löschen, doch nicht jeder Anwender weiß sofort, was nun gelöscht werden darf.

500 Prozent mehr verlangt der Hersteller mit seiner unverbindlichen Preisempfehlung gegenüber günstigen Angeboten seriöser Online-Händler für die exakt gleiche Software.
Vergrößern 500 Prozent mehr verlangt der Hersteller mit seiner unverbindlichen Preisempfehlung gegenüber günstigen Angeboten seriöser Online-Händler für die exakt gleiche Software.

Ferner machen die vorinstallierten Programme die Bedienung nicht nur unübersichtlich, sie verbrauchen zudem Platz auf der Festplatte, der gerade auf SSDs weiterhin teuer und knapp ist. Außerdem verzögern sie den Start, verkürzen die Akkulaufzeit und belasten die Systemressourcen, wenn die Dienste mit Windows automatisch starten. Und bei den Testversionen wollen die Hersteller den Kauf der Volllizenz natürlich so bequem wie möglich machen, aber dafür verlangen sie über ihre angebundenen Webshops in der Regel die unverbindliche Preisempfehlung (UVP). Die „Straßenpreise“ liegen jedoch oft deutlich darunter. So kostet bei McAfee die Internet Security 2017 als 1-PC-Jahreslizenz knapp 80 Euro, exakt die gleiche Version ist online bei seriösen Händlern für weniger als 15 Euro zu haben, wie eine Preissuche bei Billiger.de zeigt.

Im Auslieferungszustand dieses Rechners zeigt die Systemsteuerung, dass mehr als vier GByte Platz auf der Festplatte allein durch die vorinstallierten, aber oft unerwünschten Programme beansprucht werden.
Vergrößern Im Auslieferungszustand dieses Rechners zeigt die Systemsteuerung, dass mehr als vier GByte Platz auf der Festplatte allein durch die vorinstallierten, aber oft unerwünschten Programme beansprucht werden.

Noch schlimmer traf es vor zwei Jahren die Käufer von Notebooks des Herstellers Lenovo, der seine Geräte mit Software auslieferte, die – wie sich später herausstellte – ein Sicherheitsrisiko darstellte . Doch selbst ohne solche extremen Fälle ist vorinstallierte Software vielfach „unerwünscht“ und wird demzufolge auch als Bloatware („Aufbläh“-Software) oder Crapware („Mist“-Software) bezeichnet.

Dass Microsoft dies selbst als Problem sieht, zeigt sein Programm Signature Edition: „Unverfälscht: Es ist keine Testsoftware von Drittanbietern, Junkware, zusätzliche Symbolleisten oder Bildschirmschoner vorinstalliert“. Allerdings beschränkt die Windows-Firma den Verkauf von Geräten mit schlankem System auf die USA, ein in Deutschland gestarteter Test wurde nicht weiterverfolgt. Nur ein schwacher Trost ist es, dass man das Problem auch von Smartphones kennt: Telefone mit schlankem „Stock Android“ sind selten.

PC aufräumen: Windows, Speicher & Festplatten entmüllen

So werden Sie lästige Crap-und Bloatware vollständig wieder los

Auf dem untersuchten Aldi-PC waren gleich sieben Sprachversionen von Microsoft Office vorinstalliert, doch Word und Co. lassen sich nur mit (kostenpflichtiger) Lizenz nutzen.
Vergrößern Auf dem untersuchten Aldi-PC waren gleich sieben Sprachversionen von Microsoft Office vorinstalliert, doch Word und Co. lassen sich nur mit (kostenpflichtiger) Lizenz nutzen.

Das Ziel ist also ein schlankes Betriebssystem und damit ein schneller Rechner, doch der eine perfekte Weg dorthin existiert nicht. Wir stellen Ihnen deshalb verschiedene Strategien jeweils mit Vor-und Nachteilen vor. Klar gestellt sei aber, dass die Wiederherstellung des Auslieferungszustandes keinen Sinn macht: Dann haben Sie wirklich alles so wie zu Anfang, inklusive Softwaremüll.

Prinzipiell kann man sich der Crapware von unterschiedlichen Seiten nähern, nämlich durch vollständiges Neuaufsetzen des Systems einerseits (Clean Install). Bei Windows 10 ist das insofern unproblematisch, weil man das Betriebssystem auf der gleichen Hardware immer wieder ohne Ärger mit dem Key neu aufspielen kann. Während das Setup schnell vollzogen ist, gestaltet sich Installation der Treiber unter Umständen mühsamer. Häufig variieren die Computerhersteller die verbauten Komponenten, so dass man erst einmal herausfinden muss, ob im eigenen Gerät nun WLAN-Adapter A oder B steckt. Der Unknown Device Identifier hilft dabei.

Umgekehrt lässt sich jede unerwünschte Software manuell über die Windows-Systemsteuerung entfernen, alternativ mit dem Revo Uninstaller . Allerdings bleibt da bei jedem Programm die Frage unbeantwortet, ob es nun unerwünscht oder vielleicht sogar für den Betrieb von PC oder Notebook erforderlich ist. Bevor Sie einen Eintrag aus der Softwareliste löschen, googeln Sie im Zweifel vorher im Internet oder schauen auf dem Webportal „ Alternative to “ nach, wofür welches Programm dient.

Wirklich überzeugt haben uns die Tools Should I remove it (im Bild) und PC Decrapifier nicht. Sehr viel gründlicher arbeitet die Funktion „PC auffrischen“ von Windows.
Vergrößern Wirklich überzeugt haben uns die Tools Should I remove it (im Bild) und PC Decrapifier nicht. Sehr viel gründlicher arbeitet die Funktion „PC auffrischen“ von Windows.

Da Sie mit dem Problem keineswegs alleine sind, haben sich einige Hilfsprogramme zum Löschen etabliert: Das Tool Should I remove it („Kann ich das löschen“) scannt sämtliche installierte Software und versieht sie eventuell mit einer Löschempfehlung, deren Grundlage die Ratings und Entscheidungen vieler anderer Anwender sind. Gleichzeitig unterstreichen drei Farben, was unnötig (rot), zweifelhaft (gelb) oder nützlich (grün) ist. Wenn Sie einen Eintrag anklicken, erscheinen die beiden Schaltflächen „What is it?“ für mehr Infos und „Uninstall“ zum Deinstallieren. Alternativ zum Tool prüfen Sie fragliche Programme auf der Webseite .

Mit SSD und RAM zu mehr Leistung

Es ist auf jeden Fall sinnvoll, seinen neuen Rechner von unnötigem Ballast zu befreien. Das sorgt für mehr Übersicht, für Platz auf der Festplatte und im besten Fall für mehr Leistung und Geschwindigkeit.

Trotzdem hat jedes System Grenzen, bei vielen Rechnern stecken sie in der (magnetischen) Festplatte sowie im Hauptspeicher. Gleichzeitig sind damit die beiden Komponenten benannt, die durch Austausch beziehungsweise Erweiterung Windows erheblich beschleunigen: eine SSD (Solid State Disk) und mehr Arbeitsspeicher. Günstige SSDs mit 256 GByte Kapazität gibt es ab etwa 70 Euro. Wie Sie Ihren Rechner auf die neue SSD klonen, lesen Sie in diesem Beitrag .

Ebenfalls online haben wir sämtliche Schritte zum Aufrüsten des Arbeitsspeichers zusammengefasst, vom Ermitteln der eingebauten RAM-Riegel über die Wahl des passenden Speichers bis hin zum Einbau . Acht GByte des gängigen DDR3-Speichers werden ab 20 Euro verkauft.

Spezialprogramme zum Entmüllen und ein Geheimtipp

Vom Ergebnis ähnlich arbeitet das Tool PC Decrapifier, das ohne Installation läuft. Die Analyse dauert ein paar Minuten, bevor PC Decrapifier über die drei Register „Recommended“, „Questionable“ und „Everything Else“ anzeigt, was gelöscht, was entscheidungsoffen und was auf dem Rechner verbleiben sollte. Passen Sie insofern auf, als hier im Gegensatz zu Should I remove it die Farben genau anders herum verwendet werden. Wenn Sie im PC Decrapifier ein oder mehrere Programme zum Löschen ausgewählt haben, klicken Sie auf die Schaltfläche „Remove Selected -> Begin Removal Now“. Ähnlich hilft die Funktion „Tool zum Entfernen unerwünschter oder überflüssiger Programme“ in der Internet Security von Kaspersky .

Einen anderen Schwerpunkt legt Adwcleaner : Das Programm bekämpft unerwünschte Browser-Toolbars, Startseiten, Suchmaschinen und Spyware. Auch das findet sich auf nagelneuen Rechnern immer wieder. Das Tool Unchecky unterstützt Sie, dass dies in Zukunft so bleibt. Das Tool verhindert die Huckepack-Installation lästiger Zusatzprogramme und Toolbars – ähnlich, wie Sie beim Setup eines Programms über die „benutzerdefinierte Installation“ Zusatzprogramme deaktivieren.

Einschränkend muss zu den Tools wie PC Decrapifier, Shoud I remove it und auch Kaspersky angemerkt werden, dass diese äußerst zurückhaltend agieren. Ganz offenbar wollen die Anbieter juristischen Ärger mit den Herstellern der vorinstallierten Programme vermeiden: Denn was als „unerwünscht“ klassifiziert wird, unterscheidet sich je nach Interesse natürlich erheblich.

Siehe auch: Unnötige Bloatware vom Smartphone löschen

Jenseits der nur bedingt helfenden Spezialtools lässt sich eine Microsoft-Funktion zweckentfremden, die eigentlich zum Ziel hat, ein nicht mehr perfekt funktionierendes Windows 10 zu reparieren: nämlich das „PC auffrischen“. Dabei wird der Rechner in der Windows-Wiederherstellungsumgebung gestartet und das Betriebssystem neu installiert. Alle persönlichen Einstellungen und Daten bleiben erhalten, die installierten Programme jedoch werden unter Windows 10 – abgesehen von den Apps aus dem Windows Store – gelöscht, und genau das ist ja unser Ziel! Je nach Hardware kann die Neuinstallation mehr als eine Stunde dauern, doch einmal angestoßen, läuft alles vollautomatisch. Anschließend installieren Sie Ihre individuell benötigten Programme. Besonders für neue PCs überzeugt diese Methode.

Eine Art Geheimtipp und besser als manches Spezialtool: Die Funktion „PC Auffrischen“ entfernt unter Windows 10 sämtliche vorinstallierten Programme.
Vergrößern Eine Art Geheimtipp und besser als manches Spezialtool: Die Funktion „PC Auffrischen“ entfernt unter Windows 10 sämtliche vorinstallierten Programme.

Zum Auffrischen laden Sie das Refresh-Windows-Tool , starten es ohne Installation und wählen bitte unbedingt die Option „Nur persönliche Dateien beibehalten“ – sonst werden Ihre Daten und Einstellungen gelöscht. Übernommen werden im Prinzip auch die installierten Treiber , tatsächlich aber muss der Rechner nach dem Aufsetzen doch die eine oder andere Gerätesoftware aus dem Netz nachladen. Für Windows 8.1 allerdings zeigt das Auffrischen nicht das gewünschte Resultat.

Das bisherige System wird auf der „C:“-Partition als Ordner „Windows.old“ gespeichert und lässt sich von dort innerhalb von 30 Tagen bei Bedarf wiederherstellen.

Mit etwas Nacharbeit zu mehr Speed, Übersicht und Speicherplatz

Jeder Rechner ist anders, zwei Systeme haben wir für diesen Workshop genauer unter die Lupe genommen: ein gut eineinhalb Jahre altes HP-Notebook, auf dem ursprünglich Windows 8.1 installiert war, sowie den vor Weihnachten aktuellen Aldi-PC P5360E (MD 8881).

Der Task-Manager umfasst in Windows 10 auch die Autostart-Programme: Die Spalte „Startauswirkungen“ rechts zeigt, wie sich Programme auf den Start von Windows auswirken.
Vergrößern Der Task-Manager umfasst in Windows 10 auch die Autostart-Programme: Die Spalte „Startauswirkungen“ rechts zeigt, wie sich Programme auf den Start von Windows auswirken.

Beim Notebook schaufelten wir unter dem Strich rund 28 GByte zusätzlichen Festplattenplatz frei, fünf GByte durch Deinstallation unnützer Tools, weitere 23 GByte durch das Löschen der nicht mehr benötigten Recovery-Partition. Bei einem 256-GByte-Datenspeicher sind das immerhin mehr als zehn Prozent. Beim Medion-Rechner belegten die vorinstallierten Programme ähnlich viel Platz, davon allein rund zwei GByte die insgesamt sieben Sprachversionen von Microsoft Office, das sich ohnehin nur mit Lizenz nutzen lässt. Ansonsten aber agiert Medion viel zurückhaltender beim Vorinstallieren als noch vor Jahren. Nicht nachgedacht wurde bei der Konfiguration allerdings an anderer Stelle: Die Recovery-Partition ist unnötig groß dimensioniert, ohne manuelles Eingreifen werden hier mehr als 40 GByte Platz dauerhaft verschenkt. Schließlich empfehlen wir auch beim neuen PC die Datenträgerbereinigung („cleanmgr“), die schnell ebenfalls ein oder zwei GByte Speicherplatz freiräumt.

Auch interessant: Die besten kostenlosen Cleaner-Apps für Android

Beim Ressourcenverbrauch und eventueller Leistungseinschränkung kommt es vor allem darauf an, welche Programme und Prozesse tatsächlich laufen. Windows 10 listet die Autostart-Programme im Taskmanager auf, den Sie über einen Klick mit der rechten Maustaste unten auf die Taskleiste und einen Klick auf „Task-Manager“ im Kontextmenü aufrufen.

Nach dem Klick auf „Mehr Details“ sehen Sie im Register „Autostart“ die gestarteten Anwendungen, die Sie nach einem Rechtsklick und „Deaktivieren“ vom Starten beim nächsten Reboot ausschließen. Die größten Auswirkungen zeigt diese Maßnahme bei den Einträgen, die in der Spalte „Startauswirkungen“ mit „Hoch“ klassifiziert sind.

Zustand sichern und mehr Platz schaffen

Haben Sie Ihren Rechner von unerwünschter Software befreit und entmüllt, sollten Sie diesen Zustand sichern. Das erledigen Sie, indem Sie mit Easeus Todo Backup Free die komplette Systempartition sichern. Nach dem Setup starten Sie das Tool, wählen die Option „Laufwerk/Partition Backup“ und legen die zu sichernde Partition „C:“ sowie das Ziel fest. Um auch bei einem Festplattendefekt auf das Systemimage zurückgreifen zu können, erstellen Sie das Backup am besten auf einem externen Datenträger. Alternativ wählen Sie eine zweite Partition auf der internen Festplatte. Falls noch nicht vorhanden, erstellen Sie diese mit Easeus Partition Master .

Haben Sie das Image erst einmal gesichert, benötigen Sie – abgesehen von einem möglichen Verkauf des PCs – die Startkonfiguration und damit auch die (unter Umständen versteckte) Recovery-Partition auf der Festplatte nicht mehr.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2254315