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Bitcoin 2018: Weltwährung der Zukunft?

24.01.2018 | 14:30 Uhr |

2017 war das Jahr des Durchbruchs für den Bitcoin. Die mediale Aufmerksamkeit rund um die neue digitale Währung wurde in erster Linie durch den rasanten Preisanstieg ausgelöst. Seitdem überschlagen sich die Überschriften aller Medien, und die Spekulationen auf den Preis eines Bitcoins nahmen überhand. Die Technik rückte dabei stets in den Hintergrund. Doch was war eigentlich der Auslöser für den Bitcoin-Boom im vergangenen Jahr?

Der Durchbruch des Bitcoins hängt mit einigen Faktoren zusammen. Für den gesamten Bereich der Distributed Ledger Technology (DLT) gab es auf technologischer Basis große Fortschritte, so dass neue Anwendungsfelder erschlossen werden konnten. Mit Blick auf Ethereum , Ripple oder IOTA ist es anderen Nischenprodukten gelungen, massive Preisanstiege zu verzeichnen und ins Blickfeld der Anleger zu rücken. Darüber hinaus interessierten sich zunehmend große Konzerne für die Blockchain-Technologie und traten beispielsweise der Enterprise Ethereum Alliance bei. Der mittlerweile schon als „Everything Bubble“ bezeichnete Anstieg vieler Märkte war 2017 besonders bei Aktien- und Immobilienpreisen zu beobachten.

Einem Anleger, der sich bisher weder mit Kryptowährungen noch mit der Blockchain-Technologie auseinandergesetzt hat, muss man sagen, dass Investitionen in Kryptowährungen mit besonders viel Risiko verbunden sind. Volatile Kurse sind nur eine logische Reaktion auf eine Branche, die sich noch etablieren und eine Technologie, die erst noch erforscht werden muss. Und natürlich gibt es auch betrügerische Machenschaften in dieser Branche. Gekaufte Token sicher aufzubewahren ist für einen Neuling in diesem Milieu sicherlich kein einfaches Unterfangen. Auch die Börsen und Wallets im Internet werden von Mittelsmännern betrieben, so dass man vorab sondieren sollte, wem man sein Geld anvertraut und wem besser nicht.

Der Markt ist einfach noch sehr frisch und die Technologie gleicht noch einem Experiment - daher empfehle ich jedem Interessierten, nicht mehr Geld in Projekte zu investieren als er zu verlieren bereit ist.

Zu einer jeden Chance gehört häufig auch ein Risiko. Ein Risiko, das bei der Blockchain-Technologie mit der Entwicklung zunehmend schwinden sollte. Fehler werden beseitigt, Lösungen gefunden.

Losgelöst von der Werthaltigkeit und der Spekulation um den Bitcoin ist dessen zugrundeliegende Technologie die Distributed Ledger Technology (DLT) oder Blockchain-Technologie, die ein Teil der DLT ist.

Diese Technologie ist hochspannend und hat revolutionäres Potenzial , da heute technische Umsetzungen möglich sind, die vor Jahren noch unmöglich schienen. Mit der Weiterentwicklung von self executing smart contracts (Ethereum) oder den technologischen Fortschritten IOTAs mit einem speziellen Fokus auf die Industrie 4.0 und das Internet der Dinge sind neue Anwendungsbeispiele entstanden, die weit über eine vergleichsweise simple Anwendung wie einer Bezahlmethode bei Bitcoin hinausgehen.

Die Diskussionen über die Blockchain-Technologie sind vergleichbar mit denen über das Internet im Jahre 1993

Die Blockchain-Technologie, der Bitcoin und dezentrale Netze sind wie große Experimente. Wenn man sich ausführlich mit den Möglichkeiten dieser Technologien auseinandersetzt, kann man sagen, dass wir hier von einer Gezeitenwende mit nicht vorhersehbarem Potenzial sprechen.

Die Diskussionen und voreiligen Schlüsse in den Medien sind mit den Meinungsverschiedenheiten von 1993 zu vergleichen, als man sich darüber stritt, was einmal mit dem Internet passieren würde - mit dem Unterschied, dass technologischer Fortschritt, der in den 1990er Jahren über ein Jahrzehnt gedauert hat, heute innerhalb eines Jahres abläuft.

Der Bitcoin ist das erste und einfachste Beispiel von Blockchain-Technologie für eine simple Anwendung - in diesem Fall eine digitale, nicht regulierte Weltwährung. Sie ermöglicht es, ohne Mittelsmänner und rein aus dem System heraus Werte über den Globus zu verschicken, ohne dass die Transaktion bewertet oder gestoppt werden kann.

Wer profitiert von dieser Technologie?

Bisher kann man sagen, dass es im großen und ganzen keine Verlierer, sondern ausschließlich Gewinner gegeben hat. Wo die Tagespresse einen „Absturz“ oder auch häufig „Crash“ sieht, dort sehen Chart-Analysten und Asset-Manager eine gesunde Kurskorrektur nach der vergangenen Kursrallye. Wie auch an der echten Börse kann man Geld verlieren, weshalb eine grundlegende Aufklärung wichtig ist, bevor man in eine noch unregulierte Branche investiert.

Alle, die bereits seit längerer Zeit mit dieser Technologie zu tun haben, profitierten in erster Linie aus monetärer Sicht von ihrem Investment. Letztendlich wird aber die gesamte Gesellschaft von dezentralen Netzen massiv profitieren, sowohl die Menschen als natürlich auch die Unternehmen. Prozesse können wesentlich effizienter, transparenter, günstiger und sicherer abgebildet und dargestellt werden.

Das Potenzial von DLT ist noch lange nicht vollständig erhoben und lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal erahnen. Zum Schluss sind wir alle Teil von etwas Großem, von dem selbst die Schwellenländer und Dritte-Welt-Länder profitieren können. Außerdem ist es absolut möglich, dass eine Weltwährung wie der Bitcoin die Globalisierung befeuern und das Bewusstsein dafür intensivieren kann.

Banken und Blockchain? Die moderne „Nokia-Falle“!

Spätestens seit dem vergangenen Jahr werden sich große Banken mit dieser Thematik auseinandersetzen müssen. Die Gefahr, dass man ansonsten in die „Nokia-Falle“ tappt, ist nicht zu unterschätzen: Der damalige CEO von Nokia war überzeugt, dass sich das von Apple entworfene Touchdisplay im Smartphone nicht durchsetzen würde und hielt an der Tastatur im Handy fest. Die verheerenden Auswirkungen in diesem Fall sind bekannt.

Die Blockchain-Technologie mit ihren dezentralen Netzen ohne Mittelsmänner greift natürlich das Kerngeschäft aller Banken an, weshalb man beobachten kann, dass viele Banken über eine Umstrukturierung ihres Geschäftsmodells nachdenken. Sie werden zunehmend zum Service-Dienstleister. In Zukunft wird keine Überweisung mehr am Schalter mittels eines Überweisungsträgers getätigt. Alles wird digital abgewickelt werden.

Vor dem Hintergrund, dass sich die Technologie noch im Anfangsstadium befindet und noch viele Hürden vor sich hat, ist eine zeitnahe Disruption für das gesamte Bankenwesen nicht zu befürchten. Allerdings ist davon auszugehen, dass es die Bankenwelt massiv verändern und beschleunigen wird.

Zu hoher Stromverbrauch: Mining in der Kritik

Das Mining von Kryptowährungen ist des Öfteren ein kritisches Thema. Viele Experten sind keine Befürworter des Schürfens und glauben nicht an eine Zukunft. Mining ist bewiesenermaßen nicht nachhaltig, da ein gigantischer Energieaufwand nötig ist. Daher ist es aus meiner Sicht nicht für die breite Masse geeignet.

Darüber hinaus ist der gesamte Dezentralisierungsgedanke gestört, da eine Vielzahl der Mining-Pools in China sitzen und nur eine Handvoll Miner das Netzwerk kontrollieren. Die Einzigen, die damit noch Geld verdienen können sind diejenigen, die ganz nah an der Chip-Herstellung und den Chip-Produzenten dran sind. Der Bitcoin ist als First Mover anzusehen, als Aushängeschild und Vorreiter einer revolutionären Technik.

Es gibt allerdings schon heute eine Vielzahl von Projekten, die ganz ohne Mining auskommen. IOTA wurde beispielsweise nicht als Kryptowährung, sondern als Protokoll für das Internet of Things (IoT) entwickelt. Mit IOTA sollen Mikrotransaktionen in kurzer Zeit zwischen einzelnen Geräten im IoT ermöglicht werden. Die Blockchain als solche würde bei der Vielzahl an Transaktionen schnell an ihre Grenzen stoßen. Abgewickelt wird daher alles mit Hilfe des sogenannten Tangles. Eine vielversprechende Skalierbarkeit (schnelle Transaktionen bei steigender Teilnehmerzahl) sowie kostenlose Transaktionen machen IOTA zu einem spannenden DLT-Projekt.

Daher ist der Bitcoin, so wie er heute existiert, eher als das „digitale Gold“ zu bewerten. Es ist eine gute Möglichkeit, einen Wert aufzubewahren und in kurzer Zeit um den Globus zu verschicken. Als echtes Zahlungsmittel für den täglichen Gebrauch ist der Bitcoin nach jetzigem Stand komplett ungeeignet.

Bitcoin verfolgt dennoch auf lange Sicht die Ambition, zu einer Art digitaler Weltwährung zu werden. Dafür muss die Technologie allerdings noch deutlich verbessert werden, so dass Transaktionen schneller und günstiger werden.

Die Kursschwankungen des Bitcoins

Alle, die schon lange Bitcoins halten, kennen die großen Kursschwankungen und sind sie mittlerweile auch gewohnt. So leicht schockt einen da nichts mehr. Wer derartige Schwankungen aber nicht aushält, sollte solche riskanten Investitionen besser nicht mitmachen. Dennoch ist davon auszugehen, dass sich eine derartig hohe Volatilität langfristig verringern wird und sich die Preise stabilisieren.

Im vergangenen Jahr hat der Bitcoin eine unglaubliche Kursexplosion erlebt. Der Wert eines Bitcoins hat sich im Jahr 2017 um 1200 Prozent gesteigert und betrug zwischenzeitlich sogar das Einundzwanzigfache des Wertes vom 1. Januar 2017. Jetzt befindet sich auf einmal eine Menge Geld in den Händen von vorwiegend jungen Computer-Nerds. Das macht Investoren, Unternehmen und Kleinanleger in unorganisierten Kapitalmärkten nervös. Niemand kann mit absoluter Sicherheit sagen, wo die Reise hingeht und wo wir am Ende des Jahres 2018 oder auch in fünf Jahren stehen werden.

Vor kurzem war zu lesen, dass China und Südkorea den Handel mit Kryptowährungen regulieren möchten. Diese Art von Statements gibt es bereits seit Jahren, und selbst wenn diese Vorhaben durchgesetzt werden, würde das nicht das Ende des Bitcoins bedeuten. Denn auch die Staaten würden von der neuen Technologie profitieren. Beispielsweise wären alle Buchungen, die über die Blockchain gelaufen sind, jederzeit nachvollziehbar und transparent.

Das heutige Problem ist der Umgang damit. Die Regierungen wissen zu wenig über die Möglichkeiten und betrachten es daher erst einmal als Gefahr. Sie sehen die Chancen nicht, die eine solche revolutionäre Technologie mit sich bringt. Der Begriff Kryptowährung ist etwas, das der gesamten Branche aufgestempelt wurde. Er ist zum Teil auch irreführend, denn nicht jedes DLT-Projekt ist eine Währung.

Viele Token sind vielmehr digitale Anteilsscheine, die eine Beteiligung oder Aktie an einem Projekt repräsentieren. Es gibt wirklich eine Menge spannende Projekte in dieser Branche, wie IOTA oder Ethereum. Ethereum möchte eine Art dezentraler Computer sein, der als Blockchain-Plattform fungiert. Besonders interessant sind dabei die entwickelten smart contracts sowie dezentrale Apps, bei denen vor allem der Schutz der Daten im Vordergrund steht. Im Prinzip läuft dieser ICO-Hype darauf hinaus, dass jedes Start-up bei seiner Gründung handelbar ist und einen Börsengang durchführen kann.

Persönlicher Ausblick für das Jahr 2018

Grundsätzlich beteilige ich mich nicht an Preisspekulationen. Das überlasse ich anderen. Wovon ich aber überzeugt bin, ist, dass wir noch viel zum technologischen Fortschritt in diesem Bereich hören werden und dass die mediale Aufmerksamkeit aus 2017 beibehalten wird. Alle großen Industrien beschäftigten sich mittlerweile mit der Blockchain-Technologie. Besonders Banken, Börsen und Versicherungen stehen unter Zugzwang, da sie sonst Gefahr laufen, den technischen Wandel zu verpassen.

Eines dürfte feststehen: 2018 wird ein spannendes Jahr für die gesamte Industrie der Distributed Ledger Technology.

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