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Besseres Termin-Management durch Kalenderserver mit Radicale oder Baikal

07.03.2018 | 15:12 Uhr |

Ein Kalenderserver im eigenen Netzwerk hilft bei der Verwaltung Ihrer Termine. Er ist schnell eingerichtet und lässt sich auch von mehreren Personen verwenden.

Kostenlose Online-Terminkalender gibt es mehrere, etwa von Google oder Microsoft. Wer sich nicht an diese Anbieter binden und persönliche Daten lieber auf dem heimischen Rechner speichern möchte, installiert sich einen eigenen Kalenderserver. In diesem Artikel beschreiben wir unkomplizierte Lösungen, die sich relativ schnell einrichten lassen. Wer mehr Funktionen benötigt, etwa zusätzlich den Austausch von Dateien, den gemeinsamen Zugriff auf Dokumente und mehrere Benutzerkonten, sollte sich beispielsweise Nextcloud ansehen.

Die Anleitungen in diesem Artikel gelten für Ubuntu 16.04 und verwandte Systeme wie Linux Mint 18. Die Installation der genannten Software funktioniert auch auf einem Raspberry Pi unter Raspbian beziehungsweise OSMC.

Lesetipp Raspberry Pi als Familien-Kalender einrichten

Serversoftware für Caldav und Carddav

Welche Serversoftware für Sie infrage kommt, hängt davon ab, ob Sie Termine oder Adressbücher nur für einen Nutzer oder für ein Team bereitstellen wollen. Sind mehrere Personen beteiligt, besteht wahrscheinlich der Wunsch, die Zugriffsrechte festzulegen. Mit steigenden Ansprüchen an Funktion und Bedienbarkeit erhöht sich auch der Installations- und Wartungsaufwand.

Bei Radicale ( http://radicale.org ), das wir im nächsten Punkt ausführlicher vorstellen, ist der Aufwand relativ gering, der Funktionsumfang ist für private Anwender und kleine Teams ausreichend. Webserver und Datenbank sind nicht erforderlich, die Konfiguration ist daher schnell erfolgt. Wer möchte, kann aber auch Radicale zum Mehrbenutzersystem ausbauen. Anleitungen dazu gibt es auf der Website des Anbieters.

Damit der Radicale-Server automatisch startet, entfernen Sie in der Datei „/etc/default/radicale“ das Zeichen „#“ vor „ENABLE_RADICALE=yes“.
Vergrößern Damit der Radicale-Server automatisch startet, entfernen Sie in der Datei „/etc/default/radicale“ das Zeichen „#“ vor „ENABLE_RADICALE=yes“.

Baikal ( http://baikal-server.com ) geht einen Schritt weiter. Die Software ist in PHP programmiert und bietet eine Weboberfläche, über die sich Benutzerkonten anlegen und verwalten lassen. Das setzt jedoch die Installation eine Apache-Webservers und eine Datenbank wie My SQL oder Sqlite voraus.

Wenn es auf eine detaillierte Rechtevergabe für größeren Teams ankommt, ist Davical die richtige Wahl ( www.davical.org ). Auch hier kommt PHP zum Einsatz. Sie benötigen den Apache-Webserver und die Datenbank Postgre SQL. Die Verwaltung von Davical erfolgt über eine Weboberfläche. Hier lassen sich Benutzer und Gruppen in „Benutzerfunktionen -> Prinzipalen anlegen“ erstellen und Rechte zuweisen. Eine Installations-und Bedienungsanleitung finden Sie auf der Website des Anbieters.

Radicale: Einfacher und schlanker Server

Radicale ( http://radicale.org ) ist ein Server für Caldav (Kalender) und Carddav (Kontakte). Die Software ist in Python programmiert und benötigt weder Webserver noch Datenbank. In der Grundkonfiguration gibt es keine Benutzerkonten und keine Anmeldung. Radicale eignet sich daher für Einzelanwender oder Teams mit wenigen Personen, wo Zugriffsbeschränkungen keine Rolle spielen. Die Software ist im Terminalfenster mit

sudo apt install radicale

schnell installiert. Öffnen Sie die Konfigurationsdatei mit

sudo nano /etc/default/radicale

Entfernen Sie das Kommentarzeichen „#“ vor der Zeile „ENABLE_RADICALE=yes“. Speichern Sie die Datei mit Strg-O, bestätigen Sie mit der Enter-Taste und schließen Sie den Editor mit Strg-X. Starten Sie den Serverdienst über die Befehlszeile

sudo service radicale start

Bei einem Linux-Neustart wird der Radicale-Server automatisch aktiviert.

Testen Sie die Installation, indem Sie im Webbrowser die Adresse „http://localhost:5232“ aufrufen. Auf einem anderen PC ersetzen Sie „localhost“ durch den Namen Ihres Linux-Servers oder dessen IP-Adresse. Es erscheint dann die Meldung „Radicale works!“.

Clientsoftware für Radicale konfigurieren

Wenn Sie beispielsweise das Add-on Lightning in Thunderbird installiert haben, gehen Sie im Menü auf „Datei -> Neu -> Kalender“. Wählen Sie die Option „Im Netzwerk“ und klicken Sie auf „Weiter“. Klicken Sie darauf die Option „CalDAV“ an und tippen Sie unter „Adresse“ die URL für den Radicale-Server ein:

http://[IP]:5232/[User]/kalender.ics/

Den Platzhalter „[IP]“ ersetzen Sie durch den Namen oder die IP-Adresse Ihres Linux-PCs und „[User]“ durch den gewünschten Benutzernamen. Dieser ist frei wählbar. Auch der Dateiname „kalender.ics“ kann beliebig lauten. Wichtig: Am Ende der Adresse muss das Zeichen „/“ stehen – sonst funktioniert der Zugriff nicht. Klicken Sie dann auf „Weiter“ und tippen Sie hinter „Name:“ eine aussagekräftige Bezeichnung für den neuen Kalender ein. Klicken Sie auf „Weiter“ und auf „Fertig stellen“.

Gehen Sie auf „Termine und Aufgaben -> Kalender“, um einen Tab mit der Kalenderansicht zu öffnen. Per Doppelklick auf einen Tag oder eine Uhrzeit sowie über das Menü „Termine und Aufgaben -> Neuer Termin“ erstellen Sie einen neuen Kalendereintrag. Achten Sie dabei darauf, dass hinter „Kalender:“ der Onlinekalender eingestellt ist.

Ein Onlineadressbuch lässt sich in Thunderbird über das Add-on Cardbook nutzen. Erstellen Sie das Adressbuch, indem Sie im Browser die Adresse

http://[IP]:5232/[User]/adressen.vcf/

aufrufen. „[User]“ ist ein beliebiger Benutzername, den Dateinamen können Sie ebenfalls frei wählen. Beachten Sie wieder den Slash „/“ am Ende der Zeile.

Onlineadressbücher binden Sie in Thunderbird über das Add-on Cardbook ein.
Vergrößern Onlineadressbücher binden Sie in Thunderbird über das Add-on Cardbook ein.

Gehen Sie in Thunderbird auf „Extras - > Cardbook“. Klicken Sie die Menüschaltfläche links oben in der Symbolleiste an und gehen Sie auf „Adressbuch -> Neues Adressbuch“. Wählen Sie „Im Netzwerk“ und klicken Sie auf „Weiter“. Aktivieren Sie die Option „CardDAV“ und tippen Sie hinter „URL“ Folgendes

http://[IP]:5232/[User]/adressen.vcf/

ein. Die Platzhalter ersetzen Sie wie oben beschrieben. Hinter „Benutzername“ und „Passwort“ tragen Sie dann beliebige Zeichen ein, klicken auf „Überprüfen“ und dann auf „Weiter“. Vergeben Sie einen Namen für das neue Adressbuch, klicken Sie auf „Weiter“ und auf „Fertigstellen“. Bitte beachten Sie: Cardbook verwendet eigene Adressbücher, die nicht mit dem Standardadressbuch synchronisiert werden.

Clientsoftware für Kalender & Adressen

Die meisten Kalender- und Adressbuchanwendungen unterstützen die Standardprotokolle Caldav (Calender Distributed Authoring and Versioning) und Carddav (vCard Extensions für Webdav). Verbreitete Programme sind die Thunderbird-Add-ons Lightning und Cardbook, die sich schnell über „Extras -> Addons“ und einer Suche nach dem Programmnamen installieren lassen. Alternative Desktopanwendungen sind Evolution und Korganizer, die Sie über die Paketverwaltung Ihrer Linux-Distribution installieren. Für Android gibt es beispielsweise Caldav-Sync (2,59 Euro) und Carddav-Sync (1,90 Euro). iPhone-Nutzer können die Standardkalender- und Kontakte-App für die Verwendung von Netzwerkressourcen konfigurieren.

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