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Mastercard dementiert Bericht über Weitergabe von Daten an Google

03.09.2018 | 11:11 Uhr | René Resch

Laut einem Bloomberg-Bericht kauft Google Kunden-Daten von Mastercard, um Kunden auch offline zu tracken. Update: Mastercard weist den Vorwurf zurück!

Update 3.9.: Mastercard dementiert Bloomberg-Bericht

Juliane Schmitz-Engels, Head of Communications von Mastercard für Germany and Switzerland (nicht aber für die USA, auf die sich der Bloombergbericht bezieht), hat uns gegenüber den Bloomberg-Bericht dementiert. Schmitz-Engels schreibt: „Die Grundlage, auf Basis derer berichtet wurde, ist leider falsch. So wie unser Netzwerk funktioniert, kennen wir keine einzelnen Artikel, die ein Verbraucher in einem physischen oder digitalen Warenkorb kauft. Es werden keine individuellen Transaktions- oder Personendaten zur Verfügung gestellt. Das entspricht den Erwartungen an die Privatsphäre von Verbrauchern und Händlern auf der ganzen Welt. Bei der Bearbeitung einer Transaktion sehen wir den Namen des Händlers und den Gesamtbetrag des Kaufs des Verbrauchers, nicht aber bestimmte Artikel.
 
Bei Mastercard bietet unser Media Measurement Service an, die Effektivität von Werbekampagnen von Händlern und deren Dienstleistern zu messen. Händler geben uns Informationen über ihre Werbekampagne, wie z.B. Start- und Enddatum, und Mastercard liefert ihnen eine Einschätzung, wie sich innerhalb dieser Zeit die Ausgaben entwickelt haben.

Mit diesem Service stellen wir Händlern und deren Dienstleistern nur Trends zur Verfügung, die auf aggregierten und anonymisierten Daten beruhen, wie z.B. der durchschnittlichen Ticketgröße und dem Verkaufsvolumen des Händlers. Es werden keine individuellen Transaktions- oder Personendaten zur Verfügung gestellt (die wir auch gar nicht haben, da wir nur die 16-stellige Nummer in unserem Netzwerk sehen. Wer sich hinter der 16-stelligen Nummer verbirgt, weiß nur die Bank, die die Karte herausgibt). Wir bieten keine Einblicke, die die Werbewirkung einzelner Konsumenten verfolgen, aufbereiten oder gar messen.“ Update Ende

Wie die News-Plattform Bloomberg berichtet, ist Google wohl einen Deal mit Mastercard eingegangen, um Offline-Einkäufe von Kreditkarten mit Nutzerkonten zu verknüpfen. Für die Daten von 70 Prozent aller Mastercard-Inhaber der USA aus dem Jahr 2017 soll Google demnach mehrere Millionen US-Dollar gezahlt haben. Darin enthalten sind Transaktionsdaten, die für Google ausreichen, um Personen eindeutig zu identifizieren. Wenn der Kunde also auf eine Werbeanzeige für ein Produkt klickt, jedoch im Anschluss nicht kauft, prüft Google die Offline-Daten daraufhin, ob der Kauf nicht in einem Offline-Store zustande kam und teilt das dem Advertiser mit. Falls ja, gilt die Werbeanzeige als Erfolg, obwohl der Kunde das Produkt nicht in einem Online-Shop gekauft hat. So wird für Google auch das Offline-Tracking möglich.

Laut den Angaben von Bloomberg sind sich aber beide Unternehmen wohl darüber bewusst, dass hier jede Menge Datenschutz-Probleme auftauchen. Der Deal wurde daher nur zögerlich eingegangen. Vier Jahre wurde zwischen den zwei Unternehmen verhandelt, bevor der Deal abgeschlossen wurde. Mastercard-Inhaber wurden darüber hinaus nicht über das Tracking informiert. Zwar gäbe es in Googles Web-Console eine Möglichkeit das Tracking zu untersagen, jedoch ist dies für den Großteil der Nutzer nicht ersichtlich.

Zu dem Offline-Tracking-Deal wollten sich bisher beide Unternehmen nicht konkret äußern. Mastercard lässt aber verlauten, dass Partnern durchaus Daten übermittelt werden, allerding nur in Form von Trends. Also keine individuellen Daten, sondern nur Transaktionsvolumen sowie einem durchschnittlichen Einkaufswert.

Und Laut Google verwende man „Verschlüsselungstechnologien, die sowohl Google als auch unsere Partner daran hindert, personenbezogenen Daten unserer jeweiligen Nutzer einzusehen. Wir haben keinen Zugriff auf persönliche Daten von den Kredit- und Debitkarten unserer Partner und geben keine persönlichen Daten an unsere Partner weiter. Google-Nutzer können sich jederzeit mit ihren Web- und App-Aktivitätskontrollen abmelden“ .

Der Bloomberg-Bericht bezieht sich nur auf die USA. Ob Google in weiteren Ländern ähnlich vorgeht, geht aus dem Artikel nicht hervor. In den Vereinigten Staaten machen Umsätze mit Mastercard rund 25 Prozent des gesamten Umsatzes aus.

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