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Archbang „Spring“: Spartanisches Linux für Profis

16.10.2017 | 12:26 Uhr | David Wolski

Achtung, in dieser Distribution steckt Arch Linux und fortgeschrittene Finger werden verlangt, um das System einzurichten und zu konfigurieren. Lohn der Mühe ist ein flottes und stets aktuelles Linux für den Desktopeinsatz mit wenig Ressourcenbedarf.

Wozu braucht es überhaupt einen ausgewachsenen Desktop, wenn doch die Programme in der täglichen Arbeit auf einem Linux-PC sowieso meist im Vordergrund stehen? Eine Antwort auf diese Frage ist Archbang mit seiner zurückhaltenden bis minimalistischen Arbeitsumgebung. Als Desktop dient ein sorgfältig vorkonfiguriertes, aber sehr reduziertes Openbox mit einer simplen Taskleiste am unteren Bildschirmrand. Das Anwendungsmenü ist jederzeit per Rechtsklick auf den Desktophintergrund erreichbar.

Das Konzept eines völlig zurückhaltenden Desktops ist vom Debian-Ableger Bunsenlabs übernommen. Archbang basiert allerdings auf Arch Linux und ist ein eigenes Gewächs mit Stacheln und Widerhaken, aber auch mit beeindruckenden Blüten, wenn die Aufzucht gelingt.

Arch Linux: So klappt die Installation für Einsteiger

Arch ist anders

In einem puren Arch-System ist die Installation auf Kommandozeile bereits eine Herausforderung, denn die Distribution verzichtet weitgehend auf grafische Konfigurationstools. Ganz so spartantisch geht es bei Archbang nicht zu, aber die Installation im Textmodus hat ihre Tücken und setzt Expertenwissen voraus. Auch das fertig installierte System, zu dessen Einrichtung gute Linux-Kenntnisse nötig sind, ist ein möglichst schlankes Basissystem, das Anwender dann mit den gewünschten Programmen ergänzen und konfigurieren. Hier sind, wie bei Arch nicht anders zu erwarten, einige Arbeiten auf der Kommandozeile nötig. Einmal installiert ist Archbang ein Rolling Release, das sich über den Paketmanager stets aktuell halten lässt. In den Arch-Repositories liegen Versionen von Linux-Systemkomponenten und Programmen immer in sehr frischen Versionen vor. So ist der Kernel beispielsweise schon auf dem Stand 4.11. Ein weitere Besonderheit von Arch Linux sind die inoffiziellen Paketquellen, genannt AURs (Arch User Repositories). Dort liegen unzählige Programme meist in den neuesten Ausgaben im Quellcode, aus dem während der Installation ein Arch-Paket wird. Dieses Paketsystem erinnert an das Build-System von Free BSD und ist der schnellste Weg vom veröffentlichten Quellcode zu einem fertigen Paket.

Tipp: Welche Linux-Distribution ist die Richtige?

Anspruchsvolle Installation

Einen unverbindlichen Blick auf Archbang gewährt das Livesystem, das in 64 Bit liegt. Außer Firefox-Browser, dem Dateimanager Spacefm, einem Terminal, dem Partitionierer Gparted und dem Network-Manager sind im Livesystem nur wenige Programme vorinstalliert. Im Livesystem liegt die Tastaturbelegung nur in US-Englisch vor und auch der Desktop spricht Englisch.

Das Livesystem bietet einen textbasierten Installer, den der Aufruf

sudo abinstall  

im Terminalfenster in Gang setzt. Die einzelnen Schritte müssen manuell abgearbeitet werden und sind im Forum von Archbang dokumentiert. Es ist hilfreich, dafür etwas Geduld mitzubringen, denn die Tücken stecken oft im Detail. Bei unseren Tests mussten wir den Bootloader Grub 2 mit einem Kommando manuell installieren. Auf der Festplatte benötigt Archbang mindestens drei GB Speicherplatz.

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