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Arch Linux: So funktioniert die Paketverwaltung

23.01.2018 | 14:08 Uhr |

Einer der Vorzüge von Arch Linux und dessen Abkömmlingen wie Antergos und Manjaro sind die sehr aktuellen Pakete und zahlreichen externen Repositories. Das Paketformat und das Paketmanagement von Arch hat daran großen Anteil.

Ein möglichst neuer Kernel mit neuen Hardwaretreibern, eine besonders frische Ausgabe von Libre Office mit besserer Microsoft- Office-Kompatibilität: Arch Linux verwöhnt seine Anwender mit sehr aktuellen Paketen. Die Verfügbarkeit sehr frischer und breit gefächerter Pakete hat Arch Linux populär gemacht. Zudem ist ein Arch ein Rolling Release und lässt sich im Idealfall jahrelang ohne Neuinstallation über den Paketmanager fit halten. Die Distribution ist seit 2002 verfügbar und läutete zusammen mit Gentoo nicht nur den Aufstieg von Rolling Releases ein, sondern brachte ein Comeback der Selbstbaudistributionen. Denn Arch Linux liegt in seiner ursprünglichen Form als Bausatz vor, aus dem sich erfahrene Linux-Experten selbst ein System einrichten.

Paketquellen: sauber aufgeteilt

Arch unterhält mit „Core“ und „Extras“ zwei Hauptrepositories: Alles, was zum minimalen Betrieb des System und zum Kompilieren nötig ist, liegt im kleinen und ausgiebig getesteten Repository Core, das nur etwa 200 Pakete umfasst. In den Extras liegen dann die wichtigen Programme, Desktopumgebungen und generell alles, was mindestens fünf Prozent der Arch-Nutzer haben wollen. Weitere offizielle Pakete liegen im Communityrepository, um das sich die „Trusted User“ kümmern, die sich meist auf bestimmte Programme spezialisieren.

Da Arch an den originalen Softwareversionen nichts ändert und die Erstellung von Paketen kaum aufwendiger als das Kompilieren ist, bietet Arch neue Programmversionen schneller als andere Distributionen. Entwickler erhalten von Arch-Anwendern meist die ersten Rückmeldungen zu neuen Programmversionen. Während ein Paket bei anderen Distributionen erst im Betazweig ist, gibt es das Programm für Arch meist schon im regulären Repository. Die rund 6000 Pakete in den offiziellen Repositories gelten als exzellent gepflegt und sehr stabil, obwohl nur drei Dutzend Entwickler und nochmal so viele Trusted User an Arch arbeiten – übrigens alle davon auf freiwilliger Basis, ohne große Sponsoren im Rücken.

Siehe auch: Arch Linux - So klappt die Installation für Einsteiger

Unterschiede zu anderen Distributionen

Der Schlüssel dazu ist ein robustes Paketsystem, das nicht nur Programmierern die Erstellung von paketierten Programmen für Arch ermöglicht. Dieses Paketsystem hält die Wege vom originalen Quellcode zum fertigen Arch-Paket sehr kurz. Auch weniger populäre Software, für welche vielleicht nur eine Handvoll Benutzer Verwendung haben, ist für Arch häufig in inoffiziellen Repositories zu finden, die ungleich größer sind als jene von Ubuntu oder Debian. Ein weiterer Vorzug ist das Arch Build System (ABS), das aus nacktem Quellcode Arch-Pakete baut, diese über den Paketmanager sauber einspielt und damit das gesamte System konsistent hält. Arch Linux setzt dazu nicht auf das Paketformat DEB oder RPM: Arch-Pakete liegen als LZMA-gepackte „tar“-Dateien im Format „tar.xz“ vor.

Paketmanagement mit Pacman

Das Arch-Wiki in Deutsch.
Vergrößern Das Arch-Wiki in Deutsch.

Der zentrale Paketmanager nennt sich Pacman. Er kümmert sich um die Pflege der Paketdatenbank installierter Software, um den Download neuer Pakete und deren Installation sowie Aktualisierung. Dieser Paketmanager führt in der Kommandozeile mittels des Befehls

pacman [Optionen]  

die gewünschten Aktionen aus und übernimmt dabei wie die moderne Version von APT in Debian/Ubuntu den Download sowie die Installation von Paketen. Voraussetzung ist, den Paketmanager als root oder mit vorangestelltem sudo auszuführen. Die folgenden Pacman-Befehle braucht jeder Arch-Anwender häufiger: Zum Suchen der Pakete anhand von Name und Beschreibung dient der Befehl

pacman -Ss [Begriff]  

und zum Installieren dient einfach der Parameter „-S“, gefolgt vom Programmnamen: pacman -S [Paketname] Für das Entfernen von Pakete gibt es zwei Optionen:

pacman -R [Paketname]  

löscht nur das einzelne angegebene Paket, lässt aber die Abhängigkeiten intakt, während

pacman -Rs [Paketname]  

auch die Abhängigkeiten und nicht mehr weiter benötigten Bibliotheken vom System wirft. Allerdings wirklich nur dann, wenn sie von keinem anderen Paket mehr gebraucht werden.

Ein Komplett-Update des installierten Systems erledigt der Befehl

pacman -Syu  

und zeigt bei wichtigen Änderungen an Paketen und deren Konfiguration vor der Aktualisierung ein Änderungsprotokoll der Entwickler mit Hinweisen an, was sich mit dem Update genau ändert.

Überspringen kann man die Anzeige dieser Changelogs aber auch mit einem weiteren „y“ als Parameter:

pacman -Syyu  

AUR: Externe Repositories

Der Paketmanager pacman dient in Arch Linux zur Suche und Installation von Paketen.
Vergrößern Der Paketmanager pacman dient in Arch Linux zur Suche und Installation von Paketen.

Weitere Programme lassen sich über das inoffizielle Arch User Repository (kurz AUR) finden und kompilieren. Diese Quelle ist im Prinzip vergleichbar mit den PPAs für Ubuntu – mit dem Unterschied, dass im AUR keine fertigen Pakete liegen, sondern lediglich die Bauanleitungen mit der Beschreibung für den Paketmanager, auf welche Weise ein Programm aus dem Quellcode zu einem Arch-Paket kompiliert werden soll. Diese Repositories bieten also Arch-Anwendern die Möglichkeit, eigene Ergänzungen über Paketbeschreibungsdateien (PKGBUILDs) in einer standardisierten Form weiterzugeben.

Aus den PKGBUILD-Dateien und dem Quellcode macht das Tool makepkg das fertige Binärpaket, das sich dann wieder mit Pacman installieren lässt.

So kommen auch Anwender auf ihre Kosten, die gerne Programmen beim Kompilieren zusehen, allerdings muss man nicht alle Schritte manuell ausführen. Denn auch für das AUR gibt es den inoffiziellen Paketmanager Yaourt, um Programme zu finden und zu installieren. Der Name ist eine Abkürzung für „Yet Another User Repository Tool“ und ist, einmal eingerichtet, auch gleich ein Front-End für Pacman und mit der Suche von Paketen in AURs ein universeller Paketmanager.

Hinweis: Anders als die offiziellen Repositories unterliegen die Inhalte im Arch User Repository keiner strengen Kontrolle. Während reguläre Arch-Pakete kryptografisch signiert sind, um deren Quelle eindeutig zu verifizieren, ist das bei Inhalten aus dem AUR nicht der Fall. Es gibt keine Garantie, dass die aus einem AUR gebauten Programme technisch einwandfrei sind. Immerhin gibt es aber als Kontrollinstanz ein Bewertungssystem anderer engagierter Arch-Anwender für Softwarepakete im Arch User Repository. Schon allein deshalb möchte die Arch-Gemeinde den Zugriff auf diese potenziell riskanten Softwarequellen eigentlich nicht zu einfach machen und verzichtet darauf, das Tool Yaourt in fertiger Form auszuliefern.

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Mit Yaourt fremde Pakete laden

Mit dem Arch User Repository (AUR) kann Software aus dem Quellcode gebaut werden.
Vergrößern Mit dem Arch User Repository (AUR) kann Software aus dem Quellcode gebaut werden.

Im Arch-Abkömmling Manjaro ist Yaourt bereits vorinstalliert und in der Kommandozeile einsatzbereit. Ein unverändertes Original-Arch-System kennt das Tool und auch das Paket aber zunächst nicht. In diesem Fall ist die erste Einrichtung mit etwas mehr Aufwand verbunden, denn Yaourt ist selbst in einem AUR verfügbar und muss erst von Github im Quellcode bezogen und kompiliert werden. Für Ungeduldige gibt es aber ein fertiges Paket im Repository http://repo.archlinux.fr .

Um diese Quelle zu nutzen, öffnet man die Datei „/etc/pacman.conf“ mit root-Privilegien in einem Texteditor und fügt ganz am Ende diese drei Zeilen ein:

[archlinuxfr]  SigLevel = Never  Server = http://repo.archlinux.fr/$arch  

Jetzt kann der Terminalbefehl

pacman -Syu yaourt  

Yaourt installieren. Die Syntax des Tools ist mit jener von pacman identisch. Die Eingabe von

yaourt -Ss [Begriff]  

sucht ein Paket anhand des Suchbegriffs. Dabei listet Yaourt immer erst die Treffer aus den offiziellen Arch-Repositories auf (falls vorhanden) und sucht erst dann im Arch User Repository. Besonders interessant bei den Treffern aus dem AUR ist die angezeigte Zahl dahinter, denn diese gibt die positiven Bewertungen an, die ein Paket von anderen Anwendern bekommen hat. Je höher diese Zahl ausfällt, desto vertrauenswürdiger ist ein Paket. Meist gibt es zu einer Suche mehrere Treffer und man sollte stets jenen mit der besten Wertung auswählen.

Die Installation mittels

yaourt -S [Paketname]  

läuft nicht geradlinig durch wie mit Pacman, denn das gewünschte Paket muss ja erst noch kompiliert werden:

Der optionale Paketmanager Yaourt findet Pakete in den Arch User Repositories.
Vergrößern Der optionale Paketmanager Yaourt findet Pakete in den Arch User Repositories.

1. Yaourt lädt für das gewünschte Paket die Bauanleitung PKGBUILD herunter und fragt nach, ob der Anwender diese nachbearbeiten will. Diese Nachfrage kann man in der Regel verneinen.

2. Nun überprüft Yaourt, ob alle benötigten Abhängigkeiten vorhanden sind, und zeigt in einer Liste, welche anderen Pakete als Voraussetzung mitinstalliert werden. Dieser Schritt wartet auf eine Bestätigung.

3. Bevor es mit dem Download und dem Kompilieren losgeht, zeigt eine Übersicht an, welche Pakete nun insgesamt auf das System geholt werden und wie viel Platz sie benötigen. Es empfiehlt sich, hier immer genau nachzusehen, damit man sich keinen Rattenschwanz an Abhängigkeiten auf das System zieht.

4. Yaourt fragt ein letztes Mal nach, ob es mit der Installation des Pakets fortfahren soll, beginnt dann mit dem Download des Quellcodes und dem Kompilieren. Falls weitere Pakete als Abhängigkeit ebenfalls aus einem AUR bezogen werden, erledigt das Tool alle diese Schritte nacheinander, fordert aber vor jedem Kompilierdurchgang wieder eine Bestätigung des Systembenutzers.

Front-Ends: Hilfen zum Paketmanagement

Bei Yaourt-GUI handelt es sich um kein grafisches Tool, sondern um ein Kommandozeilenwerkzeug.
Vergrößern Bei Yaourt-GUI handelt es sich um kein grafisches Tool, sondern um ein Kommandozeilenwerkzeug.

Der Paketmanager Pacman in der Kommandozeile hat den Vorteil, sehr schnell zu arbeiten. Trotzdem ist ein grafischer Paketmanager auf einem Desktopsystem natürlich komfortabler. Zwar liegt der Schwerpunkt von Arch nicht bei grafischen Hilfen zur Administration, aber zwei bequeme Programme zur Suche, Auswahl und Installation von Programmen in den Paketquellen gibt es dennoch.

Pamac: Dieser grafische Paketmanager ist durch die Arch-Variante Antergos bekannt geworden und dort bereits vorinstalliert. Pamac ist mit Synaptic unter Debian/Ubuntu vergleichbar und erlaubt die Suche und Auswahl von Programmen aus den regulären Paketquellen.

In Arch und seinen Varianten ist das Tool mittels des Kommandos

yaourt -S pamac  

schnell nachinstalliert.
Yaourt-GUI: Der Namenzusatz „GUI“ dieses Paketmanagers speziell für AURs ist irreführend, denn es handelt sich um keine grafische Anwendung. Dieses Programm arbeitet in der Kommandozeile und stellt ein textbasiertes Menü bereit, um Pakete zu finden und zu installieren oder um alle Pakete aus externen Repositories auf dem System zu aktualisieren. Es ist mittels

yaourt -S yaourt-gui  

aus einem AUR installiert und wird dann mit yaourt-gui aufgerufen. Die Steuerung erfolgt über die Eingabe der Nummer des gewünschten Menüpunkts.

Pro und Contra: Arch Linux

+ schnelles, schlankes, flexibles Linux-System mit neuesten Paketen
+ sehr detaillierte und kompetente Dokumentationen unter https://wiki.archlinux.org und https://wiki.archlinux.de
+ kann als Rolling Release jahrelang allein über den Paketmanager aktuell bleiben

– anspruchsvolle, manuelle Installation bei einem puren Arch-System
– Arch-Systeme verlangen relativ häufig Paketupdates
– eignet sich aufgrund der häufigen Updates weniger gut als Serversystem

Manjaro stammt von Arch Linux ab, hat aber das Ziel, einen sanfteren Einstieg zu bereiten.
Vergrößern Manjaro stammt von Arch Linux ab, hat aber das Ziel, einen sanfteren Einstieg zu bereiten.

Arch – Antergos – Manjaro: Die meisten Linux-Distributoren möchten es dem Anwender so leicht wie möglich machen: Livesystem booten, Installer ausführen, fertig. Welche Software dabei auf den PC gelangt und wie die Konfiguration genau aussieht, kann der angehende Anwender dabei zwar selbst bestimmen, aber die Distribution liefert eine vorbereitete Standardkonfiguration und erledigt eine Menge Arbeiten zur Einrichtung des Systems weitgehend selbständig im Hintergrund. Der Installationsprozess eines Ubuntu-Systems oder von Debian, Fedora oder Open Suse besteht aus einer Unmenge von Scripts, die dem Anwender so viele Schritte wie möglich abnehmen.

Arch Linux ist dagegen ein echtes Do-it-yourself-System. Der Arch-Anwender ist in der Regel ein Linux-Experte und installiert das System mittels Standardtools auf der Kommandozeile genau so, wie er es möchte. Arch-Adepten nennen diesen puristischen Ansatz „The Arch Way“. Wer das lieber nicht möchte, weil für die Einarbeitung in die Details von Arch weder genügend Zeit noch ausreichend Interesse vorhanden ist, kommt auch nicht zu kurz.

Es gibt mittlerweile Arch-Varianten wie https://antergos.com , die für die Installation kein Linux-Expertenwissen verlangen.

Antergos liegt als startfähiges Livesystem mit einem grafischen Installationsprogramm vor, das jenem von Ubuntu ähnlich ist. Noch weiter vom puren Arch entfernt ist die Distribution Manjaro , das zwar auch mit Arch-Paketen gebaut ist, diese aber aus eigenen Repositories schöpft. Die Macher von Manjaro hoffen, damit einige raue Kanten zu beseitigen und noch ein Stück einsteigerfreundlicher zu sein.

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