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Paketverwaltungen im Check - apt vs. apt-get

01.07.2021 | 08:31 Uhr | Thorsten Eggeling

Für die Softwareverwaltung stellt Linux mehrere Tools bereit. Unterschiede gibt es bei der Bedienbarkeit, dem Einsatzbereich und auch zwischen Linux-Distributionen wie Ubuntu und Linux Mint.

Die zentrale Paketverwaltung ist eins der wichtigsten Merkmale von Linux-Distributionen. Darüber lässt sich neue Software schnell und sicher installieren und außerdem aktuell halten. Debian, Ubuntu, Linux Mint verwenden das gleiche Paketformat und unter diesen Systemen stehen die dieselben Tools für die Paketverwaltung zur Verfügung. Davon gibt es mehrere, die Sie je nach Einsatzzweck oder Vorliebe verwenden. Zwischen den Systemen gibt es allerdings kleine Unterschiede, die man kennen sollte.

Paketverwaltung für die grafische Oberfläche

Die meisten Benutzer werden eine Paketverwaltung für die grafische Oberfläche bevorzugen. Bei Ubuntu ist dafür der Starter „Ubuntu Software“ in der Leiste am Bildschirmrand prominent platziert, bei Debian nennt sich das schlicht „Software“ und Nutzer von Linux Mint gehen im Menü auf „Systemverwaltung –› Anwendungsverwaltung“. Man kann in den Kategorien stöbern, sich Screenshots ansehen und findet meist ausführliche Beschreibungen sowie Bewertungen anderer Benutzer. Bei Ubuntu und Debian lassen sich über das Softwaretool auch Updates installieren, bei Linux Mint müssen Sie dafür hingegen „Systemverwaltung –› Aktualisierungsverwaltung“ aufrufen.

Paketverwaltung auf der Kommandozeile

Die zuvor genannten Programme für die Softwareinstallation sind zwar klickkomfortabel, bieten aber nicht alle verfügbaren Softwarepakete an. Fortgeschrittene greifen daher zum Tool apt-get im Terminal. Es ermöglicht die Installation mehrerer Pakete in einem Rutsch. So installieren etwa nur zwei Befehlszeilen 

sudo apt-get update 
sudo apt-get install apache2 libapache2-mod-php php php-mysql mysql-server 

den Webserver Apache, PHP und den Datenbankserver My SQL. Die erste Zeile aktualisiert die Paketdatenbank und sollte vor jeder Verwendung von apt-get ausgeführt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass die lokale Paketdatenbank veraltete Informationen enthält und eine bestimmte Paketversion nicht mehr installierbar ist. Für den Einsatz von apt-get muss man allerdings die Bezeichnungen der Pakete kennen. Was man für einen bestimmten Zweck benötigt, erfährt man beispielsweise auf Websites wie https://wiki.ubuntuusers.de .

Mit den beiden Zeilen 

sudo apt-get update
sudo apt-get upgrade

aktualisiert man alle installierten Pakete. 

Apt oder apt-get verwenden?

Paketdatenbank aktualisieren: Vor jeder Verwendung von apt oder apt-get sollte „sudo apt update“ erfolgen. Das stellt sicher, dass sich die aktuellsten Paketversionen installieren lassen.
Vergrößern Paketdatenbank aktualisieren: Vor jeder Verwendung von apt oder apt-get sollte „sudo apt update“ erfolgen. Das stellt sicher, dass sich die aktuellsten Paketversionen installieren lassen.

Apt-get bietet einige Optionen, die viele Anwender eher selten oder sogar nie verwenden. Die Ubuntu/Debian-Entwickler haben daher das Tool apt bereitgestellt, das praxisnähere Funktionen anbietet. Optionen wie „apt update“, „apt upgrade“ oder „apt install“ arbeiten wie bei apt-get beschrieben. Beim alltäglichen Gebrauch empfiehlt es sich daher, apt statt apt-get zu verwenden. Im Ergebnis zeigt sich kein Unterschied, Sie sparen sich aber unnötigen Tippaufwand. 

Apt bietet zusätzlich beispielsweise „search“ für die Suche nach Begriffen in den Paketbeschreibungen sowie „list“ für die Auflistung von Paketen nach bestimmten Kriterien. Mit 

apt list libreo*

lässt sich beispielsweise ermitteln, welche Libre-Office-Pakete in welcher Version installiert sind. apt bündelt damit Funktionen, für die man in älteren Ubuntu-Versionen „apt-cache search [Paketname]“ und „dpkgquery --list [Paketname]“ verwenden musste, was aber auch weiterhin möglich ist.

Den Entwicklern von Linux Mint war apt-get offenbar zu funktionsarm und sie sind den gegenteiligen Weg gegangen. Das Tool apt liegt unter „/usr/local/bin“ und ist ein Python-Script. Wer im Terminal apt ohne Parameter aufruft, erhält eine lange Liste mit möglichen Kommandos. „update“, „upgrade“ oder „install“ arbeiten auch hier wie bei apt-get. Dazu gibt es wie bei Ubuntu beispielsweise „search“ und „list“. Weitere Suchfunktionen sind „contains“ für die Suche nach Paketen, die eine bestimmte Datei enthalten, und „content“ für eine Liste mit Dateien, die in einem Paket enthalten sind. Die Option „add-repository“ hilft bei der Erweiterung der Paketlisten um ein PPA. Wer beispielsweise eine aktuelle Version des Videoeditors Openshot installieren möchte, verwendet diese drei Befehlszeilen: 

sudo apt add-repository ppa:openshot.developers/ppa
sudo apt update
sudo apt install openshot-qt

Das Gleiche lässt sich wie bei Ubuntu auch mit dem eigenständigen Tool apt-add-repository erreichen. Ziel der Mint-Entwickler war aber, möglichst viele Funktionen für die Paketverwaltung in einem Tool bereitzustellen.

Heruntergeladene DEB-Pakete installieren

Mehr Funktionen: Apt dient unter Linux Mint als Wrapper für mehrere Werkzeuge. Es bietet daher zahlreiche Optionen, für die Ubuntu-Nutzer andere Tools verwenden müssen.
Vergrößern Mehr Funktionen: Apt dient unter Linux Mint als Wrapper für mehrere Werkzeuge. Es bietet daher zahlreiche Optionen, für die Ubuntu-Nutzer andere Tools verwenden müssen.

Das Tool apt kann nicht nur Pakete aus den Paketquellen, sondern auch heruntergeladene DEB-Dateien direkt installieren. Wer beispielsweise Google Chrome über in den Ordner „~/Downloads“ herunterlädt, kann den Browser im Terminal mit 

cd ~/Downloads 
sudo apt install ./google-chromestable_current_amd64.deb

einrichten. Vor der DEB-Datei muss eine Pfadangabe wie „./“ (aktuelles Verzeichnis), „~/Downloads“ oder ein anderer absoluter Pfad stehen, damit apt zwischen einem Paket- und Dateinamen unterscheiden kann. apt-get bietet bei aktuellen Linux-Distributionen wie Ubuntu 20.04 oder Linux Mint 20 die gleiche Funktion.

Nutzer von Linux Mint können außerdem eine Befehlszeile wie

sudo apt dep google-chrome-stable_current_amd64.deb

verwenden. Eine Pfadangabe ist hier nicht nötig. Dabei handelt es sich um einen Wrapper für „dpkg --install [deb-Datei]“. Dpkg ist der eigentliche Paketverwalter von Ubuntu, Linux Mint und Debian, der von apt, apt-get oder den grafischen Front-Ends aufgerufen wird.

Allerdings kann dpkg Paketabhängigkeiten nicht automatisch auflösen, weshalb in der Regel die beiden Befehlszeilen

sudo dpkg --install [deb-Datei] 
sudo apt install -f

erforderlich sind, um auch die Abhängigkeiten zu installieren. Nach Verwendung von „sudo apt dep [Dateiname]“ müssen Sie meist ebenfalls „sudo apt install -f“ aufrufen, damit die Installation komplettiert wird. Es ist daher logischer, immer „sudo apt install [Pfad/ dep-Datei]“ zu verwenden, wobei eventuelle Abhängigkeiten stets automatisch ermittelt und installiert werden.

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