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Apple Pay: Darum sind Sparkassen und VR-Banken nicht dabei

12.12.2018 | 10:22 Uhr |

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband hat gestern auf die Kritik der Nutzer reagiert. Ob sich die Kunden damit zufrieden geben?

Die Hoffnung vieler Kunden der Sparkassen, bald auch mit Apple Pay bezahlen zu können, hat einen Dämpfer erhalten. In einer gestern veröffentlichten Pressemitteilung hat der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) zwar Gespräche mit Apple bestätigt, wie man das mobile Bezahlen auch für "Nutzer von Apple-Endgeräten" herstellen kann – mit Android-Smartphones können Girocard-Besitzer und solche von den Sparkassen herausgegebener Kreditkarten bereits seit Juli 2018 mobil bezahlen.

Doch einer Forderung des Verbandes wird Apple kaum nachgehen und seine NFC-Schnittstellen nicht öffnen. Denn das will der DSGV, NFC auf den iPhones und Apple Watches mit der eigenen Lösung nutzen. Das genau lehnt Apple aus Sicherheitsgründen ab, wie uns das Unternehmen gestern auf der Veranstaltung in der Allianz Arena näher erläuterte.

Nur, wenn Hardware, Software und Service aus einer Hand kämen, könne man die erforderliche Sicherheit garantieren, Apple Pay werde es daher nicht auf anderen Endgeräten geben – und umgekehrt dann auch nicht den Zugriff anderer Services auf Hardware und Software.

Der Sparkassenverband mahnt zudem an, Apple müsse es ermöglichen, Girocards als Zahlungsmittel in Apple Pay zu hinterlegen. Genau das ist aber Sache der Banken, welche Arten von Karten sie für welchen Kundenkreis für Apple Pay anbieten, erklärten uns gestern Vertreter beteiligter Institute, eine Kreditkarte ist dabei nicht zwingend notwendig – und auch nicht die Freigabe aller ausgegebenen Karten. So bieten etwa Online-Banken wie Boon oder bunq digitale Debitcards an, die man per SEPA-Überweisung oder Kreditkarte aufladen kann.Technisch wäre es für Sparkassen und VR-Banken ja auch kein Problem, ihre Kreditkarten für Apple Pay freizugeben.

Der Hintergrund des Konflikts dürfte ein anderer sein: Den Sparkassen sind die von Apple geforderten Lizenzgebühren wohl zu hoch. So schaffen sich die Sparkassen aber die Gefahr, einen Technik-begeisterten Kundenkreis zu vergraulen, der zu Online-Banken wie N26 oder Instituten wie der Hypovereinsbank oder Comdirect (mit kostenloser VISA-Card) wechseln könnte.

In sozialen Medien kocht derzeit die Kritik an den Sparkassen hoch , die Apple Pay fordernde Kunden derzeit nur vertrösten können. Der Ausgang der Verhandlungen ist offen – und vor allem davon abhängig, wie schnell Apple Pay in Deutschland angenommen wird.

Unsere Meinung: Die Süddeutsche Zeitung wirft in einem Kommentar Apple vor, die Sparkassen und VR-Banken nicht verstanden zu haben. Umgekehrt liest sich der Einwurf des DSGV so, als hätte dieser Apple Pay nicht verstanden. Es ist aber das Gegenteil richtig. Die Unternehmen und Unternehmensgruppen haben einander sehr wohl verstanden. Es geht um nichts weiter als um die Kontrolle des Geschäfts, Apple will mit Apple Pay Geld verdienen und Sparkassen wie VR-Banken dieses Business nicht aufgeben. Dass Apple Pay überhaupt an den Start gegangen ist, zeigt ja, dass es Möglichkeiten der Verständigung zwischen Banken und Apple gibt.

Es wird letztlich Abwägungssache sein: Wenn Apple Pay schon in kurzer Zeit hohe Akzeptanz erlangt, werden Sparkassen und VR-Banken einen Teil ihres Widerstands aufgeben müssen, um nicht zu viele Kunden an die Konkurrenz zu verlieren. Wenn das kontaktlose  Bezahlen mit dem iPhone im Bargeldland Deutschland nicht so wie erhofft anläuft, wird Apple auf die beiden großen Verbände zugehen müssen.

Das Potential für kontaktlose Zahlungen ist indes groß: Von den in Deutschland aufgestellten 800.000 Terminals sind bereits rund 60 Prozent auf NFC eingestellt und bereit, Girocards, Android-Hadys und Apple Watches als Zahlungsübermittler zu bedienen. Ganz so weit wie in Schweden oder den Niederlanden, wo bereits heute 90 Prozent aller Bezahlvorgänge bargeldlos vonstatten gehen, ist man hierzulande nicht. Das war aber nur ein Grund, warum Apple Pay so lange hat auf sich warten lassen. Die komplexe Bankenstruktur hat ihren Gutteil dazu beigetragen, ein weiterer Grund dürfte vor allem auch ein Disput über Gebühren und Lizenzen gewesen sein, der noch nicht zu Ende geführt ist.

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