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Anleitung: Raspbian mit Nextcloud inklusive

01.02.2018 | 10:10 Uhr |

Die Nextcloud ist ein komplexer Server für Freigaben, Fotogalerien, Medienwiedergabe, Datensynchronisierung, Kollaboration, Kontakte, Kalender. Da ist es hochwillkommen, dass Images für den Raspberry die Nextcloud-Installation schon mitbringen.

Eine Nextcloud-Instanz lässt sich theoretisch auf wenige wesentliche Basisfunktionen reduzieren und damit relativ einfach verwalten. Die Regel ist das aber nicht, und je nach Menge der aktiven Appmodule und berechtigten Nutzer wird die Administration schnell komplex. Bevor man überhaupt in der Nextcloud-Oberfläche produktiv loslegen kann, steht erst noch die Installation und Einrichtung einer kompletten Lamp-Umgebung an (Linux, Apache, My SQL, PHP). Doch dank der Popularität der Nextcloud ist diese Basis für Neueinsteiger auf dem Raspberry Pi mittlerweile ganz schnell gelegt: Es gibt Images für den Raspberry Pi 3 , die eine sofort lauffähige Nextcloud enthalten.

Download, Image schreiben und starten

Nach unserer Kenntnis gibt es zwei Raspberry-Images mit integrierter Nextcloud – das eine auf Basis von Ubuntu Core, das zweite auf Basis von Raspbian. Da wir mit dem Ubuntu-Image von nextcloud.com erhebliche technische Probleme hatten, geht es nachfolgend ausschließlich um das Projekt Nextcloudpi von https://ownyourbits.com , das Nextcloud 12 auf einem Raspbian 9 („Stretch“) mitbringt. Downloadlinks des 800-MB-Images finden Sie auf besagter Website unter „Get it“, darunter auch technische Hilfestellungen zur weiteren Vorgehensweise.

Achtung – der Server blockt bei häufigerem Zugriff offenbar die IP für einige Zeit, um sich vor Überlastung zu schützen. Nehmen Sie gegebenenfalls eine Wartefrist in Kauf, nach der Sie wieder zugreifen dürfen. Das Image ist „tar.bz2“-gepackt und mit der Archivverwaltung unter Linux schnell ausgepackt. Unter Windows eignet sich dafür das Open-Source-Programm 7-Zip , das nicht zum Standardrepertoire gehört und im Bedarfsfall erst nachinstalliert werden muss. Resultat ist eine Imagedatei „NextCloudPi-[version].img“. Diese schreiben Sie dann mit den üblichen Mitteln auf eine SD-Karte – mit Etcher unter allen Betriebssystemen, mit dd unter Linux oder Mac-OS

sudo dd if=NextCloudPi-[…].img of=/dev/sd[x]1 bs=1M  

oder auch mit dem Win 32 Disk Imager unter Windows.

Im Prinzip ist die Nextcloud nach Einlegen der SD-Karte in den Raspberry und Booten desselben sofort konfigurationsbereit. Sie benötigen nur die IP-Adresse des Raspberry im Adressfeld eines beliebigen Browsers im lokalen Netz. Ein zuverlässiger Weg, die IP-Adresse herauszufinden, ist immer der Gang zum Router. Dort sollte ein neues Gerät mit dem Namen „nextcloudpi“ auftauchen. Am besten legen Sie an dieser Stelle gleich eine feststehende IP für den Nextcloud-Server fest. Hatte der Raspberry schon vorher eine Serverrolle mit fester IP, so bleibt diese weiterbestehen, weil sich an der maßgeblichen Hardwareadresse des Netzadapters durch das neue Raspbian- Nextcloud-System nichts ändert.

Raspbian: Das kann das OS für den Raspberry Pi

Die Log-in-Varianten zum Server

1. Die Nextcloud-Oberfläche ist, wie beschrieben, sofort nach dem ersten Start unter der lokalen IP-Adresse erreichbar. Der Browser wird eine „unsichere“ Verbindung monieren, was Sie je nach Browser über „Erweitert“ oder „Details“ im lokalen Netz ignorieren bzw. als Ausnahme erlauben können. Die Anmeldung erfolgt mit dem Konto „admin“ und dem vorgegebenen Standardpasswort „ownyourbits“.

2. Bei einem direkten Log-in am System mit Monitor und Tastatur benötigen Sie als Zugangsdaten das Standardsystemkonto „pi“ mit dem Standardpasswort „raspberry“. Eine kleine Hürde auf deutscher Tastatur ist hier die Tatsache, dass Sie als Passwort „raspberrz“ eingeben müssen, da das System von der englischen Tastaturbelegung ausgeht.  Zumindest für die allererste Basiskonfiguration empfiehlt sich der lokale Zugang mit Monitor und Tastatur – aus mehreren Gründen. Jüngeres Raspbian hat nämlich ab Start aus Sicherheitsgründen den SSH-Server zunächst deaktiviert, und in der Nextcloud-Oberfläche ist dies nicht zu korrigieren. Starten Sie daher nach lokaler Anmeldung mit

sudo raspi-config  

das Konfigurationstool. Unter Punkt 5 „Interfacing Options“ finden Sie als zweiten Eintrag „SSH“, das sich einfach durch Markieren und Eingabetaste dauerhaft einschalten lässt.

Schon einmal das Tool raspi-config vor sich, lassen sich hier die üblichen Standards erledigen: So ist unter Punkt 7 „Advanced Options“ das Ausdehnen des Dateisystems auf die gesamte SD-Karten-Kapazität zu empfehlen, ferner die Lokalisierung auf Deutsch, ein individuelles Passwort für den Standarduser „pi“ oder ein spezieller Hostname. Mit nun aktiviertem SSH ist das alles aber jederzeit auch über Netz nachzuholen. Der für die Nextcloud-Konfiguration entscheidende Punkt in raspi-config ist der allererste „0 NextCloudPi Configuration“. Hier können Sie per SSH oder direkt am Server exakt jene Einstellungen treffen, die auch über den nachfolgenden Punkt 3 per Browser erreichbar sind.

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3. Auf Port 4443 der Raspberry-IP – also insgesamt etwa mit einer Adresse wie „https://192.168.178.10:4443“ – ist zusätzlich das NextCloudPi Panel erreichbar. Es handelt sich um das grafische Konfigurations- Front-End für die zentrale Datei „config. php“, das mit den Authentifizierungsdaten eines Systemkontos betreten werden kann – also mit „pi“ und Kennwort „raspberry“, solange nichts anderes definiert ist. Inhaltlich entspricht das exakt dem Punkt „0 NextCloudPi Configuration“ im Tool raspi- config. Hier können Sie fundamentale Einstellungen festlegen, so etwa das „ncdatadir“ verlegen auf eine große USB-Festplatte (mit Ext4-Formatierung) unter „/media“, ferner die Dyn-DNS-Adresse festlegen („freeDNS“) oder die maximale Dateigröße der Uploads bestimmen („nc-limits“). Notfalls lässt sich hier auch eine komplette Installation auf die Standards zurücksetzen („ncinit“). Die knappen und englischsprachigen Erläuterungen in dieser Schaltzentrale sollten äußerst sorgfältig gelesen werden. Immerhin ist die Webvariante etwas gesprächiger als das spartanische raspi-config. Wer sich bei einer Einstellung nicht sicher ist, sollte sich genau informieren und im Zweifel besser Abstand nehmen. Wer weiß, was er tut, hat hier aber ein sehr komfortables Werkzeug an der Hand.

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