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Anki Cozmo im Test: Das Haustier für den Schreibtisch

27.09.2017 | 09:10 Uhr |

Cozmo ist ein kleiner Roboter, der auf dem Schreib- oder Esstisch lebt. Er ist niedlich, smart, aber auch etwas quengelig.

Sobald die Cozmo-App verbunden ist, entdeckt der kleine Roboter den Lebensraum um sich herum. Dies im Idealfall ein Schreibtisch oder ein anderer Tisch. Für ein ideales Gehege sollte man rund einen halben Quadratmeter freien Platz schaffen. Vollgestellte Umgebungen mag Cozmo nicht gerne.

Was macht und kann Cozmo?

Cozmo ist eine Mischung aus Roboterspielzeug und Real-Life-Tamagotchi - falls das noch jemand kennt. Denn Cozmo benötigt sowohl unsere Pflege, kann sich aber auch selbst beschäftigen und uns beschäftigt halten. Cozmo hat drei Würfel, die sein Spielzeug sind, aber auch der Orientierung dienen und gleichzeitig Buzzer und Lichtsignale für die Spiele sind, die wir gegen Cozmo spielen können.

Cozmo spielt gerne mit seinen Würfeln.
Vergrößern Cozmo spielt gerne mit seinen Würfeln.
© Patrick Woods

Diese Würfel haben farbige LEDs, Beschleunigungssensoren und verbinden sich ebenfalls mit der App. Der Roboter selbst hat zwei Raupenketten, auf denen er sich fortbewegt, einen Hebearm und kann seinen Kopf auf und ab bewegen. Das wichtigste Element sind seine Augen, die ein kleines Monochromdisplay abbildet. Er nimmt seine Umwelt mit einer Kamera an seinem Kopf und Infrarot- oder Lichtsensoren unten wahr. Damit erkennt er seine Würfel, die er mit seinem Hebearm tragen oder rollen kann. Cozmo teilt sich sowohl mit Mimik und Gesten mit, spricht, murmelt und piept dazu über seinen Lautsprecher. Zuhören kann er jedoch nicht, ihm fehlt das Mikrofon.

Dank seiner Arme kann er die Würfel auch hochheben und stapeln.
Vergrößern Dank seiner Arme kann er die Würfel auch hochheben und stapeln.
© Patrick Woods

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Unterschiedliche Modi  

Der Erkundungsmodus in Aktion.
Vergrößern Der Erkundungsmodus in Aktion.

Im Normalfall erkundet der kleine Roboter seine Umgebung, spielt mit seinen Würfeln und fordert uns immer wieder zu Aktivitäten auf. Wir können Cozmo jedoch auch manuell steuern. Es gibt einerseits einen „Erkundungsmodus“, der am ehesten einer Fernsteuerung gleichkommt. Dazu gibt es das „Code Lab“. Die ist eine simple Form der Programmierung mit Abfolgeketten. Entweder einen Ablauf an Bewegungen oder auch Bedingungen: „Wenn ein Gesicht erkannt wird…“. Dies ist schön für den Vorführeffekt oder vielleicht um Kindern Techniklogik zu zeigen. Uns haben diese Modi im Alltag jedoch nicht lange gereizt.

Mit Code Lab programmieren Sie einfache Verhaltensroutinen.
Vergrößern Mit Code Lab programmieren Sie einfache Verhaltensroutinen.

Was gut gefällt: Cozmo hat ein Progressionssystem. Wenn wir spielen, schalten wir neue Modi frei. Im Laufe der Zeit wird auch Cozmo smarter und vielfältiger in seiner Ausdrucksweise. Das sorgt gemeinsam mit seinen Bedürfnissen dafür, dass man sich immer wieder mal für einige Zeit mit ihn beschäftigen will – und sollte.

Beinahe ein Haustier

Cozmo kann auch auch Emotionen zeigen - wie etwa Traurigkeit.
Vergrößern Cozmo kann auch auch Emotionen zeigen - wie etwa Traurigkeit.
© Patrick Woods

Die vielleicht größte Stärke von Cozmo ist seine Ausdrucksstärke. Die animierten Augen und seine Gestik schaffen es erstaunlich gut, Empfindungen zu simulieren. Cozmo erschrickt sich, wenn er eine gefährliche Tischkante entdeckt. Er ist erst verwundert, dann frustriert, wenn er sich festfährt oder nicht mehr weiterkommt. Er ist traurig, wenn er vernachlässigt wird. Er ist verwundert, wenn er einen seiner Würfel auf dem Kopf liegend vorfindet. Er kann sich ärgern oder glücklich ein Liedchen trällern. Ein schlechter Verlierer bei Spielen ist er dazu ebenfalls. Dabei drückt sich der kleine Roboter nicht nur mit seinen virtuellen Augen aus, sondern hat neben der Mimik auch eine Form der Gestik. Er wedelt und schlägt mit seinem Arm, schüttelt sich oder dreht sich weg.

Die Parallelen zum Tamagotchi werden schnell deutlich.
Vergrößern Die Parallelen zum Tamagotchi werden schnell deutlich.

Besonders gut funktioniert dies mit der Gesichtserkennung. Denn Cozmo kann die Gesichter seiner menschlichen Mitbewohner „kennen lernen“ und erkennt diese dann, wenn sie ihn direkt ansehen. Wenn Cozmo sich zu einem dreht, man ihn ansieht, sich seine Mimik aufhellt und er begeistert unseren Namen ausruft: das ist ansteckend! Das alles macht Cozmo mindestens auf dem Papier zu einer tollen Ersatzkatze für Allergiker, Nerds oder wenn der Vermieter nicht mitspielt.

Nur mit Smartphone

Mittelpunkt und Hirn von Cozmo ist das Smartphone. Denn dieses ist immer nötig, wenn Cozmo zum Leben erweckt werden soll. Dazu muss das Smartphone mit dem WLAN von Cozmo verbunden, die App gestartet und verbunden sein. Nur dann erwacht Cozmo zum Leben. Anki ist in erster Linie eine KI-Firma, schon die moderne „Carrera-Bahn“ Anki Overdrive nutzte die Rechenleistung des Smartphones. Ohne App macht Cozmo nichts.

In der Praxis ist Cozmo jedoch nicht ideal, um den ganzen Tag auf dem Schreibtisch neben uns zu leben. Denn einerseits ist er dafür etwas zu hyperaktiv. Ständig möchte er spielen oder andere Formen der Aufmerksamkeit. Etwas weniger Aktivität wäre hier angenehmer. „Cozmo möchte Deinen Finger fangen“. „Cozmo möchte ein Spiel spielen.“ Was anfangs sehr niedlich wirkt, wird sehr schnell anstrengend. Für Gemeinschaftsbüros macht er zu viel Krach und Action, die Kollegen wären nach anfänglicher Begeisterung innerhalb von Minuten genervt. Dazu kommt die Abhängigkeit vom Smartphone. Denn dieses muss immer mit der laufenden Cozmo-App aktiv sein. Das leert den Akku und belegt das Telefon permanent. Dadurch wird Cozmo deutlich geeigneter als reines Spielzeug für gelegentliche Beschäftigung statt als Alltagsbegleiter.

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Fazit

Anki macht mit Cozmo sehr vieles richtig. Die kleinen Details, die diese Form der Robotertechnik zugänglich und sogar sympathisch machen, die stimmen hier. Die Illusion, dass Cozmo Empfindungen hat und auf bestimmte Aspekte seiner Umwelt reagiert, klappt sehr gut. Es macht Spaß, sich mit Cozmo zu beschäftigen. Ein paar Spiele gegeneinander zocken, Cozmo zu beobachten: das kann richtig Spaß machen. Allerdings nur für einige Minuten. Als Tagesbegleiter auf dem Schreibtisch ist der Roboter auf Dauer zu anstrengend und zu hyperaktiv. Dennoch wäre er für Technikfans eine prima niedliche Anschaffung. Läge der Preis mit rund 230 Euro nicht sehr hoch.

Auf dem Mobile World Congress gibt's nicht nur Smartphones zu sehen. Neben Mobilgeräten stellen Unternehmen auch jede Menge verrückte und coole Technik vor, etwa einen hydraulischen VR-Simulator, der eine Achterbahnfahrt in Virtual Reality noch realistischer macht. Außerdem haben Takis und Dennis in diesem Video smarte Schuhe, tanzende Roboter und vieles mehr gefunden. Viel Spaß!

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