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Android Auto: So vernetzen Sie sich mit dem PKW

19.11.2018 | 14:06 Uhr | Hans-Christian Dirscherl, Verena Ottmann

Android Auto ist Googles Lösung zur Integration von Android-Smartphones in das Infotainmentsystem eines modernen PKW. Wir sagen Ihnen, wie Sie das Spezial-Betriebssystem ins Auto bekommen.

Android Auto “ ist eine kostenlose Google-App, die ab Android 5.0 läuft und die eine für den Einsatz im Auto optimierte Darstellung ausgewählter Apps bietet. Die verfügbaren Apps für Android Auto stammen meist aus dem Hause Google, aber auch andere Hersteller haben Ihre Anwendungen für Google Auto angepasst. So sind unter anderem Google Maps, Google Play Music, Telefonie, Spotify oder Pandora für Android Auto verfügbar.

Die Navigation mit Google Maps sowie die Telefonie über das Android-Smartphone dürften die wichtigsten Funktionen von Android Auto sein. Außerdem können Sie sich aus verschiedenen Quellen wie Google Play Music oder Spotify mit Musik und von Stitcher mit Hörbüchern versorgen lassen. Auch die eigene Musiksammlung auf dem Androiden lässt sich durchstöbern, während das Auto steht. Doch dazu später mehr.

Android Auto ist in den Play Stores von über 30 Ländern erhältlich und verdrängt zunehmend das ältere Mirrorlink. Es positioniert sich als Konkurrent zu Carplay, mit dem Apple seine iPhones in das Auto einbindet. Die Bedienung erfolgt durch Tippen auf den Screen, aber auch mündlich über den bekannten Befehl “ Ok Google “.

Tipp: Die besten Android-Apps fürs Auto

Voraussetzung für Android Auto

Android Auto spiegelt den Bildschirminhalt auf dem Infotainmentsystem.
Vergrößern Android Auto spiegelt den Bildschirminhalt auf dem Infotainmentsystem.

War Android Auto in der Version 1.0 noch von der (nachrüstbaren) Kompatibilität des Infotainmentsystems im Auto abhängig, arbeitet Version 2.0 von Android Auto mittlerweile unabhängig davon. Allerdings fällt dann das Spiegeln des Smartphone-Displays auf das (meist größere) Display des Infotainmentsystems weg, und auch der Sound wird nicht über die Lautsprecher des Autos ausgegeben.

Sinnvoll ist der Stand-alone-Betrieb ab Android Auto 2.0 vor allem für Fahrzeuge, die nicht über ein modernes Infotainmentsystem mit Android- Auto-Schnittstelle verfügen, sowie für ältere Fahrzeuge und Oldtimer. Sie setzten dann den Androiden in eine Halterung, befestigen diese an der Windschutzscheibe und starten die „Android Auto“-App. Falls eine Bluetooth-Freisprechanlage im Fahrzeuge verbaut ist, geschieht dies automatisch nach dem Pairing.

Möchten Sie die Funktionen von Android Auto auf dem Smartphone als günstige Nachrüstlösung über das Infotainmentsystem Ihres Autos ausgeben – und unterstützt dies das Fahrzeug –, erfolgt die Verbindung wie bei Carplay und Mirrorlink über das USB-Kabel. Doch aufgepasst: Bluetooth ist trotz USB-Verbindung zusätzlich zwingend erforderlich! Der Grund: Android Auto nutzt Bluetooth für die Telefonie, genauer gesagt: das Hands-free-Profil HFP. Alle anderen Funktionen wie die Übertragung von Bildern und Videos, Bedienevents oder auch alle Audiodaten (außer eben Telefonie) wie der Mikrofon-Input für den Google Assistant laufen dagegen über das USB-Kabel. Eine kabellose Verbindung, wie sie Apple für Carplay vorgestellt hat, ist bei Android Auto derzeit nicht möglich. Bei Audi laufen allerdings bereits die Vorbereitungen für Wireless Android Auto. Einen genauen Termin zur Einführung des kabellosen Android Auto konnte uns Audi aber noch nicht sagen.

Verbindung zwischen Android Auto und dem Smartphone

Im Querformat finden Sie die Schaltflächen für Musik, Telefonie und Navigation.
Vergrößern Im Querformat finden Sie die Schaltflächen für Musik, Telefonie und Navigation.

Egal, in welchem Auto Sie sitzen: Android Auto sieht überall gleich aus und funktioniert überall gleich. Sie müssen sich also nicht umstellen, wenn Sie das Auto wechseln, sondern finden immer die gewohnte Bedienoberfläche vor. Android-Anwender finden sich relativ schnell mit Android Auto zurecht, weil sie die von ihrem Android-Smartphone gewohnten Funktionen zur Verfügung haben. Nur wird eben alles etwas größer und vereinfacht dargestellt, um den Fahrer nicht abzulenken. Das ist der wesentliche Vorteil von Android Auto.

Um Ihr Smartphone einzurichten, installieren Sie zuerst die App „Android Auto“. Unterstützt das Infotainmentsystem Ihres Autos Android Auto, müssen Sie die Funktion in dessen Einstellungen aktivieren. Verbinden Sie anschließend das Gerät per USB mit der Infotainmentzentrale Ihres Autos. Vergessen Sie nicht, auf Ihrem Smartphone auch Bluetooth zu aktivieren. Nun sollte die Verbindung hergestellt werden. Sie sehen anschließend den Smartphone-Bildschirm auf dem Infotainmentdisplay, und der Sound wird über die Autolautsprecher ausgegeben.

Außerdem werden die für Android Auto verfügbaren – also von Google zertifizierten – Apps auf den Bildschirm des Fahrzeugs gespiegelt. Android Auto bildet die Schnittstelle zwischen dem Android-Smartphone und dem Infotainmentsystem des PKW. Das Android-Smartphone lässt sich dann aber nicht mehr direkt bedienen. Die Apps von Android Auto auf dem Fahrzeugdisplay haben größere Schaltflächen, unwichtige und störende Elemente sind entfernt, und vor allem steht die Bedienung der Apps durch die Sprachsteuerung und die Sprachausgabe von Google im Mittelpunkt.

Als Navigationslösung ist Google Maps an Bord.
Vergrößern Als Navigationslösung ist Google Maps an Bord.

Den Ton, der zum Beispiel von Musik-Apps oder Webradio kommt, gibt Android Auto über die Pkw-Lautsprecher aus. Der Fahrer bedient Android Auto dann nur noch über den Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts oder per Sprachsteuerung über den Google Assistant. Mit einer wichtigen Ausnahme: Bei den Fahrzeugen der sogenannten Premiumhersteller Audi, BMW, Mercedes-Benz und Lexus ist kein Touchscreen im Hauptbildschirm verbaut. Hier bedient der Fahrer das Bildschirmmenü über den Controller auf der Mittelkonsole, auf dem sich gegebenenfalls ein kleines Touchpad befindet. Das wirkt sich nach unserer Erfahrung negativ auf die Bedienbarkeit von Android Auto aus – Android Auto lässt sich mit Touchscreen einfach besser bedienen.

Teilweise können Sie die Bedienknöpfe und die Lenkradtasten des Wagens verwenden, um Funktionen von Android Auto wie die Google-Sprachsteuerung zu bedienen. Doch im Test klappte das selten.

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Die gesamte Rechenleistung kommt bei Android Auto vom Smartphone, das per USB-Kabel mit dem Infotainmentsystem verbunden ist. Der Akku des Androiden wird darüber während der Fahrt zwar aufgeladen, aber auch ständig beansprucht. Zudem ist auch noch die Bluetooth-Koppelung zwischen Smartphone und Infotainmentsystem für die Telefonie im Einsatz. Neben der Rechenleistung und der Akku-Kapazität des Androiden ist aber auch noch dessen Mobilfunkvertrag gefordert, denn der gesamte Traffic läuft natürlich über das angeschlossene Smartphone.

Möchten Sie Android Auto unabhängig vom Autoradio verwenden, starten Sie die App einfach, nachdem Sie das Smartphone per Halterung im Auto befestigt haben. Bild und Ton laufen dann wie gehabt über Ihr Mobilgerät. Für besseren Sound können Sie für die Audioausgabe auch ein Bluetooth-Headset verwenden, das Sie über „Einstellungen –> Bluetooth“ mit dem Smartphone koppeln.

Android Auto lässt sich auch unabhängig vom Infotainmentsystem des Autos betreiben.
Vergrößern Android Auto lässt sich auch unabhängig vom Infotainmentsystem des Autos betreiben.

Ist alles eingerichtet und verbunden, stehen die großen Schaltflächen auf dem Display, aber auch Sprachbefehle zur Bedienung von Android Auto bereit. Sie starten die Sprachsteuerung über das Mikrofonsymbol rechts oben oder mit dem bekannten Satz „Ok Google“.

Diese Apps sind verfügbar

Wer ein Android-Smartphone zur Navigation verwendet, muss nicht unbedingt Google Maps nutzen. Gerade für Offline-Navigation bieten sich etwa Alternativ-Apps wie „ Here We Go “ oder „ Sygic Car Navigation “ an. Diese Apps speichern ihr gesamtes Kartenmaterial auf dem Androiden, sodass während der Fahrt allenfalls noch Verkehrsinformationen durch die Mobilfunkverbindung rauschen.

Für die Wiedergabe von Musik, Audiobooks und mehr stehen diverse Apps zur Auswahl.
Vergrößern Für die Wiedergabe von Musik, Audiobooks und mehr stehen diverse Apps zur Auswahl.

Für Android Auto gibt Google jedoch keine dieser Navigationsalternativen frei und stellt sein SDK nur wenigen ausgewählten Entwicklern zur Verfügung. Wenn eine App also auf dem Android- Auto-Bildschirm genutzt werden soll, muss Google sie dafür zertifizieren. Sie muss so programmiert sein, dass sie den Autofahrer während der Fahrt nicht ablenkt. Mitunter lässt sich eine für Android Auto freigegebene App auch nur bei stehendem Fahrzeug bedienen. Eine Übersicht der mit Android Auto kompatiblen Apps finden Sie hier . Unter anderem gibt es neben Google Maps noch Google Play Music, Pandora, Spotify, Stitcher, Tune-in Radio, kik, Skype, Whatsapp und ICQ für Android Auto. Der Facebook Messenger ist seit Mitte November ebenfalls kompatibel mit Android Auto. Video-Apps wie Youtube unterstützt Android Auto aus Sicherheitsgründen nicht.

Wichtig: Der Mobilfunkvertrag des gekoppelten Smartphones muss für das Datenvolumen der Android-Auto-Apps ausgelegt sein, weil alle Daten darüber laufen. Damit Android Auto vernünftig funktioniert, ist eine gute Mobilfunkverbindung erforderlich, mindestens UMTS, besser noch LTE. Eventuell kann es also sinnvoll sein, Musik nicht zu streamen, sondern vorher auf das Mobilgerät zu laden.

Die Einstellungen von Android Auto

Sie rufen das Konfigurationsmenü von Android Auto über die drei horizontalen Linien links oben auf. Hier finden Sie Infos zu Android Auto, den Supportbereich, einen Direktlink zum Play Store mit den kompatiblen Apps und die Einstellungen. Darin finden Sie Optionen, mit denen Sie Android Auto an Ihre Bedürfnisse anpassen können. So lässt sich in diesem Menü das WLAN Ihres Mobilgeräts einschränken, um den Akku etwas zu entlasten. Sie können die Sprachsteuerung „Ok Google“ konfigurieren und den Google Assistant anpassen. Auch eine Liste aller verbundenen Fahrzeuge ist einsehbar.

Außerdem können Sie eine Abwesenheitsnachricht wählen, die Anzeige von SMS/MMS an- und ausschalten, den Start von Android Auto sowie die Verwendung von Bluetooth konfigurieren und die Displaydarstellung anpassen (immer an, nur beim Laden an oder den Gerätestandard verwenden).

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Funktionen in der Praxis

Nicht nur der Facebook Messenger, auch Google Hangouts können sie per Sprachbefehl bedienen.
Vergrößern Nicht nur der Facebook Messenger, auch Google Hangouts können sie per Sprachbefehl bedienen.

Android Auto kommt mit einer sehr schlichten Optik, die die Anwender / Fahrer möglichst wenig ablenken oder gar verwirren soll. Der Startbildschirm zeigt die mit Android Auto kompatiblen Apps mit Symbolen an. Zu den wichtigsten Standard-Apps zählen Google Maps als kostenlose und leistungsfähige Navigationslösung mit Echtzeit-Verkehrsinformationen (Pfeilsymbol), die Kommunikations-App für Telefon und SMS (Telefonhörersymbol) und der Musikplayer (Kopfhörersymbol), in dem ein 90 Tage gültiges Testabo von Google Play Music enthalten ist.

Google Maps lotst Sie in der Android-Auto-Version wie schon auf dem Smartphone zuverlässig ans Ziel. Anders als dort weiß Google Maps bei Android Auto dank der Daten vom Radsensor aber auch im Tunnel bei gestörtem GPS-Empfang, wo Sie sich gerade befinden. Und aufgrund der Verkehrslagedaten der zahlreichen Android-Smartphones auf den Straßen sagt Ihnen Google Maps auch ziemlich exakt die Ankunftszeit voraus und warnt während der Fahrt vor Staus und anderen Verkehrsbehinderungen. Ebenso ist eine gute POI-Suche integriert. Suchen Sie beispielsweise nach Tankstellen in Ihrer Umgebung, dann lassen Sie sich direkt dorthin lotsen.

In der Kommunikations-App sehen Sie die zuletzt getätigten Anrufe gleich auf dem Startbildschirm. Über die Einstellungen (drei horizontale Linien) gelangen Sie zur Mailbox, zur Anrufliste und zur Liste der entgangenen Anrufe. Auch das Wählfeld rufen Sie hier auf, alternativ finden Sie einen direkten Zugang dazu auch über die Startseite der Kommunikations-App über den roten Kreis mit den weißen Punkten, oder Sie verwenden einen Sprachbefehl .

Möchten Sie Musik hören, starten Sie über das Kopfhörersymbol den zuletzt verwendeten Musikplayer. Tippen Sie auf erneut auf das Kopfhörersymbol, öffnet sich eine Liste aller verfügbaren Player-Apps, etwa Amazon Music, Audible, Google Play Music, Spotify, VLC und Yatse. Sie finden hier also nicht nur Abspieler für Musik, sondern auch Audiobooks und mehr. Zum Bedienen stehen die üblichen Sprachbefehle zur Verfügung, aber auch das Tippen auf das Display funktioniert dank der großen Schaltflächen gut. Sie können dem Google Assistant sogar per Sprache vorgeben, welche App er verwenden soll.

Mit dem Facebook Messenger können Sie sich eingehende Nachrichten vorlesen lassen und per Sprachbefehl direkt auf diese antworten. Außerdem lässt sich mit einem Fingerdruck eine Standardantwort an den Absender einer Facebook- Messenger-Nachricht verschicken, die diesem mitteilt, dass Sie gerade mit dem Auto unterwegs sind und deshalb nicht chatten können.

Auch die Sprachkommunikation per Hangouts ist möglich, der Startbefehl lautet hier „Ok Google. Hangout an [Name] schicken“. Sie werden anschließend aufgefordert, Ihre Nachricht zu formulieren und zu bestätigen.

Nachrüstlösungen für Android Auto

Nach und nach bringen die ersten Audio- und Entertainment-Zubehör-Hersteller Nachrüstlösungen für Android Auto auf den Markt. Damit kann man das ab Werk im Fahrzeug verbaute Autoradio ersetzen und danach Android Auto nutzen. So hat Sony mit dem XAV-AX200 eine solche Nachrüstlösung im Angebot, die 550 Euro UVP kostet. Das Gerät besitzt ein 6,4 Zoll-Display und löst mit 800 x 480 Pixeln auf. Integriert sind ferner ein Verstärker, der 4x 55 Watt liefert, ein DVD-Player und Anschlüsse für drei Kameras. Eine Sprachsteuerung gibt es ebenfalls. Und auch Kenwood und Pioneer haben diverse Autoradios mit Android Auto im Sortiment.

Nachrüstlösungen für Android Auto
Vergrößern Nachrüstlösungen für Android Auto
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