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Analyse: Amazon zahlt auch 2018 fast keine Steuern

18.02.2019 | 11:48 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Amazon hat auch für das Jahr 2018 keine Steuern auf seine Gewinne gezahlt. Das geht aus einer Analyse hervor.

Amazon wird auf seine Gewinne auch im Jahr 2018 keine Steuerabgaben in den USA zahlen müssen. Das geht aus einer Analyse des Institute on Taxation and Economic Policy (ITEP) hervor, über die auch die Amazon-Chef Jeff Bezos gehörende Washington Post berichtet.

Demnach habe Amazon seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr von 5,6 Milliarden US-Dollar deutlich auf 11,2 Milliarden US-Dollar gesteigert. Dafür müsste das Unternehmen eine Einkommensteuer für Einnahmen in Höhe von 21 Prozent zahlen. Allerdings kommt Amazon in den Genuss diverser Steuerkürzungen und Steuergutschriften. Unter anderem wird dies erreicht, indem Amazon diverse Zahlungen über Aktien abrechnet. Alles legale Schlupflöcher des US-Steuersystem.

Unterm Strich erhält Amazon sogar noch ein paar Millionen US-Dollar zurück, wodurch sich für Amazon rechnerische eine Einkommensteuer von -1 Prozent für das Jahr 2018 ergibt.

Der US-Senator Bernie Sanders schreibt in einem Tweet mit spitzer Feder: "Wenn Sie die Gebühr von 119 US-Dollar gezahlt haben, um Amazon-Prime-Mitglied zu werden, dann haben sie mehr an Amazon gezahlt, als die an Steuern zahlen." Und fügt die Forderung hinzu, dass mit den Steuerkürzungen der oberen 1% endlich Schluss sein müsse.

Ein Amazon-Sprecher verwies in einem Gespräch mit dem US-Sender CNBC darauf, dass Amazon alle Steuern zahle, die von dem Unternehmen gefordert werden. Dazu gehöre auch die Unternehmenssteuer in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar und die gemeldeten 3,4 Milliarden US-Dollar an Steuer-Ausgaben der vergangenen drei Jahre. Für dieses Jahr rechnet Amazon mit Steuerausgaben von etwa 756 Millionen US-Dollar in den USA und anderen Ländern.

US-Präsident Donald Trump hatte in der Vergangenheit oft darüber geklagt, dass Unternehmen wie Amazon nur wenig Steuern in den USA zahlen. Das Amazon jetzt keine Steuern für seinen Gewinn zahlen muss, liegt aber mit an dem von der Trump-Regierung im Jahr 2017 erlassenen neuen Steuergesetz, durch den die Steuerrate auf Einnahmen von 35 Prozent auf 21 Prozent gesenkt wurde, um dadurch die Wirtschaft anzukurbeln. Diese unternehmensfreundlichen Steuervergünstigungen, so schreibt der ITEP, seien der Grund dafür, dass Unternehmen wie Amazon so viele Steuern erspart bleiben. Hinzu käme dann noch eine Vielzahl von Steuerschlupflöchern, die ausgenutzt werden.

So rechnet auch die US-Zeitung The Week vor, dass Amazon zwischen den Jahren 2011 und 2016 unter der Obama-Regierung noch unterm Strich eine Bundeseinkommensteuer in Höhe von 11,4 Prozent gezahlt habe. Mit der aktuellen Regierung habe sich diese Steuer auf -1 Prozent verringert.

Amazon wollte in New York ein neues Hauptquartier errichten und wäre dadurch in den Genuss hoher Steuervergünstigungen im Stadteil Long Island gekommen, die eigentlich für die ärmere Bevölkerung gedacht sind. Aufgrund der dadurch entstandenden öffentlichen Diskussion und der immer größeren politischen Kritik scheiterten die Pläne jedoch. Ende letzter Woche rückte Amazon von seinen New-York-Plänen offiziell ab.

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