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AMD Ryzen Threadripper im Test: Godzilla ist zurück

10.08.2017 | 15:50 Uhr |

AMDs Ryzen Threadripper 1950X ist ein durchschlagender Erfolg, was Leistung und den Preis angeht. Doch wer braucht so eine Monster-CPU? Der Test sagt es Ihnen.

Wie Godzilla durch Tokyo stampft AMDs 16-Kern-CPU Ryzen Threadripper 1950X durch unseren Test. Die Konkurrenz, diese bemitleidenswerte 8-, 6- und 4-Kern-CPUs, kickt er wie die Panzer und Militärlastwagen im Film gnadenlos durch die Stadt.

Wirklich -  so gut ist dieser Prozessor.

Aber bevor Sie ihn kaufen, sollten Sie noch einiges lesen über die wahrscheinlich leistungsstärkste CPU, die es jemals gab.

Das ist Threadripper

Der Name Ryzen Threadripper deutet die Herkunft an: Die CPU stammt aus AMDs neuer Prozessorserie Ryzen, die den Hersteller nach Jahren der einseitigen Intel-Dominanz wieder wettbewerbsfähig gemacht hat.

Die Chiparchitektur beim Ryzen ist modular: Jeder Zen-Block besteht aus vier Kernen, zwei dieser Blöcke bilden einen 8-Kern-Ryzen-Die.
Vergrößern Die Chiparchitektur beim Ryzen ist modular: Jeder Zen-Block besteht aus vier Kernen, zwei dieser Blöcke bilden einen 8-Kern-Ryzen-Die.
© AMD

Während Intel seine Prozessoren alle um das gleiche Stück Sillizium für die Kerne aufbaut, ist AMDs Ryzen modular entworfen. Die Basis der Ryzen-Prozessoren sind zwei 4-Kern-Module, oder CCXs, die über AMDS neue Bustechnik Infinity Fabric verbunden sind. Jeder Ryzen 7 beispielsweise, hat ein 8-Kern-Prozessor-Die, wie auf dem Bild zu sehen.

Auch Ryzen Threadripper nutzt die Multi-Chip-Architektur: zwei Achtkern-Dies bilden einen Threadripper mit 16 Kernen.
Vergrößern Auch Ryzen Threadripper nutzt die Multi-Chip-Architektur: zwei Achtkern-Dies bilden einen Threadripper mit 16 Kernen.
© AMD

Um bei Threadripper auf 16 Kerne zu kommen, verbindet AMD zwei 8-Kern-Dies mit diesem Hochgeschwindigkeitsbus. Auch die 12-Kern-Version nutzt zwei zusammengeschlossene 8-Kern-Dies, bei denen aber jeweils ein Prozessorkern abgeschaltet ist.

Ein 16-Kern-Ryzen-Threadripper-1950X besteht aus zwei Achtkern-Dies, die mit einem "Infinity Fabric" genannten Bündel aus seriellen Verbindungen verschaltet sind.
Vergrößern Ein 16-Kern-Ryzen-Threadripper-1950X besteht aus zwei Achtkern-Dies, die mit einem "Infinity Fabric" genannten Bündel aus seriellen Verbindungen verschaltet sind.
© AMD

Im Bild sehen Sie allerdings, dass Threadripper vier Chips besitzt – sind die beiden anderen 8-Kern-Dies also nutzlos? Nein. Threadripper basiert auf der Hardware von AMDs Epyc-CPU, einem Server-Prozessor mit 32 Kernen. Da AMD aber noch keinen PC-Prozessor mit so vielen Kernen verkaufen will, dienen die beiden zusätzlichen Chips nur dazu, den Prozessorkühler stabil auf dem Prozessor zu halten.

Dieses Asus-Mainboard der Reihe Zenith Extreme kann die Vorteile nutzen, die die insgesamt 64 PCI-Lanes bieten – eine wahnsinnig hohe Anzahl für den Anschluss von PCI-Komponenten.
Vergrößern Dieses Asus-Mainboard der Reihe Zenith Extreme kann die Vorteile nutzen, die die insgesamt 64 PCI-Lanes bieten – eine wahnsinnig hohe Anzahl für den Anschluss von PCI-Komponenten.
© Asus

Große Kerne, große Leistung

Alles an Threadripper ist doppelt so groß wie bei den bisherigen Ryzen-CPUs: Der neue Prozessor hat doppelt so viele Kerne und doppelt so viele Speicherkanäle. Außerdem bietet er mehr PCI-Express-Lanes.

Die anderen Ryzen-CPUs unterstützen DDR4-Speicher im Dual-Channel-Modus, Threadripper dagegen Quad-Channel-DDR4. Anders als Intel, wo Funktionen in den Core-CPUs abgeschaltet sind, um sie den teureren Xeon-Chip vorzubehalten, belässt AMD in Threadripper beispielsweise die Unterstützung für ECC-RAM, die typisch für Server-CPUs ist. Laut AMD soll Threadripper mit bis zu 2 TB RAM zurechtkommen, was sich bisher aber nicht testen lässt, da so große Speichermodule noch nicht verfügbar sind.

Threadripper bietet zudem 64 PCI-Express-Lanes, vergleichen mit 20 bei den anderen Ryzen-Modellen. Vier davon binden den Chipsatz an, über die übrigens 60 lassen sich bis zu sieben PCI-Express-Geräte gleichzeitig anbinden – zum Beispiel bis zu vier Grafikkarten und drei NVMe-SSDs.

Damit ist AMD viel großzügiger als Intel: Der 1000 Dollar teure Core i9-7900X zum Beispiel hat 44 PCI-Express-Lanes, aber der Core i7-7820X für 599 Dollar nur 28. Dagegen bietet selbst das günstigste Threadripper-Modell, der 1900X mit acht Kernen, die volle PCI-Express-Ausstattung mit 64 Lanes.

Die Threadripper-Modelle im Überblick

Zunächst stellt AMD nur drei Prozessoren vor, der 8-Kerner Threadripper 1900X wird in einigen Wochen erhältlich sein. Damit ist die Modellreihe derzeit kleiner als das Konkurrenzangebot von Intel, allerdings sollen Gerüchten zufolge bald weitere CPU-Varianten mit geringerer Leistungsaufnahme und ohne den X-Zusatz kommen.

Die Aktuelle Ryzen-Familie von AMD. Gerüchten zufolge sollen weitere Prozessoren kommen.
Vergrößern Die Aktuelle Ryzen-Familie von AMD. Gerüchten zufolge sollen weitere Prozessoren kommen.

Intels Angebot wirkt eindrucksvoller: Allerdings sind bisher nur der 10-Kerner Core i9-7900X und seine Geschwister mit acht, sechs und vier Kernen verfügbar.

Die Intel-Familie der Kabylake- und Skylake-Prozessoren sehen quantitativ zwar beeindruckender aus, allerdings sind nur die Acht- und Zehnkerner bisher auch wirklich erhältlich.
Vergrößern Die Intel-Familie der Kabylake- und Skylake-Prozessoren sehen quantitativ zwar beeindruckender aus, allerdings sind nur die Acht- und Zehnkerner bisher auch wirklich erhältlich.

Installation: Lesen Sie unbedingt das Handbuch

Selbst wenn Sie ein erfahrener PC-Bastler sind: Vor dem Einbau einer Threadripper-CPU sollten Sie auf jeden Fall das Handbuch konsultieren. Wie erwartet, kommt mit Threadripper einer neuer CPU-Sockel namens sTR4. Deshalb nutzt der neue Prozessor LGA (Land Grid Array) als Verbindung zur Hautplatine – so wie es von Intels Core-CPUs bekannt ist. Die anderen Ryzen-Prozessoren setzen dagegen PGA (Pin Grid Array) ein. Bei PGA sitzen die Kontaktbeinchen am Prozessor, bei LGA dagegen im CPU-Sockel auf der Platine. Was ist aus Anwendersicht besser? Kommt drauf an. Wenn Sie die Pins der Platine ruinieren, haben Sie ein 550-Dollar-Mainboard geschrottet. Wenn Sie die Beinchen am Prozessor verbiegen, ist eine 999-Dollar-CPU im Eimer.

Beim Threadripper gibt es keine biegsamen Pins mehr. Sie sind auf das Mainboard gewandert.
Vergrößern Beim Threadripper gibt es keine biegsamen Pins mehr. Sie sind auf das Mainboard gewandert.

Eines ist aber sicher: Den Threadripper einzubauen ist nicht einfach. Deshalb sollten Sie unbedingt das Handbuch lesen und am besten noch ein Installations-Video auf YouTube ansehen. Achten Sie besonders auf drei Dinge:

1. Der orange Plastikträger muss an der CPU bleiben – ohne ihn lässt sich der Prozessor nicht einbauen.

2. Sie müssen unbedingt den mitgelieferten Schraubschlüssel verwenden.

3. Weichen Sie nicht von der Schritt-für-Schritt-Anleitung für Ein- und Ausbau ab.

Achtung: Beim Einbau muss der mitgelieferte Schraubenzieher verwendet werden. AMD liefert auch ein Adapter-Set mit, das die meisten Asetek-Lüfter abdeckt.
Vergrößern Achtung: Beim Einbau muss der mitgelieferte Schraubenzieher verwendet werden. AMD liefert auch ein Adapter-Set mit, das die meisten Asetek-Lüfter abdeckt.

Um den Prozessor einzubauen, lösen Sie zunächst drei T20-Torxschrauben mit dem mitgelieferten Schlüssel. Entfernen Sie die obere Schutzabdeckung und setzen Sie die CPU mit dem orangen Plastikträger ein. Schieben Sie den Prozessor in die Halterung bis er einrastet.

Nun ist die Threadripper-CPU bereit zur Installation.
Vergrößern Nun ist die Threadripper-CPU bereit zur Installation.

Anschließend nehmen Sie die Schutzhülle vom Sockel ab und drücken vorsichtig die CPU hinein. Abschließend ziehen Sie die drei Torx-Schrauben wieder mit dem AMD-Schlüssel fest. Zur Erinnerung: Gehen Sie es langsam an und machen Sie sich erst mit den Einbauschritten vertraut, bevor Sie sie tatsächlich ausführen.

Neuer Game Modus: Um die Latenz bei Spielen zu verringern, schaltet Threadripper hier auf nur einen einzigen Speichercontroller.
Vergrößern Neuer Game Modus: Um die Latenz bei Spielen zu verringern, schaltet Threadripper hier auf nur einen einzigen Speichercontroller.

Der neue Spiele-Modus

Bevor wir zu den Testergebnissen kommen, noch ein Wort zum neuen Spiele-Modus. Viele Profi-Spieler und Youtuber wollen mit hohen Bildraten spielen und anschließend diese Spiele-Videos bearbeiten. Ein Problem der vielen Kerne des Threadrippers ist laut AMD, dass diese von einigen Spielen nicht optimal genutzt werden. Denn der Threadripper besteht eigentlich aus zwei einzelnen Prozessor-Chips mit einem eigenen Speicher-Controller. Ab Werk arbeitet die CPU im Modus Unified Memory Access, der den Speicherzugriff über beide Controller verteilt. Das führt zu einer höheren Speicher-Bandbreite, aber einer größeren Latenz – und bei manchen Spielen ist Latenz wichtiger als Bandbreite.

Deshalb lässt sich über den neuen Spiele-Modus der Unified Memory Access abschalten, AMD nennt diese Funktion „Local Mode“. Er verschiebt alle Speicherzugriffe auf einen Controller, um die Latenz zu reduzieren. Der andere Controller kann zwar immer noch auf den Speicher zugreifen, aber nur mit einer höheren Latenz.

Es kann nicht zu viele Kerne geben

Die hohe Kernzahl von Threadripper hat noch eine andere unerwartete Auswirkung: Laut AMD stürzen deswegen ab. Das liegt nicht an Threadripper, sondern an den Spielen selbst, die einfach mit den vielen Kernen nicht zurechtkommen.

Deshalb können Sie über den Spiele-Modus Windows anweisen, nur acht der 16 Kerne zu verwenden. Beim der aktualisierten Version des Ryzen Master Utilities können Sie zwischen diesem Modus für ältere Spiele und dem Creator-Modus wechseln, beim dem alle Kerne und die komplette Speicherbandbreite aktiviert sind.

Verringert die Latenz signifikant: Der Game Modus des AMD Threadripper.
Vergrößern Verringert die Latenz signifikant: Der Game Modus des AMD Threadripper.

Das funktioniert: Im Diagramm oben sehen Sie, wie sich die Speicherlatenz im Spiele-Modus reduziert. Im nächsten Diagramm sehen Sie allerdings, das sich der Spiele-Modus auf die Speicher-Bandbreite genau umgekehrt auswirkt: Da er den Local Mode beim Speicherzugriff aktiviert, verlieren Sie einen großen Teil an Bandbreite.

Vergleich: AMD Threadripper mit und ohne Game Modus.
Vergrößern Vergleich: AMD Threadripper mit und ohne Game Modus.

Was sollten Sie also einstellen? Das ist nicht so einfach zu beantworten. Laut AMD bevorzugt zum Beispiel Gears of War Ultimate eine geringe Speicherlatenz, Rise of the Tomb Raider profitiert dagegen von einer höheren Anzahl an Kernen. Far Cry 4 wiederum läuft flüssiger mit dem Spiele-Modus und der geringeren Latenz.

Individuell: Je nach Spiel unterscheiden sich die Anforderungen an die CPU.
Vergrößern Individuell: Je nach Spiel unterscheiden sich die Anforderungen an die CPU.

Falls sich das viel zu kompliziert anhört und Sie einfach nur spielen wollen, seien Sie unbesorgt: Hier geht es nur darum, die maximale Leistung herauszukitzeln. Jedes aktuelle Spiel sollte mit einer anständigen GPU und Threadripper absolut problemlos bei normalen Auflösungen und Grafikeinstellungen laufen. Mit diesen Funktionen gibt AMD Spielern aber die Möglichkeit, die CPU-Leistung perfekt auf ein Spiel abzustimmen. Das mag für einige Anwender zu kompliziert sein, aber wenn Sie sich eine 16-Kern-CPU kaufen, um einfach nur spielen zu können, machen Sie ohnehin einen Fehler: Ein normaler Ryzen- oder Kaby-Lake-Prozessor ist dann die bessere Wahl.

Wie wir testen

Neuer Spiele-Modus hin oder her: Was letzten Endes zählt ist die Leistung. Den Threadripper 1950X haben wir im Asus-Mainboard ROG Zenith Extreme X399 getestet, als Kühler setzen wir einen Thermaltake Floe Riing ein. Die weitere Ausstattung des Testsystems: Nvidia Geforce GTX 1080, Samsung 960 Pro SSD, 32 GB DDR4-3200. SSD und Arbeitsspeicher unterscheiden sich von unserem Standard-Testsystem, in dem die SATA-SSD Hyper X Savage sowie 32 GB DDR4-2133 zum Einsatz kommen. Um den Einfluss der SATA-SSD gegenüber der schnelleren PCI-Express-SSD zu minimieren, haben wir die HyperX Savage SSD als Quell- und Ziellaufwerk bei allen Tests genutzt, bei denen die Speichergeschwindigkeit eine hohe Rolle spielt – vor allem beim Encoding-Test mit Handbrake und Adobe Premiere Creative Cloud.

Größenvergleich: Links unten Threadripper, darüber Ryzen, unten rechts Intel Core i7
Vergrößern Größenvergleich: Links unten Threadripper, darüber Ryzen, unten rechts Intel Core i7

Die RAM-Bestückung war etwas problematischer: Bei vorherigen Tests haben wir immer alle Speichersteckplätze bestückt. Bei Ryzen führt dies aber zu geringeren Speichertaktraten, da die Platine bei Vollbestückung nur JEDEC-Standard-Taktraten zulässt. Das benachteiligt Ryzen, weil das Tempo der Infinity-Fabric-Verbindung direkt vom Takt des Speicher-Controllers abhängt.

Der Core i9-7900X wiederum lief mit dem DDR4-3200-Speicher nicht stabil, da durch den höheren Speichertakt auch der Prozessor auf 4,3 GHz übertaktet wird. Deshalb haben wir beim Core i9 die XMP-Einstellungen von DDR4-2666 genutzt.

Rechenleistung bei Programmen

Wir starten unsere Tests mit Programm-Tests und synthetischen Benchmarks, dann geht’s mit der Leistung bei Multi-Tasking und Spielen weiter.

Blender

Wir fangen mit dem Programm an, mit dem AMD vor rund einem Jahr den Hype um die neue Prozessor-Architektur Zen einleitete: Blender. Das 3D-Programm ist Open Source und wird bei vielen Indie-Filmen für Effektbearbeitung genutzt – selbst die NASA nutzt es. Blender liebt viele Threads, aber es skaliert mit zunehmender Thread-Anzahl nicht so gut wie Kaufprogramme, etwa Cinema4D von Maxon. Dennoch bedeuten hier mehr Kerne auch mehr Leistung, weswegen Threadripper den ersten Sieg einfährt, da es den populären BMW Benchmark 22 Prozent schneller bearbeitet als der Core i9-7900X mit seinen zehn Kernen.

Die Leistung in Blender bringt den Threadripper an die Spitze des CPU-Vergleichs.
Vergrößern Die Leistung in Blender bringt den Threadripper an die Spitze des CPU-Vergleichs.

Wir haben zwar gerade erwähnt, dass Blender nicht immer optimal skaliert, aber es zeigt sich, dass der Threadripper mit seinen 16 Kernen und 32 Threads nur etwas mehr als die Hälfte der Zeit für den Test benötigt als der Ryzen 7 1800X mit acht Kernen und 16 Threads.

POV-Ray

Persistence of Vision Ray Tracer, das zweite Programm im Test, ist ebenfalls kostenlos. Die Software stammt ursprünglich aus der Zeit des Amiga, wurde aber ständig aktualisiert. Ray Tracing ist eine CPU-intensive Aufgabe, deswegen profitiert es von mehr Kernen.

POV-Ray-Benchmark: Der Threadripper setzt sich an die Spitze – 30 Prozent schneller als die Intel-Spitzen-CPU Core i9
Vergrößern POV-Ray-Benchmark: Der Threadripper setzt sich an die Spitze – 30 Prozent schneller als die Intel-Spitzen-CPU Core i9

Der Threadripper 1950X ist im integrierten Benchmark 35 Prozent schneller als der Core i9-7900X, verglichen mit dem 8-Kerner Ryzen 7 1800X beträgt das Tempoplus 85 Prozent. Erneut ein klarer Sieg für den Threadripper – sofern es um Multi-Thread-Leistung geht.

POV-Ray-Benchmark auf einem Thread: Hier liegt Intel Core i9 eindeutig vor Threadripper
Vergrößern POV-Ray-Benchmark auf einem Thread: Hier liegt Intel Core i9 eindeutig vor Threadripper

Anders sieht es aus, wenn nur ein Thread genutzt wird – hier spielt die Taktrate und die Effizient der CPU-Architektur die größere Rolle. Und dann gewinnt der Core i7-7700K dank seiner hohen Taktrate. Der Skylake-X-Prozessor mit seinem durch Turbo Boost Max 3.0 hochgejagten Takt wird zweiter. Ganz hoffnungslos ist der Fall für den Threadripper allerdings nicht, denn er liegt nur 14 Prozent hinter dem Core i9-7900X zurück.

Die Ergebnisse im Cinebench R15.038 bei Multithreading: Threadripper 1950X etwa 32 Prozent vor dem Core i9-7900X
Vergrößern Die Ergebnisse im Cinebench R15.038 bei Multithreading: Threadripper 1950X etwa 32 Prozent vor dem Core i9-7900X

Cinebench R15

Der Cinebench-Test beruht auf Maxons Profi-Anwendung Cinema4D. Wie bei den beiden anderen Tests, zählt hier vor allem die Anzahl der Threads. Deshalb holt sich der Threadripper 1950X mit einem Vorsprung von 39 Prozent gegenüber dem Core i9-7900X den Sieg.

Ergebnisse im Cinebench bei einem Thread: Hier liegen die Intel-CPUs vorne
Vergrößern Ergebnisse im Cinebench bei einem Thread: Hier liegen die Intel-CPUs vorne

Auch bei Cinebench R15 haben wir einen Blick auf die Single-Thread-Leistung geworfen: Erneut setzen sich hier der Kaby-Lake-Prozessor und der Core X durch, obgleich der Skylake-X nur 12 Prozent schneller als der Threadripper ist. Außerdem erreicht der Threadripper 1950X das Niveau des 10-Kerners Core i7-6950X, der bei seine Verkaufsstart 1723 Dollar kostete.

Die Ergebnisse im neuen Rendering-Benchmark Corona: AMD vor Intel
Vergrößern Die Ergebnisse im neuen Rendering-Benchmark Corona: AMD vor Intel

Corona Renderer

Der letzte Render-Benchmark ist der neue Corona Renderer. Es ist ein Plug-in für Autodesk 3ds Max und hat den Ruf, keine bestimmte CPU-Architektur zu bevorzugen. Da der Test sehr neu ist, haben wir nur wenige Vergleichswerte. Allerdings bevorzugt ihn auch AMD, weshalb die Testergebnisse nicht überraschen: Corona Renderer liebt viele CPU-Kerne und verschafft dem Threadripper einen Vorsprung von 21 Prozent.

Geekbench-Ergebnisse im Multithreading
Vergrößern Geekbench-Ergebnisse im Multithreading

Geekbench 4

Geekbench ist einer der beliebtesten kostenlosen Benchmarks. Üblicherweise setzen wir es bei CPU-Tests nicht ein. Allerdings verzichtet die neue Version auf viele umstrittenen Funktionen der Vorgänger.

Trotz 12 Threads mehr: Threadripper 1950X und Core i9 sind hier sehr nah zusammen
Vergrößern Trotz 12 Threads mehr: Threadripper 1950X und Core i9 sind hier sehr nah zusammen

Auch hier gewinnt Threadripper, aber trotz des 6-Kern-Vorsprungs nur knapp. Ist die neue AMD-CPU also gar nicht so schnell wie es die anderen Tests andeuten? Sicher nicht. Mehr als alles andere zeigt es wahrscheinlich, dass Geekbench 4.04 die vielen Kerne nicht wirklich ausnutzen kann. Oder der Benchmark hat ein grundsätzliches Problem mit dem Ryzen-Design, denn auch der Ryzen 7 schneidet hier nicht gut ab. Und selbst in der aktuellen Version 4.1 ändert sich daran kaum etwas, obwohl sie einige Updates für die AMD-Architektur beinhaltet.

Beide CPU-Architekturen beißen sich an Winrar die Zähne ziemlich aus.
Vergrößern Beide CPU-Architekturen beißen sich an Winrar die Zähne ziemlich aus.

WinRAR

Auch WinRAR scheint in Version 5.40 wenig Vorliebe für den Threadripper 1950X zu haben: Wir haben übrigens nicht versehentlich die Single-Thread-Ergebnisse abgebildet oder den Spiele-Modus eingeschaltet – WinRAR spielt einfach überhaupt nicht gut mit Threadripper zusammen.

WinRAR ist allerdings offenbar unparteiisch, weil es auch den Skylake-X nicht mag und stattdessen den beiden Broadwell-E-CPUs den klaren Sieg überlässt. Laut Intel ist das Mesh-Design des Core i9 der Grund: Damit lassen sich mehrere CPU-Kerne einfacher verbinden, doch in WinRAR und einigen Spielen sinkt deswegen die Rechenleistung. Da Intels Mesh-Design durchaus der Infinity Fabric von AMD ähnelt, kann es sein, dass WinRAR aus ähnlichen Gründen auch Probleme mit Threadripper hat.

Beim 7-Zip-Benchmark liegt Threadripper gut 22 Prozent vor Skylake-X
Vergrößern Beim 7-Zip-Benchmark liegt Threadripper gut 22 Prozent vor Skylake-X

7-Zip

Aber keine Sorge, AMD-Fans: Nehmt einfach 7-Zip als Packprogramm. Denn hier holt sich der Threadripper 1950X mit 22 Prozent Vorsprung vor dem Core i9 einen klaren Sieg. Obwohl 7-Zip nicht so gut skaliert wie die 3D-Render-Tests, ist Threadripper deutliche 73 Prozent schneller als der 8-Kerner Ryzen 7 1800X.

Veracrypt: Starke Vorstellung des Threadripper bei Verschlüsselung.
Vergrößern Veracrypt: Starke Vorstellung des Threadripper bei Verschlüsselung.

Veracrypt

Das ist ein weiteres Programm, das AMD gerne für Tests nutzt. VeraCrypt basiert auf Truecrypt und hat dort weitergemacht, wo der populäre Vorgänger aufhörte. Da es neu in unserem CPU-Tests ist, haben wir wieder wenig Vergleichswerte. Auf jeden Fall erzielt Threadripper einen eindrucksvollen Vorsprung von 45 Prozent.

Im Dekodieren von 4K-Videos liegt der 16-Kerner Threadripper 1950X fast 40 Prozent vor dem Achtkerner Ryzen 7 1800X
Vergrößern Im Dekodieren von 4K-Videos liegt der 16-Kerner Threadripper 1950X fast 40 Prozent vor dem Achtkerner Ryzen 7 1800X

Adobe Premiere Creative Cloud 2017

Neben 3D-Rendering ist Videobearbeitung der wichtigste Grund für den Kauf eines Mehr-Kerne-Prozessors. Für unseren Test wandeln wir ein kurzes 4K-Video einer Sony Alpha mit den Voreinstellungen für 1080p-Blu-ray und maximalen Qualitätseinstellungen um.

Ziel und Quelle sind dabei nicht auf dem PC-Laufwerk gespeichert, sondern auf einer Plextor M8e PCIe SSD, die wir für den Test ins jeweilige System einbauen. Daher kommt das Speichersystem der Test-PCs hier nicht ins Spiel.

Der erste Test nutzt dabei die Encoding-Funktion der CPU, nicht die CUDA-Funktionen der GPU – denn viele Video-Profis behaupten, dass CPU-Encoding bessere Qualität liefert. Der Threadripper schneidet dabei rund 20 Prozent besser ab als der Core i9-7900X. Vergleichen mit dem Ryzen 7 1800X ist er rund 39 Prozent schneller. Die absoluten Zeiten für die Umwandlung sind angesichts des kleinen Quellvideos kurz, doch jeder Video-Profi der bei einer 5-stündigen Encoding-Aufgabe 20 Prozent Zeit sparen kann, wird sich freuen.

Auch bei GPU-Encoding spielt die CPU eine Rolle.
Vergrößern Auch bei GPU-Encoding spielt die CPU eine Rolle.

Wir haben denselben Test auch mit der Encoding-Funktion der GPU durchgeführt. Dadurch verkürzt sich die Umwandlung deutlich, die CPU-Leistung hat aber dennoch Einfluss. Vergleichen mit einer 8-Kern-CPU ist der Threadripper 1950X immer noch 37 Prozent schneller.

Ergebnisse in Handbrake: Knapper Sieg für Threadripper
Vergrößern Ergebnisse in Handbrake: Knapper Sieg für Threadripper

Handbrake

Bei unserem letzten Encoding-Test nutzen wir die beliebte Freeware Handbrake um eine 30-GB-Datei mit den Android-Tablet-Vorgaben umzuwandeln. Handbrake bevorzugt viele CPU-Kerne und -Threads, aber es skaliert nicht mit einer beliebigen Anzahl an Kernen. Deshalb ist der 16-Kerner Threadripper 1950X in diesem Test nur 15 Prozent schneller als der Core i9. Trotzdem – ein Sieg ist ein Sieg.

Multi-Tasking

Bevor wir zur Spiele-Leistung kommen, wollen wir testen, wie gut sich die CPUs bei mehreren Rechenaufgaben mit vielen Threads bewähren: Dafür haben wir Blender und Cinebench gleichzeitig gestartet. Multi-Tasking-Tests sind kompliziert: AMD empfiehlt für zuverlässigere Ergebnisse, jedem Kern manuell ein bestimmtes Programm zuzuweisen. Das werden die meisten Nutzer aber nicht tun, weswegen wir im Test einfach nur ein Programm nach dem anderen gestartet haben.

Die Ergebnisse waren reproduzierbar, wenn wir zunächst Cinebench und dann Blender starteten und dieses Programm im Vordergrund blieb. Die Ergebnisse sind der Durchschnitt von jeweils drei Testläufen.

Beim Multitasking und Multithreading zeigt Threadripper 1950X seine Stärke.
Vergrößern Beim Multitasking und Multithreading zeigt Threadripper 1950X seine Stärke.

Im Diagramm haben Blender und Cinebench unterschiedliche Maßstäbe: Für Blender (blauer Balken) bedeutet ein kürzerer Balken ein besseres Ergebnis. Für Cinebench (roter Balken) ist das Ergebnis besser je länger der Balken ist.

Threadripper, dem 32 Threads zur Verfügung stehen, kommt durch Blender 19 Prozent schneller als der Core i9-7900X durch. Bei Cinebench ist der AMD-Prozessor 46 Prozent schneller als der Intel-Konkurrent.

Spiele-Leistung

Kauf jemand ein 1000-Dollar-CPU nur, um damit zu spielen? Wahrscheinlich nicht – trotzdem ist die Spieleleistung für viele Anwender ein wichtiger Kaufgrund für einen Prozessor.

Hier geht der Game Modus sichtlich zu Lasten der Performance
Vergrößern Hier geht der Game Modus sichtlich zu Lasten der Performance

3DMark Fire Strike

Als erstes kommt der Test 3D Mark Fire Strike dran. Er ist nicht mehr ganz frisch und testet vor allem die GPU-Leistung, aber ins Gesamtergebnis geht auch die CPU-Leistung ein.  Der Gesamtsieger ist der 10-Kerner Core i7-6950X – es hat schon seinen Grund, warum er 1723 Dollar kostet. Knapp dahinter kommt der Threadripper 1950X ins Ziel – getestet im Creator Modus. Bei aktiviertem Spiele-Modus sinkt die Leistung, weil 3D Mark dann nur acht Kerne nutzen kann.

Durch den Game Modus nutzt Windows nur die Hälfte der Kerne – das Ergebnis: die Leistung geht in die Knie.
Vergrößern Durch den Game Modus nutzt Windows nur die Hälfte der Kerne – das Ergebnis: die Leistung geht in die Knie.

Bei den Ergebnissen des CPU-Tests Physics erkennen Sie die Auswirkungen des Spiele-Modus: Wenn Windows alle Kerne nutzen darf, geht Threadripper in Führung. Ist die Hälfte der Kerne abgeschaltet, ist die CPU kaum schneller als der 8-Kerner Ryzen 7 1800X.

Das spricht nicht gegen den Spiele-Modus, aber für Spiele, die von vielen Kernen profitieren, sollten Sie unbedingt den Creator Modus einschalten.

Tomb Raider mit Ultimate-Einstellungen: sichtlich nur ein GPU-Test
Vergrößern Tomb Raider mit Ultimate-Einstellungen: sichtlich nur ein GPU-Test

Tomb Raider

Beim ersten echte Spiel im Test, Tomb Raider, kommt es bei der Auflösung von 1080p und der Detailstufe Ultimate nicht auf die CPU an, da die ganze Rechenleistung von der Geforce GTX 1080 abhängt. Das erkennen Sie daran, dass selbst der alte FX-8370, der in allen anderen Tests die rote Laterne innehatte, so gut abschneidet wie die 1000-Dollar-CPUs.

Bei Tom Clancy will man in den Game Modus des Threadripper schalten.
Vergrößern Bei Tom Clancy will man in den Game Modus des Threadripper schalten.

Tom Clancy’s Rainbow Six Siege

Ein etwas frischere Spiel ist Tom Clancy’s Rainbow Six Siege, das wir mit 1920 x 1080 und mittlere Detailstufe testen, um die GPU-Last zu verringern.

Der Threadripper 1950X bietet hier das gleiche Bild, das auch schon seine Ryzen-Brüder zeigten: Er liegt zehn Prozent oder mehr hinter den Intel-CPUs. Das ist schon etwas weniger als die 15 bis 20 Prozent, die die AMD-CPUs bisher bei niedrigen Auflösungen zurücklagen. Kann der Spiele-Modus hier helfen?

Ja. Mit aktiviertem Spiele-Modus schrumpft der Vorsprung des Core i7-6950X vor dem Threadripper auf rund fünf Prozent. Damit liegt er knapp hinter dem Core i9-7900X, der wahrscheinlich durch sein Mesh-Design verlangsamt wird.

Der Game Mode sorgt dafür, dass Threadripper gut in die Schlacht geht.
Vergrößern Der Game Mode sorgt dafür, dass Threadripper gut in die Schlacht geht.

Rise of the Tomp Raider

Wie bei Rainbow Six enttäuscht die Leistung des Threeadripper 1950X in Rise of the Tomb Raider mit aktivem Creation Mode. Erst mit dem Spiele-Modus wird ein Duell daraus – naja, fast.

Ashes of the Singularity: Hier hat AMD noch ein gutes Stück Performance-Arbeit vor sich.
Vergrößern Ashes of the Singularity: Hier hat AMD noch ein gutes Stück Performance-Arbeit vor sich.

Ashes of the Singularity: Escalation

Der letzte Spiele-Test ist Ashes of the Singularity: Escalation – das beste Beispiel, wie wichtig eine CPU für Spiele sein kann. Unglücklicherweise für AMD gewinnt Intel hier auf ganzer Linie: Der Core i9-7900X hat einen klaren Vorsprung vor dem Threadripper 1950X. Mit aktivem Spiele-Modus kommt der Threadripper 1950X näher, aber Intel liegt immer noch 12 Prozent vorne.

Das liegt zum einen an den Unterschieden in der Taktrate. Allerdings hätten wir einen geringeren Leistungsunterschied erwartet: Denn die Entwickler von Ashes waren die ersten Programmierer, die ihr Spiel für Ryzen optimierten. Doch die Code-Optimierung ist nicht das Allheilmittel, wie von AMD versprochen. Insgesamt darf man dieses Ergebnis nicht überbewerten, aber es wird AMD-Fans ärgern.

Cinebench-Vergleich der Prozessoren Core i9 7900X (Blau) und AMD Ryzen Threadripper 1950X (Grün): Auf der rechten Seite hat Threadripper die Nase vorn, links Intel Core i9-7900X
Vergrößern Cinebench-Vergleich der Prozessoren Core i9 7900X (Blau) und AMD Ryzen Threadripper 1950X (Grün): Auf der rechten Seite hat Threadripper die Nase vorn, links Intel Core i9-7900X
© IDG

Fazit

Hier erwarten Sie sicher eine kurze und knackige Antwort. Die wahre Antwort hat aber drei Teile.

Der erste Teil bezieht sich auf das Ergebnis bei Single-Thread-Programmen und Software, die nur wenige Threads nutzt – etwa Bildbearbeitung. Hier schneiden die agilen Vierkerner besser ab als der Threadripper 1950X, obwohl er durch seine hohe Taktrate durchaus mitspielen kann.

Der zweite Teil handelt von der Spiele-Leistung: Hier zeigt Threadripper die gleichen Schwächen wie die anderen Ryzen-Modelle. AMD behauptet zwar, dass Social Gaming im Trend liegt – also gleichzeitig zu spielen, die Spiele aufzunehmen und zu streamen: Und das funktioniert umso besser, je mehr Kerne die CPU hat. Bei der üblichen Spiele-Leistung liegt allerdings Intel vorne. Der neue Spiele-Modus kann den Rückstand des Threadrippers aber deutlich verkleinern.

Im letzten Teil der Antwort geht es um Multi-Thread-Leistung. Threadripper 1950X gewinnt jeden einzelnen Multi-Thread-Test mit deutlichem Vorsprung. Er überrennt jede 8-Kern-CPU und man fragt sich, wie Intel darauf kommt, für den 10-Kerner Core i9-7900X genauso viel zu verlangen wie AMD für den Threadripper 1950X.

Das ist aber auch der einzige Grund für die Existenz des Threadrippers 1950X. Niemand sollte sich eine 1000-Dollar-CPU kaufen, nur um damit einfach zu spielen oder einfache Bildbearbeitung zu erledigen.

Man kauft sich eine 16-Kern-CPU für die Arbeit. Für echte Arbeit. Und echte Arbeit bedeutet 3D-Modelle bauen und berechnen, Videos umwandeln und bearbeiten und fünf Dinge gleichzeitig zu tun, weil es eben Arbeit ist.

Genau dafür ist der Threadripper 1950X geschaffen und stößt in eine neue Leistungs- und Preisdimension vor. Noch vor vier Jahren mussten Sie 1000 Dollar für eine 6-Kern-CPU ausgeben. Heute bekommen Sie für das gleiche Geld 16 Kerne. Das sollte jeden freuen, dem Rechenleistung wichtig ist.

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