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AMD Ryzen 7 2700X im Test: Achtkern-CPU mit Multicore-Power

19.04.2018 | 15:00 Uhr |

Test: Das neue Top-Modell AMD Ryzen 7 2700X hat im Vergleich zur ersten Ryzen-Generation höhere Taktraten, einen verbesserten Stromverbrauch und einen RGB-Kühler zu bieten – und all das zu einem relativ günstigen Preis von nur 319 Euro (UVP).

Der AMD Ryzen 7 2700X will vieles besser machen als die Desktop-Prozessoren der ersten Ryzen-Generation. Dank gestiegener Taktraten sollen die Ryzen-CPUs der zweiten Generation eine vergleichbare Gaming-Leistung wie die Konkurrenz von Intel bieten, in Sachen Multicore-Performance will man den direkten Mitbewerber aber komplett verblasen. Welche Optimierungen AMD vorgenommen hat und wie die Leistung im Vergleich mit den Ryzen-CPUs der ersten Generation und vergleichbaren Intel-Prozessoren ausfällt, erfahren Sie in diesem Test. Alle Informationen zu Ryzen 2 hat AMD auch in eine Präsentation gepackt, die Sie in folgender Bildergalerie betrachten können:

TEST-FAZIT: AMD Ryzen 7 2700X

Beim AMD Ryzen 7 2700X hat der Chip-Hersteller vieles richtig gemacht: Die gestiegenen Taktraten sorgen für eine bessere Gaming-Leistung im Vergleich zur ersten Ryzen-Generation. Die Performance in Spielen ist sogar so weit gestiegen, dass sie sich mit konkurrierenden, teureren Intel-CPUs vergleichen lässt, da die Bildraten fast gleichauf liegen. Geht es allerdings um die Multicore-Leistung, dann ist AMD nach wie vor die aktuell bessere Wahl, auch wenn Intel hier kräftig nachgelegt hat.

Von den versprochenen Energieeinsparungen konnten wir in unseren Tests aber nichts feststellen. Im Gegenteil, unsere Testplattform mit dem 2700X zieht sogar noch mehr Strom als mit dem 1800X vom letzten Jahr. Dafür arbeitet das Ryzen-2-Modell aber deutlich kühler als sein Vorgänger.

Die unverbindliche Preisempfehlung für den AMD Ryzen 7 2700X beläuft sich auf 319 Euro und liegt damit unter dem Straßenpreis des Intel Core i7-8700K (aktuell rund 325 Euro) - und erfahrungsgemäß pendeln sich die Preise im freien Handel sogar noch niedriger ein. Für die gezeigte Leistung und den Funktionsumfang können wir kaum anders, als dem neuen Prozessor eine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen.

Pro:

+ hohe Multicore-Leistung

+ gute Gaming-Leistung

+ inklusive Boxed-RGB-Kühler

+ entsperrter Multiplikator

Contra:

- gestiegener Stromverbrauch

Der AMD Ryzen 7 2700X erhält den Award "Empfehlung der Redaktion".
Vergrößern Der AMD Ryzen 7 2700X erhält den Award "Empfehlung der Redaktion".

AMD Ryzen 7 2700X mit 16 Threads und höheren Taktraten ab Werk

Der AMD Ryzen 7 2700X ist das neue Top-Modell der Pinnacle-Ridge-Generation (Codename) und ist mit acht Kernen ausgestattet, dank SMT (Simultaneous Multithreading) lassen sich aber satte 16 Threads parallel bearbeiten. Die Basis-Taktrate beträgt 3,7, der Boost-Takt 4,3 GHz. Wie gehabt steht das X-Suffix in der Produktbezeichnung für besonders leistungsfähige Varianten der Ryzen-2-CPUs, die mit höheren Taktraten ab Werk arbeiten. Auch der automatische Boost einzelner Kerne soll höher als bei den Varianten ohne X ausfallen. In folgender Tabelle haben wir die technischen Daten vergleichbarer CPUs miteinander verglichen:

Technische Daten von Prozessoren im Vergleich

AMD Ryzen 7 2700X

AMD Ryzen 7 1800X

AMD Ryzen 7 1700X

Intel Core i7-8700K

Codename

Pinnacle Ridge

Summit Ridge

Coffee Lake

Anzahl Kerne / Threads

8 / 16

6 / 12

Basis- / Boost-Takt

3,7 / 4,3 GHz

3,6 / 4,0 GHz

3,4 / 3,8 GHz

3,7 / 4,7 GHz

Fertigungsprozess

12 nm FinFET

14 nm FinFET

14 nm++ FinFET

Sockel

AM4

LGA1151

TDP (maximale Verlustleistung)

105 Watt

95 Watt

freier Multiplikator

ja

Preis

319 Euro (UVP)

290 Euro (Straßenpreis)

260 Euro (Straßenpreis)

325 Euro (Straßenpreis)

Ryzen 2 mit Fokus aufs Übertakten

Die TDP beläuft sich auf 105 Watt, was laut AMD dem Kunden mehr Spielraum beim Übertakten lassen soll. Denn genau wie bei den ersten Ryzens besitzen auch alle Prozessoren der zweiten Generation einen entsperrten Multiplikator. Apropos Übertakten: AMD setzt anstelle auf günstigere Wärmeleitpaste auf einen verlöteten IHS auf dem Die, was für höhere Overclocking-Ergebnisse und geringere Betriebstemperaturen sorgen soll. Die Rede ist hier von um 10 Grad Celsius kühlere Temperaturen im Vergleich zu Ryzen 1.

Die technischen Daten des AMD Ryzen 7 2600X im Überblick.
Vergrößern Die technischen Daten des AMD Ryzen 7 2600X im Überblick.

Für Übertakten auf Software-Ebene, also komfortabel auf dem Desktop, aktualisiert AMD auch das Übertaktungs-Tool AMD Ryzen Master auf die Version 1.3. Damit zeigt das Tool die flottesten Kerne pro CCX-Modul an und auch den schnellsten von allen mit kleinen Sternen. Außerdem an Bord ist nun auch ein Stabilitätstest, um die eingestellten Taktraten auf Stabilität zu testen, ohne dafür auf ein Programm eines Drittanbieters ausweichen zu müssen. Des Weiteren stellt das Tool noch mehr Details über Spannungswerte und andere Angaben zur Verfügung.

AMD bringt parallel auch eine neue Version des Übertaktungs-Tools Ryzen Master auf den Markt.
Vergrößern AMD bringt parallel auch eine neue Version des Übertaktungs-Tools Ryzen Master auf den Markt.

AMD Precision Boost 2 sorgt automatisch für höhere Taktraten

Die in allen Ryzen-2-Prozessoren integrierte Technik Precision Boost 2 ist Bestandteil der AMD-SenseMI-Technologie. Diese verbesserte Version soll im Vergleich zur ersten dank eines neuen Algorithmus nicht nur die höheren, angegebenen Boost-Taktraten ermöglichen, sondern will diese auch öfters erreichen – und das auf allen Kernen. Die Übertaktungsschritte erfolgen nun deutlich linearer und in 25-MHz-Schritten, aber immer in Abhängigkeit von der CPU-Spannung, den Temperaturen, maximalen Taktraten und des Stromverbrauchs. Außerdem sollen die Taktraten besser auf Multithreading-Aufgaben angepasst sein.

AMD Precision Boost 2 will die maximalen Taktraten öfters auf allen Kernen ermöglichen.
Vergrößern AMD Precision Boost 2 will die maximalen Taktraten öfters auf allen Kernen ermöglichen.
© AMD

Extended Frequency Range 2 – jetzt auf allen Kernen

Extended Frequency Range 2 (XFR 2) will die Kerne sogar noch weiter übertakten und den Nutzer quasi dafür „belohnen“, wenn er auf eine sehr effektive Kühllösung setzt, wie zum Beispiel eine Wasserkühlung. Neu ist, dass die Technik nun auch alle Kerne und Threads erhöhen kann, selbst wenn sie ausgelastet sind. Mit anderen Worten: Wird der Prozessor gut gekühlt, kann er sich selbst noch weiter übertakten.

Extended Frequency 2 (XFR2) sorgt für noch höhere Taktraten, wenn eine sehr gute Kühlung zum Einsatz kommt.
Vergrößern Extended Frequency 2 (XFR2) sorgt für noch höhere Taktraten, wenn eine sehr gute Kühlung zum Einsatz kommt.
© AMD

Zen+ mit schnellerem Cache und nativem Support für flotteren RAM

Darüber hinaus verfügt der 2700X über insgesamt 20 MB Cache-Speicher, allein der Level-3-Cache misst 16 MB. Im Vergleich zu Zen will AMD in Zen+ die Cache-Latenzen deutlich reduziert haben, was in entsprechend sensitiven Aufgaben spürbare Verbesserungen mit sich bringen soll. Neu ist auch die native Unterstützung von flotterem Arbeitsspeicher, nämlich DDR4-2933.

Die Zen+-Mikroarchitektur basiert natürlich auf dem Vorgänger, soll aber deutlich flottere Cache-Latenzen bieten.
Vergrößern Die Zen+-Mikroarchitektur basiert natürlich auf dem Vorgänger, soll aber deutlich flottere Cache-Latenzen bieten.
© AMD

Der 12LP-Fertigungsprozess von Globalfoundries für AMD-Prozessoren

Die Prozessoren der zweiten Ryzen-Generation lässt AMD nicht mehr im 14-Nanometer-FinFET-Prozess fertigen, sondern im neueren 12LP-Verfahren (oder auch 12 Nanometer FinFET) bei Globalfoundries. Hierbei handelt es sich aber „nur“ um eine verbesserte 14-Nanometer-Bauweise, die höhere Geschwindigkeiten (sprich Taktraten) bei vergleichbarem Stromverbrauch ermöglicht – AMD spricht hier von 10 bis 15 Prozent mehr Performance. Vor allem schnelle Transistoren sollen der Grund für die Mehrleistung sein. Ein sogenannter Die Shrink, also eine Verkleinerung der Leiterstrukturen, liegt hier nicht vor.

Beim nun eingesetzten 12-Nanometer-FinFET-Prozess für die Prozessoren handelt es sich um eine verbesserte 14-Nanometer-FinFET-Fertigung, die unter anderem höhere Taktraten bei gleichem Stromverbrauch ermöglichen soll.
Vergrößern Beim nun eingesetzten 12-Nanometer-FinFET-Prozess für die Prozessoren handelt es sich um eine verbesserte 14-Nanometer-FinFET-Fertigung, die unter anderem höhere Taktraten bei gleichem Stromverbrauch ermöglichen soll.
© AMD

Mehr Informationen zur Zen-Architektur gibt es im Test des Ryzen 7 1800X und im Artikel „Alle Infos zu AMD Ryzen: Start, Preise, CPU-Modelle, Mainboards, Technik“.

Neuer Boxed-Kühler inklusive: AMD Wraith Prism

Neu ist auch, dass AMD den Ryzen 7 2700X nun standardmäßig mit einem passenden Kühler ausliefert. Das Modell hört auf den Namen Wraith Prism, bietet eine auffällige RGB-Beleuchtung, die sich dank passender Anschlusskabel auch mit den Synchronisationstechniken der Mainboard-Hersteller wie Asus Aura oder MSI Mystic Light verbinden lässt. Wer auf dieses Blingbling nicht steht, der kann die bunten Lichter auch komplett ausschalten. Über einen Schiebeschalter lässt sich auch zwischen zwei UPM-Profilen (Lüfterdrehzahlen) umschalten. Die Wärmeleitrohre aus Kupfer haben direkten Kontakt mit der CPU, leiten diese an den Aluminium-Lamellenkühlkörper weiter, während der durchsichtige Lüfter für Abkühlung sorgt.

Jeder AMD Ryzen 7 2700X wird mit dem RGB-Kühler Wraith Prism ausgeliefert.
Vergrößern Jeder AMD Ryzen 7 2700X wird mit dem RGB-Kühler Wraith Prism ausgeliefert.
© AMD

AMD X470: Neuer Chipsatz für AMD Ryzen 2

Auch wenn die Prozessoren weiterhin den Sockel AM4 nutzen, bringt AMD parallel auch den neuen X470-Mainboard-Chipsatz für Ryzen-2-CPUs auf den Markt. Dank einer überarbeiteten Infrastruktur soll eine bessere Unterstützung für höhere Taktraten bei den Ryzen-Chips der zweiten Generation gegeben sein. Insgesamt soll die X470 aber auch weniger Strom benötigen. Doch der X470 beschränkt sich nicht nur auf die neuen Ryzen-Chips, sondern auch die Modelle der ersten Generation funktionieren auf den neuen Mainboards. Übrigens wird uns der AM4-Sockel noch ein Weilchen begleiten, denn AMD möchte den Sockel bis mindestens 2020 einsetzen.

Der neue X470-Mainboard-Chipsatz bietet einige Neuerungen und ist sogar kompatibel mit der ersten Ryzen-Generation.
Vergrößern Der neue X470-Mainboard-Chipsatz bietet einige Neuerungen und ist sogar kompatibel mit der ersten Ryzen-Generation.
© AMD

AMD StoreMI: Intelligente Speicherlösung

Der X470-Chipsatz hat aber eine weitere Neuerung zu bieten, und zwar die Technik StoreMI. Hierbei handelt es sich um eine smarte Speicherbeschleunigung für PCs. Grob gesagt fasst StoreMI lahme, dafür aber große HDDs, flottere SSDs mit maximal 256 GB Speicher und höchstens 2 GB DDR4-RAM zu einem, virtuellen Laufwerk zusammen. Dank der integrierten, stetig lernenden Algorithmen packt StoreMI die am häufigsten genutzten Daten und Anwendungen stufenweise in die flotteren Speicher, um einen noch schnelleren und flüssigeren Betrieb zu ermöglichen: Oft genutzte Anwendungen und Spiele sollen damit deutlich schneller laden. Schön ist, dass sich die Technik auch bei bestehenden Systemen realisieren lässt, ohne dass Sie dafür die aktuelle Betriebssysteminstallation neu aufsetzen müssen. Wie gut die Technik funktioniert, klären wir bald in einem extra Beitrag auf pcwelt.de.

Bei AMD StoreMI handelt es sich um eine neue Technik zur Speicherbeschleunigung, die HDDs, SSDs und Teile des RAMs zu einem virtuellen Laufwerk zusammenschließt und dank eines lernenden Algorithmus die am häufigsten genutzten Daten in den schnellsten Speicher lädt, um einen flotten Betrieb zu gewährleisten.
Vergrößern Bei AMD StoreMI handelt es sich um eine neue Technik zur Speicherbeschleunigung, die HDDs, SSDs und Teile des RAMs zu einem virtuellen Laufwerk zusammenschließt und dank eines lernenden Algorithmus die am häufigsten genutzten Daten in den schnellsten Speicher lädt, um einen flotten Betrieb zu gewährleisten.
© AMD

So testet PC-WELT Desktop-Prozessoren

Wir testen alle CPUs unter gleichen Bedingungen, um faire, transparente und vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Welche Hardware und Software wir für unsere Tests benutzen, und wie die Gesamtwertung am Ende zustande kommt, erfahren Sie in folgendem Artikel: Wie PC-WELT Desktop-Prozessoren testet

Als Mainboard nutzten wir für unsere Tests des neuen AMD-Prozessors allerdings das MSI X470 Gaming M7 AC sowie den CPU-Kühler AMD Wraith Prism. Die restliche Hardware-Konfiguration hat sich nicht geändert.

AMD Ryzen 2 2700X in Leistungstests

Die Gaming-Leistung in 1920 x 1080 Pixel im Vergleich.
Vergrößern Die Gaming-Leistung in 1920 x 1080 Pixel im Vergleich.
Die Gaming-Leistung in 3840 x 2160 Pixel im Vergleich.
Vergrößern Die Gaming-Leistung in 3840 x 2160 Pixel im Vergleich.
Die Ergebnisse der Computing- und Synthetik-Tests im Vergleich.
Vergrößern Die Ergebnisse der Computing- und Synthetik-Tests im Vergleich.

Die gestiegenen Taktraten des AMD Ryzen 2 2700X sorgen dafür, dass sich die neue CPU auf dem Niveau des hochgelobten Intel Core i7-8700K einpendelt - nicht besser, aber vergleichbar. Eine deutliche Leistungssteigerung zu den Ryzen-Prozessoren der ersten Generation ist ebenfalls deutlich erkennbar. Auch in der Multicore-Wertung von Cinebench R15 wird ein neuer Bestwert erreicht. Die Computing- und Synthetik-Tests zeigen außerdem, dass der 2700X in dieser Kategorie fast in allen Tests die Konkurrenz schlagen kann.

In Cinebench R15 macht dem AMD Ryzen 7 2700X so schnell keiner etwas vor.
Vergrößern In Cinebench R15 macht dem AMD Ryzen 7 2700X so schnell keiner etwas vor.

Umwelt-Eigenschaften des AMD Ryzen 2 2700X

Die Leistungsaufnahme der gesamten Testplattform im Vergleich.
Vergrößern Die Leistungsaufnahme der gesamten Testplattform im Vergleich.
Die CPU-Betriebstemperaturen im Vergleich.
Vergrößern Die CPU-Betriebstemperaturen im Vergleich.

Zumindest in unseren Tests konnten wir keine Energieeinsparungen aufgrund des optimierten Fertigungsprozesses und des X470-Chipsatze nicht feststellen. Im Gegenteil, unser Testsystem mit dem Ryzen 7 2700X verbraucht sogar nocht mehr Strom als die erste Generation - klar, denn die TDP ist höher und die automatischen Übertaktungs-Techniken schrauben die Frequenzen sogar noch höher, wenn die Kühlung gut ist und genug Energiereserven zur Verfügung stehen. Apropos: Die Ryzen-2-CPU arabeitet mit dem Wraith Prism vergleichsweise kühl. Wir haben auch die ersten Ryzen-Modelle mit der gleichen Kühlung getestet, die sich aber deutlich mehr erhitzen.

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