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AMD Radeon RX 580 & RX 570 im Test: Gaming-Grafikkarten ab 200 Euro

19.05.2017 | 18:18 Uhr |

Was taugen Grafikkarten ab 200 Euro mit AMDs RX 580 & RX 570 - der Test verrät, ob Ihr Geld gut angelegt ist.

AMD setzt weiterhin auf "Facelifting" anstelle einer Neuentwicklung: Die Grafikkarten der Radeon-RX-500-Serie verwenden keine neue GPU-Architektur, sondern sie nutzen das technische Grundgerüst der Vorgängerserie RX 400. Die GPUs mit dem Codenamen Polaris sollen laut AMD seit Veröffentlichung aber deutlich gereift sein: So sei der 14-Nanometer-FinFET-Prozess weiter vorangeschritten und befinde sich mittlerweile in der dritten Generation. Dadurch sollen im Vergleich zu den Vorgängermodellen höhere Taktraten bei geringerer Leistungsaufnahme möglich sein.

Da AMD die Presse nicht mit Referenzdesigns ausgestattet hat, haben wir uns für zwei Grafikkarten von Sapphire entschieden. Zum einen testen wir die Sapphire Nitro+ Radeon RX 580 und die Sapphire Pulse ITX Radeon RX 570. Ersteres Modell ist bereits ab Werk übertaktet. Dagegen testen wir die ebenfalls übertakteten Modelle MSI Radeon RX 480 Armor OC und Asus Strix Radeon RX 470 Gaming. Mit im Vergleich ist auch der ständige Konkurrent Nvidia in Form der MSI Geforce GTX 1060 Gaming X.

TEST-FAZIT: Radeon RX 580 & 570

Dank höherer Taktfrequenzen durch die gereifte FinFET-Fertigung können sich die "neuen" Grafikkarten der RX-500-Serie spür- und messbar von den hauseigenen Vorgängern abgrenzen, insbesondere beim Gaming. Jedoch fällt der Leistungsunterschied zu den RX-400-Modellen nicht exorbitant aus, weshalb Besitzer dieser Modelle nicht unbedingt wechseln müssen. Doch durch die Übertaktung landet die RX 580 auf dem Performance-Level einer Nvidia Geforce GTX 1060 und kann den Erzrivalen vor allem in GPGPU-Tests abhängen. Uns gefällt außerdem, dass die neuen Grafikkarten im Leerlauf tatsächlich weniger Strom verbrauchen. Dieses Blatt wendet sich allerdings schnell unter Last, wo die hohen Taktraten ihren Tribut verlangen.

AMD behält also Recht: Interessant ist der Wechsel auf die RX-500-Generation nur, wenn Sie eine mindestens zwei Jahre alte Grafikkarte im Rechner haben und nun wechseln möchten. Auf diese Weise erhalten Sie auch die Möglichkeit, aktuelle Techniken wie Freesync oder HDR zu nutzen. Einen zusätzlichen Anreiz gibt AMD auch durch recht niedrig angesetzte, unverbindliche Preisempfehlungen, die sich auf weit unter 300 Euro belaufen.

Zu den Sapphire-Modellen: Die Nitro+ Radeon RX 580 punktet mit einer semi-passiven Kühlung, doch selbst unter Last bleiben die beiden Lüfter recht leise. Nur der Stromverbrauch liegt deutlich über dem Vorgänger- und Konkurrenz-Nivau einer GTX-1060-Grafikkarte.
Die Sapphire Pulse ITX Radeon RX 570 gefällt aufgrund ihres kompakten Designs und ihrer aktuellen Technik-Kompatibilität - optimal also für einen Multimedia- oder Wohnzimmer-PC. Schön ist auch die Tatsache, dass sich die Karte problemlos fürs Spielen von Titeln in Full-HD eignet. Dass die 570er-Grafikkarte mehr Strom verbraucht als der Vorgänger ist allerdings ein Minuspunkt.

+ gesunkener Stromverbrauch im Leerlauf

+ spürbar mehr Leistung

+ aktuelle Techniken

- geringer Leistungsabstand zu direkten Vorgängern

- gestiegener Stromverbrauch unter Last

Technische Daten der Radeon RX 580 und RX 570 im Vergleich

Grafikkarten-Mittelklasse: Technische Daten im Vergleich

AMD Radeon RX 580

AMD Radeon RX 570

AMD Radeon RX 480

AMD Radeon RX 470

Nvidia Geforce GTX 1060

Grafikchip

Polaris 20

Ellesmere

GP106

Fertigung

14 Nanometer FinFET

16 Nanometer FinFET

Chipfläche

232 mm²

200 mm²

GPU-Standard-Takt / Boost-Takt

1257 / 1340 MHz

1168 / 1244 MHz

1120 / 1266 MHz

926 / 1206 MHz

1506 / 1709 MHz

Shader-Einheiten

2304

2048

2304

2048

1280

TMUs

144

128

144

128

80

ROPs

32

32

32

32

48

Grafikspeicher

8 GB GDDR5

4 GB GDDR5

8 GB GDDR5

4 GB GDDR5

6 GB GDDR5

Speichertakt (effektiv)

8000 MHz

7000 MHz

8000 MHz

6600 MHz

8008 MHz

Speicheranbindung

256 Bit

256 Bit

256 Bit

256 Bit

192 Bit

Speicherbandbreite

256 GB/s

224 GB/s

256 GB/s

211 GB/s

192 GB/s

TDP

150 Watt

120 Watt

150 Watt

120 Watt

120 Watt

Straßenpreis

ab 260 Euro

ab 185 Euro

ab 225 Euro

ab 210 Euro

ab 250 Euro

Wenn Sie mehr über die GPU-Architektur wissen möchten, dann verweisen wir Sie an dieser Stelle gerne auf unseren Launch-Test der AMD Radeon RX 480. Denn unter der Haube hat sich kaum etwas geändert. Lediglich die Taktraten befinden sich nun auf einem höheren Niveau, wie die Tabelle oben zeigt. Weitere Infos speziell zur RX-500-Serie gibt es in unserem Artikel „AMD Radeon RX 500 vorgestellt“.

Nun stellt sich berechtigterweise die Frage, warum sich ein Gamer eine RX-500-Grafikkarte kaufen sollte. AMD selbst betont, dass die Zielgruppe der neuen Grafikkarten-Serie Besitzer von mindestens zwei Jahre alter Hardware sind. Laut einer Umfrage der Online-Vertriebsplattform Steam vom März 2017 soll sich diese Zielgruppe immerhin auf über 500 Millionen Anwender belaufen. AMD führt an, dass es den Grafikkarten dieses Kundenkreises an verschiedenen, aktuellen Techniken fehlt. Dazu zählt beispielsweise die Fähigkeit, VR-Inhalte darzustellen. Doch auch die Unterstützung von Dingen wie HDR (High Dynamic Range), der Bildsynchronisationstechnik Freesync oder auch das Streaming oder gar die Darstellung von 4K-Inhalten in flüssigen 60 Hertz.

Zusätzlich reduziert AMD die Preise und bringt die neuen Grafikmodelle vergleichsweise günstig auf den Markt: Eine RX 580 mit 8 GB GDDR5 gibt es für 259, die Version mit nur 4 GB ist bereits für 225 Euro zu haben. Eine RX 570 soll um die 199 Euro kosten, während sich die kleineren Modelle RX 560 und RX 550 auf 100 bis 130 Euro belaufen (Straßenpreise). Der rote Chip-Hersteller setzt also auf eine Kombination aus etwas höherer Leistung, aktuellen Techniken und günstigen Preisen - durchaus verlockend für Besitzer älterer Hardware.

Besonderheiten der Sapphire Nitro+ Radeon RX 580

Wie bereits erwähnt ist die Sapphire Nitro+ Radeon RX 580 ab Werk übertaktet und erreicht einen Boost-Wert von 1411 MHz. Den acht Gigabyte großen GDDR5-Speicher hat der Board-Partner aber nicht nach oben geschraubt. Eine zusätzliche Stromzufuhr muss über einen 8- und einen 6-Pin-Anschluss vom Netzteil erfolgen.

Die technischen Daten der Sapphire Nitro+ Radeon RX 580 im Detail.
Vergrößern Die technischen Daten der Sapphire Nitro+ Radeon RX 580 im Detail.

Im Vergleich zu den Vorgängermodellen sitzt auf den Sapphire-Modellen ein doppelt so großen Aluminium-Kühlkörper in Kombination mit insgesamt vier Kupfer-Wärmeleitrohren (2x 8 Millimeter und 2x 6 Millimeter). Zwei 95 Millimeter große Lüfter bringen Bewegung in die Sache. Nettes Detail: Über einen Schnellanschluss lassen sich die Lüfter im Falle eines Defekts selbst tauschen. Der RGB-beleuchtete Sapphire-Schriftzug an der Außenseite leuchtet nicht nur stur vor sich hin, sondern kann unter anderem als optischer Indikator dienen, um mit nur einem Blick grobe Hinweise auf die Temperatur und die Lüftergeschwindigkeit zu erhalten.

Die Wärmeabfuhr übernehmen zwei 95 Millimeter große, wechselbare Lüfter.
Vergrößern Die Wärmeabfuhr übernehmen zwei 95 Millimeter große, wechselbare Lüfter.
© Sapphire

An der Unterseite der Grafikkartenplatine verbaut Sapphire außerdem noch ein Backplate aus Metall (für eine bessere Stabilität). Auch bei den Video-Ausgängen tanzt der Hersteller positiv aus der Reihe und integriert einen zweiten HDMI-Port: Das ermöglicht in VR-Anwendungen den parallelen Betrieb einer HMD (Head Mounted Display) und eines Monitors. Außerdem verbaut Sapphire gleich zwei BIOS-Chips, zwischen denen sich über einen Schiebeschalter umschalten lässt. Das ist ideal für missglückte Firmware-Updates oder Übertaktungsversuche.
Der aktuelle Straßenpreis für dieses Modell beläuft sich auf rund 270 Euro.

Auf der Unterseite befindet sich ein Backplate aus Metall. Ebenfalls zu sehen ist das RGB-beleuchtete Logo und der Bios-Umschalter.
Vergrößern Auf der Unterseite befindet sich ein Backplate aus Metall. Ebenfalls zu sehen ist das RGB-beleuchtete Logo und der Bios-Umschalter.
© Sapphire

Die besten VR-Brillen

Besonderheiten der Sapphire Pulse ITX Radeon RX 570

Die technischen Daten der Sapphire Pulse ITX Radeon RX 570 im Detail.
Vergrößern Die technischen Daten der Sapphire Pulse ITX Radeon RX 570 im Detail.

Bei der Sapphire Pulse ITX Radeon RX 570 handelt es sich um eine kompakte Grafikkarte, die aufgrund ihrer geringen Abmessungen (170 x 112 x 36 Millimeter, L x B x H) auch in kleinen Gehäusen Verwendung finden kann. Die Taktraten für GPU und Speicher entsprechen dem Standard. Die Kühlung besteht aus einem Aluminiumkühlkörper, Kupfer-Heatpipes und einem einzelnen Lüfter. Für den Betrieb ist der Anschluss eines 6-Pin-PCIe-Steckers nötig.

Der aktuelle Straßenpreis für dieses Modell beläuft sich aktuell auf zirka 185 Euro.

Dank des kompakten Formats lässt sich die Sapphire-Grafikkarte auch in kleine Gehäuse einsetzen.
Vergrößern Dank des kompakten Formats lässt sich die Sapphire-Grafikkarte auch in kleine Gehäuse einsetzen.
© Sapphire

Die Übertaktung der Vergleichs-Grafikkarten

Die MSI Radeon RX 480 Armor ist von 1266 auf 1291 MHz übertaktet und verfügt über acht Gigabyte GDDR5-Speicher. Die Asus Strix Radeon RX 470 Gaming bringt es ja nach Betriebsmodus auf 1250 (Gaming-Mode) oder 1270 MHz (OC-Mode) anstelle von den üblichen 1206 MHz - wir haben im Gaming-Modus getestet. Die MSI Geforce GTX 1060 Gaming X bringt es sogar auf drei Betriebsmodi: Im „Silent“-Modus taktet die Karte mit bis zu 1708, im „Gaming“-Modus mit maximal 1784 und im OC-Modus mit höchstens 1809. Der Standard-Takt beträgt eigentlich 1709 MHz, wir messen im Gaming-Modus.

So testet PC-WELT Grafikkarten

Wir testen alle Grafikkarten unter gleichen Bedingungen, um faire, transparente und vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Welche Hardware und Software wir für unsere Tests benutzen, und wie die Gesamtwertung am Ende zustande kommt, erfahren Sie in folgendem Artikel: WiePC-WELT Grafikkarten testet

RX 500 in Spielen: Bildraten in Full- und Ultra-HD

Die Spieleleistung der Grafikkarten im Vergleich.
Vergrößern Die Spieleleistung der Grafikkarten im Vergleich.

In diesem Vergleich bietet immer noch die GTX 1060 die beste Spieleleistung. Weniger überraschend ist die Tatsache, dass sich keine der Modelle fürs Spielen in Ultra-HD eignet, denn schließlich handelt es sich hier um die Mittelklasse. Aufgrund der höheren Taktraten der RX 580 im Vergleich zur RX 480 leistet die neuere Karte eine etwas höhere Bildrate - ebenfalls keine Überraschung. Gleiches gilt auch für die RX 570 und die RX 470.

RX 500 in Synthetik- und GPGPU-Benchmarks

Die Leistung in Syntheitk- und Computing-Benchmarks im Vergleich.
Vergrößern Die Leistung in Syntheitk- und Computing-Benchmarks im Vergleich.

In dieser Kategorie muss sich die GTX 1060 deutlich der RX 580 geschlagen geben. In fast jedem Benchmark schlägt die Radeon-Karte das Geforce-Modell. Die einzige Ausnahme bildet nur der VR-Benchmark. Ansonsten lassen sich die Verbesserungen der RX-500-Serie hauptsächlich auf den erhöhten Takt zurückführen.

Umwelt-Eigenschaften im Vergleich: Lautstärke, Betriebstemperatur und Leistungsaufnahme

Die Betriebslautstärke der Grafikkarten im Vergleich.
Vergrößern Die Betriebslautstärke der Grafikkarten im Vergleich.
Die Betriebstemperatur der Grafikkarten im Vergleich.
Vergrößern Die Betriebstemperatur der Grafikkarten im Vergleich.
Die Leistungsaufnahme der gesamten Testplattform im Vergleich.
Vergrößern Die Leistungsaufnahme der gesamten Testplattform im Vergleich.

Nach Betrachtung aller drei Diagramme fällt folgendes auf: Die RX-500-Modelle verbrauchen im Leerlauf tatsächlich weniger Strom (wie von AMD versprochen), doch dafür steigt die Leistungsaufnahme unter Last spürbar - was auf die gestiegenen Taktfrequenzen zurückzuführen ist. Da verwundert es nicht, dass die Grafikkarten mit RX-500-GPU auch mit einer höheren Hitzeentwicklung zu kämpfen haben - wobei sich die Temperaturen noch in akzeptablen Grenzen halten, genauso wie die Lüftergeräusche der Sapphire-Modelle.

GESAMT-WERTUNG: Sapphire Nitro+ Radeon RX 580

Testkategorien 100%

Anwendung

Ergebnisse

Durchschnittliche Punktzahl

Gesamt-Performance-Rating

Spieleleistung 60 %

Rise of the Tomb Raider: Durchschnittliche Bildrate in 1920 x 1080 Pixel

72

48

646

Rise of the Tomb Raider: Durchschnittliche Bildrate in 3480 x 2160 Pixel

29

Witcher 3 - Wild Hunt: Durchschnittliche Bildrate in 1920 x 1080 Pixel

61

Witcher 3 - Wild Hunt: Durchschnittliche Bildrate in 3480 x 2160 Pixel

26

GTA 5: Durchschnittliche Bildrate in 1920 x 1080 Pixel

72

GTA 5: Durchschnittliche Bildrate in 3480 x 2160 Pixel

30

Computing- & Synthetik-Benchmarks 40 %

3D Mark: Fire Strike Ultra (Gesamtpunktzahl)

3.157

1.542

3D Mark: Time Spy (Punkte)

4.634

VR Mark: Blue Room (Punkte)

1.228

SiSoftware Sandra 2016: Kryptographie (GB/s)

63,20

SiSoftware Sandra 2016: Wissenschaftliche Analysen (GFLOPS)

167,08

SiSoftware Sandra 2016: Multimedia (GPixel/s)

0,98

Aufwertung/Abwertung

keine

Straßenpreis

270 Euro

GESAMT-WERTUNG: Sapphire Pulse ITX Radeon RX 570

Testkategorien 100%

Anwendung

Ergebnisse

Durchschnittliche Punktzahl

Gesamt-Performance-Rating

Spieleleistung 60 %

Rise of the Tomb Raider: Durchschnittliche Bildrate in 1920 x 1080 Pixel

61

41

549

Rise of the Tomb Raider: Durchschnittliche Bildrate in 3480 x 2160 Pixel

24

Witcher 3 - Wild Hunt: Durchschnittliche Bildrate in 1920 x 1080 Pixel

53

Witcher 3 - Wild Hunt: Durchschnittliche Bildrate in 3480 x 2160 Pixel

21

GTA 5: Durchschnittliche Bildrate in 1920 x 1080 Pixel

65

GTA 5: Durchschnittliche Bildrate in 3480 x 2160 Pixel

22

Computing- & Synthetik-Benchmarks 40 %

3D Mark: Fire Strike Ultra (Gesamtpunktzahl)

2.688

1.312

3D Mark: Time Spy (Punkte)

3.980

VR Mark: Blue Room (Punkte)

1.010

SiSoftware Sandra 2016: Kryptographie (GB/s)

50,36

SiSoftware Sandra 2016: Wissenschaftliche Analysen (GFLOPS)

140,66

SiSoftware Sandra 2016: Multimedia (GPixel/s)

0,79

Aufwertung/Abwertung

keine

Preis (UVP)

185 Euro

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