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Amazon erhöht Mindestlohn auf 15 US-Dollar

02.10.2018 | 14:08 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Amazon hat in den USA den Mindestlohn auf 15 US-Dollar erhöht und kritisiert scharf die US-Regierung.

Amazon erhöht in den USA zum 1. November den Mindestlohn auf 15 US-Dollar (etwa 13 Euro). Damit verdienen künftig über 350.000 Mitarbeiter mehr, wie Amazon in seiner Mitteilung erklärt: 250.000 fest bei Amazon beschäftige Mitarbeiter und über 100.000 Kräfte, die saisonal beschäftigt werden, wie demnächst für das kommende Weihnachtsgeschäft.

"Wir haben unseren Kritikern zugehört, darüber nachgedacht, was wir tun können, und uns entschieden, dass wir die Führung übernehmen wollen", sagte Jeff Bezos, Amazon-Gründer und CEO. Bezos fordert alle anderen großen Arbeitgeber in den USA dazu auf, dem Beispiel zu folgen und für ihre Mitarbeiter ebenfalls die Mindestlöhne zu erhöhen.

Scharfe Kritik äußert Amazon gegenüber der US-Regierung. Der von ihr vor über 10 Jahren festgesetzte Mindestlohn von 7,25 US-Dollar (umgerechnet etwa 6,30 Euro) sei zu niedrig. Amazon werde sich daher dafür einsetzen, dass die Regierung den Mindestlohn anhebt. Dazu soll die Werbetrommel bei den Mitgliedern des US-Kongresses gerührt werden. "Wir wollen uns für eine Mindestlohn-Erhöhung einsetzen, die tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben von Dutzenden Millionen Menschen und Familien in diesem Land haben wird", heißt es dazu von Amazon.

In seiner Mitteilung weist Amazon auch darauf hin, dass trotz der Mindestlohn-Erhöhung keine der sonstigen Vorteile gekürzt werden, die für Amazon-Mitarbeiter gelten. Dazu gehören eine umfassende Gesundheitsversorgung, mindestens 20 Wochen bezahlte Elternteilzeit, eine Unterstützung bei der Altersvorsorge und Unterstützung bei der Fortbildung für besser bezahlte Jobs. Die neue Regelung gelte darüber hinaus für alle Unternehmensbereiche. Die Löhne der Mitarbeiter, die bereits 15 US-Dollar pro Stunde verdienen, sollen entsprechend angehoben werden.

Auf Twitter teilt Amazon USA ein Video, in dem jubelnde Mitarbeiter zu sehen sind, nachdem ihnen die Gehaltserhöhung heute Morgen mitgeteilt wurde.

Zeitgleich hat Amazon in Großbritannien eine Anhebung des Mindestlohns per Tweet angekündigt. In Großbritannien steigt der Mindestlohn auf 10,50 britische Pfund im Gebiet von London und im Rest des Landes auf 9,50 britische Pfund. Davon profitieren laut Angaben von Amazon etwa 37.000 Mitarbeiter.

Die Arbeitsbedingungen bei Amazon in den USA und Großbritannien standen in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik. Zuletzt war aus Großbritannien zu hören, dass Amazon-Mitarbeiter aufgrund der vielen Arbeit keine Zeit hatten, zur Toilette zu gehen und daher in Flaschen urinieren mussten. Während des Prime-Days im Sommer streikten deshalb auch Amazon-Mitarbeiter auf der Insel.

Die Gewerkschaft Verdi ruft auch in Deutschland immer wieder die Mitarbeiter von Amazon zum Streik auf. Zuletzt an diesem Montag, wie auch wir berichteten. Betroffen sind dieses Mal die Amazon-Standorte in Bad Hersfeld, Koblenz, Leipzig, Rheinberg und Werne. Amazon wehrt sich hierzulande gegen Tarifverträge für die Amazon-Beschäftigten. Um die Belegschaft zu beruhigen, hatte das Unternehmen erst kürzlich eine einseitige Lohnerhöhung von 2 bis 2,7 Prozent angekündigt.

Die Gewerkschaft Verdi findet dies aber nicht ausreichend. "Wer um die 4,5 Millionen US-Dollar pro Stunde reicher wird, kann seinen Beschäftigten wenigstens verlässliche Einkommen und rechtsverbindliche Lohnzuwächse bieten", erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Montag und fügte hinzu: "Wenn die Amazon-Beschäftigten gesund die Rente erreichen wollen, benötigen sie heute Arbeitsbedingungen, die nicht krank machen. Körperliche und psychische Belastungen müssen verringert oder vermieden werden, die lückenlose Überwachung und Kontrolle an den Arbeitsplätzen wollen wir stoppen."

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