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Adware bekämpfen: So werden Sie den Ballast los

17.03.2019 | 09:05 Uhr |

Nicht nur unvorsichtige Anwender laden sich Adware auf ihr System. Auch versierte PC-Nutzer passen ab und an beim Einspielen einer Software nicht auf und übersehen, dass im Installationsassistenten eine bestimmte Option ausgewählt ist.

Wie herausfordernd der Kampf gegen Adware in der Praxis ist, hängt primär von der Intention der Malware-Entwickler ab. Handelt es sich bei der Werbe-Software lediglich um ein Tool, das eine bestimmte Suchmaschine promoten soll, lässt sich die Adware oft ganz einfach entfernen. Besteht der Sinn und Zweck der Adware hingegen im Ausspionieren des Anwenders, müssen Sie größere Geschütze auffahren.

Deinstallation

Bei einer eher harmlosen Adware genügt in der Regel eine einfache Deinstallation. Die Macher der Werbe-Software wenden keine gemeinen Tricks an, um ihre Tools auf dem System zu halten. Sie bauen eher darauf, dass der Nutzer die Zusatzfunktionen so nützlich findet, dass er die Adware behält. Wer diese Software dennoch loswerden möchte, muss aber wissen, wo sie sich deinstallieren lässt.

PROBLEM: Adware nistet sich an verschiedenen Stellen im System ein, was das Entfernen erschwert. Sie wollen eine harmlose Adware von der Platte putzen, wissen aber nicht ganz genau, an welcher Stelle Sie ansetzen müssen.

LÖSUNG: Zu den verbreiteten Adware-Programmen zählen Toolbars für den Browser. Diese Zusatzprogramme gibt es allerdings in zwei unterschiedlichen Ausführungen. Die einen lassen sich über den Browser selbst beseitigen, die anderen nur mit einer Deinstallation über die Systemsteuerung. Den Unterschied bemerken Sie in den Einstellungen von Firefox. Denn bestimmte Zusatzprogramme lassen sich dort nicht löschen, sondern nur deaktivieren. In diesen Fällen geht es genau genommen nicht um „Erweiterungen“, sondern um „Plugins“. Und Plugins können Sie in Firefox nur aktivieren oder deaktivieren. Denn Plugins sind an sich komplette Windows-Programme, die ein Zusatzmodul in den Browser integrieren. In Google Chrome gibt es nur Erweiterungen. Doch sollten auch Chrome-Nutzer alle Deinstallationsmöglichkeiten checken, um die unerwünschte Adware komplett vom System zu jagen. In unserem Beispiel soll die Toolbar „Elite Unzip“ vom System verschwinden.

Eine eher harmlose Adware verschleiert ihren Namen nicht. Sie können sie also in der „Systemsteuerung“ über „Programme deinstallieren“ leicht ausfindig machen und per Doppelklick deinstallieren. Schließen Sie aber zunächst alle Browser. Hat sich die Adware erst jüngst auf den PC installiert, sortieren Sie die Liste mit einem Klick auf „Installiert am“. So tauchen die zuletzt hinzugefügten Programme ganz oben auf, und Sie entdecken dann vielleicht weitere Programme, die Sie zuletzt unfreiwillig installiert haben. In unserem Beispiel heißt die Toolbar Elite Unzip, und genau mit diesem Namen erscheint die Software in der Liste.

In diesem Internet Explorer haben sich etliche Browser-Erweiterungen (Add-ons) eingenistet.
Vergrößern In diesem Internet Explorer haben sich etliche Browser-Erweiterungen (Add-ons) eingenistet.

PROBLEM : Sie können die Adware nicht über die Systemsteuerung deinstallieren. Einige Adware-Varianten, insbesondere Toolbars, können direkt im Browser deinstalliert werden.

LÖSUNG: Auch wenn Sie mit der Deinstallation über die „Systemsteuerung“ erfolgreich waren, kann die Toolbar in einigen Browser durchaus noch vorhanden sein. In unserem Beispiel ist sie nur aus dem Internet Explorer verschwunden, nicht aber aus den anderen Browsern. Aus einem weiteren Grund ist es absolut nötig, alle installierten Browser zu checken – auch jene, die Sie selten nutzen. Denn wenn eine Adware in nur einem Browser übrig bleibt, kann sie von dort aus wieder alle anderen Stellen des Systems in Beschlag nehmen, sobald Sie diesen einen Browser starten. Die Toolbar in unserem Beispiel würde das zwar nicht tun, doch andere Adware-Programme schon. So kontrollieren Sie die Browser:

Chrome: Klicken Sie auf das Menüsymbol und wählen Sie „Weitere Tools -> Erweiterungen“. Taucht die Toolbar/Adware dort auf, löschen Sie sie über das Mülltonnensymbol rechts neben dem Namen.

Firefox: Klicken Sie auf das Menüsymbol und wählen Sie „Add-ons > Erweiterungen“. Taucht die Toolbar/Adware dort auf, löschen Sie sie über „Entfernen“ rechts neben dem Toolbar-Namen. Kontrollieren Sie sicherheitshalber auch die Einträge unter „Plugins“.

Edge: Der neue Browser von Microsoft bezieht seine Erweiterung aus dem Store von Microsoft. Entsprechend sollten die Erweiterungen besser kontrolliert sein. Dennoch kann es auch unter Edge unerwünschte Adware-Erweiterungen geben. Diese deinstallieren Sie über „Menüsymbol -> Erweiterungen“. Dort klicken Sie neben der unerwünschten Erweiterung auf das Zahnradsymbol und danach auf „Deinstallieren“.

Standards wiederherstellen

Hier drängt sich eine zweifelhafte Software während des Surfens zur Installation auf.
Vergrößern Hier drängt sich eine zweifelhafte Software während des Surfens zur Installation auf.

Nahezu jede Adware, die sich auf einem PC einschleicht, verändert als erstes die Startseite des Browsers. Ob es sich bei der angezeigten Webseite um eine Seite handelt, von der der Adware-Entwickler Geld erhält oder ob die „neue“ Startseite die Zugangsdaten des Nutzers abgreifen will, ist von Adware zu Adware verschieden.

PROBLEM: Die Adware hat die Standard-Startseite des Browsers verändert. Die Adware wurde erfolgreich deinstalliert. Allerdings wird als Startseite, also die Seite, die beim Öffnen des Browsers automatisch aufgerufen wird, immer noch die von der Adware eingestellte angezeigt.

LÖSUNG: Für eine Browser-Adware ist es typisch, dass sie die Startseite des Browsers verändert. So machen Sie das wieder rückgängig und tragen an den folgenden Stellen etwa www.pcwelt.de als neue Startseite ein:

Chrome: Klicken Sie auf das Menüsymbol, und wählen Sie anschließend unter „Einstellungen -> Beim Start“ die gewünschte Option aus, zum Beispiel „Bestimmte Seite oder Seiten öffnen“.

Firefox: Klicken Sie auf „Menü-Symbol -> Einstellungen -> Allgemein“ und wählen Sie dann unter „Wenn Firefox gestartet wird“ die gewünschte Option aus, beispielsweise „Startseite anzeigen“.

Edge: Wählen Sie „Menüsymbol -> Einstellungen“, klicken Sie unter „Microsoft Edge öffnen mit“ auf „Startseite“ und entscheiden Sie sich für „Bestimmte Seite(n)“.

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PROBLEM: Die Standard-Suchmaschine des Browsers ist verändert. Adware ändert nicht nur die Startseite, sondern gerne auch die Suchmaschine, die vom Browser standardmäßig genutzt wird.

LÖSUNG: Auch diese Manipulation lässt sich mit wenigen Handgriffen ungeschehen machen, etwa um Suchanfragen direkt an www.google.de zu leiten. So machen Sie das rückgängig:

Chrome: Klicken Sie auf das Menü-Symbol und wählen Sie unter „Einstellungen -> Suchmaschine“ die gewünschte Maschine. Über „Suchmaschinen verwalten“ gelangen Sie an weiterführende Optionen.

Firefox: Klicken Sie auf „Menü-Symbol -> Einstellungen -> Allgemein -> Suche -> Standardsuchmaschine“.

Edge: Über „Menüsymbol -> Einstellungen -> Erweiterte Einstellungen“ gelangen Sie an die weiterführenden Optionen, in denen Sie auf „Suchmaschine ändern“ klicken.

Adware-Komponenten wieder loswerden

Hartnäckige Adware lässt sich zwar oft auch über die Systemsteuerung und die Browsereinstellungen deinstallieren, doch spätestens nach einem Neustart taucht sie wieder auf. In diesen Fällen müssen Sie tiefer im System graben.

PROBLEM: Obwohl Sie die Startseite des Browsers an Ihre Wünsche angepasst haben, wird beim Öffnen der Surfhilfe eine andere Website angezeigt. In diesem Fall hat die Adware offensichtlich die Verknüpfung manipuliert.

LÖSUNG: Sie starten Ihren Browser wahrscheinlich über eine Verknüpfung – entweder auf dem Desktop, in der Schnellstartleiste oder im Startmenü. Manche Adware manipuliert diese Verknüpfung und fügt sich selbst hinzu. Kontrollieren Sie die Verknüpfung, indem Sie mit der rechten Maustaste darauf klicken und „Eigenschaften“ wählen. Bei Verknüpfungen in der Schnellstartleiste müssen Sie nach dem ersten Rechtsklick einen zweiten Rechtsklick auf eine neu angezeigte Verknüpfung ausführen. Kontrollieren Sie dann den Programmaufruf unter „Ziel“. Klicken Sie mit der linken Maustaste in das Feld, und gehen Sie mit der Taste Pfeil-Rechts zum Ende des Programmaufrufs. Für Firefox sieht das etwa so aus: „C:\Program Files\Mozilla Firefox\firefox.exe“. Hat eine Adware die Verknüpfung manipuliert, werden Sie so etwas sehen: „C:\Program Files\Mozilla Firefox\firefox.exe“ http://isearch.babylon.com. Somit wird immer die Website babylon.com beim Browseraufruf gestartet, ganz gleich, was Sie als Startseite definiert haben. Löschen Sie den unerwünschten Zusatz und bestätigen Sie mit einem Klick auf „OK“.

PROBLEM: Es gelingt Ihnen nicht, alle Adware-Komponenten zu entfernen. Da Sie nicht wissen, welche Komponenten zu einer Adware gehören, können Sie die überflüssigen Elemente nicht löschen.

LÖSUNG: Das ist vielleicht der kniffligste Schritt, aber auch der wichtigste. Denn nur wenn Sie den Dateinamen einer hartnäckigen Adware kennen, können Sie alle Verbindungen zu dieser Datei löschen. Hinweise auf den Namen gibt oft das Werbefenster oder die Toolbar selber, etwa Babylon, Elite Zip, Conduit oder Search Fairy. Schauen Sie als Erstes im Startmenü, ob es zu der Adware vielleicht einen Starteintrag unter „Alle Programme“ gibt. Dann können Sie ganz simpel mit der rechten Maustaste darauf klicken und über „Eigenschaften“ den Dateinamen und den Speicherort erfahren. Klappt das nicht, öffnen Sie den Windows-Explorer, und kontrollieren Sie die Ordner unter „C:\Programme“ nach verdächtigen und neuen Verzeichnissen. Suchen Sie dann unter „C:\Benutzer\Ihr Benutzername\AppData\“ und dort unter „Local“ und „LocalLow“. Wenn Sie so nicht fündig werden, hilft nur noch eine Dateisuche. Gehen Sie im Windows-Explorer auf das Laufwerk C:, und suchen Sie über das Feld rechts oben erst nach *.EXE und dann nach *.DLL. Sortieren Sie die Ergebnisliste nach „Änderungsdatum“. Wenn Sie die oben beschriebenen Deinstallationsschritte bereits durchgeführt haben, sollten zu einer hartnäckigen Adware höchstens noch ein oder zwei Programmdateien (.DLL oder .EXE) übrig sein. Notieren Sie sich diese Namen, und starten Sie dazu eine Suche im Internet. Sie müssen herausfinden, ob es sich bei den Dateien tatsächlich um unerwünschte Adware handelt.

Anti-Adware-Tools

Das Tool Farbar Recovery Scan Tool listet alle installierten Programme auf.
Vergrößern Das Tool Farbar Recovery Scan Tool listet alle installierten Programme auf.

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe interessanter Anti-Adware-Tools, mit deren Hilfe sich Werbe-Software finden und restlos von der Platte putzen lässt. Aber auch die Hersteller von klassischen Antiviren-Programmen kümmern sich inzwischen mehr und mehr um die Erkennung und das Entfernen von Adware. In diesen Tools ist dann meist von potenziell unerwünschten Programmen (PUP) die Rede.

PROBLEM: Auf dem PC hat sich so viel Adware eingenistet, dass das manuelle Entfernen viel zu zeitraubend ist. Dann schlägt die Stunde der Anti-Adware-Tools.

Das Tool Adwcleaner kennt viele unerwünschte Programme und kann diese auch komplett beseitigen.
Vergrößern Das Tool Adwcleaner kennt viele unerwünschte Programme und kann diese auch komplett beseitigen.

LÖSUNG: Die Suche nach Adware fällt mit einem speziellen Scanner-Tool leichter. Dieses listet alle aktiven Programme auf und zeigt sie mehr oder weniger übersichtlich an. Ist die unerwünschte Datei identifiziert, kann man sie löschen. Empfehlenswert sind unter anderem diese Tools: Farbar Recovery Scan Tool : Die Software, scannt den Computer und listet alle installierten Programme auf. Dazu zählen auch Erweiterungen für den Browser, sowie Treiber und Dienste. So erhält man zwar meist eine lange und damit etwas unübersichtliche Liste, doch ist die Chance groß, so die Adware zu entdecken.

Junkware Removal Tool : Die Freeware sucht selbstständig nach Adware sowie den Änderungen, die sie am System vornimmt, und beseitigt diese. Sie sollten vor dem Start von JRT alle laufenden Programme schließen.

Malwarebytes Adwcleaner : Das empfehlenswerte Gratis-Tool kennt die meisten der gängigen Adware-Progamme und beseitigt diese gründlich. Das Tool läuft ohne Installation. Sie sollten aber vor dem Start alle offenen Programme schließen, denn Adwcleaner schießt bei der Reinigung alle laufenden Programme kommentarlos ab.

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